WAKINOTU

Vor unzähligen Jahren stand ein Ordner mit dem Titel WAKINOTU in den Gestellen des biz (Berufsinformationszentrum). WAKINOTU war die Abkürzung für «Was könnte ich noch tun?» Ein buntes Sammelsurium an beruflichen Weiterbildungsmöglichkeiten und Ideen für Nischentätigkeiten steckte in diesem fremdländisch klingenden Namen.

WAKINOTU und Corona. Was könnte ich noch tun in dieser Corona-Zeit? Diese Fragen stelle ich mir oft in diesen Tagen, die meist unspektakulär dahinplätschern. Es gibt im Haus und im Garten eine Menge zu tun. Doch woher nehme ich die Lust und den Elan dazu? Ich bewun­dere z.B. eine Nachbarin, der es auch jetzt nie langweilig ist. Das könnte ich von mir nicht mehr behaupten, obschon ich anfangs die Stille und meine kleine Welt freudig erlebte und die Blockade als grosse Chance für alles Mögliche sah. Ich entdeckte u.a. Neuland beim Stei­nebemalen und Singen am Computer. Doch mit der Zeit erlahmte auch diese anfängliche Be­geisterung, als sie immer mehr zur Routine wurde und gegen 50 bemalte Steine auf dem Gartenmäuerchen prangten.    

Gegenwärtig trödle ich oft herum, bin lust- und tatenlos, konsumiere unzählige Nachrichten im Internet, schreibe Mails, bin oft auf WhatsApp und esse viel zu viel. Hin und wieder tele­foniere ich mit Freundinnen und Bekannten. Doch was gibt es zu berichten? Eigentlich we­nig, weil die reizarmen Tage sich wie Dominosteine aneinanderreihen, ausser ich mache mich auf die Suche nach etwas, das mich in den Bann zieht, oder ich stolpere über etwas, das meine ungeteilte Aufmerksamkeit auslöst. In etwas Neues versunken sein, mich inspi­riert und lebendig fühlen, lässt den Tag plötzlich spannend werden. Ich webe dann konkret an einer Art von Sehnsuchtsbild, in welchem ich hoffentlich bald wieder unbeschwert meine lieben Menschen persönlich sehen und Erlebnisse mit ihnen teilen kann. In diesem Bild spie­gelt sich auch mein allgegenwärtiges Kopfkino, in dem verschiedene Filme manchmal gleich­zeitig abspulen. So wie vor kurzem in der Badewanne, wo ich mich vor allem bei Regenwet­ter gern und lange aufhalte und die WAKINOTU-Idee ihren Ursprung hatte. Flossen wachsen mir zwar nicht dabei, doch das ausgedehnte Baden in der Wanne ist ein schöner Ersatz für das Thermalbaden und das Schwimmen. Ich liebe das Wasser.

Mein Tagebuch habe ich ebenfalls entstaubt und schreibe ab und zu wieder einmal von Hand ein paar Gedanken auf. Das geschieht besonders abends auf der warmen Steinbank an der Hauswand gegen Westen. Bei diesen Einträgen geht es vor allem um Naturbeobachtun­gen. Ich zelebriere seit Jahren gern den Übergang vom Tag zur Nacht. 

Schreiben ist für mich nach wie vor eine gute Möglichkeit, vagabundierenden Gedanken eine Form, ein Gefäss zu geben. Allerdings muss ich meine aufblitzenden Ideen gleich notieren, ehe sie sich wieder verflüchtigen oder meine allzeit bereite kritische Betrachtung sie zu­nichte macht. Und so wird sich vielleicht einer meiner nächsten Einträge im Tagebuch mit der Frage auseinandersetzen, was ich noch tun könnte, bis es uns wieder möglich ist, ein paar nächste Schritte in Richtung Normalität zu tun: WAKINOTU? Und wie sieht es bei Ihnen aus – «Was können Sie noch tun?»

Ruth Baumann, Oberlunkhofen

2 Gedanken zu „WAKINOTU“

  1. WAKINOTU. Als ich den Titel gelesen habe, war meine erste Assoziation – geht es hier um ein afrikanisches Naturheilmittel gegen das Covit-19 oder seiner psychische Auswirkungen? Auf jeden Fall hat der Titel seine Aufgabe erfüllt – bei mir hat er die Aufmerksamkeit geweckt. „Was könnte ich noch tun“ ist im Moment eine spannende Frage. Da gibt es naheliegende Antworten und solche, bei den man vor der Antwort noch die Frage klären muss, was benötige ich im Moment? Und Sie geben in Ihrem Beitrag eine hilfreiche Anregung – man lege sich zuerst in die Badewanne und habe die nötige Geduld, bis das Kopfkino sich auf das Abspulen eines, und nicht verschiedener Filme, eingestellt hat. Das Phänomen des Kopfkinos kenne ich auch, die Strategie mit der Badewanne habe ich noch nie ausprobiert – das ist ein guter Tipp.
    Vielen Dank für diesen offenen, humorvollen und anregenden Beitrag. Ich habe ihn mit Interesse und hin und wieder mit einem Schmunzeln gelesen. In einigen Ihrer Schilderungen gibt es Parallel zu meinem Erleben und Empfinden im derzeitigen Corona bedingten Alltag.
    Ich wünsche Ihnen und mir, dass wir weiterhin kreative Antworten auf das WAKINOTU finden.

    Mit freundlichen Grüssen
    Felix Maurer, Oberlunkhofen

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    1. Lieber Herr Maurer
      es freut mich sehr, dass Ihnen mein Blog gefallen hat. Ich mache gerade eine Pause bei einer sehr spannenden Lektüre, checke meine Mails und WhatsApp und entdecke diese schöne sonntägliche Überraschung.
      Herzlichen Dank und sonnige Grüsse
      Ruth Baumann, Oberlunkhofen

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