Schönheit heilt. Wie Kunst und Natur uns in Krisenzeiten helfen

Beim kürzlichen Ausmisten meiner vielen Unterlagen bin ich auf einen Text mit dem oben genannten Titel aus «Psychologie Heute» von Mai 2014 gestossen, der mich erneut in den Bann zieht. 

Im Lead steht:

«Wenn Chaos, Schmerz und Verzweiflung uns befallen, aktivieren wir ein inneres Radar, suchen nach einem Ausgleich – und werden meistens fündig. Wir folgen einem Instinkt, der uns hilft, wieder ins seelische Gleichgewicht zu kommen. Das tun wir, indem wir empfänglich werden für das Schöne.» 

Dieser Lead zu einem längeren Beitrag hat mich inspiriert, dem Gedanken zu Kunst und Natur nachzugehen.

Ich habe den Eindruck, dass ich in der Corona-Krise für das Schöne empfänglicher werde oder es vermehrt würdige. Ich halte vermehrt inne, beobachte die Vögel im Garten, das Spriessen, Blühen und lausche der Stille. Ich schaue, staune und lasse mich nicht mehr so leicht wie früher ablenken. Das wunderschöne Frühlingswetter trägt unendlich viel dazu bei, dass ich staunen darf. «Das Prinzip Natur» von Richard Louv kommt mir dabei gleich in den Sinn. Auch habe ich z.B. Hesses Aquarelle wieder genauer angeschaut und auf mich wirken lassen. 

Die Natur ist ein veritabler Kraftspender. Bilder aus Kunst und aus meinem Fotofundus beleben meine Fantasie und erzählen mir viele Geschichten. Geschichten, die sich gerade jetzt wieder als wahre Juwelen präsentieren. 

Eintauchen in die Vergangenheit ist nicht nur ein Privileg des Alters. Es kann in jedem Alter Juwelen zum Vorschein bringen. Und das gerade jetzt, wo die Gegenwart alles andere als Juwelen vorzeigt.

Bunte und herzliche Frühlingsgrüsse euch allen.  

Ruth Baumann, Oberlunkhofen 

Zuerst wurde die Fasnacht abgesagt

Die aktuelle Pandemie hat die Gemeinde Unterlunkhofen insofern bereits sehr früh erreicht, als am 28. Februar, 10.15 Uhr, der Bundesrat entschieden hat, Veranstaltungen mit mehr als 1000 Personen zu verbieten. Am selben Tag hätte die Kinderfasnacht um 14.30 Uhr ihre Tore geöffnet und es wäre der Startschuss für die Unterlunkhofer Fasnacht 2020 gewesen. Die Betonung liegt auf «hätte» und «wäre». In diesem Moment war allen Involvierten, die gemeinsam mit dem Gemeinderat entscheiden mussten, sämtliche Fasnachtsveranstaltungen abzusagen, bereits eindrücklich und schmerzlich klar, was «Corona» bedeutet und welches Ausmass sich anbahnen wird. 

Die Gemeindebehörden und -verwaltung hatten darum fast einen Vorsprung. So liessen sich in unserer Verwaltung Vorbereitungen auf mögliche Home-Office-Situationen testen. Dennoch war auch bei uns und mir selbst die Betroffenheit über das effektive Eintreten des scheinbar Unmöglichen unglaublich gross. In einem ersten Moment bestand die Aufgabe einerseits darin, alles Organisatorische möglichst rasch umzusetzen: das Verwaltungspersonal wurde aufgeteilt und arbeitet seither in Klein-Teams abwechslungsweise in den Verwaltungsbüros bzw. im Home Office. Die Gemeinderatssitzungen finden via Videokonferenz statt. Nachdem die technischen Voraussetzungen dafür bestens waren, liessen sich diese Massnahmen – zumindest aus technischer Sicht – relativ einfach umsetzen. Unsere Verwaltung ist während den ordentlichen Zeiten geöffnet; geschlossen bleiben muss jedoch die Glasscheibe des Schalters und auch bei uns steht das inzwischen obligate Desinfektionsmittel bereit. Die Schalterkontakte haben sich per sofort auf ein Minimum reduziert. Die Bevölkerung hält sich bravourös an den Appell, die Verwaltung nur in Notfällen persönlich aufzusuchen. Die meisten Kontakte finden per Mail oder Telefon statt. Sitzungen in Kleinstgruppen finden nur im Ausnahmefall im Mehrzweckraum statt und selbstverständlich unter zwingender Einhaltung des notwendigen Abstandes. 

Täglich gelangen neue Weisungen, Empfehlungen und Erklärungen zu uns, die es zu prüfen gilt, ob sie Auswirkungen auf unsere Tätigkeit und/oder unsere Gemeinde haben. Nicht selten folgen tags darauf Erklärungen zu den Erklärungen. In gewisser Weise Behördenalltag. Wir sind und bleiben flexibel… Es ist unglaublich spannend zu sehen, was derzeit alles in kürzester Zeit entschieden und umgesetzt wird, was sonst Jahre dauert. Hut ab, vor allen involvierten Stellen!

Andererseits galt und gilt es, die menschliche emotionale Komponente zu berücksichtigen. Die Situation beschäftigt und ja, sie beängstigt! Es war und ist mir persönlich ein grosses Anliegen, diesen Emotionen in einer scheinbar kühlen und sachlichen «Amtsatmosphäre» den notwendigen Platz zu geben. Ob Bevölkerung, Funktionäre, Mitarbeitende oder Behördenmitglieder, an keinem geht diese Zeit spurlos vorbei. Wir alle durchleben sie mit Hochs und Tiefs, wofür sich niemand, ganz ungeachtet seiner Stellung, zu schämen braucht. Der Alltag besteht derzeit also nebst der normalen Verwaltungstätigkeit in erhöhtem Mass auch aus Zuhören und darin, die Sorgen und Ängste unterschiedlichster Art ernst zu nehmen. Weiter ist es auch eine wesentliche Aufgabe, Verständnis für teilweise unliebsame Massnahmen zu schaffen und Erklärungen hierzu abzugeben. Gewisse Entscheide sind nicht einfach: Darf nun noch Tennis gespielt werden auf dem polysportiven Platz der Gemeinde? Kann er nicht beschränkt werden nur für Einheimische? Es sind solche und ähnliche Fragen, die verständlich sind und auf die es meist nicht eine richtige oder falsche Antwort gibt. Wichtig ist, der Bevölkerung in diesem Zusammenhang aufzuzeigen, dass es darum geht, gemeinsam die Pandemie in Schranken zu halten, und nicht um eine Benachteiligung oder gar Bestrafung einzelner.

Eindrücklich ist das Angebot an Hilfestellung. Fast schon etwas unangenehm für uns, dass das Angebot weit höher ist, als die Nachfrage. Ein wahrlich «schönes Problem» in dieser Zeit… 

Weiter gilt es, auch an das Gewerbe zu denken: Der Gemeinderat setzt alles daran, nach Möglichkeit geplante Vorhaben zu realisieren und den (regionalen) Betrieben Aufträge zu erteilen, um ihrer Zukunft – nebst den übergeordnet geschnürten Hilfspaketen – eine Perspektive zu geben.

Zuletzt bleibt der Ausblick auf die Zukunft. Die Frage stellt sich natürlich auch bei uns, ab wann wieder der Normalbetrieb aufgenommen werden kann. Sprich: Ab wann wieder das ganze Team zusammenarbeiten kann, Sitzungen gemeinsam in einem Sitzungszimmer und Gemeinde- und Vereinsanlässe stattfinden können. 

Viel mehr noch beschäftigt mich persönlich allerdings, wie sich die aktuelle Situation auf uns Menschen auswirken wird: Ich hoffe und wünsche mir, dass sie möglichst wenig traumatische Folgen haben wird, sich unsere Bevölkerung nicht in Suchtverhalten begibt und nicht in häuslicher Gewalt wiederfindet. Weiter wünsche ich mir, dass unsere Gewerbetreibenden und die vielen Selbständigerwerbenden, die ohne Schuld in ärgste Schwierigkeiten geraten sind oder noch werden, es schaffen, die Krise zu überstehen und möglichst rasch wieder auf finanziell gesunden Beinen stehen zu können. Dies trägt vor allem zur mittel- und langfristigen und insbesondere psychischen Gesundheit unserer Bevölkerung bei. Zu guter Letzt hoffe ich, dass wir aus dieser Zeit das Positive – und das hat sie auf jeden Fall – mitnehmen: Demut, Menschlichkeit, Wertschätzung, etwas mehr Ruhe sowie Raum für Umwelt und Natur. 

Ich wünsche Ihnen allen von Herzen das Beste für die Zukunft: gute physische und psychische Gesundheit! «Hebed Sie sich Sorg!»

Claudia Burkart, Gemeindeschreiberin Unterlunkhofen

Entschleunigen

Für mich, verheiratet mit einem Landwirt, Mutter von drei schulpflichtigen Kindern und drei verschiedenen Nebenjobs in der Event- und Freizeitbranche, Mittagsbetreuung der Schulkinder vor Ort in der Schule sowie meiner Arbeit in der Gastronomie, bietet dieses Virus eine grosse Chance zum Entschleunigen.

Sobald ich zu realisieren begann, dass allmählich alles schliessen würde, freute ich mich schon darauf und hatte schon bald weniger gesundheitliche Probleme und weniger Stress. Schon da wurde mir bewusst, dass sicher nicht nur ich, sondern viele andere auch oftmals gar nicht bemerken, in welchem Stressstrudel wir alle schwimmen. Und die daraus entstehenden finanziellen Einbussen ärgerten mich nicht mal da. Ich wusste ja, dass ich zu gegebener Zeit schon für harte Zeiten ein kleines Wohlstandspölsterchen angearbeitet hatte. 

Ja, ich fühlte mich total befreit. Und startete in einen unbestimmten Lebensabschnitt im Wohlstand. Hier auf dem Hof mit eigenen Lebensmitteln, nur mit meinem Mann und den Kindern zu farmern, Home Schooling zu üben, den ganzen Tag schmutzig zu sein, zu Essen wenn der Hunger da ist und nicht, bevor die Schule ruft und die Nebenjobs anlaufen. Sich zu fühlen wie irgendwo in Texas, wo der nächste Nachbar unendlich weit weg ist – das tat so gut.

Nun sind seit da drei, vier Wochen vergangen und wir alle merken, wie wir die sozialen, persönlichen Kontakte vermissen. Trotzdem aber stark bleiben wollen in diesem Marathon der Viruswelle, auch für andere und vor allem aber auch zu unserem eigenen Schutz. 

Ich bin zuversichtlich, dass alles bald einmal vorbei geht. Sicher ist dann aber nichts mehr wie vorher; probieren wir doch alle, optimistisch in die Zukunft zu blicken.

Ich wünsche uns allen hiermit viel Kraft, auch zur Besinnung, viel Lebensmut und die Wertschätzung für das Einfache und dazu eine gesunde Portion Humor – gerade jetzt ist es wichtig, auch einmal herzhaft lachen zu dürfen, und sei es Dank eines lustigen Beitrags aus den Medien oder einer Nachricht von Freunden, die einen fröhlich stimmt. Hauptsache, wir gehen glücklich durch die Tage und machen das Beste aus jedem einzelnen davon. 

Anonym (Identität bekannt)

Mutter und Klavierlehrerin – in Zeiten wie diesen

8:32
Fruchtsalat mit Müesli steht frisch zubereitet auf dem Esstisch und wartet auf die Kinder. «Wo sind die nur? Die müssten alle schon beim Frühstück sein…»

8:37
Ich spüre, dass mein Herz etwas schneller zu schlagen beginnt. «Tief durchatmen und entspannt bleiben», sage ich mir innerlich.

8:40
Unsere ältere Tochter kommt die Treppe herunter und ruft ihren Geschwistern im Halbschlaf zu: «Es gibt Frühstück!»

8:50
Endlich sind – mit 20 Minuten Verspätung – alle Kinder am Tisch. Ich halte meine erste tadelnde Rede an diesem Tag: «Wir hatten abgemacht, dass um 8:30 Uhr gefrühstückt wird und ihr spätestens um 9 Uhr mit den Schulaufgaben beginnt. Ich unterrichte ab 9:30 und muss vorher einiges vorbereiten.» «Ich brauche keine 10 Minuten um zu frühstücken«, murmelt unsere jüngere Tochter noch schläfrig.

9:05
Hastig scheuche ich meine drei in ihre Zimmer. «Ihr kommt bitte nicht ins Wohnzimmer während ich unterrichte!»
Seit nicht mehr in der Schule gelehrt werden kann, gebe ich Klavierunterricht per WhatsApp-Video. Heute werde ich je drei Schüler am Vormittag und Nachmittag unterrichten.
Unterrichten via Mobile ist anstrengender als der «normale» Direktunterricht. Daher plane ich pro Halbtag maximal vier Schüler hintereinander.
Bevor es losgeht, lege ich die Noten bereit und schaue mir die Videos an, die mir die Schüler am Vorabend gesendet haben.

9:30
«Hoi Rachel! Wie geht’s dir? Seid ihr alle gesund?» Inzwischen ist diese Frage Standard geworden. 
Beim Online-Unterrichten muss ich klarer kommunizieren und weniger reden. Am besten funktioniert es, wenn der Schüler nur wenige Takte spielt und ich direkt anschliessend kommentiere. Erschwerend kommt hinzu, dass der Klang und die Bewegung nicht übereinstimmen – da hilft oftmals nur Augen schliessen und zuhören.
Nun fokussiere ich mit der Kamera die Noten und zeige Rachel die falsch gespielten Töne. «Wie heisst diese Note nach der Viertelnote ‚Fis‘?» «…Hmm… D?»
«Ja, genau. Du hast vorher ‚E‘ gespielt.» Sie spielt es nochmals richtig.
«Sehr gut! Bitte spiele nun die Takte 13-15.» Wie ich im Video gesehen habe, gibt es beim Rhythmus noch Unsicherheiten.
Rachel probiert, bricht ab und probiert wieder. Meine Erklärungen und das Vorsingen des Rhythmus bringen nicht den gewünschten Erfolg.
«Rachel, ich nehme mich gleich auf und sende dir die Aufnahme.»
Ich eile ans Klavier und nehme mich auf, während ich laut zähle.
Sofort sende ich ihr die Aufnahme und rufe sie kurz danach an.
Als Rachel die Takte nochmals spielt, klingt es bereits viel besser. Ich freue mich mit Rachel und lobe sie. Sie lächelt ins Mobile, das ihre Mutter seit 20 Minuten tapfer in der Hand hält.
«Das war sehr gut! Bitte spiele einmal vom Anfang an.» 
Nach der Lektion sende ich Rachel die neuen Aufgaben mitsamt Photos der Noten, die mit Fingersätzen und Bemerkungen vollgeschrieben sind.

11:50
Alle Schüler haben ihre Aufgaben für die nächste Woche erhalten. Meine Augen sind müde vom kleinen Bildschirm.
Da kommt mein Sohn mit schnellem Schritt die Treppe herunter – bereits zum dritten Mal innerhalb kurzer Zeit. «Ich bin soooo hungrig! Was essen wir?» Eilig öffne ich den Kühlschrank und beginne kurz danach mit Kochen.

12.40
Wir sitzen zu viert am Esstisch und essen eine warme Nudelsuppe. 
Mein Mann hat kein Home Office. Er arbeitet in der Nahrungsmittelindustrie und hat in diesen Tagen viel zu tun.
Unsere jüngere Tochter erzählt eifrig, was sie heute Morgen über General Dufour gelernt hat. Ihre beiden älteren Geschwister geben ebenso eifrig Kommentare dazu ab. Am Tisch wird es lauter und Aika, unsere einjährige Hündin, beginnt zu bellen. Auch sie musste sich an die neue Situation gewöhnen. 
Die Jüngste fragt, ob sie heute selber im Volg einkaufen und das Abendessen kochen darf. Sie macht noch ein paar Vorschläge und die Kinder einigen sich auf Chicken Nuggets mit Country Fries. Toll – ich muss einmal weniger kochen!

14:00
Meine Kinder sind in ihren Zimmern und ich beginne wieder zu unterrichten.

18:00
Die beiden Teenager gehen raus und nehmen Aika mit. 
Endlich etwas Ruhe… Ich bin erleichtert, dass es langsam besser klappt mit dem Online-Unterricht. Von Tag zu Tag bin ich weniger müde. 
Auch wenn es schwierige Zeiten sind, habe ich doch das Gefühl, dass unsere Familie stärker zusammenwächst. Und trotz der erzwungenen Distanz spüre ich mehr Mitgefühl zwischen den Menschen. 

Hmm… jetzt freue ich mich auf die selbstgemachten Chicken Nuggets mit Country Fries!

Hyunah Rottenschweiler-Shin, Klavierlehrerin, Oberlunkhofen

Erfahrungen und Gedanken

Familie

Alle gesund und munter. Wir gehören nicht zur Risikogruppe und gehen das Ganze mit Respekt, aber dennoch gelassen an. Simon, unser jüngster Sohn, ist mit seiner Freundin mit dem letzten Flug von Australien zurückgekommen. Der lange herbeigesehnte Arbeits- und Ferienaufenthalt wurde hinfällig. Dafür ist es jetzt umso schwieriger, hier Arbeit zu finden. Wir haben das grosse Privileg, dennoch arbeiten zu können. Für Esther ist die Situation als Lehrerin schwieriger. Kein Vergleich allerdings zu einer Familie mit Kindern, die womöglich in einer Wohnung leben und ein Teil der Eltern noch im Homeoffice arbeitet. Wir wünschen Ihnen viel Kraft.

Hof

Natürlich nehme ich auch wahr, was in der näheren und weiteren Umgebung passiert. Auf unserem Hof, bei der täglichen Arbeit in der Landwirtschaft, hat sich aber nicht viel geändert. Es ist ein «Traum-Frühling» und die Felder lassen sich gut bestellen. Die Tiere müssen gepflegt und gefüttert werden. Von Lockdown keine Rede, wie gewohnt 70 bis 80 Stunden pro Woche. Dafür, wie sonst auch, keinen Arbeitsweg. Und doch meine ich eine Veränderung zu spüren. Die zahlreichen Spaziergänger grüssen wieder vermehrt. Seit Gestelle leergehamstert wurden und die Grenzen geschlossen sind, scheint die Wertschätzung für unsere Arbeit zu steigen. 

Politik

Geht es Ihnen vielleicht auch wie mir? Vermissen Sie die Schreihals-Parlamentarier von ganz links oder rechts aussen auch nicht? Ebenso die ganz Grünen und die eher Braunen? Vorübergehend haben die sich etwas zurückgenommen und es wurde ihnen auch keine Plattform gegeben. Das war doch ganz angenehm. Und wissen Sie was: Die Reuss fliesst trotzdem immer noch von oben nach unten.

Sterben

Schwierig. Ich habe den Eindruck, sterben ist nicht mehr «erlaubt». Angeblich ist jeder Tote einer zu viel. Verstehen Sie mich nicht falsch, aber über den Tod wird kaum noch gesprochen. Und sterben darf man eigentlich an was? Ich lese nur immer wieder an was nicht: Krebs, Grippe, Lungenentzündung, Herzinfarkt, Unfall, … Dabei gibt es nur eine Statistik, die wirklich stimmt: Wir sterben alle, zu 100 %.

Gesellschaft

Auch schwierig. Zu viele Leute leben anscheinend über ihren Verhältnissen. Das Motto lautet: Man leistet sich alles, was der Nachbar auch hat – und noch ein bisschen mehr. Wenn dann der Zahltag am 25. einmal nicht pünktlich und vollständig ausbezahlt wird, gibt es ernsthafte Probleme. Damit meine ich nicht jene Menschen, die im Leben schon öfters auf der Schattenseite gestanden sind. Ich meine vielmehr jene auf der Sonnenseite.

Raiffeisenbank

Auch die Bank ist natürlich betroffen. Home-Office ist eine neue Erfahrung. Mit grosser Freude darf ich feststellen, dass trotzdem alles reibungslos funktioniert. Und noch mehr Freude habe ich ob dem Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das Ganze hat eine soziale Komponente und schweisst das Team zusammen. Auch die Kreditauszahlungen an unsere Kunden laufen reibungslos. Die Planungsarbeiten für unseren Neubau sind aber ins Stocken geraten. Zum Glück haben wir keine GV, sondern eine Urabstimmung. Leider fallen aber die Mitgliederversammlungen ins Wasser. Wir freuen uns aufs nächste Jahr!

Swiss Beef

Als Präsident von Swiss Beef hätte ich in den letzten Wochen am liebsten den Computer und das Telefon ignoriert. Aber genau diese beiden Hilfsmittel erlauben eine gute Kommunikation und deshalb eine gute Arbeit in dieser sitzungslosen Zeit. Als Folge der Schliessung der ganzen Gastronomie sind verschiedene Wertschöpfungsketten regelrecht eingebrochen. Der Absatz kam kurzfristig zum Erliegen. Die Preise sind teilweise erodiert. Die Essgewohnheiten zuhause und im Restaurant unterscheiden sich offensichtlich sehr stark. Vielleicht hat das auch mit den Kochfähigkeiten zu tun… Immerhin haben jetzt die Leute Zeit, um vielleicht wieder einmal ein Kochbuch zur Hand zu nehmen, anstatt eine Pizza zu bestellen.

Am Sonntag früh

Nach dem Stalldienst am Sonntag fahre ich hin und wieder mit dem Velo zum Beck und freue mich auf gutes Brot. Schon um acht Uhr stehe ich gemeinsam mit anderen im empfohlenen Abstand in der Warteschlange. Die Stimmung ist eher gedrückt und doch ergibt sich ein Gespräch auf Distanz. Mein Vordermann findet das Ganze masslos übertrieben. Er habe gestern drei Gärtner gesehen, die bei ihrer Arbeit im Unterabstand waren! Noch weiter vorne fand jemand die Gelegenheit gut, um jetzt endlich das Bargeld abzuschaffen – und schon bald gab es vier Meinungen bei drei Teilnehmenden.  

Ich hatte grosse Mühe, wie man in Anbetracht der Warteschlange noch eine Beratung in Anspruch nehmen kann, die darauf abzielt, ob man jetzt eine Semmel mit oder ohne Körnli oder ein Knorrenbrot oder vielleicht doch besser ein St. Galler-Brot oder ein Urdinkel –  vielleicht sogar ein Bio-Urdinkel-Vollkorn-Gipfeli erwerben soll. Grosser Seufzer. Corona hat seine läuternde Wirkung noch nicht überall voll entfaltet. Anscheinend haben gewisse Leute nicht Hunger, sondern suchen sich einen Zeitvertreib. Weil ich schon zwei Stunden gearbeitet hatte, war ich aber sehr hungrig und habe mir ganz einfach ein gutes Ruchbrot und einen feinen Zopf für die Nachbarn gekauft. Es hat zwar jeweils nicht viel Ruchbrot im Gestell. Wenn Sie aber früh genug da sind, sollte das klappen.

Zukunft

Was bleibt haften? Das Virus hat das Potential, mich und die ganze Welt zu verändern. Und das schadet so gesehen gar nichts. Demut kommt in mir auf. Ich habe den Eindruck, die Vögel pfeifen anders als sonst. Ob es wohl nur am fehlenden Verkehrslärm liegt?

Und noch etwas: Ich hätte nie gedacht, dass mir ein kräftiger Händedruck so fehlen könnte. Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit und freue mich auf einen Händedruck!

Franz Hagenbuch, Verwaltungsratspräsident Raiffeisenbank Kelleramt-Albis & Präsident Swiss Beef, Rottenschwil-Werd

Vielschichtiger Betrieb

In diesen Wochen ist ganz viel von Entschleunigung die Rede: Wir «müssen» jetzt weniger und «dürfen» dafür mehr; wir bekommen viel frische Luft (für die Lungen wie auch für uns selber); wir haben Zeit zum Nachdenken und, falls vorhanden, für die Familie… aufgezwungen zwar, aber irgendwie auch geschenkt. So tönt es allenthalben. Staatlich verordnete Seelen-Wellness sozusagen.

Auch meine Agenda ist seit dem Lockdown ungewohnt leer: Unsere Angebote, Events und Gottesdienste fallen ja weg, ebenso Besuche und die meisten Sitzungen. Das Private konzentriert sich derweil auf «zu Hause bleiben», kleinere Spaziergänge mit Töchterli und Hund ausgenommen.

Allerdings: «Entschleunigt» fühle ich mich trotzdem nicht. Im Gegenteil: Meine Frau und ich haben unsere Jobs als Pfarrer*in (die glücklicherweise sicher sind!) fast über Nacht neu erfunden und sind deshalb weiterhin bestens ausgelastet. Darüber hinaus habe ich die vergangenen Wochen als ausserordentlich intensiv erlebt – so intensiv wie noch nie. In mehrerlei Hinsicht:

Einen grossen Teil meiner Arbeitszeit verbringe ich seit Mitte März damit, unsere Mitglieder direkt zu kontaktieren. Wenn wir von jemandem eine Telefonnummer oder eine Mailadresse haben, so ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass ich mit der betreffenden Person im persönlichen Austausch stehe. Die Gespräche und Mails gehen in diesen Wochen tiefer als gewohnt; das Vertrauen, das mir entgegengebracht wird, berührt mich sehr. Auffällig dabei: In manch privatem Austausch wird das Hohelied auf die Entschleunigung mittlerweile leiser. Ich habe den Eindruck, dass die Stimmung in vielen Haushalten umschlägt. Was anfangs noch befreiend wirkte, wird allmählich zur Last: Manche Menschen haben jetzt existenzielle Sorgen; das Home Schooling führt zu schwierigen Diskussionen zu Hause, die räumliche Nähe im Haushalt zu Konflikten; andere Kontakte, auch die spontanen, werden zunehmend vermisst; wer vorher schon einsam war, ist es jetzt erst recht. Das ist die «andere» Seite: der Corona-Koller. Ich bin froh und dankbar, Zeit und ein offenes Ohr schenken zu können.

Vielleicht noch intensiver als die Arbeit ist aber unser Familienleben. Bei aller Liebe (!) zum Töchterchen: Ich vermisse die Entlastung durch Kinderkrippe, Schwiegermutter und Babysitterin ungemein! Und ich vermisse sie ganz besonders, weil wir als Eltern eines Kindes mit einer chronischen Krankheit im letzten Jahr ein fein austariertes Supportsystem aufgebaut haben, das jetzt in sich zusammengefallen ist. Seit dem Lockdown sehen die Tage so aus, dass ich bis etwa 14 Uhr im Büro arbeite und anschliessend zu Hause unsere Kleine «übernehme», damit meine Frau dann auch noch zur Arbeit fahren kann; von 20 Uhr bis gegen Mitternacht arbeite ich noch einmal weiter. Schichtbetrieb. Auch wenn ich als Vater seit jeher sehr präsent bin: Jetzt sind wir unglaublich gefordert. Das Mietklavier, erst im Februar organisiert, bleibt viel zu häufig unbenutzt. Die «Akkord-Arbeit» findet gerade anderswo statt.

Ob Seelen-Wellness oder Überforderung (oder beides gleichzeitig): Ich wünsche Ihnen alles Gute und einen langen Atem. Wir werden ihn brauchen. Schauen wir gut zu uns und schauen wir gut zueinander!

Und all denjenigen, die beim Positiven, was wir jetzt (auch) erfahren, schlicht ihr «altes Leben» mit seinen Sicherheiten zurückhaben wollen, möchte ich sagen: Ich verstehe Sie so, so gut! Mir geht es ähnlich – und ich glaube: Das ist okay.

Reto Studer, Pfarrer

Blog in der Zeitung (2)

Der «Beisammen.ch»-Blog hat es ein zweites Mal in die Zeitung geschafft – genauer: in die «Aargauer Zeitung» von heute Montag, 20. April.

An dieser Stelle ein herzlicher Dank an all unsere Autor*innen – und liebe Leser*innen, neu wie «alt»: viel Freude beim Eintauchen!

Wenn alles anders ist, aber vieles gleich

5:45 Uhr, der Wecker klingelt. Wie ein Klappmesser stehe ich auf, gehe ins Bad, das übliche Ritual, das übliche Tempo. Doch anstatt danach zur Bushaltestelle zu eilen, betätige ich die Nespresso-Maschine ein erstes Mal, nehme meinen Kaffee und begebe mich ins Gästezimmer. Faktisch war es bereits vorher zugleich auch Büro, doch mangels intensiver Benutzung fehlte das eine oder andere, was wir in weiser Vorahnung zum Glück noch geändert hatten, kurz bevor alle Geschäfte ihre Türen vorübergehend schliessen mussten. 

Danach beginnt mein Arbeitstag und verläuft während ein bis zwei Stunden fast wie immer: Mails checken, ein Blick in die Online-Tageszeitung(en) resp. den Terminkalender, erste kleinere Aufgaben erledigen, das Übliche. Der kleine Unterschied: Weil der Arbeitsweg wegfällt, findet alles rund eine Stunde früher statt und ich frühstücke nicht parallel dazu. 

Gegen 8 Uhr zeigt sich erstmals der grosse Unterschied zum sonstigen Arbeitstag: Mein Sohn kommt zur Türe herein und ruft «Ensolver!», was «Frühstück» heisst auf Romanisch. Für dieses nehme ich mir in diesen Tagen etwas mehr Zeit als üblich, weil ich es wie am Sonntag mit der ganzen Familie geniessen kann.

Doch anders als am Wochenende begebe ich mich nach dem Abräumen wieder ins Gästezimmer, oder besser gesagt ins Büro, denn Gäste empfangen wir zurzeit keine. Als Datenbankadministrator im Bereich Volkswirtschaft kann ich meiner Arbeit glücklicherweise praktisch unverändert und uneingeschränkt nachgehen. Wegen der aktuellen Situation gibt es sogar eher mehr Daten, die verarbeitet, archiviert und in Grafiken oder Tabellen dargestellt werden müssen.

Auch danach verläuft mein Arbeitstag sehr ähnlich wie immer. Dies ist aber alles nur möglich, weil meine Frau, die in der Gebäudetechnik selbständig erwerbend ist, sich um die Kinder kümmern kann. Ihre Branche ist wie viele andere von der Krise betroffen. Die bestehenden Aufträge sind erledigt, neue zu erhalten ist momentan schwierig bis unmöglich.

Unsere Kinder basteln und spielen gerne und viel. Geduldig begleitet sie tagsüber meine Frau, nach Feierabend übernehme ich und geniesse die Zeit mit ihnen sehr. Mindestens einmal die Woche machen wir vor dem Nachtessen zusammen eine «Joggingrunde», wobei ich der Einzige bin, der ohne Fahrrad unterwegs ist. Als Familie haben wir im Moment mehr gemeinsame Zeit, weil alle sonstigen Termine wegfallen. 

Wir telefonieren auch oft mit den Grosseltern, die ihre Enkelkinder unglaublich vermissen. Es bleibt zu hoffen, dass sie diese bald wieder in den Arm nehmen können. Auch wenn ich persönlich diese spezielle Zeit sehr erträglich finde, hoffe natürlich auch ich, bald wieder zur «Normalität» zurückzukehren. Freunde treffen, Tennis spielen, die Eltern sehen, das alles vermisse ich auch sehr. Doch vorerst ist es leider nicht so. Alles, was wir im Moment machen können und sollen, ist, uns an die Empfehlungen des Bundesrates zu halten, Kontakt mit anderen Leuten zu meiden und daheim zu bleiben. Alles Gute!

Ginard Jörg, Oberlunkhofen

Ein neuer Feind

Hier in Oberlunkhofen wohnen seit ein paar Jahren dreizehn Asylsuchende – eine kurdische Familie aus dem Irak mit drei Söhnen, eine syrische Familie aus Aleppo mit einer erwachsenen Tochter und drei weiteren Kindern und ein älteres Ehepaar aus Damaskus, Syrien. Ihre Fluchtgründe und -erfahrungen sind wahrlich Grauen erregend; sie reden nicht gern darüber. Gott sein Dank sind alle mehr oder weniger gesund bei uns angekommen. 

Ich wurde vom Gemeinderat mit der Betreuung dieser Leute beauftragt. Am Anfang hatten alle Schwierigkeiten: die Sprache, amtliche Vorschriften, Billette für den öffentlichen Verkehr kaufen, der Schulalltag, Arztbesuche und vor allem die kulturellen Unterschiede: Für was braucht es Abfallmärkli? Warum muss ich die Musik leiser stellen? Wann verwende ich Vornamen / Nachnamen, Du / Sie? Da versuchte ich geduldig alles zum dritten Mal zu erklären, z.T. mit Hilfe eines Dolmetschers. Aber nun haben sich alle gut im Dorf eingelebt. Einige Eltern haben Deutschkurse besuchen und Teilzeit-Arbeitsstellen annehmen dürfen. Den Kindern geht es in der Schule gut; eine Jugendliche absolviert ein Praktikum und sie und ihre Schwester fangen im Sommer Lehrstellen an. Also recht erfreulich.

Aber plötzlich taucht ein neuer Feind auf, vor dem sie sich fürchten müssen: die Hexe Corona! Die Kurse werden abgesagt; die Schulen werden geschlossen; als Pizzakurier oder als Event-Monteur kann man nicht mehr arbeiten; als ü65er soll man nicht unter die Leute gehen, also kein Einkaufen beim Tischlein-deck-dich usw. Und wenn fünf bis sechs Menschen den ganzen Tag aufeinander in der Wohnung hocken – ihr wisst es ja – ist es nicht immer so friedlich.

Zum Glück hat das ältere Ehepaar Verwandte in der Nähe, die für sie einkaufen können. Aber dafür brauchen sie weiterhin ihr bescheidenes Tagesgeld, das ich wöchentlich bei der Gemeindeverwaltung abhole – neuerdings durch eine Plexiglasscheibe – und ihnen bei Kaffee und Guetzli aushändige. Wir halten Distanz und, obwohl wir uns sprachlich kaum verständigen können, schätzen sie den kurzen Besuch.

Bei einer Familie gehe ich auch ab und zu schnell vorbei, um die bewilligten Reisespesen zu begleichen oder beim e-Banking behilflich zu sein. Diese Technologien sind für die ältere Generation halt immer noch etwas rätselhaft.

Nächste Woche fängt die Schule mit dem Fernunterricht an. Eine neue Herausforderung! Aber die Jugendlichen lernen ja viel schneller als wir Alten, wie das mit Zoom usw. funktioniert. Ich erwarte keine allzu grossen Schwierigkeiten.

Und so hoffe ich – wie ihr alle auch – gesund zu bleiben und bald wieder ein etwas normaleres Leben führen zu können. Hoffentlich haben wir aber alle aus dieser Notsituation auch etwas über bessere nachbarschaftliche Beziehungen und einen umweltgerechteren Lebensstil gelernt.

Viktor Steiner, Oberlunkhofen

Blog in der Zeitung (1)

Der «Beisammen.ch»-Blog hat es in die Zeitung geschafft – genauer: in den «Bremgarter Bezirks-Anzeiger» von gestern Freitag, 17. April.

An dieser Stelle ein herzlicher Dank an all unsere Autor*innen – und liebe Leser*innen, neu wie «alt»: Schön, sind Sie hier!

(Wenn Sie im Kelleramt wohnen und einen eigenen Text einreichen möchten, so finden Sie hier ein paar Informationen dazu. Sie dürfen es sich aber auch erst einmal einfach gemütlich machen… In diesem Sinne: viel Freude beim Lesen!)

Wie die Psychotherapie jetzt helfen kann

Reto Studer (RS): Wie haben sich die Psychotherapie-Sitzungen verändert seit Beginn des Notstandes?

Jeanin Huber, Psychotherapeutin (JH): Als medizinische Leistung darf die Therapie noch in den Praxen durchgeführt werden – natürlich unter Einhaltung der BAG-Richtlinien sowie den Empfehlungen der FSP (Föderation der Schweizer Psychologinnen und Psychologen, der grösste Schweizer Berufsverband der Psycholog/innen). Aber was vorher die Ausnahme war, wird zur Regel – Therapie per Telefon und Videokommunikation. Denn viele Patientinnen und Patienten getrauen sich nicht mehr in die Praxis. Manche aus Angst, sich selbst anstecken zu können, andere, weil sie Angehörige auf keinen Fall gefährden möchten.
Wieder andere schätzen gerade die Möglichkeit, die Therapiesitzungen in der Praxis wahrzunehmen sehr, da sie dadurch einen guten Grund haben, das Haus zu verlassen oder es fällt leichter, sich zu öffnen, wenn man jemandem vis-à-vis sitzt. 
Durch die Einhaltung der BAG-Richtlinien schüttle ich keine Hände mehr zu Begrüssung und zum Abschied und halte stets zwei Meter Abstand, was zu Beginn gewöhnungsbedürftig war. 

RS: Was sind die Themen, die im Moment besprochen werden? Spielt das Coronavirus eine zentrale Rolle?

JH: Zu Beginn der Sitzungen vielleicht, jedoch sind eher die Auswirkungen des Notstandes vermehrt Thema: Personen, welche zuvor an Einsamkeit litten, tun dies oft noch mehr. Schüler/innen und Lehrlinge wissen nicht, wie es um ihre Prüfungen und den Abschluss des Schuljahres steht. Selbständige kämpfen um ihre Existenz. Bei manchen löst der ungewisse Zustand und die Einschränkungen vermehrt Ängste oder depressive Verstimmungen aus. Manche Dinge, die man gerne tut und welche uns Energie geben, sind aktuell nicht möglich, wie zum Beispiel die Teilnahme an einem Konzert, Kaffee trinken mit der Freundin, das Stöbern in einem Buchladen etc. Themen sind deshalb auch, was man alternativ tun kann und wie man seinem Tag eine Struktur geben kann. Da Paare und Familien plötzlich auf engerem Raum 24/7 miteinander auskommen müssen, können Paar- und Familienkonflikte zunehmen. Hier kann die Psychotherapie helfen, die Konflikte zu klären und neue Wege im Umgang mit der Situation zu finden. 

RS: Inwiefern verschärfen sich durch die neuen Umstände die bisherigen Probleme?

JH: Die aktuelle Situation erfordert von uns allen eine aussergewöhnliche Anpassungsleistung, was eine Stressbelastung darstellt. Probleme, die zuvor schon bestanden haben, können sich dadurch weiter verschärfen – oder aber es tauchen neue Herausforderungen auf wie beispielsweise Umgang mit Grenzen aller Familienmitglieder, weil plötzlich alle fast ständig zuhause sind. 

RS: Wie kann Psychotherapie helfen?

JH: Psychotherapie kann zur psychischen Entlastung und Stabilisierung beitragen. In der Therapie können wir alternative Verhaltensweisen erarbeiten, Strategien einüben, um negative Gedankenspiralen und Ängste zu hinterfragen und zu reduzieren, Paar- und Familienkonflikte aus anderer Perspektive betrachten und konstruktiver gestalten, depressive Verstimmungen reduzieren, Umgang mit Home Office und den eigenen Leistungsanforderungen klären und vieles mehr. Die Therapie wird dabei den Bedürfnissen, Themen und Anliegen der jeweiligen Person angepasst. Wir arbeiten mit den Patienten an ihrem Verhalten, ihren Gedanken und Gefühlen, beziehen aber auf Wunsch und unter Einhaltung der Vorgaben des BAG das Umfeld mit ein, indem wir bspw. ein Paargespräch führen.

RS: Was siehst du an psychischen und sozialen Problemen auf die Gesellschaft zukommen?

JH: Diese Frage wird sich erst im weiteren Verlauf des Jahres klären. Die aktuelle Situation stellt eine aussergewöhnliche Stressbelastung dar. Dies kann dazu führen, dass Personen, die zuvor schon am Limit liefen, jetzt «kippen» und psychische Probleme entwickeln. Diese können sich z.B. in Niedergeschlagenheit, Reizbarkeit und Aggression, Versagensängsten, Überforderungs- oder Minderwertigkeitsgefühlen äussern. Die Forschung zeigt zudem, dass es nach Quarantäne-Situationen zu Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit und Überforderung kommen kann und die Personen auch nach dem Lockdown Menschenmengen meiden. Wir sind hier, um diese Personen zurück auf dem Weg aus der Krise zu unterstützen.

RS: Was ist aus deiner professionellen Sicht interessant zu wissen?

JH: Es braucht oft Überwindung und Mut, uns aufzusuchen, wenn man noch nie Kontakt mit Psychotherapie hatte oder diese nur aus dem Fernsehen kennt. Wenn Sie jedoch nicht mehr weiterwissen oder alles, was Sie versuchen, um an Ihrer Situation etwas zu ändern, im Moment scheitert, möchte ich Ihnen ans Herz legen, dies auszuprobieren – «nützt’s nüt, schad’s nüt». Viele berichten, dass es hilft, die Situation mal mit einer aussenstehenden Person zu besprechen und neue Inputs zu bekommen. Es ist jedoch wichtig, dass Sie sich eine Fachperson suchen, die Ihnen wirklich zusagt. Zudem kann es auch einfacher sein, es mal «online» oder per Telefon auszuprobieren, weil man so in der vertrauten Umgebung bleiben kann. 

RS: Wie fährst du selber herunter? 

JH: Neben Spaziergängen, entspannenden Bädern, Sport, guten Gesprächen mit Familie und Freunden, finde ich unter anderem Yoga Nidra, Meditation und den Bodyscan sehr hilfreich.

Jeanin Huber, Psychotherapeutin, Arni

Tipps von Jeanin Huber:
Hier finden Sie psychologische und psychotherapeutische Unterstützung: http://www.psychologie-anderegg.ch/
Eine weitere Auswahl an Psychotherapeut/innen finden Sie unter: https://www.psychologie.ch/psychologensuche
Covid-19: Wie Sie häusliche Isolation und Quarantäne gut überstehen: https://www.psychologie.ch/covid-19-wie-sie-haeusliche-isolation-und-quarantaene-gut-ueberstehen

Wenn Krankheiten warten müssen

Mein Name ist Marcel Butti, ich bin Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, Manuelle Medizin und für Homöopathie und führe in Oberlunkhofen seit vielen Jahren eine Arztpraxis. Wie für alle ist für uns in der Praxis die Situation ganz neu, ich habe noch nie etwas Vergleichbares erlebt. Meine Eltern erzählten früher vom Aktivdienst und der Kriegszeit, das war sicher ähnlich einschneidend; für uns, die das nicht erlebt hatten, blieb es aber eine Erzählung.

Das erklärt vielleicht das gegenwärtige militärische Vokabular in den Nachrichten über den Feind, das Virus. Unheimlich ist es, weil es jeden treffen kann, wahrscheinlich meistens nicht schlimm, man kann aber nicht sicher wissen, ob man nicht auch schwer erkrankt. Die Schnelligkeit der Ausbreitung ist unheimlich.

Sicher grosse, noch ungelöste Probleme haben die vielen Menschen, die in Branchen arbeiten, die jetzt stillgelegt sind: kleine Unternehmen aller Art, der ganze Tourismusbereich, und viele andere mehr.

Nun versuchen wir in der Arztpraxis die Vorgaben umzusetzen, zu verstehen, die Nachrichten einzuordnen. Die «normalen» Krankheiten haben zu warten, das schmerzhafte Hüftgelenk wird noch nicht operiert. Wir haben entsprechend paradoxerweise wenig zu tun. Für die Intensivstationen sind wir nicht ausgebildet und können dort nicht einfach Fachleute unterstützen.

Privat geht es mir wie allen anderen auch: Kontakte reduzieren, keine weiten Ausflüge, keine Restaurant-Besuche, die Haare werden länger. Man kocht mehr, telefoniert wieder mehr als nur, um Nachrichten zu tauschen, damit man wieder eine Stimme hört. Ich bin mehr auf mich selber beschränkt, kann mich weniger mit allerlei ablenken.

Den Verschwörungstheorien muss ich oft entgegentreten, den Propheten der Apokalypse, die nun ihre Stunde kommen sehen, den Wichtigtuern.

Wie das weitergeht weiss niemand so klar; nur, dass es so schnell wieder wird wie vorher, glaubt niemand wirklich. Die ganzen politischen Auswirkungen und Nachbeben weltweit kommen ja noch dazu.

Bleiben Sie gesund.

Dr. Marcel Butti, Hausarzt, Oberlunkhofen

Virtuelle Klassenstunde

Vor gut drei Wochen habe ich das letzte Mal die Kanti Wohlen betreten, bin in einem Klassenzimmer gesessen und habe in der Mittagspause mit meinen Klassenkameraden Kartenspiele gespielt. Seither hat sich vieles verändert. Mein Zimmer ist zu meiner Schule geworden, der Esstisch zur neuen Mensa, mein Schreibtisch zum Klassenzimmer. Was vor fünf Wochen damit begonnen hat, dass unsere Schul-WCs mit Desinfektionsmittel ausgestattet wurden und unser Chorkonzert plötzlich auf der Kippe stand, da die Bewilligung noch nicht erteilt wurde, hat unseren Alltag in nur wenigen Tagen völlig auf den Kopf gestellt.

So richtig etwas unter Fernunterricht vorstellen konnte sich zu Beginn keiner. Es herrschte Überforderung auf beiden Seiten: Unsere Lehrer versuchten uns übergangsweise irgendwie zu beschäftigen und wir Schüler mussten uns erstmal mit der Masse an Aufträgen, die von überall auf uns einprasselten, zurechtfinden. Dabei war das grösste Problem die Organisation und den Überblick nicht zu verlieren: Die Aufgaben wurden uns nämlich nicht gebündelt mitgegeben, sondern jeder Lehrer hatte seine Präferenzen, wie und wann er uns beschäftigte und ob, wann und wie wir die Aufgaben abgeben mussten.

Glücklicherweise hat sich in den drei Wochen Home Schooling einiges geändert: Alle Lehrer arbeiten mittlerweile mehr oder weniger einheitlich mit einem einzigen Programm und meist werden uns auch die Aufgaben frühzeitig anfangs der Woche mitgeteilt, sodass wir uns die Arbeit selber einteilen können. Dazwischen haben wir über die Woche verteilt ein paar Videokonferenzen – falls der Lehrer diese anordnet.

Der Online-Unterricht erfordert auf jeden Fall Kreativität von beiden Seiten: Jeder Tag bringt etwas Neues mit sich. Beispielsweise musste ich die Präsentation meiner Projektarbeit als Video aufnehmen und dann zusammenschneiden; der Klavierunterricht findet nun auch per Videokonferenz statt.

Ein Punkt, der mir und meinen Mitschülern besonders zu Beginn Mühe gemacht hat, ist die plötzliche Selbstverantwortung. Während die Freiheit, aufzustehen, zu essen oder zu arbeiten (oder eben auch nicht zu arbeiten) wann und wo man will durchaus verlockend ist, birgt sie auch die Gefahr, bis zum Mittag zu schlafen, stundenlang Serien zu schauen oder das schöne Wetter im Garten mit einem guten Buch zu verbringen. Aber mit ein bisschen Selbstdisziplin, einer mehr oder weniger klar geregelten Tagesroutine und etwas Durchhaltevermögen geht auch das mittlerweile.

Was die soziale Interaktion betrifft, hätte ich gedacht, dass ich als introvertierte Person kaum Probleme haben würde. Ich musste jedoch feststellen, dass es einen Unterschied macht, ob ich mich freiwillig tagelang in meinem Zimmer verschanze oder es mir tatsächlich verboten ist, mich mit anderen zu treffen. Zwar ist unser Klassenchat so aktiv wie noch nie zuvor und wir Mädchen verabreden uns jede Woche zum Video-Yoga (ja, auch der Sportunterricht wird weitergeführt) – und sogar eine Geburtstagsparty via Skype wurde bereits für eine Kollegin organisiert; aber natürlich ersetzt das alles nicht den persönlichen Kontakt. 

Den Unterricht zuhause fortzusetzen kann mitunter mühsam sein, ist aber durchaus machbar. Das, was aber am meisten fehlt, ist die gemeinsame Zeit zwischen den Lektionen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass nach den Frühlingsferien der Schulunterricht völlig normal weitergeführt wird, ist klein. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als abzuwarten, zu versuchen, mit dem Stoff mitzukommen und bis dahin weitere Yogalektionen oder gemeinsame Mittagessen per Videochat zu organisieren. Wer hätte gedacht, dass wir die Schule mal so vermissen würden? ;)

Samira Bosshard, Kantischülerin, Rottenschwil

Grenzen und Leid in der Hausarzt-Praxis

Meine Begegnungen in der Hausarzt-Praxis mit meinem Team und mit meinen Patienten haben sich mit dem Corona-Virus schlagartig und massiv verändert. Natürlich wollen wir weiterhin unsere Patienten gut betreuen, sie begleiten, sie untersuchen, ihnen Empfehlungen abgeben können. Aber neu gibt es eine Distanz, welche wir einzuhalten versuchen, einhalten müssen. So gibt es keine berührende Begrüssung mehr, ein Lächeln nur noch mit den Augen, da das eigentliche Lächeln unter der Maske liegt. Und dann haben wir aktuell viel mehr Telefon- oder E-Mail-Konsultationen, welche aber nicht einer normalen Konsultation gleichwertig sind. Aber immerhin: Wir können diese Kommunikation führen.

Daneben existiert aber eine grosse Verunsicherung auf Seiten der Patienten. Sind sie noch willkommen, ist ihr Anliegen nicht eine Bagatelle, auf welche jetzt verzichtet werden soll? Belasten sie mit ihrem Leiden nicht unnötig das Gesundheitssystem? Klare Antwort dazu: Natürlich sind die Patienten weiterhin willkommen bei uns. 

Die viel schwierigere Entscheidung steht an, wenn es um eine nötige Hospitalisation geht, ganz ohne eigener Corona-Erkrankung, sondern mit Erkrankungen, welche auch trotz Corona noch da sind. Will ich aktuell ins Spital, wo ich keinen Besuch haben kann? Vertraue ich dem Spital, dass ich dort nicht mit Corona infiziert werde? Wollen wir unsere Mutter für die letzte Lebensphase, zum Sterben ins Spital oder in eine Palliativstation geben, wenn sie dort ohne unsere Begleitung den letzten Lebensweg gehen muss? Für die allerletzten Schritte könnten wir vielleicht noch einzeln für kurze Zeit vorbeigehen… Schaffen wir das auch zu Hause? Wer unterstützt uns? Können wir uns vorstellen, die Kraft dazu zu haben? Wenn nicht, sind wir dann feige oder grausam? 

Das sind ganz schwierige Fragen, welchen sich unsere Patienten bewusst oder unbewusst stellen und welche somit die Weichen stellen, ob sie uns überhaupt über ihr Leiden informieren.

Und dann liegt es an uns, mit dem Patienten, seinen Angehörigen und in Anbetracht des Systems, in welchem sie leben, zu entscheiden, wie wir sie unterstützen können, wo die Grenzen liegen und welche Schritte als nächste getan werden. Immer individuell. Und unsere Grenzen verschieben sich oder stellen sich unseren Wünschen einer optimalen Behandlung in den Weg.

Diese Zeit ist nicht nur zum Entschleunigen da, um die Prioritäten richtig ordnen zu können, den Lebenswert wieder zu sortieren. Nein, es ist auch eine Zeit mit sehr viel Leid, mit viel Leere, mit Nicht-Vollbrachtem wie zum Beispiel dem Nicht-Begleiten-Können in der Sterbephase, sowohl bei Corona-Patienten wie auch bei anderen sterbenden Menschen. Das ist eine grosse Belastung für die Hinterbliebenen, aber auch für die Professionellen im Spital. Und da wird es in der Nach-Corona-Zeit viel zum Aufarbeiten geben.

Auf viel Gott-Vertrauen und Kraft – für jetzt und später.

Corina Bürgi-Feld, Hausärztin und Kirchenpflegerin, Arni

Unfreiwilliges Saisonende

So viel zuhause sein. So viel Zeit mit der Familie verbringen. Den ganzen Tag mit meiner Tochter spielen, kochen, backen, basteln und was ihr sonst noch alles in den Sinn kommt. Einige Male habe ich mir das in den letzten zwei Jahren gewünscht. Jetzt ist es so. Nicht freiwillig, sondern aufgrund der vom Bundesrat ausgerufenen «ausserordentlichen Lage». Und ich geniesse es, jeden Tag so viel Zeit daheim bei meiner Familie zu sein.

Ich bin Berufssportler. Genauer gesagt Eishockeyspieler und habe es geschafft, dass ich für das Ausüben meines Hobbys bezahlt werde. Seit Mai 2018 spiele ich für den SC Bern. Da mein Vertrag in Bern auf nur zwei Jahre beschränkt ist, haben wir uns entschieden, eine kleine Wohnung in Bern zu mieten und an zwei Orten zuhause zu sein. 

Meine Frau arbeitet montags und dienstags in Zürich. Am Dienstagabend macht sie sich mit unserer dreijährigen Tochter auf den Weg nach Bern. Dort bleiben sie bis am Donnerstagabend und fahren dann nach Hause. Ich hingegen bin von Montag bis Samstagnacht in Bern und mache mich samstags nach den Spielen auf den Nachhauseweg. So können wir immerhin die Hälfte der Woche zusammen verbringen. So war es die letzten zwei Jahre. Das soll kein Jammern sein! Wir haben uns zu diesem Schritt entschieden und ich bin meiner Frau unendlich dankbar dafür. Sie hat mir die Chance gegeben, gegen Ende meiner Eishockeykarriere in der letzten Saison mit dem SCB Schweizermeister zu werden.

In der jetzigen Saison war ich sehr viel verletzt. Von 50 Qualifikationsspielen konnte ich nur gerade 14 bestreiten. Alle anderen verpasste ich aufgrund von Verletzungen. Seit Mitte Januar habe ich kein Mannschaftstraining zu 100% mitmachen können und war damit beschäftigt, wieder fit und gesund zu werden für die Playoffs/Playouts, welche am 7. März hätten beginnen sollen.

Wenn alles rund läuft und wir drei Spiele pro Woche haben, vergeht die Zeit schnell. Vor allem dann, wenn wir noch erfolgreich sind wie letzte Saison. Bei häufigen und langen Verletzungen und wenn es dem Team nicht läuft, nehmen die Tage und Wochen jedoch kein Ende. Und so war es in den letzten fünf Monaten.

Kurz vor den letzten zwei Qualifikationsrunden Ende Februar wurden Veranstaltungen mit mehr als 1000 Personen verboten. Für uns hiess das zwei Spiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Wir waren noch mitten im Kampf um die Playoffplätze. Als nach diesem Wochenende klar war, dass wir die Playoffs verpasst haben und die Liga zwei Wochen pausieren wird, war es für das ganze Team sehr schwierig, motiviert zu bleiben. Ich persönlich war so weit von der Verletzung genesen, dass ich wieder langsam ins Teamtraining einsteigen konnte. Einerseits war ich überglücklich, wieder mit dem Team trainieren zu können, andererseits wussten wir nicht, ob die Saison noch weiter geht und ob es mir überhaupt reichen würde, gesund zu werden. Am 7 März wurden wir informiert, dass die Meisterschaft am 17. März weitergeht. Also wurde wieder mit voller Motivation und Intensität trainiert. Ich spürte leider, dass die Verletzungen bei hoher Trainingsintensität noch zu wenig verheilt sind. Einmal mehr ein Schritt zurück, während meine Teamkollegen sich auf die heisse Phase vorbereiteten.

Am 12. März, fünf Minuten vor Trainingsbeginn, war klar, dass die ganze Meisterschaft abgesagt wird. Was für ein Saisonende! Welch ein Unterschied zum letzten Jahr, als die Saison mit dem Meisterumzug durch die Berner Altstadt vor Tausenden von Fans beendet wurde.

Für einen Spieler, welcher nächste Saison nicht mehr beim gleichen Club spielt, heisst es dann Garderobe räumen, alles einpacken, was nicht mehr benötigt wird entsorgen oder verschenken. Normalerweise geschieht das etwa zehn Tage nach dem Meisterschaftsende. Nach ein paar durchzechten Nächten mit dem Team, nach einem Teamtrip in eine andere Stadt oder in die Berge und nach diversen Sponsorenanlässen und Fanevents. Aber dieses Jahr schon einen Tag nach Saisonende. Am 13. März war ich mit Sack und Pack auf dem Weg nach Hause. Als ein paar Tage später Gerüchte über eine Ausgangssperre aufkamen, entschieden wir uns, so schnell wie möglich unsere Wohnung in Bern zu räumen. Das wars dann: «Tschou Bärn».

Jetzt ist unsere Garage vollgestopft mit Möbeln, Kleidern und Hockeyutensilien. Unser Projekt für die nächsten paar Wochen steht somit fest: Garage und Haus entrümpeln und auf Vordermann bringen. 

Unser Leben ist im Moment komplett auf den Kopf gestellt. Ich bin die ganze Zeit zuhause. Montags und dienstags, wenn normalerweise die Grosseltern und die Kita zu unserer Tochter schaut, sind Papitage. Am Mittwoch gehe ich für meine beiden Grosseltern und Tante einkaufen. Kontakt zu unseren Eltern und Freunden haben wir nur noch per Facetime. Veloausflüge, spazieren gehen, Trottifahren, «brötle» und im Garten spielen gehört zum Tagesprogramm.

Es tut auch gut, dem geschundenen Körper eine Pause zu geben. Im Moment verzichte ich komplett auf das Training. Es ist das erste Mal in 16 Jahren als Profisportler, dass ich richtig viel Zeit habe, meinem Körper Erholung zu gönnen. Auch die anderen Spieler machen im Moment «Ferien». Gezwungenermassen. Denn sobald es die Situation wieder erlaubt, wird das harte Sommertraining, in welchem die Basis für die Meisterschaft im Winter gelegt wird, beginnen.

Wo, wann, wie und ob es bei mir im Eishockey weitergeht, weiss ich noch nicht. Ich habe jetzt viel Zeit, auf meinen Körper zu hören und die Zeit mit meiner Familie zu geniessen.

Matthias Bieber, Eishockey-Profi, Jonen

Das Wunder des Lebens in Zeiten von Corona

Als Hebamme in einem Geburtshaus darf ich Familien in ihrem Start begleiten. Voraussichtlich im Juni dürfen auch wir in unserer Familie ein neues Glückskindchen willkommen heissen. Im Moment versuchen wir daheim, das Familienleben in seiner Eingeschränktheit mit unserer Unternehmungsfreude zu vereinbaren, und verbringen sehr viel Zeit in der Natur, zusammen mit den Kindern.

Betreffend der sozialen Isolation habe ich natürlich klar einen beruflichen «Vorteil». Ich muss raus zum Arbeiten. Zurzeit erlebe ich dies sehr zwiegespalten. Auf der einen Seite Familien mit grossen Bedenken und Ängsten, auf der anderen Seite dieses riesige Glück, was sie einfach mit ihrem Familienwunder erleben dürfen.

In den Schweizer Spitälern dürfen die Papas zurzeit nur noch mit zur Geburt. Das Wochenbett verbringen die Mamas alleine. Dies ist verständlicherweise ein grosser Einschnitt ins Ankommen als Familie und leider ist es auch nicht allen Mamas möglich, ambulant zu gebären und dann nach Hause zu gehen. Im Geburtshaus dürfen die Papas bisher zu Besuch kommen, da wir alles Familienzimmer haben. Aufgrund dessen ist die Nachfrage nach unserem Angebot enorm gestiegen und wir mussten einen Aufnahmestopp vollziehen. Das heisst, wir haben derzeit auch sehr viel Arbeit, müssen uns möglichst alle gesund halten und natürlich auch all die neuen Massnahmen des BAG zeitnah umsetzen. Eine ganz schöne Herausforderung für alle.

Insbesondere das «Abstandhalten» finde ich bei der Geburtsbegleitung ein schwieriges Thema. Die Übergänge des Lebens – Geburt und Tod – erfordern Nähe. Natürlich gibt es Schutzmassnahmen, die wir ergreifen, wie Masken und regelmässige Kleiderwechsel, neben der auch sonst üblichen Handhygiene und -desinfektion. Aber dennoch, man ist sich einfach sehr nahe.

Mir persönlich macht dies primär keine Sorge bezüglich eines Infekts, welcher mich betreffen könnte. Aber ich halte mich dafür im Privatleben sehr zurück, um wirklich auch nichts weiter zu streuen, sollte ich betroffen sein.

Gerade in der jetzigen, für viele ziemlich instabilen Zeit, ist es mir umso wichtiger, den Familien einen geborgenen und sicheren Hafen zu bieten, wo sie landen dürfen. Und diese Wunder des Lebens geschehen weiterhin… Tag für Tag… Es interessiert sie nicht, ob Corona da ist oder nicht…

Inmitten dieses Wandels dürfen die Eltern aber auch mit neuer Ruhe ins Familienleben segeln. Anstelle von haufenweisen Besuchern, die verständlicherweise auch alle dieses kleine neue Glücksbündel bestaunen und halten wollen, tritt nun Ruhe und Einkehr, die eigentlich in der Wochenbettzeit auch da sein sollte. Selten trauen sich Eltern im normalen Alltag, ihre Bedürfnisse nach Zeit für sich als junge Familie zu formulieren. Nun ist es eine Selbstverständlichkeit. Was natürlich nicht ausschliesst, den jungen Familien mal einen frischen Obstkorb oder einen selbstgebackenen Kuchen zur Stärkung vor die Tür zu stellen…

Caroline Müri, Hebamme, Jonen

Der Laubfrosch

Im Gelbstern-Weihnachtsstern hat mein Laubfrosch überwintert!
Entdeckt! Ich hab‘ die verfrorenen, verwelkten Blätter weggenommen.
Ganz, ganz fein bemerkte ich, dass da, in ein zerknittertes grünes Blatt eingegraben, etwas wie ein bisschen plustert.
Ich schaute nochmals, nochmals genauer hin – mein Laubfrosch!
Ein Glücksfrosch! Und – nachmittags hat er sogar ganz laut gequakt.

Rita Staubli-Eichholzer, Oberlunkhofen

Ostertage

Mein Alltag als Alte mit bald 76 Jahren hat sich noch mehr verlangsamt als vor der Corona-Krise. Das gefällt mir. Ich freue mich über die grosse Ruhe, die will­kommene Stille, die gute Luft, die meditativen Spaziergänge in den nahen Wäldern und Feldern und vor allem über das wunderbare Frühlingswetter. Ich bin fast den ganzen Tag draussen im Garten und staune über die vielen bunten Frühlingsblumen und die grosse, blühende Glyzinie an der Hauswand. Meinen vor drei Wochen gepflanzten Baby-Leaf-Salat begrüsse ich täglich und schwatze mit ihm. 

Ich höre Vögel zwitschern, lausche ihrem Gesang, beobachte ein Elsternpaar in den nahen Bäumen und bin sehr dankbar, dass ich in einem Haus mit Garten auf dem Land wohnen darf. Mein Tages- und Nachtrhythmus hat sich verändert. Oft gehe ich um Mitternacht oder später ins Bett und stehe so um 9 Uhr auf. Das passt mir. Ich bin schon immer eine chronobiologische Eule gewesen; jetzt verstärkt sich dieses Bedürfnis noch mehr. Die Nächte sind nie ohne kürzere oder längere Wachphasen, doch das störte mich schon vorher überhaupt nicht. Den Tag so zu gestalten, wie er sich gerade präsentiert, finde ich sehr schön. Ich brauche keine Strukturen mehr, damit ich mich wohl fühle. Ich lebe vermehrt im Augenblick und tue gerade das, was für mich stimmig ist. Ich esse, wenn ich Hunger und Lust habe.  

Vor ein paar Tagen habe ich begonnen, glatte, runde Steine anzumalen, die ich im Reussdelta bei Flüelen vor ein paar Wochen gesammelt habe. Steine faszinieren mich seit eh und je. Wenn ich an einem Fluss oder See entlang wandere, sticht mir oft ein Stein ins Auge, den ich dann als wunderbaren Schatz des Tages mit nach Hause nehme. Die Steine aus der Ruinaulta sind die schönsten. So ist mittlerweile eine beachtliche Stein-Sammlung entstanden, die unser Gartenmäuerchen ziert.

Nachrichten über das Corona-Virus höre und lese ich nicht mehr so häufig wie zu Beginn des Ausbruchs. Ich spüre, dass ich mit diesen Schreckensmeldungen nicht gut zurande komme. Ich fühle mich oft ohnmächtig; die Bilder aus Italiens Spitälern machen mich sehr traurig.

Unsere Dirigentin des Seniorensingkreises schickt uns immer wieder Lieder. Beim ersten Lied, «unser Vater», das sie uns übermittelte, kamen mir gleich die Tränen vor Rührung. So schön und passend! Mittlerweile singe ich fast täglich eines der Lieder aus unserem Fundus am Bildschirm.

Wie gut, sind wir digital vernetzt! Ich finde es erstaunlich, wie einfallsreich die Menschen werden, um neue Kontaktmöglichkeiten in dieser Krise aufzubauen. So kann ich auf YouTube zum Beispiel auch das Einsingen übenIch schätze die vielen Kontakte über WhatsApp und Mail. Viele Videos trudeln täglich ein, die ich jeweils gezielt weiterleite. Auch telefoniere ich öfter als zu anderen Zeiten. 

In den Büchergestellen zu stöbern und alte Bücher wieder zu lesen, finde ich ebenfalls sehr schön und spannend. Es fällt mir auf, dass  der Inhalt wieder ganz neu ist oder ich ihn unter anderen Blickwinkeln betrachte.  

Auf einem Wandbehang, den meine Schwiegermutter vor unzähligen Jahren gestickt hat, steht ein Spruch von Andreas Gryphius, den ich gerade jetzt so passend finde:

«Mein sind die Jahre nicht,
die mir die Zeit genommen;
mein sind die Jahre nicht,
die etwa mögen kommen;
der Augenblick ist mein,
und nehm’ ich den in acht,
so ist der mein,
der Zeit und Ewigkeit gemacht.»

Ergänzend steht:

«Was Gott ist, wird in Ewigkeit kein Mensch ergründen,
doch will er treu sich allezeit mit uns verbünden.
Gott spricht zu dir durch die heiligen Berge:
Sei still, wisse ich bin Gott.»

Ruth Baumann, Oberlunkhofen

Chinderhuus / Chinderhort Sternschnuppe

Ich heisse Janine Fröhli und bin die Gründerin und Leiterin vom Chinderhuus und Chinderhort Sternschnuppe in Jonen. 

Zu meinen Hauptaufgaben gehört, dass ich für einen reibungslos funktionierenden Betrieb verantwortlich bin. Ich beschäftige mich mit dem Personal, mit der Administration und mit pädagogischen Aufgaben. Ich bilde die Lernenden in unserem Betrieb aus und trage die Verantwortung für die uns anvertrauten Kinder. Auch die Elternarbeit ist ein wichtiger Bestandteil meiner Tätigkeit. 

Seit Anfang März hat sich mein Aufgabengebiet enorm verändert. Als die Schulen schweizweit geschlossen wurden, habe ich angefangen zu realisieren, was das alles für Auswirkungen auf meinen Betrieb haben kann. Die grösste Angst war, die Krippe über eine längere Zeit schliessen zu müssen. Viele Fragen schwebten durch meinen Kopf, die mir aber zu dem Zeitpunkt niemand beantworten konnte: Bleibt die Krippe offen oder muss sie geschlossen werden? Was geschieht mit unseren monatlichen Einnahmen? Wie begleiche ich alle Ausgaben wie Löhne, Miete, Rechnungen? Was geschieht mit meinen Angestellten / Lernenden? Können wir die Abschlussprüfung Mitte März wie geplant durchführen?

Das Schwierigste für mich war meine eigene Überforderung mit der Situation sowie die Angst, den über Jahre aufgebauten Betrieb nicht mehr über Wasser halten zu können. 

Mit dieser Unsicherheit kamen auch viele Eltern auf mich zu. Oft wurde ich gefragt, wie es nun weitergeht. Die Hygienemassnahmen wurden sofort aktualisiert. Die Eltern wurden fortlaufend über die aktuellen Anweisungen des Bundes informiert. Während dieser Zeit mussten wir einen Tag nach dem anderen in Angriff nehmen und mit dieser Ungewissheit leben. 

Am 20. März erhielten wir das erlösende Schreiben: Das Kinderbetreuungsangebot im Kanton Aargau soll aufrecht erhalten bleiben. Das war eine riesengrosse Erleichterung für die Eltern, mich und meinen Betrieb. Ab diesem Tag stellten wir uns voller Motivation unseren neuen und herausfordernden Aufgaben. 

Die Schultage unserer Lernenden finden nun bei uns in der Krippe statt. Die Anzahl der betreuten Kinder ändert sich von Tag zu Tag. Die Familien entscheiden selber, ob sie ihre Kinder in die Krippe / Hort bringen. An einem Tag sind fast alle Kinder da, am darauffolgenden nur noch ein Drittel. Flexibel und spontan planen wir die Arbeit mit den Kindern. Jeden Morgen werden die Hortkinder mit Aufgaben gefördert. Trotz dieser turbulenten und irrealen Zeit versuchen wir, den Kindern einen schönen Tag mit ihren Freunden zu bereiten. Der Alltag wird angepasst und wir schätzen sehr, dass wir zur Arbeit gehen dürfen. Die gewohnten Abläufe in der Krippe geben uns eine gewisse Normalität zurück. 

Bis jetzt haben wir das Glück, dass sich niemand im engeren Umfeld mit dem Virus infiziert hat. Jedoch ist uns bewusst, dass mit dem täglichen Kontakt der Kinder und deren Familien ein erhöhtes Risiko besteht. Wir unternehmen alle Anstrengungen, um die Ausbreitung des Coronavirus nicht voranzutreiben.

Wir versuchen, positiv in die Zukunft zu blicken, und geben jeden Tag unser Bestes.

Janine Fröhli, Chinderhuus und Chinderhort Sternschnuppe, Jonen

Wir erkennen uns an den Stimmen und Schuhen

Ich arbeite als Pflegefachfrau in einem grossen Spital. Ich bin verheiratet und habe zwei Kinder im Alter von knapp sechs und vier Jahren. 

Als ich Ende Februar auf meine Station im Spital kam und meinen Spätdienst antreten wollte, hatte ich das Gefühl, ich sei im falschen Film. Auf dem ganzen Stock herrschte reges Treiben. Die Brandschutztüren wurden geschlossen, um so eine klare Abgrenzung zu den zukünftig erwarteten Covid-19-Patienten vorzunehmen. In einer fast zweistündigen Sitzung wurden wir über das weitere Vorgehen mit den Corona-Patienten informiert. Wir wurden instruiert, wie wir nun die Isolations-Zone einrichten müssen, wie wir uns zu schützen haben und was wir im Umgang mit den Patienten beachten müssen. Nun war ich das erste Mal verunsichert. Bis anhin dachte ich immer, dass dieser Virus uns nicht gross betreffen würde. Den ganzen Abend haben wir Patientenzimmer umgestaltet, Material vorbereitet, uns überlegt, was wir brauchen und wie wir uns am besten organisieren. Bereits am späteren Abend holten wir den ersten Patienten mit Verdacht auf Covid-19 zu uns auf die Abteilung. Ich hoffte, dass ich bald aus diesem Albtraum erwachen würde. 

Das Gegenteil traf ein. Es folgten täglich Corona-News. Auch mein Arbeitsalltag im Spital war komplett verändert. Ganze Stationen wurden leergeräumt, damit mehr Betten für Covid-19-Patienten zur Verfügung stehen. Teams wurden mit mehr Personal aufgestockt, neue Arbeitspläne geschrieben, Abläufe angepasst, um nur wenige Stunden später wieder komplett geändert zu werden. Neue Informationen gab es fast halbtäglich und was am Morgen noch galt, war am Nachmittag bereits wieder ganz anders. 

Zu Beginn betreuten wir noch viele Verdachtsfälle, inzwischen sind die meisten Patienten positiv getestet. Aktuell sind die meisten allein in einem Zimmer. Wir Pflegenden betreten die Zimmer nur in voller Schutzmontur; wir tragen Haube, Schutzbrille, Mundschutz, Schürze und Handschuhe. Viel ist von uns also nicht zu sehen. Die Patienten können uns auch fast nicht voneinander unterscheiden (auch wir erkennen uns nur noch an den Stimmen und den Schuhen). Meist rufen wir vor dem Betreten der Isolationszone die Patienten an und fragen nach, ob sie noch etwas Bestimmtes brauchen. Denn wenn wir einmal angezogen sind, kommen wir nicht mehr so rasch aus der Zone. Das Arbeiten unter den Schutzkleidern ist anstrengend. Wir schwitzen und beim Atmen läuft immer wieder die Schutzbrille an und bestimmt juckt es noch irgendwo im Gesicht, welches natürlich absolut nicht berührt werden darf. Es braucht eine grosse Konzentration, damit die Hygieneregeln eingehalten werden und dadurch auch unsere Sicherheit gewährleistet ist. 

Ich erlebe die Patienten in dieser ungewohnten Situation sehr dankbar. Sie dürfen keinen Besuch erhalten und das Zimmer nicht verlassen. Wir sind also die einzigen Personen, welche sie momentan zu Gesicht bekommen, und sie freuen sich über die Abwechslung. Vielen geht es aber den Umständen entsprechend gut. Das Heimtückische an diesem Virus ist wohl die Atemnot, welche sehr rasch einsetzen kann. Dies führt leider auch immer wieder zu unschönen und belastenden Situationen für uns Pflegende. 

Wir sind gerüstet und warten täglich auf die Welle, von welcher der Bund spricht. Wir wären bereit, sind aber auch dankbar, wenn diese gar nicht erst eintritt. Es ist eine äussert herausfordernde Zeit für das Pflegepersonal. Wir müssen vieles meistern, was uns vor zwei Monaten noch unmöglich erschienen wäre. Dies braucht unter anderem Geduld, weil Abläufe immer noch nicht richtig funktionieren, gute Ideen immer noch nicht umgesetzt sind oder weil Abmachungen immer noch nicht von allen eingehalten werden oder schon wieder wichtige Informationen verpasst wurden. Wir freuen uns, wenn möglichst bald wieder der «Normalzustand» eintritt. 

Auch zu Hause stellt uns die neue Situation vor Herausforderungen. Der Kindergarten, die Spielgruppe, die Jugi, die Gspändli, die Grosseltern; dies alles fehlt und wird vermisst. Das Treffen mit den Grosseltern wird mit Anrufen über Face-Time überbrückt. So können trotz Distanz Gebasteltes, Gebautes, Zeichnungen gezeigt und Erlebnisse erzählt werden. Dieser Anruf hat sich fest in unseren Tagesablauf integriert und ist wohl für beide Seiten gleichermassen wichtig geworden. Die Kinderbetreuung musste spontan neu organisiert werden; gar nicht so einfach, wenn man nicht einfach wie gewohnt auf Familienmitglieder und/oder Freunde zurückgreifen kann. Denn auch mein Mann darf noch extern arbeiten. Er führt einen Industriebetrieb. Natürlich ist auch dort die Arbeit betroffen. Viele Fragen und Unsicherheiten stehen im Raum, Kurzarbeit ist angemeldet und auch hier ist die Hoffnung, dass die Krise bald überstanden ist. 

Auch wenn unser Alltag momentan stark eingeschränkt ist, geniessen wir die geschenkte Familienzeit und sind uns sicher, dass wir in ein paar Wochen unsere Freizeit mit Familie, Freunden und Ausflügen wieder viel mehr schätzen werden. 

Bis dahin wünsche ich allen weiterhin viel Gesundheit, Durchhaltewillen und Energie für diese schwierige und sehr spezielle Zeit.

Daniela Heggli, Pflegefachfrau, Oberlunkhofen