Corona – oder «was brauchen wir eigentlich zum Glücklichsein?»

Wir sind eine bald vierzehnbeinige Familie aus Jonen. Neben meinem Mann und mir sind das zwei Kinder (vier und eins), ein Bauchzwergchen, welches uns wohl im Juni bereichern wird, und ein Familienhund. Wir sind eine sehr aktive Familie, viel unterwegs und selten herrscht hier Langeweile. Nicht nur die Kinder fordern dies ein, es ist auch ein grosses Mamabedürfnis. Aber wie vereinbaren wir dies zurzeit? Jetzt, wo man nicht mal einfach kurz in einen Tierpark oder in ein Schwimmbad kann. Wo Freunde treffen aussermedial nicht möglich ist und auch sonst das Leben sehr auf die eigenen vier Wände beschränkt scheint.

Zum guten Glück heisst «social distancing» nicht «nature distancing». Zum Glück scheint das Leben nur beschränkt. Bietet es uns vielleicht nicht gerade jetzt sogar noch mehr als sonst?

Wann haben Sie zum letzten Mal in den Himmel geschaut ohne Flugzeuge dazwischen im Fünfminutentakt?

Haben Sie schon bemerkt, wie wunderbar weich man auf dem nadeligen Waldboden sitzen kann und wie herrlich es nach Tanne duftet?

Oder wussten Sie schon, welche Tiere man sehen kann, wenn man ein bisschen an der Baumrinde herumkratzt?

Haben Ihre Kinder schon mal Home Schooling im Wald gemacht? Mit Kreide Buchstaben auf Bäume gemalt? Aufgaben auf einer Picknickdecke auf einem Feld gelöst?

Ja – mittlerweile sind unsere Kinder gut ausgewildert und würden jedes RTL Dschungelcamp problemlos bestehen. Dank den mit Corona verbundenen Massnahmen entdecken wir die wunderschönsten Wälder, Wiesen und Flussplätze in unserer Umgebung. Das Gute liegt manchmal so nahe… Der Alltag lässt uns so manches Wunder übersehen.

Mein Tipp an alle Eltern: Raus, bevor es die Kinder durch ihr Verhalten einfordern (wer die Autorin Nicola Schmidt kennt, weiss bereits was ich meine). Das heisst alle warm einpacken, bevor die Elternnerven drinnen durch Geschrei, Gezanke oder andere Elternnervenfresserlis aufgebraucht werden, manchmal halt auch schon früh am Tag. Das braucht je nach Witterung oft etwas Überwindung. Und ja, auch ich verpasse in regelmässigen Abständen den Zeitpunkt vor der Eskalation zuhause. Aber es lohnt sich. Das Leben draussen mit Kindern ist einfach einfach. Und dies besonders in Zeiten wie diesen, wo sich auch in unseren Köpfen und Herzen alles ein bisschen ordnen und neu finden muss. Es tut auch uns Grossen gut, wenn wir im tiefen Wald angekommen sind und uns wieder neu wurzeln. Oder einfach nur den über die Felder ziehenden Wind beobachten und dabei unsere Gedanken ein bisschen schweifen lassen können.

Der Frühling blüht, das Virus lässt uns entschleunigen. Wir können dies nutzen, um wieder viel achtsamer zu sein, zu uns selbst, zu unserer Natur. Wir merken, was wir zurzeit fest vermissen und geben dem hoffentlich eine noch höhere Wertschätzung als bisher. Wir müssen und dürfen uns mit uns selbst und unseren Aufgaben und Rollen befassen. Herausforderungen lassen uns auch immer wachsen und sind riesige Chancen.

Sehen wir es als Geschenk und nehmen etwas von dieser Ruhe mit in unser Lebensschiffchen für die weitere Reise nach dem Corona-Sturm.

Caroline Müri, Jonen

2 Gedanken zu „Corona – oder «was brauchen wir eigentlich zum Glücklichsein?»“

    1. Ja, sag nichts, Lea! Wenn ich Dir ein Geheimnis verraten darf: In vier Tagen, an Ostern, dürfen wir einen weiteren Beitrag von Caroline veröffentlichen. Passt wunderbar zum Feiertag! Weiterhin viel Freude mit dem Blog.

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