Cherzli 15: Über die Kunst des Ziele-Setzens

Alle Jahre wieder gibt es diese Deadline: den Jahreswechsel! Viele Menschen machen sich Gedanken darüber, wie schnell doch die Zeit vergeht und was man oder frau im vergehenden Jahr erreicht hat (und was nicht). Und unweigerlich stehen wir vor Sinnfragen: Was will ich mit meiner Zeit machen? Wo stehe ich im Leben und gefällt mir die Aussicht? Was müsste ich verändern, um zufriedener und glücklicher zu sein?

Für das neue Jahr fassen wir manchmal neue, häufig aber auch die immergleichen «alten» Vorsätze: Mehr Sport machen. Aufhören zu rauchen. Weniger aufschieben. Abnehmen. Mehr Zeit mit der Familie verbringen. Weniger trinken. Endlich das Bastelprojekt abschliessen, das seit fünf Jahren in der Garage herumliegt. Weniger Süsses essen. Sich weniger stressen lassen. Endlich diesen grossen Traum verwirklichen. Weniger streiten. Glücklicher sein. Wir nehmen uns das vor und denken: «Ja, dieses Jahr klappt es bestimmt mit diesen guten Vorsätzen!» – nur um uns vier Wochen später am Kopf zu kratzen und uns selbst zu fragen: «Wie lautete dieser gute Vorsatz nochmals genau?»

Damit nächstes Jahr alles anders wird mit den Zielen, habe ich euch eine kleine (psychologische) Anleitung zur Kunst des Ziele-Setzens erstellt. Denn seien wir ehrlich: Wer bricht schon in Begeisterungsstürme aus bei einem Vorsatz wie «mehr Sport machen»? Eben. 

Deshalb hier eine andere Anleitung, um Ziele zu setzen:

  • Setze dir maximal 3 Ziele auf’s Mal. Weniger ist mehr.
  • Das Erreichen des Ziels muss zu 100 Prozent in deiner eigenen Kontrolle liegen. «Einen neuen Job finden» ist deshalb kein gutes Ziel, weil es nicht allein in unserer Hand liegt, ob ich eine Anstellung finde oder nicht. Besser wäre deshalb: «Ich schreibe jeden Monat vier Bewerbungen.»
  • Das Ziel sollte als ein «hin-zu»-Ziel formuliert sein. d.h. es sollte zu etwas hinführen, nicht von etwas weg. «Meinen ersten 5-km-Lauf absolvieren» ist besser als «Nicht so viel auf dem Sofa herumliegen». Das Wörtchen «nicht» sollte vermieden werden bei der Zielformulierung. «Nicht mehr so viel Süsses essen» ist deshalb ein schlechtes Ziel, weil unser Gehirn mit Verneinungen nicht gut umgehen kann.
  • Mache das Ziel messbar, stelle deinen Fortschritt sichtbar dar, es darf Spass machen. Zum Beispiel beim Ziel «Abnehmen» für jede 100 Gramm, die man abnehmen möchte, ein Kästchen auf ein Blatt Papier zeichnet. Nimmt man nun ab, kann man für jedes 100 Gramm, das die Waage weniger anzeigt, ein Kästchen ausmalen. Wer mit Rauchen aufhören möchte, kann sich ein Sparglas hinstellen und das Geld, welches er/sie für Zigaretten ausgegeben hätte, dort hineintun und zuschauen, wie sich das Glas zunehmend füllt.
  • Es ist wichtig, die Zielerreichung zu feiern (oder die Etappen, wenn es ein langfristiges Ziel ist) und sich zu belohnen. Die Erreichung eines persönlichen Ziels ist ein freudiges Ereignis und die Aussicht auf eine Selbstbelohnung spornt zusätzlich an.
  • Übernimm Verantwortung für das Ziel. Schreibe das Ziel auf einen Zettel und hänge diesen an den Kühlschrank, Badezimmerspiegel oder sonst einen Ort, wo es regelmässig zu lesen ist. Erzähle Familienmitgliedern und Freunden davon – denn diese werden nachfragen, wie es denn mit dem Ziel so läuft. Auch das hilft, motiviert zu bleiben.
  • Das Ziel sollte einen positiven somatischen Marker enthalten. Alle, welche ihr Haus mit der Konmari-Methode ausgemistet haben, wissen, was das ist. Dieser «Pling-Moment», dieses gute Gefühl im Körper, wenn man etwas in den Händen hält, das Freude auslöst. Auch Ziele können Freude auslösen, wenn sie richtig formuliert sind. Wie muss dein Ziel formuliert sein, damit du ein warmes Gefühl und ein Lächeln auf den Lippen hast, wenn du daran denkst?

Ich hoffe diese Anleitung hilft dir, deinen persönlichen Zielen näher zu kommen. In diesem Sinne eine Adventszeit voller positiver somatischer Marker und ein erfolgreiches 2022! 

Jeanin Huber, Psychologin, Bonstetten (ehemals Arni)

4 Gedanken zu „Cherzli 15: Über die Kunst des Ziele-Setzens“

  1. Liebe Frau Huber
    Da weiss ich nun, was ich bis Silvester noch zu tun habe… ;-) Das ist eine sehr hilfreiche Anleitung. Vielen Dank dafür!
    Herzlich
    Nadine Schwegler

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  2. Liebe Frau Huber, da gab es doch vor Jahrzehnten dieses Büchlein von Paul Watzlawick: Anleitung zum Unglücklichsein. Sie haben nun eine Anleitung formuliert, wie Ziele formuliert sein sollten, damit sie weniger ins Unglücklichsein führen. Da finden sich einige hilfreiche Anregungen. Vielen Dank.

    Mit herzlichen Grüssen
    Felix Maurer, Oberlunkhofen

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    1. Lieber Herr Maurer,

      ein sehr interessantes Büchlein, dessen Lektüre sich lohnt. Seit der Publikation 2009 hat sich einiges getan – der Bereich der Positiven Psychologie forscht fleissig daran, wie Gutes noch Besser werden und wir ein gelingendes Leben führen können (z.B. https://happyhabits.ch/ oder https://www.swippa.ch/de).

      Ich wünsche Ihnen viele glückliche Ziele im 2022!

      Herzliche Grüsse
      Jeanin Huber

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