Spitex Kelleramt – Lächeln hinter der Schutzmaske

Ich bin eine Mami von zwei kleinen Buben und arbeite bei der Spitex. Ich bin sehr gern Mami und gehe auch sehr gern arbeiten, da mir der Austausch mit unterschiedlichen Menschen verschiedenster Altersgruppen sehr gefällt.

Meine Arbeit hat sich seit dem Aufkommen des Coronavirus sehr verändert. In unserem Team kümmern wir uns gemeinsam um viele Klienten. Früher habe ich mir die Hände desinfiziert, bevor ich sie besuchte, und habe mit meiner Arbeit bei ihnen begonnen. Ganz unbeschwert und ohne grosse Gedanken.

Doch dann kam der Virus. 

Zuerst hiess es nur, man solle sich bei der Begrüssung nicht mehr die Hand geben und zwei Meter Abstand halten. Das fiel mir nicht schwer; aber es war schwierig, die Klienten, welche ich zum Teil schon seit Jahren kenne, nicht mehr persönlich zu begrüssen. Aber mit einem zusätzlichen Lächeln ging es doch recht gut.

Leider konnte ich das Lächeln nicht sehr lange schenken, denn schon bald hiess es, dass wir als Pflegepersonal einen Mundschutz tragen müssen. Somit konnte ich mein lächelndes Gesicht nicht mehr zeigen. Ich sagte jeweils zur Aufmunterung, dass meine Schönheitsoperation schief ging und ich nun deshalb den Mundschutz trage. Natürlich sage ich nicht, dass mir unheimlich heiss ist, wenn ich meinen Klienten helfe beim Duschen und mir ständig die Nase kribbelt, aber ich mein Gesicht nicht berühren darf. Seit ein paar Tagen tragen wir nun auch noch eine Schutzbrille, zum Glück ist diese durchsichtig. Ich werde oft gefragt: «Was kommt denn als Nächstes? Ein Schutzanzug?» Ich hoffe es nicht.

Ein weiteres grosses Thema neben der Unsicherheit ist die Einsamkeit. Viele Klienten sind über 65 Jahre und/oder sehr krank. Momentan verlassen sie das Haus nicht mehr oder nur noch für einen Gang zum Arzt. Die meisten von ihnen haben Angehörige oder Nachbarn, die ihnen Wege und Einkäufe erledigen können oder mit denen sie telefonieren können. Aber eben nicht alle. Ich nehme mir viel Zeit, mit ihnen über ihre Sorgen und Ängste zu reden. Ich frage, ob ich etwas einkaufen kann und nehme den Abfall mit runter. Diese Kleinigkeiten bereiten mir Freude und ich sehe, dass ich damit einen grossen Beitrag zum besseren Gefühl meiner Klienten leisten kann. Oft bin ich ihr einziger persönlicher Kontakt. Sie freuen sich richtig, wenn es klingelt und ich werde sehr herzlich begrüsst. Noch vor ein paar Wochen war unser Gesprächsthema das Wetter, die Enkel, die Feiertage oder Anekdoten von früher. Heute werde ich gefragt: «Gibt es Erkrankte bei euren Mitarbeitern oder hier in der Umgebung? Wann wird das mit dem Virus vorbei sein? Darf ich eigentlich noch auf den Balkon?» Ich werde auch gefragt, ob ICH Angst habe, angesteckt zu werden und wie es meinen Kindern und Mann geht. Natürlich habe auch ich diese Bedenken. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich die Krankheit gut überstehen würde bzw. durch Einhalten aller Schutzmassnahmen eigentlich gar nicht einfangen werde. Aber was wäre, wenn doch und ich es nicht mitbekomme und jemanden dadurch anstecke? Das macht mir eher Angst. Einmal sagte mir eine Klientin, dass sie an meiner Stelle zu Hause bei den Kindern bleiben würde und sie die Kinder nicht in die Krippe geben würde. Ich erwiderte nur: «Wer soll dann zu Ihnen kommen und Sie pflegen?» 

Manuela Brachs, Diplomierte Pflegefachfrau HF, Spitex Kelleramt, Jonen

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