Krankheit aus der Ferne

Meine Schwester erkrankte an Covid-19. Ich möchte heute darüber berichten, wie ich ihren Krankheitsverlauf aus der Ferne miterlebt habe:

Meine Schwester, Diakonissin, 57 Jahre alt, lebt und arbeitet in einem Alters- und Pflegeheim in Basel und wurde am 21. März positiv auf Covid-19 getestet. Sofort zog sie sich vor Ort in ein Isolierzimmer zurück. Das Essen wurde ihr vor das Zimmer gestellt und Besuche waren natürlich nicht erlaubt. 

Zu Beginn ihrer Erkrankung fühlte sie sich müde, hatte leichten Husten und Fieber. Vom Alter her gehört sie nicht zur Risikogruppe und so machten wir uns zu Beginn keine grossen Sorgen. Bald aber stieg das Fieber stark an, sie hatte keinen Appetit mehr, trank viel zu wenig (sie war sogar dazu zu müde ) und ein Arzt musste gerufen werden. Mehrere Infusionen wurden alsdann nötig.

Mich machte der Umstand, nicht helfen zu können, enorm hilflos und traurig. Wir konnten meiner Schwester nicht vor Ort unterstützend zur Seite stehen, sie nicht animieren, zu trinken…ja, sogar telefonieren war ihr teilweise zu viel. Sie war alleine im Zimmer gefangen, isoliert und fühlte sich sehr schlecht. Schön, hat meine Schwester einen tiefen Glauben und war während dieser ganzen Zeit doch nicht allein. Sie hat die Krankheit dank den Infusionen überstanden, gerät aber heute noch bei der kleinsten Anstrengung schnell ausser Atem.

Nach rund drei Wochen haben wir meine Schwester in Basel mit sicherem Abstand (ausser Haus) besucht und den persönlichen Austausch sehr genossen. Auch wenn ihr Körper Antikörper aufweist, ist nicht sicher, ob das Virus doch nochmals eingefangen und auch wieder weitergegeben werden kann. Deshalb gilt weiterhin für alle: Hände waschen und einen gewissen Abstand halten. 

Brigitte Schweizer, Arni

Nachfolgend der Bericht aus der Sicht meiner Schwester:

Corona-Virus positiv erlebt

JA, ich kann persönlich mitreden, da ich selber eine Woche mit dem Virus und mit Infusionen im Bett verbracht habe. In dieser Zeit erlebte ich Schwachheit, Hilflosigkeit, Abhängigkeit, Verwundbarkeit und eine grosse Müdigkeit. Was soll daran positiv sein? 

Nach einer Woche ohne feste Nahrung zu erleben, wie köstlich, saftig und süss eine Orange oder eine einzelne gekochte Kartoffel schmeckt. In der Isolation die Ruhe zu geniessen und dann die erste Begegnung mit einer Mitschwester, die ich seit über drei Wochen nur telefonisch gesprochen hatte. 

Auch der Moment, als die Isolation vom Gesundheitsdepartement offiziell aufgehoben wurde und ich mir überlegte, wen ich informieren soll und wann ich wieder mitten in die Welt zurückkehren soll. Es war ein heiliger Moment und kostbar, etwas wieder aufzugeben und herzugeben. 

Während der Isolation in einem fremden Zimmer begleitete mich ein Kreuz (Schatten und Licht der Natur) in die Nacht hinein. So erlebte ich, dass Jesus da ist und mich begleitet. Während der drei Wochen in Quarantäne und Isolation habe ich in der Gesellschaft viel verpasst und den Anschluss irgendwie verloren, aber ich habe auch eine Seite entdeckt, die ich nicht mehr missen möchte: Nach der Isolation erlebte ich den Alltag ruhiger, Begegnungen im Quartier auch auf Distanz haben Platz, man hilft einander im Quartier und kauft füreinander ein (selber erlebt). Blumen werden von Nachbarn geschickt, ein Konzert auf der Strasse wurde angeboten, kreative WhatsApp-Filme, die weitergeschickt wurden etc. (Ich kann nun selber einen Mundschutz herstellen). 

Ich kann Menschen beratend zur Seite stehen. Bei meinen langsamen Spaziergängen (bis ich wieder zu Kräften kam) den Frühling im Quartier entdecken, die verschiedenen Vogelstimmen geniessen und neue Leute kennenlernen. Das Virus hat mich sensibler gemacht, was ich als sehr positiv erlebe. Ich wünsche Ihnen nicht das Coronavirus, aber das Entdecken von Neuem, ganz Einfachem, geniessen Sie die nächste Orange oder Kartoffel.

Sr. Beatrice Schweizer, ehemalige Heimleiterin Ländli Basel und jetzt Leitung von Projekten im Ländli Basel 

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