Beisammen

Die Konfirmation eines ganzen Jahrgangs: verschoben, unsere beliebten Abend-Events: abgesagt, die Gottesdienste: fallen aus. Alle anderen Angebote: ebenso. Die Kirchgemeinde-Agenda damit: weitgehend leer. Auch ausserhalb der Kirche: Verschiebungen, Absagen, Ausfälle. Behördlich verordneter Rückzug ins Private – zurecht.

Gespräche ergeben sich jetzt, unter diesen Bedingungen, selten «von selber». Die Distanz zwischen uns ist gezwungenermassen grösser geworden. Man trifft sich kaum mehr an, ja: geht sich sogar, ganz sozial und folgsam, aus dem Weg.

Gleichzeitig ist das Bedürfnis nach Austausch und nach Zusammensein unverändert gross. Mindestens unverändert gross. Wir sind ja noch dieselben! Das stellt uns alle und auch ganze Systeme vor Herausforderungen – auch die Kirchen und uns Pfarrpersonen. Jetzt gilt es für uns deshalb, neue Kanäle zu nutzen, um weiterhin spürbar «da!» zu sein. Nicht einfach abwartend, sondern aktiv.

Und so habe ich vor zehn Tagen angefangen, mich bei vielen unserer Mitglieder, deren Telefonnummern oder Mailadressen wir kennen, nach ihrem Wohlergehen zu erkundigen. In weit über zweihundert Mails, weit über fünfzig Anrufen. Im Hintergrund immer die Fragen: Wie geht es, fehlt es an etwas – was kann ich als Pfarrer, was können wir als Kirche anbieten?

Die Reaktion: zunächst einmal eine Welle grosser Dankbarkeit. Da erkundigt sich jemand! Und dann: lange Gespräche, tiefgründige, teils sehr persönliche Mails. Berichte aus dem neuen Alltag, Hilfsangebote, ab und zu auch Frustabbau. Was bei aller Unterschiedlichkeit eint, ist die wiederkehrende Aussage: Mir fehlt der spontane Austausch, fehlt das Leben im Dorf, mir fällt bald die Decke auf den Kopf. Was die anderen wohl machen?

Die (Teil-)Isolation gibt zu knabbern. Viele von uns haben jetzt weniger Platz als gewöhnlich, dafür mehr Zeit. Zeit auch zum Nachdenken – während die Welt enger wird.

Auch ich habe viel nachgedacht, über vieles – unter anderem ist dieser Blog ein Ergebnis davon: Vielleicht kann ich damit mithelfen, die Isolation behelfsmässig zu überbrücken und das Nachdenken und Nachfühlen in unsere engen Welten hinauszuschicken? Auf dieser Seite wollen wir Erfahrungsberichte von Menschen aus der Region Kelleramt sammeln und streuen – damit Sie, liebe Leserin und lieber Leser, erfahren, wie es in den anderen Haushalten zu und her geht. Worüber Ihre Nachbarinnen sich Gedanken machen. Wie sich das mit dem Home Office im Alltag anfühlt. Ob es Tipps gibt, wie wir mit der ausserordentlichen Situation umgehen können, etc. Und natürlich: Der Blog soll auch willkommene und spannende Abwechslung bringen!

Was in den nächsten Tagen und Wochen folgt, sind also Beiträge aus dem Kelleramt für das Kelleramt (und gerne auch darüber hinaus). Dieser Blog ist ein Gemeindeschaftsprojekt – miteinander, füreinander und virtuell eng nebeneinander tauschen wir uns aus und erzählen uns gegenseitig von unserem Alltag, der vom Coronavirus beeinflusst wrd. Dabei gibt es immer auch die Möglichkeit zum Austausch: Jeder Beitrag kann kommentiert und diskutiert werden, wozu wir Sie herzlich ermuntern.

Und: Berichten auch Sie, wie es Ihnen geht, was Sie erleben, worüber Sie nachdenken – wir freuen uns auf Ihren Beitrag. Ich bin mir nicht nur sicher, ich weiss es: Auch Sie haben etwas zu erzählen!

Ich wünsche Ihnen alles Gute – und bleiben Sie gesund.

Reto Studer, Pfarrer

4 Gedanken zu „Beisammen“

    1. Danke, Susan! Freut mich, dass der Blog gut ankommt. Und schön, dass Du in der Zwischenzeit auch einen Text eingereicht hast. Wir werden ihn sicher bald veröffentlichen. Weiterhin viel Freude beim Schmökern!

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