Das Wunder des Lebens in Zeiten von Corona

Als Hebamme in einem Geburtshaus darf ich Familien in ihrem Start begleiten. Voraussichtlich im Juni dürfen auch wir in unserer Familie ein neues Glückskindchen willkommen heissen. Im Moment versuchen wir daheim, das Familienleben in seiner Eingeschränktheit mit unserer Unternehmungsfreude zu vereinbaren, und verbringen sehr viel Zeit in der Natur, zusammen mit den Kindern.

Betreffend der sozialen Isolation habe ich natürlich klar einen beruflichen «Vorteil». Ich muss raus zum Arbeiten. Zurzeit erlebe ich dies sehr zwiegespalten. Auf der einen Seite Familien mit grossen Bedenken und Ängsten, auf der anderen Seite dieses riesige Glück, was sie einfach mit ihrem Familienwunder erleben dürfen.

In den Schweizer Spitälern dürfen die Papas zurzeit nur noch mit zur Geburt. Das Wochenbett verbringen die Mamas alleine. Dies ist verständlicherweise ein grosser Einschnitt ins Ankommen als Familie und leider ist es auch nicht allen Mamas möglich, ambulant zu gebären und dann nach Hause zu gehen. Im Geburtshaus dürfen die Papas bisher zu Besuch kommen, da wir alles Familienzimmer haben. Aufgrund dessen ist die Nachfrage nach unserem Angebot enorm gestiegen und wir mussten einen Aufnahmestopp vollziehen. Das heisst, wir haben derzeit auch sehr viel Arbeit, müssen uns möglichst alle gesund halten und natürlich auch all die neuen Massnahmen des BAG zeitnah umsetzen. Eine ganz schöne Herausforderung für alle.

Insbesondere das «Abstandhalten» finde ich bei der Geburtsbegleitung ein schwieriges Thema. Die Übergänge des Lebens – Geburt und Tod – erfordern Nähe. Natürlich gibt es Schutzmassnahmen, die wir ergreifen, wie Masken und regelmässige Kleiderwechsel, neben der auch sonst üblichen Handhygiene und -desinfektion. Aber dennoch, man ist sich einfach sehr nahe.

Mir persönlich macht dies primär keine Sorge bezüglich eines Infekts, welcher mich betreffen könnte. Aber ich halte mich dafür im Privatleben sehr zurück, um wirklich auch nichts weiter zu streuen, sollte ich betroffen sein.

Gerade in der jetzigen, für viele ziemlich instabilen Zeit, ist es mir umso wichtiger, den Familien einen geborgenen und sicheren Hafen zu bieten, wo sie landen dürfen. Und diese Wunder des Lebens geschehen weiterhin… Tag für Tag… Es interessiert sie nicht, ob Corona da ist oder nicht…

Inmitten dieses Wandels dürfen die Eltern aber auch mit neuer Ruhe ins Familienleben segeln. Anstelle von haufenweisen Besuchern, die verständlicherweise auch alle dieses kleine neue Glücksbündel bestaunen und halten wollen, tritt nun Ruhe und Einkehr, die eigentlich in der Wochenbettzeit auch da sein sollte. Selten trauen sich Eltern im normalen Alltag, ihre Bedürfnisse nach Zeit für sich als junge Familie zu formulieren. Nun ist es eine Selbstverständlichkeit. Was natürlich nicht ausschliesst, den jungen Familien mal einen frischen Obstkorb oder einen selbstgebackenen Kuchen zur Stärkung vor die Tür zu stellen…

Caroline Müri, Hebamme, Jonen

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