Cherzli 23: Reich beschenkt

Hinter dem ersten Türchen (lang ist es her!) habe ich über die Entstehung des Adventskranzes geschrieben – und auch darüber, wie dieser zu Beginn noch aussah: ganze 24 Kerzen, die auf ein Wagenrad gesteckt waren. Tag für Tag wurde dann am Ort des Geschehens, dem Rauhen Haus in Hamburg, eine weitere Kerze angezündet, bis schliesslich – wenn sozusagen «der Kreis sich schloss» – die Kinderaugen am hellsten strahlten: Heiligabend ist da! Einen «brennenden Adventskalender» habe ich diesen Ur-Kranz von 1839 etwas salopp genannt.

Viele, viiiele Advente später strahlten dann «alle Jahre wieder» meine Kinderaugen… wegen einer anderen Art «brennenden Adventskalenders». In unserer Familie war es nämlich Tradition, dass meine Geschwister und ich sogenannte Adventskalender-Kerzen bekamen. Das sind Kerzen, die von oben nach unten mit den Zahlen 1 bis 24 versehen sind und die man dann Tag für Tag bis zur jeweils nächsten Markierung abbrennen lässt. Bei uns war das ein abendliches Ritual: 1 und 2 und 3 und 4…. Wenn die Flamme dann – endlich! –  bei der 24 ankam, so zeigte natürlich auch das an: Heiligabend ist da!

Diese Kerzen gibt es auch heute noch. Mittlerweile bin allerdings ich derjenige, der sie besorgt und in der Familie verteilt. Mein Exemplar wandert derzeit bei uns im «Chilehuus» zwischen den Büros hin und her: von mir zu meiner Frau, zur Sekretärin und wieder zurück.

Nun: Bei meiner Adventskalender-Kerze ist die Flamme bald höher als das verbliebene Stück Wachs. Im Rauhen Haus in Hamburg, wo auch im Jahr 181 nach dessen Entstehung ein Adventskranz «alter Fassung» steht, ist heute gerade noch eine einzige Kerze unangetastet. Und auch dieser unser Adventskalender nähert sich dem Ende… Morgen ist es soweit: Morgen ist meine Kerze ganz heruntergebrannt, morgen schliesst sich im Rauen Haus ein weiteres Mal ein Kreis – und morgen heisst es auch auf dieser Seite: Heiligabend ist da!

Ich freue mich, wenn wir Ihnen mit unseren Beiträgen das Warten auf Weihnachten ein bisschen verkürzt haben… und wenn wir damit Ihre Augen zum Strahlen bringen konnten. (Man darf übrigens – oder sollte man gar? – auch im Erwachsenenalter noch Kinderaugen haben!) Bei mir, liebe Leser*innen, hat es wunderbar geklappt! Ich bin begeistert von den Beiträgen, die mir zugeschickt wurden und die ich mit Ihnen teilen durfte. Und liebe Mitwirkende: Ich bin berührt von eurer Kreativität, eurem Herzblut, eurer Grosszügigkeit. Ihr habt uns alle reich beschenkt. Ich habe den Eindruck, Weihnachten habe dieses Jahr früh angefangen.

Wie hiess es früher? «Noch einmal schlafen!» Ja: Morgen erwartet uns bereits der letzte Beitrag, das letzte «Cherzli». Ich freue mich darauf. Und Sie, liebe Leser*innen – dürfen es auch.

Reto Studer, Pfarrer reformierte Kirchgemeinde Kelleramt

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