Erfahrungsbericht aus unserer Bäckerei

Zuerst einmal: Wir können und dürfen glücklicherweise noch arbeiten – wenn auch reduziert und mit einigen organisatorischen Anpassungen. Doch wir wissen, wir schaffen das!

Seit zwei Wochen haben wir den «Lockdown» in der Schweiz während dieser Corona-Krise. Wir konnten uns vor einem Monat nicht vorstellen, was auf uns zukommen könnte und was solche Veränderungen für uns als ländliche Bäckerei bedeuten – doch wir können heute sagen, dass wir jeden Tag versuchen, das Unmögliche möglich zu machen: Alle Vorschriften einzuhalten, so dass der Betrieb und die Versorgung sichergestellt werden  und wir alle Arbeitsplätze erhalten können.

Die BAG-Massnahmen sind auch für uns gravierend und wir haben sie wie angeordnet umgesetzt: Wir arbeiten jetzt in der Backstube noch mehr im Schichtbetrieb, so dass die Abstands- und Hygienemassnahmen gut eingehalten werden können. Die Arbeitsstunden des Produktionspersonals haben sich reduziert auf durchschnittlich ungefähr fünf Stunden pro Arbeitstag. Es ist natürlich sehr gewöhnungsbedürftig, fast jeden Tag mit einem reduzierten Pensum zu arbeiten.

Wir verkaufen viel mehr Grossbrote anstelle von Semmeli, Weggli und Buttergipfeli, usw. Ebenfalls erhalten wir fast keine speziellen Bestellungen mehr, da ja auch keine Anlässe im privaten Rahmen über fünf Personen stattfinden sollten. Zudem sind bei uns alle Lieferungen für Restaurants weggefallen und auch eine Znünibustour wurde abgesagt, aus Sicherheitsgründen des jeweiligen Arbeitgebers oder da viele Arbeitnehmer im Home Office arbeiten..

In unseren drei Verkaufsgeschäften (Hauptgeschäft Unterlunkhofen, Filiale Mutschellen und Kafi Stutz Widen) haben wir diese BAG-Massnahmen ebenfalls umgesetzt und wir können auf eine sehr verständnisvolle und treue Kundschaft zählen, die auch gerne ein paar Minuten draussen vor dem Laden wartet, weil nicht mehr als zwei Kunden eintreten dürfen. Was uns in den letzten Wochen aufgefallen ist, ist dass wir auch «fremde Gesichter» in unseren Ladengeschäften sehen: Personen, die uns jetzt als kleineren Laden den grösseren Detaillisten vorziehen und auch solche, die vermehrt zu Hause arbeiten müssen und somit auch unter der Woche den dorfeigenen oder nahen Bäcker berücksichtigen. Vermehrt stellen wir auch fest, dass man sich – da man ja eigentlich nirgends hingehen sollte – etwas Süsses leistet daheim für das Gemüt, sei es ein Tortenstück, ein Pâtisserie oder eine andere Köstlichkeit. Das hören wir auch ab und zu im Laden von unserer Kundschaft und es zaubert uns allen ein Lächeln aufs Gesicht. Es freut uns, dass wir mit unseren Sachen den Kunden eine Freude bereiten können.

Den Gastrobereich unseres Kafi Stutz Widen mussten wir gemäss Bundesratsbeschluss schliessen; wir haben jedoch den Vorteil, dass die Verkaufstheke noch offen sein darf und auch wenn wir einen nicht zu unterschätzenden Umsatzverlust hinnehmen müssen, sind wir froh, eine Tagesstruktur zu haben und den Betrieb so aufrechterhalten zu können.

Seit dieser Woche haben wir ebenfalls einen Hauslieferdienst lanciert, der in den umliegenden Dörfern Bestellungen ausliefert. Unsere – vor allem ältere – Kundschaft schätzt diesen Lieferdienst sehr und wir freuen uns, in dieser schwierigen Zeit Solidarität gegenüber den Menschen zu zeigen, die geschützt werden müssen.

Wie schon erwähnt, haben auch wir grössere Umsatzeinbussen und wir mussten für ein paar Angestellte im Kafi Kurzarbeit anmelden. Doch sind wir grundsätzlich zufrieden, da wir wissen, dass unsere Brote und Kleinbrote sowie die anderen gluschtigen Angebote als Grundnahrungsmittel benötigt und geschätzt werden und wir vor allem auch das Ziel haben, unsere Arbeitsplätze zu erhalten und weiterhin als Familienbetrieb in dieser Krise einen wertvollen Beitrag zur Sicherstellung der Grundversorgung in der Region leisten zu können.

Manchmal erscheint uns die heutige Situation wie eine «Fata Morgana», doch wir sind überzeugt, dass wir alle gestärkt aus dieser Krise hervorgehen werden und wissen auch, dass wir es zusammen schaffen werden. Wir sind zudem dankbar, dass der Bund in dieser schwierigen Zeit dem angeschlagenen Gewerbe schnell und unbürokratisch mit ausserordentlichen Massnahmen hilft – denn wir kennen einige Unternehmen, die momentan den Betrieb ganz einstellen oder ganz massive Umsatzverluste hinnehmen mussten und das, glauben Sie mir, das tut auch meiner Unternehmerseele weh. 

Ihr Dorfbäcker

Urs Stutz & Team, Bäckerei-Konditorei Stutz GmbH

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