Zwischen Blaulicht und Mitgefühl

Ich heisse Barbara Eberle und lebe zusammen mit meiner neunjährigen Tochter Anina in Staufen. Ich bin Diplomierte Rettungssanitäterin HF und Teamleiterin im Rettungsdienst der Asana Spital Menziken AG. In meinem Beruf arbeite ich genau seit 20 Jahren – nach wie vor mit Leib und Seele. Ich kann mir nichts Besseres, Spannenderes oder Schöneres vorstellen. Ich leite zusammen mit dem Bereichsleiter der perioperativen Pflege den Rettungsdienst und rücke neben den administrativen Arbeiten immer noch regelmässig aus.

Zurzeit dreht sich auch bei uns innerhalb des Spitals und natürlich auch im Rettungsdienst alles um die Corona-Krise. Das Spital Menziken gleicht einer Festung; hinein kommen nur noch die Mitarbeitenden und Patienten. Angehörige dürfen nur noch zu Besuch, wenn ihre Liebsten im Sterben liegen. Dies ist nicht einfach – weder für die Besuchenden noch für die Patienten. 

Das Personal arbeitet immer mit einer Maske und wir dürfen nur noch mit grossem Abstand zusammensitzen. Eine ganze Station wurde zur Isolationsstation umgebaut. Hier sind nur noch Patienten, welche Corona-positiv getestet wurden. Wir im Rettungsdienst tragen immer Maske, Schutzbrille und Handschuhe – bei Corona-Verdacht sogar noch eine Überschürze. Nach dem Einsatz desinfizieren wir das gesamte Material und den Patientenraum des Rettungswagens. 

Im Moment haben wir Corona-bedingt mehr Einsätze. Aber auch das ganz normale Tagesgeschäft ist zusätzlich und wie gewohnt zu bewältigen; Herzinfarkt, Schlaganfall, Verkehrsunfall oder eine einfache Verlegung. Mit fadem Beigeschmack: Unser Auftreten in Maske und Schutzbrille erschreckt gewisse Patienten. Aber schlussendlich sind sie auch froh, dass wir da sind und die Schutzmassnahmen einhalten.

Die Menschen sind verunsichert: Was kommt da noch auf uns zu? Wie soll es nach der Krise weitergehen? Dies merken wir auch an den Einsätzen. Nicht selten rücken wir wegen Angstzuständen aus oder zu familiären Konflikten. Viele sind es sich nicht gewohnt, so lange so nahe beieinander zu sein – dies zusammen mit der Unsicherheit gegenüber dieser ungewohnten Situation schürt Ängste und Aggressionen. 

Ich werde häufig gefragt, ob ich wisse, wie es weitergeht. Ich weiss es nicht. Ich bin genauso unsicher und gespannt, was diesen Sommer noch auf uns zukommt und was wir noch zu bewältigen haben. Ich weiss aber auch, dass wir in der Schweiz und auch im Kanton Aargau eine hervorragende medizinische Versorgung haben. Die Zusammenarbeit zwischen den Zentrumsspitälern und den Regionalspitälern ist sehr gut und zeigt, dass es alle dazu braucht. Ebenfalls schön ist die Wertschätzung, welche uns Mitarbeitenden im Gesundheitswesen aktuell zugetragen wird. Ich wünsche mir, dass dies noch weit über die Corona-Krise hinweg bestehen bleibt. 

Für mich hat sich im Beruf nicht viel verändert. Ich handle immer nach bestem Wissen und Gewissen und halte mich an die Vorgaben, das tue ich auch privat. Ich freue mich aber jetzt schon, wenn wir wieder nach draussen gehen dürfen, zusammen in ein Café sitzen und uns in den Arm nehmen können. Auch wenn es noch ein Weilchen dauern wird – diese Zeit kommt und der Sommer ist dann noch nicht zu Ende.

Ich wünsche Ihnen alles Gute. Bliibed gsund!

Barbara Eberle, Teamleitung Rettungsdienst der Asana Spital Menziken AG

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