Ibrahims Landcruiser

Das Bild zeigt Ibrahim Mtira aus Dar-es-Salam, Tanzania, mit seinem TOYOTA Landcruiser, den er im Januar 2020 in Arusha gekauft hat.

Ibrahim ist ausgebildeter Safari Driver mit grossem Wissen über Flora und Wildlife der National Parks und Game Reserve im Süden von Tanzania. Wir haben Ibrahim im letzten Herbst, auf unserer Tansania-Safari, kennen gelernt. Ibrahim hatte uns damals von seinem grossen Lebenstraum erzählt: Ein eigenes Safari-Fahrzeug, damit er als selbständiger Unternehmer Touristen durch den Busch fahren kann. Bisher hatte Ibrahim als Freelancer für Ahmed den Inder die ausländischen Touristen auf Safari begleitet. Eine finanzielle Entschädigung oder ein Fixum bekommt Ibrahim vom Inder nicht. Seine Einkünfte bestehen ausschliesslich aus dem Trinkgeld seiner Gäste. Verständlich, dass Ibrahim sein grosses Wissen auf eigene Rechnung vermarkten möchte. Doch woher kommt das notwendige Geld dazu? Ein junger Mann wie Ibrahim wird in diesem Land nie in der Lage sein, auf legale Art ein Fahrzeug zu erwerben und ein Unternehmen zu gründen.

Damals, im vergangenen Herbst und nach langen Gesprächen, unterbreitete ich Ibrahim meinen Vorschlag, ihm das Fahrzeug und die Gründung einer eigenen Firma zu ermöglichen. Eine solche Offenbarung lag ausserhalb Ibrahims Vorstellungsvermögen und führte bei ihm zu schlaflosen Nächten. Draussen, mitten im Busch, haben wir dann alles mittels eines Vorvertrags handschriftlich zu Papier gebracht und den Deal anschliessend mit einer Dose Cola festlich besiegelt (Ibrahim ist Moslem, trinkt kein Alkohol, isst kein Schweinefleisch, sehr wohl aber Schinkenbrote…).

Vergangenen Dezember erfolgte der Geldtransfer nach Tanzania, zwecks Kaufs eines Fahrzeuges und zur Gründung eines Unternehmens. Viele Millionen Tanzania-Shillings sind nach Ostafrika geflossen, in der Hoffnung, dass daraus etwas Gutes entsteht.

Ibrahim wusste genau, wann und wo er ein gutes, gebrauchtes und günstiges Fahrzeug erwerben kann, nämlich im Januar, in Arusha. Die grossen Safari-Unternehmen, allesamt im Norden von Tanzania beheimatet und die oft über 100 oder mehr Fahrzeuge verfügen, müssen jeweils anfangs Jahr dem Fiskus ihre Steuern abliefern. Die Gesellschaften sind dazu aber oft nicht in der Lage und veräussern deshalb Teile ihrer Fahrzeugflotte gegen Bargeld, so auch den Landcruiser an Ibrahim. Ich hoffe sehr, dass da alles korrekt über die Bühne gegangen ist, denn ich habe Ibrahim von Beginn unserer Zusammenarbeit untersagt, Schmiergelder zu bezahlen. 

Die ersten Safaris in den Mikoumi National Park hat Ibrahim gleich Ende Januar und im Februar unternommen. Im März hat Corona Ibrahims Lebenstraum ein vorübergehendes Ende bereitet. Alle Buchungen wurden umgehend annulliert, die Gäste sind von einem zum anderen Tag ausgeblieben und die Einnahmen sind auf null gesunken. Nur die Kosten laufen weiter und weiter. Vom Staat ist keine Hilfe zu erwarten, woher und wie auch? Dies bleibt auch nach dem Ende von Corona für längere Zeit so, denn es wird Monate dauern, bis der Safari-Tourismus wieder in Schwung kommt. Ein guter Start für ein junges Unternehmen sieht definitiv anders aus.

Damit Ibrahim nicht auf dumme Gedanken kommt und er in seiner Not den Landcruiser für ein paar tausend Dollars verscherbelt, werde ich vorerst einmal für die nächsten Monate die Lebenshaltungskosten für Ibrahims Familie übernehmen. Anschliessend sehen wir weiter. 

Warum ich mir das alles antue?
Weil ich in meinem bisherigen Leben sehr viel Glück erleben durfte…
Weil ich sehr privilegiert bin und weil es mir – im Gegensatz zu vielen anderen Menschen – sehr gut geht…

… und weil das letzte Hemd keine Taschen hat…

Anonym (Identität bekannt)

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