Cherzli 8: Weihnachten hinter Gittern

Ich arbeite in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Grosshof in Kriens als Betreuer/Aufseher in der Abteilung Strafvollzug. Die JVA Grosshof ist ein geschlossenes Regime und bietet unterschiedliche Haftarten an. Somit haben die inhaftierten Personen während ihrer Haftzeit keine Möglichkeit, sich ausserhalb der Gefängnismauern bewegen zu können. Es wird unterschieden zwischen Untersuchungshaft, Strafvollzug sowie Massnahmenvollzug. Die JVA Grosshof bietet für Männer und Frauen insgesamt 120 Haftplätze an, wobei die weiblichen Gefangenen eine separate Abteilung besitzen.

Bei uns im Strafvollzug sitzen Menschen ihre Strafe ab, die entweder im vorzeitigen Strafvollzug sind, ein rechtsgültiges Urteil besitzen oder sich in einer Massnahme befinden. Die Haftstrafen sind unterschiedlich lang. Ich betreue inhaftierte Personen mit einer leichten bis längeren Freiheitsstrafe, Menschen mit psychischen Erkrankungen oder Suchtproblematik. Die Täter*innen haben alle unterschiedliche Taten begangen, wie Raubüberfall, Körperverletzung, Sexualverbrechen, Drogenhandel, Tötungsdelikte, Brandstiftung, Vermögensdelikte u.a.

Wir bemühen uns, trotz des Freiheitsentzugs eine gewisse Normalität in den Alltag einzubringen. Passend zur Adventszeit wird im Eingangsbereich der JVA eine Krippe aufgestellt und dekoriert. Auf den Abteilungen stellen wir einen Weihnachtsbaum mit Schmuck und Dekorationen zur Verfügung. Die Gefangenen haben dann die Möglichkeit, sich am Dekorieren zu beteiligen und ihrer Kreativität dabei freien Lauf zu lassen.

Die Menschen im Gefängnis sind teilweise lange und weit von ihren Familien getrennt. Dabei ist es schön zu sehen, wenn sie Postpakete von ihren Angehörigen erhalten oder wenn diese auf einen Besuch vorbeikommen. Ebenso besteht die Möglichkeit, sich regelmässig mit Skype auszutauschen oder Briefe zu schreiben.

Eine besinnliche Zeit an einem speziellen Ort, wo man oft das Gefühl hat, dass die Zeit stehen bleibt oder nur langsam vorbeigeht. Dabei finde ich es wichtig, dass man sich der Zeit anpasst und sich nicht aufgibt. Eine positive Gruppendynamik unter den inhaftierten Personen sowie zwischen den Mitarbeitenden und den Gefangenen ist für uns sehr wichtig – sei es im stetigen Austausch miteinander oder beim gemeinsamen, festlichen Weihnachtsessen. Ich habe für mich festgestellt, dass die meisten dies sehr schätzen und sich aktiv daran beteiligen. Dabei spielt es nicht einmal eine grosse Rolle, aus welchem Kulturkreis man kommt.

Anonym (Name bekannt) –
der Beitrag wurde durch die JVA autorisiert

2 Gedanken zu „Cherzli 8: Weihnachten hinter Gittern“

  1. Liebe Verfasser/in
    Nach dem 5. Dezember und dem Spital nun also das Gefängnis. Diese Einblicke in Welten, die mir (glücklicherweise) mehr oder weniger fremd sind, finde ich sehr interessant. Es beeindruckt mich besonders zu lesen, dass Advent und Weihnachten auch in eine JVA Einzug halten dürfen.
    Herzlich
    Nadine Schwegler

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  2. In dieser emotionalen Vorweihnachtszeit, in der auch Nostalgie mitschwingt, führt uns Ihr Beitrag vor Augen, dass es Menschen gibt, für die diese Zeit nicht ganz einfach ist. Ich denke da an Menschen auf der Flucht, an Obdachlose, an einsame Menschen oder eben – Menschen die sich zur Zeit im Strafvollzug befinden. Ihr Adventsfensterbeitrag stimmt mich nachdenklich und zugleich dankbar, dass ich Weihnachten unbeschwert feiern kann.

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