Cherzli 12: Das grösste Geschenk

Advent, Advent ein Lichtlein brennt! Lebkuchen- und Glühwein-Duft liegt in der Luft. Lichterketten zieren die Häuser. Sie ist da, die wunderschöne Jahreszeit, die Adventszeit! Doch was ist, wenn die schönste Jahreszeit im Jahr plötzlich von Ängsten und Sorgen überschattet wird? Was ist, wenn der Ehemann und Papa nach Hause kommt und unter Tränen erzählt, dass er die Kündigung erhalten hat?

Es reisst einem den Boden unter den Füssen weg. Die Gedanken überschlagen sich: Wie bekommt man ohne Job alles auf die Reihe? Wie bezahlt man alle Rechnungen? Wie soll man in dieser Jahreszeit eine neue Anstellung finden? Was werden die Leute denken? Man hört schon das Geschwätz: «Wer arbeiten will, findet immer einen Job! Warum hat er wohl seinen Job verloren?» Der schwere Gang zum Arbeitslosenamt. Noch immer riecht es nach Punsch und frisch gebackenen Weihnachtsguetzli.

Die Kinder kommen mit leuchtenden Augen nach Hause und erzählen von ihren Wünschen an das Christkind. Ich schaue meinen Mann an, und dann wieder die Kinder. Wie sollen wir das schaffen? Wie sollen wir diese Zeit überstehen? Wie sollen wir unseren Kindern ihre Wünsche erfüllen? Das Christkind kennt keine Existenzängste und auch keine Geldsorgen.

Man probiert, für die Kinder stark zu sein. Sich die Ängste nicht anmerken zu lassen. Die Kinder sollen, dürfen unter dieser Situation nicht leiden. Sie dürfen das Strahlen in den Augen, die Vorfreude und das Aufgeregtsein nicht verlieren.

Doch wie geht man mit solch einer Situation um? Überall herrscht Freude und Harmonie, zumindest scheint es so. Die Weihnachtsmärkte boomen. Überall erklingt Weihnachtsmusik.

Dann die ständigen Fragen: «Hat er schon eine neue Arbeitsstelle? Ja, ist sicher nicht einfach in dieser Jahreszeit etwas Neues zu finden. Warum gehst du nicht arbeiten? Ach, ihr tut mir/uns so leid.» Gefolgt von einem Blick voller Mitleid. Am liebsten würde ich mich unter der Bettdecke verkriechen und erst wieder rauskommen, wenn der ganze Spuk vorbei ist. Mitgefühl ist schön, und es ist auch schön zu wissen, das man nicht allein ist. Nur kann uns niemand die Ängste und Sorgen abnehmen. Nicht zu vergessen: Es ist immer noch die schönste Jahreszeit im Jahr.

Als Familie ist man stark. Die Liebe zueinander lässt uns das Beste aus der Situation machen: Wir backen gemeinsam Weihnachtsguetzli, trinken Punsch, gehen die Adventsfenster anschauen und basteln Weihnachtsgeschenke.

Das Weihnachtsessen wird dieses Mal nicht so üppig ausfallen wie die letzten Jahre. Aber wir haben uns, werden zusammen sein und den Moment geniessen. Auch das Christkind wird den Weg zu uns finden. Die Sorgen werden für einen kurzen Moment beiseitegeschoben sein. Die Kinder werden strahlen, die Kerzen am Weihnachtsbaum den Raum erleuchten – die Kinder am Boden sitzen und mit ihren Weihnachtsgeschenken spielen. Mein Herz wird von Wärme umhüllt sein. Das ist mein grösstes Weihnachtsgeschenk.

Meine Familie, gemeinsam schaffen wir alles!

Anonym (Name bekannt)

3 Gedanken zu „Cherzli 12: Das grösste Geschenk“

  1. Ihr Beitrag hat mich sehr berührt. Sie beschreiben eine Realität und deren Folgen, die jeden oder jede treffen kann, der/die noch im Arbeitsprozess steht. Eine Realität, die eine ganze Familie aus ihrem gewohnten Alltag und der weihnachtlichen Vorfreude reisst. Aber sie schreiben auch von der Kraft die in ihrer Familie steckt und ihnen die Hoffnung gibt, gemeinsam wieder aus dieser schwierigen Lebenslage zu kommen. Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie dafür die nötige Kraft und Zuversicht.

    Mit herzlichen Grüssen
    Felix Maurer, Oberlunkhofen

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    1. Lieber Herr Maurer
      Dem möchte ich mich anschliessen. Ich finde diesen Beitrag ebenfalls sehr berührend und wünsche Ihnen, liebe Verfasserin, und Ihrer Familie von Herzen alles Gute: miteinander wie auch bei der Stellensuche. Möge es bald ein Happy End geben!
      Herzlich
      Nadine Schwegler

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