Cherzli 14: Eine richtige Gemeinschaft

An zwei Abenden pro Woche verteilt der Verein «Aufgetischt statt Weggeworfen» gratis Lebensmittel an armutsbetroffene Menschen, einmal in Oberlunkhofen und einmal in Bremgarten. Diese Lebensmittel werden von den Grossverteilern zur Verfügung gestellt. Es sind einwandfreie Lebensmittel, die von den Läden an diesem Tag nicht mehr verkauft werden können oder die sie nicht mehr verkaufen wollen.

Für diesen Adventskalender-Beitrag befragte ich die Bezüger, was es für sie bedeute, hier für den symbolischen Unkostenbetrag von 1 Franken Lebensmittel zu bekommen. Alle sagten, das sei eine grosse Entlastung für ihr Budget und sie seien sehr dankbar, dass es diese Abgabe gebe.

Eine gepflegte Schweizerin sagte mir, für sie sei es überlebenswichtig, denn ihre dreiköpfige Familie könne fast eine Woche von diesen Lebensmitteln leben. Einmal hatten wir – eher eine Ausnahme – viel Fleisch zum Verteilen.

Eine junge Frau rief spontan: «Oh, jetzt kann ich wieder einmal Fleisch essen!»  Ihr war die Vorfreude auf diese Fleischmahlzeit trotz Maske, am Gesicht bzw. an ihren strahlenden Augen deutlich abzulesen.

Eine Bezügerin erzählte mir, wie viel Überwindung es sie gekostet habe, auf der Gemeinde eine Bezugskarte zu beantragen. Sie hätte sich total minderwertig gefühlt, als sie zum ersten Mal zur Lebensmittelabgabe gekommen sei. Nun sei das ganz anders. «Wir sind eine richtige Gemeinschaft geworden. Wir sitzen alle im selben Boot und haben es gut zusammen.»

Sie lachen und schwatzen zusammen, wenn sie in der Kälte warten müssen, denn wegen Corona dürfen immer nur zwei Personen zusammen ins Lokal.

Wir behandeln die Bezüger mit Respekt und Würde. Für uns sind sie Lebensmittelretter. Denn ohne sie würden diese Lebensmittel fortgeworfen.

Diese Menschen sind unglaublich dankbar. Sie beschenken uns mit ihrer Freude und Dankbarkeit. Nicht nur die Bezügerinnen und Bezüger, sondern auch wir freiwilligen HelferInnen sind glücklich. Wir retten jede Woche etwa 200 Kilo Lebensmittel vor der Abfalltonne und helfen damit rund 100 armutsbetroffenen Personen.

Zufrieden und bepackt mit vielen Taschen verabschieden sie sich von uns und rufen «Danke, danke – und tschüss, bis nächste Woche!».

Diese Freiwilligenarbeit bereichert unser Leben. Es ist eine sehr sinnvolle und sinngebende Arbeit, die wir rund 35 HelferInnen zweimal pro Woche leisten. Auch wir haben unsere Sorgen und Ängste, und es ist nicht immer ein Trost, dass es anderen noch schlechter geht. Und trotzdem tut es gut. Ein Lächeln, ein Gespräch, sich zu einer Gemeinschaft gehörend fühlen. Es braucht so wenig, um andere und sich selber glücklich zu machen.

Weihnachten haben wir jede Woche.

Doris Peier, Regionalleiterin «Aufgetischt statt Weggeworfen» Kelleramt-Bremgarten, Oberlunkhofen

Ein Gedanke zu “Cherzli 14: Eine richtige Gemeinschaft”

  1. Stimmt, liebe Frau Peier: Weihnachten haben wir jede Woche. Schön, dass Sie mithelfen, dass das möglichst viele Menschen sagen können. Danke dafür! Freundliche Grüsse, Simone Meier

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