Zuerst wurde die Fasnacht abgesagt

Die aktuelle Pandemie hat die Gemeinde Unterlunkhofen insofern bereits sehr früh erreicht, als am 28. Februar, 10.15 Uhr, der Bundesrat entschieden hat, Veranstaltungen mit mehr als 1000 Personen zu verbieten. Am selben Tag hätte die Kinderfasnacht um 14.30 Uhr ihre Tore geöffnet und es wäre der Startschuss für die Unterlunkhofer Fasnacht 2020 gewesen. Die Betonung liegt auf «hätte» und «wäre». In diesem Moment war allen Involvierten, die gemeinsam mit dem Gemeinderat entscheiden mussten, sämtliche Fasnachtsveranstaltungen abzusagen, bereits eindrücklich und schmerzlich klar, was «Corona» bedeutet und welches Ausmass sich anbahnen wird. 

Die Gemeindebehörden und -verwaltung hatten darum fast einen Vorsprung. So liessen sich in unserer Verwaltung Vorbereitungen auf mögliche Home-Office-Situationen testen. Dennoch war auch bei uns und mir selbst die Betroffenheit über das effektive Eintreten des scheinbar Unmöglichen unglaublich gross. In einem ersten Moment bestand die Aufgabe einerseits darin, alles Organisatorische möglichst rasch umzusetzen: das Verwaltungspersonal wurde aufgeteilt und arbeitet seither in Klein-Teams abwechslungsweise in den Verwaltungsbüros bzw. im Home Office. Die Gemeinderatssitzungen finden via Videokonferenz statt. Nachdem die technischen Voraussetzungen dafür bestens waren, liessen sich diese Massnahmen – zumindest aus technischer Sicht – relativ einfach umsetzen. Unsere Verwaltung ist während den ordentlichen Zeiten geöffnet; geschlossen bleiben muss jedoch die Glasscheibe des Schalters und auch bei uns steht das inzwischen obligate Desinfektionsmittel bereit. Die Schalterkontakte haben sich per sofort auf ein Minimum reduziert. Die Bevölkerung hält sich bravourös an den Appell, die Verwaltung nur in Notfällen persönlich aufzusuchen. Die meisten Kontakte finden per Mail oder Telefon statt. Sitzungen in Kleinstgruppen finden nur im Ausnahmefall im Mehrzweckraum statt und selbstverständlich unter zwingender Einhaltung des notwendigen Abstandes. 

Täglich gelangen neue Weisungen, Empfehlungen und Erklärungen zu uns, die es zu prüfen gilt, ob sie Auswirkungen auf unsere Tätigkeit und/oder unsere Gemeinde haben. Nicht selten folgen tags darauf Erklärungen zu den Erklärungen. In gewisser Weise Behördenalltag. Wir sind und bleiben flexibel… Es ist unglaublich spannend zu sehen, was derzeit alles in kürzester Zeit entschieden und umgesetzt wird, was sonst Jahre dauert. Hut ab, vor allen involvierten Stellen!

Andererseits galt und gilt es, die menschliche emotionale Komponente zu berücksichtigen. Die Situation beschäftigt und ja, sie beängstigt! Es war und ist mir persönlich ein grosses Anliegen, diesen Emotionen in einer scheinbar kühlen und sachlichen «Amtsatmosphäre» den notwendigen Platz zu geben. Ob Bevölkerung, Funktionäre, Mitarbeitende oder Behördenmitglieder, an keinem geht diese Zeit spurlos vorbei. Wir alle durchleben sie mit Hochs und Tiefs, wofür sich niemand, ganz ungeachtet seiner Stellung, zu schämen braucht. Der Alltag besteht derzeit also nebst der normalen Verwaltungstätigkeit in erhöhtem Mass auch aus Zuhören und darin, die Sorgen und Ängste unterschiedlichster Art ernst zu nehmen. Weiter ist es auch eine wesentliche Aufgabe, Verständnis für teilweise unliebsame Massnahmen zu schaffen und Erklärungen hierzu abzugeben. Gewisse Entscheide sind nicht einfach: Darf nun noch Tennis gespielt werden auf dem polysportiven Platz der Gemeinde? Kann er nicht beschränkt werden nur für Einheimische? Es sind solche und ähnliche Fragen, die verständlich sind und auf die es meist nicht eine richtige oder falsche Antwort gibt. Wichtig ist, der Bevölkerung in diesem Zusammenhang aufzuzeigen, dass es darum geht, gemeinsam die Pandemie in Schranken zu halten, und nicht um eine Benachteiligung oder gar Bestrafung einzelner.

Eindrücklich ist das Angebot an Hilfestellung. Fast schon etwas unangenehm für uns, dass das Angebot weit höher ist, als die Nachfrage. Ein wahrlich «schönes Problem» in dieser Zeit… 

Weiter gilt es, auch an das Gewerbe zu denken: Der Gemeinderat setzt alles daran, nach Möglichkeit geplante Vorhaben zu realisieren und den (regionalen) Betrieben Aufträge zu erteilen, um ihrer Zukunft – nebst den übergeordnet geschnürten Hilfspaketen – eine Perspektive zu geben.

Zuletzt bleibt der Ausblick auf die Zukunft. Die Frage stellt sich natürlich auch bei uns, ab wann wieder der Normalbetrieb aufgenommen werden kann. Sprich: Ab wann wieder das ganze Team zusammenarbeiten kann, Sitzungen gemeinsam in einem Sitzungszimmer und Gemeinde- und Vereinsanlässe stattfinden können. 

Viel mehr noch beschäftigt mich persönlich allerdings, wie sich die aktuelle Situation auf uns Menschen auswirken wird: Ich hoffe und wünsche mir, dass sie möglichst wenig traumatische Folgen haben wird, sich unsere Bevölkerung nicht in Suchtverhalten begibt und nicht in häuslicher Gewalt wiederfindet. Weiter wünsche ich mir, dass unsere Gewerbetreibenden und die vielen Selbständigerwerbenden, die ohne Schuld in ärgste Schwierigkeiten geraten sind oder noch werden, es schaffen, die Krise zu überstehen und möglichst rasch wieder auf finanziell gesunden Beinen stehen zu können. Dies trägt vor allem zur mittel- und langfristigen und insbesondere psychischen Gesundheit unserer Bevölkerung bei. Zu guter Letzt hoffe ich, dass wir aus dieser Zeit das Positive – und das hat sie auf jeden Fall – mitnehmen: Demut, Menschlichkeit, Wertschätzung, etwas mehr Ruhe sowie Raum für Umwelt und Natur. 

Ich wünsche Ihnen allen von Herzen das Beste für die Zukunft: gute physische und psychische Gesundheit! «Hebed Sie sich Sorg!»

Claudia Burkart, Gemeindeschreiberin Unterlunkhofen

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