Trotz allem glücklich und zufrieden

Gerade in Zeiten des Verzichts ist es für das persönliche Glück wesentlich, wie man gelernt hat, Glück zu empfinden und was für einen selbst Glück bedeutet. Ich habe mich schon länger gefragt, was ich für ein zufriedenes und glückliches Leben brauche und worauf ich verzichten kann. Der bewusste Verzicht in einer an Konsum und Unterhaltung orientierten Gesellschaft überdauert vielleicht auch die Corona-Krise? Wir haben in einer Zeit gelebt, in welcher wir übersättigt waren mit Konsummöglichkeiten – Unterhaltungsangebote ohne Grenzen und Limit. Alles war möglich und es gab keinen Stillstand. 

Ich merke jetzt, wo sich alles auf das Wesentliche reduziert, wie wichtig mir Freundschaften, Familie, meine Partnerschaft und meine Tochter sind und dass mir die gemeinsame Zeit heute noch wertvoller erscheint. Der Moment, wenn man gemeinsam Tränen lachen kann, einfach unbeschwert sein. Oder wie bedeutend plötzlich ein Telefonat mit einer Freundin oder das Video-Telefonat mit dem Bruder der Ersatz wird für die Diskussion bei guten Essen und einem Glas Wein am Esstisch. Ich freue mich jetzt schon darauf, alle wieder in die Arme zu schliessen, mit meiner Familie am Tisch zu sitzen und zu diskutieren. Ich werde eine Festbank in den Garten stellen und eine Grillparty nach der anderen schmeissen, um das Leben und die Gesundheit zu feiern mit den Menschen, die mir so viel bedeuten. 

Was mir in dieser Zeit auch bewusst wird, ist, wie wichtig mir ein schönes Zuhause ist. Für uns ist es ein Kraft- und Rückzugsort. Und gerade jetzt, da wir alle zu Hause bleiben und kaum rausgehen können, ist es wunderbar, dass wir uns in die Zimmer zurückziehen können; jeder wuselt etwas und wir treffen uns in der Stube zum gemeinsamen Spielen, TV schauen, Essen und Beisammensein. Auch der Garten ist gerade ein Segen und eignet sich zum Durchlüften, Entspannen, Spielen und Sport machen. Wenn es draussen sonnig und warm ist – ein Glücksort. Wir verpassen gerade nichts da draussen – aber auch zu normalen Zeiten sind wir einfach wahnsinnig gern zu Hause.

Mein Zentrum ist die Küche. Hier verbringe ich noch mehr Zeit als sonst beim Kochen und Backen. Ich probiere viele neue Rezepte aus und werde auch von meiner Tochter und meinem Mann verwöhnt. Sie kochen nämlich jetzt ein Mal pro Woche gemeinsam etwas für mich. 

Mehr bei mir zu sein und nicht das Gefühl zu haben, da draussen etwas zu verpassen. Das spüre ich schon länger. Für mich ist Lebensqualität, bewusst zu entscheiden auch mal zu Hause zu sein und mich an den kleinen Dingen zu erfreuen. Das fühle ich nicht erst seit dem Lockdown. Es hat mit Einfachheit zu tun und auch mit Konsumverzicht. Worauf kann ich also verzichten und was fällt mir schwer? 

Langfristig wird mir die Familie und das Treffen von Freunden fehlen. Beim Gedanken an unsere geplanten und nun abgesagten Reisen überkommt mich doch Wehmut und Fernweh. Auch wenn wir im Moment nicht unseren gewohnten Alltag leben können, kann ich sagen, es geht uns nach wie vor gut. Wir sind zufrieden und haben in den eigenen vier Wänden viele Ideen und Projekte, sind kreativ und entdecken vom Sofa aus viele neue Möglichkeiten – die uns die digitale Welt ja auch grad liefert. 

Ich sehe diese Zeit als Chance für uns, für mich, um zur Ruhe zu kommen, noch mehr bei sich zu sein. Ganz egal, was da draussen passiert und hoffentlich auch für die Zukunft. Die bewusste Reduktion auf das Wesentliche. Das kleine Glück. Das ist für mich Lebensqualität.

Susan Diethelm, Oberlunkhofen

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