Alltag als Seelsorger

Seit Februar 2020 bin ich als Pfarreiseelsorger in der Pfarrei Lunkhofen. Wir arbeiten im Pastoralraum zusammen von Bremgarten/Hermetschwil bis Jonen. Der Alltag als Seelsorger hat sich seit dem Corona-Virus ziemlich verändert. Alle unsere Anlässe und Gottesdienste wurden abgesagt. Zuerst hatte ich das Gefühl, dass jetzt wohl eine Leere kommt. Aber dem war nicht so. Je länger die Schutzmassnahmen des Bundes dauerten und je stärker sich das Virus ausbreitete, desto stärker war ich gefordert. Ich erfuhr von vielen Familien und Einzelpersonen, denen es nicht so gut geht. Die Isolation ist für viele eine grosse Herausforderung. Es war wichtig, dass ich da als Seelsorger versuchte, präsent zu sein – vor allem am Telefon, aber auch via Mail oder die sozialen Medien. Ich erfuhr unter anderem auch, dass diese Zeit für viele Jugendliche sehr schwierig ist. Sie sind es gewohnt, ihre Kolleginnen und Kollegen fast täglich zu treffen. Wenn das wegfällt, fehlt in ihrem Leben etwas Wesentliches. Die sozialen Medien können das nicht ersetzen.

Persönlich vermisse ich meine Familie in der Ostschweiz. Es waren die ersten Ostern überhaupt, an welchen ich sie nicht treffen konnte. Weiter vermisste ich die Rituale der Ostergottesdienste – für mein persönliches Leben. Wenn ich mit anderen zusammen jeweils in der dunklen Kirche in der Osternacht das Lied «Halleluja, Jesus lebt!» singe, gibt mir das jeweils viel Kraft. Oder auch das gemeinsame «Ostereier tütschen» nach dem Gottesdienst. Das hat mir in diesem Jahr sehr gefehlt. 

Halt gibt mir auch die Natur. Ich wohne auf einem Bauernhof. Wenn ich am Abend im Stall bei den Kühen bin, ist das so etwas wie eine «Corona-Pause». Sehr viel Kraft gibt mir auch die grosse Solidarität unter den Menschen: Viele Freiwillige gehen für andere, die zuhause bleiben müssen, einkaufen – beinahe selbstverständlich. Dieses Zusammengehörigkeitsgefühl finde ich schön und ich hoffe, dass es auch nach der Krise bestehen bleibt. Denn es sollte mir nicht egal sein, wie es dem Menschen neben mir geht.

Claudio Gabriel, Pfarreiseelsorger, Oberlunkhofen

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