Cherzli 4: Erwartungsfroh

Eine Kerze brennt, ein gutes Glas Wein steht vor mir. Genuss pur! Ich beobachte das Flackern der Kerze, welches sich an der gegenüberliegenden Wand als magisches Schauspiel präsentiert, nehme einen Schluck und geniesse anschliessend einen der himmlischen Zimtsterne, die in der kleinen Schale auf dem Tischchen liegen. Advent! Was für eine Zeit! Erwartung auf das Schöne, das folgen wird. – Erwartung? Ja, was erwartet uns eigentlich? Inwieweit sind wir erwartungsfroh, können es auch wirklich sein?

Ich denke zurück an meine Kindheit. Da war ich mit Sicherheit erwartungsfroh. Ich konnte jenen Moment kaum erwarten, wenn mein Papa die Tür zum Wohnzimmer an Heiligabend endlich öffnete … nach gefühlten 100 Stunden. – Warum musste das Christkind auch immer so lange mit dem Schmücken des Baumes beschäftigt sein? Und warum durfte ich dem Christkind nie in die Augen schauen oder ihm die Hand reichen? – An die Antworten meiner Eltern erinnere ich mich nicht mehr genau, ich weiss nur noch, dass sie mich für den Moment zufriedenstellten. Vor allem, wenn dann die Türe aufging und ich den wundervoll geschmückten Baum sah. Und … ja, ich gebe es zu … auch die Geschenke. 

Ein Knistern aus der brennenden Kerze bringt meine Gedanken mit einem Schlag zurück in die Gegenwart. Ein Lächeln huscht über mein Gesicht. Lange ist’s her, sehr lange. Und Weihnachten hat etwas von diesem kindlichen Zauber verloren, wie so vieles im Leben, das aus der früheren Kinderaugenperspektive ganz anders aussah und dann einer erwachsenen Realität gewichen ist. 

Ich sinniere weiter. Wo stehen wir heute … was bringt uns die Zukunft? Fragen, die ich momentan nicht beantworten kann und mit Blick auf das Kindliche meiner Gedanken vorhin auch nicht will. Den Moment geniessen. Also noch einen Zimtstern. Der feine, weiche Teig und die zarte Glasur schmecken ausgezeichnet. Himmlisch!

Der Himmel heute Abend ist alles andere als himmlisch. Feiner Schneeregen nieselt vor dem Fenster nieder. Und ein kalter Wind weht. Zum Glück ist es wohlig warm in unserer Stube. Eigentlich kann ich es mir hier ganz gut gemütlich machen und brauche mich nicht um all das zu kümmern, was draussen vor sich geht. Rückzug auf das mir Wesentliche! Also noch ein Schlückchen Wein. Südtirol. Beste klösterliche Lage. Und weg sind meine Gedanken wieder … im schönen Land Südtirol in Ferienstimmung. Erwartungsvolle Vorfreude stellt sich ein. Tage, an denen einfach alles stimmt. Nächstes Jahr vielleicht … hoffentlich!

Die Kerze flackert stärker, als hätte es einen Windstoss gegeben. Ich beuge mich vor und schaue genau in die Flamme. Ein winziges Russpartikelchen am Docht verglüht zischend! Und die Flamme beruhigt sich. Ich lehne wieder zurück und lasse meinen Gedanken weiter freien Lauf. 

Und irgendwann muss ich eingenickt sein. Zufrieden. Ich habe bestimmt von Weihnachten geträumt. Von schönen, feierlichen und berührenden Weihnachten mit vielen Kerzen und glücklichen Augen. Weihnachten ist alles. Vergangenheit Gegenwart und Zukunft. Umfassend eben. Darauf darf man sich freuen, egal wann.

Und darum wünsche ich allen schöne und friedvolle Weihnachtstage in guter Gesundheit! Und viel kleine, genüssliche Momente in Zufriedenheit. Auch sie sind Weihnachten, klein und persönlich.

Peter Hochuli, Gemeindeammann Unterlunkhofen

Ein Gedanke zu “Cherzli 4: Erwartungsfroh”

  1. Stimmt: Zimtsterne holen Weihnachten schon früh im Advent auf Erden. :-) Haben Sie vielen Dank für Ihre Gedanken, Herr Hochuli! Freundliche Grüsse, Simone Meier

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s