Sehen wir es positiv!

In diesen aussergewöhnlichen Zeiten gibt es sogar in der Schweiz für einmal wirklich gute Gründe, um zu jammern. Und wir Bauern sind ja bekannt dafür, über vieles zu jammern – nicht nur in Krisenzeiten. Auch ich könnte nun über viel Nebensächliches wehklagen, wie z.B. die Taufe unseres Sohnes, die wegen der Ausnahmesituation abgesagt werden musste. Oder ich könnte den wirtschaftlichen Schaden für unseren Betrieb überschlagen. Aber eigentlich will ich gar nicht jammern. Nein, ich will ganz bewusst das Positive beleuchten.

Seit dem Ausbruch der Krise, so scheint es mir, leben wir in der Schweiz viel bewusster. Konsum- und Konkurrenzdenken sind von Solidarität und einem Gemeinschaftsgefühl im Sinne von «wir schaffen das» in den Hintergrund gedrängt worden. Ich hätte z.B. nie gedacht, dass sich unsere egozentrische Gesellschaft darauf einlassen würde, auf Konsum zu verzichten, um unsere älteren Mitbürger zu schützen. Uns als Menschen, als Gemeinschaft und auch als Nation tut das sehr gut. Überwältigend ist darum auch die schnell angelaufene Nachbarschaftshilfe und die vielen Freiwilligen, die nun in verschiedenen Branchen aushelfen.

Ich persönlich darf mich darüber freuen, dass meine Arbeit (die Produktion von Nahrungsmitteln) nun wieder geschätzt wird und dass viele Konsumenten bei unseren Produkten nicht mehr nur den Preis, sondern auch den Wert erkennen. Natürlich hoffe ich, dass dies möglichst auch nach Beendigung der Krise anhalten wird. Denn volle Regale in den Läden sind keine Selbstverständlichkeit, auch in Zukunft nicht.

Meine Tätigkeit als Grossrat ist seit Beginn der Krise gänzlich zum Erliegen gekommen. Lediglich als Mitglied der Finanzkommission habe ich online nun regelmässige Sitzungen, an welchen derzeit vor allem die Stossrichtungen des kantonalen Hilfspakets für die krisengeplagten Unternehmen diskutiert werden. 

Dank den vielen abgesagten Terminen und Sitzungen haben wir in unserem Betrieb neben der täglichen Arbeit nun viel Zeit, um strategische Entscheide zu fällen und um langfristige Projekte weiterzuentwickeln. Privat haben Sarah und ich viel mehr Zeit für Gespräche unter vier Augen. Ich bin regelmässiger als auch schon beim Kochen anzutreffen, was mich sehr freut. Vor allem aber darf ich mich nun jeden Tag und Abend an den Fortschritten und am Lachen unseres elf Monate alten Sohns Felix erfreuen. Als zusätzlichen Zeitvertreib habe ich damit begonnen, mit meinen ehemaligen Gastfamilien, Freunden und Bekannten aus meinem Austauschjahr in Australien zu telefonieren. Mit einigen hatte ich zwischenzeitlich den Kontakt verloren. Nach 18 Jahren ergeben sich so manchmal ganz unerwartete, aber immer herzliche Telefonate. 

Sie zeigen mir, dass sich Menschen auf der ganzen Welt vor dem Virus fürchten. Andererseits bestärken mich diese Telefonate und die vielen Gespräche mit meinem Umfeld hier in der Schweiz in meiner Meinung, dass wir gemeinsam und gestärkt aus dieser Krise hervor gehen werden. Für die Zwischenzeit und darüber hinaus wünsche ich allen GUTE GESUNDHEIT!

Christoph Hagenbuch, Grossrat, Oberlunkhofen

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