Ende Winter, Ende Skifahren – aber noch viel mehr

Am zweitletzten Tag unserer Winterferien Mitte März glaubten wir, uns verhört zu haben: Das Regionalradio meldete, ab dem nächsten Tag werden alle Bergbahnen und Skilifte in der Region geschlossen. Kam dazu, dass unsere Kinder uns mitteilten, sie werden uns per Auto abholen, denn sie möchten nicht, dass wir per Zug heimreisen. Das war dicke Post, Corona-Post.

Wieder in Lunki, gab es Anfangsschwierigkeiten. Mein Mann musste dringend per Postauto in Bremgarten etwas holen, was nun aber gegen die Regeln war. Aber wir als «Risikopersonen» richteten uns ein, kein Einkaufen mehr. Oder doch noch bei Hofläden, per Velo. Dort merkten wir aber vorerst nicht, dass nur jeweils zwei Familien aufs Mal zugelassen wären. Und bei der Post warteten zwar Leute draussen, aber erst der Posthalter brachte uns bei, dass wir nicht einfach in die Post hineinlaufen, sondern uns hinten anstellen sollten. Also haben wir gelernt, was geht und was nicht.

Aus unserer Familie waren die meisten schon bei uns zu Besuch – natürlich mit gebührendem Abstand. Das ist nicht immer einfach, denn am 19. März sind wir Urgrosseltern geworden, dürfen aber den so herzigen Leonard nur von weitem oder per Internet sehen.

Wir sind auch froh, dass praktisch alle Familienmitglieder beschäftigt sind, mit einer Ausnahme: Unser Kochlehrling im 3. Lehrjahr musste wie alle andern in der Gastronomie Mitte März seinen Arbeitsplatz verlassen. Wie es mit seiner Lehrabschlussprüfung weiter geht, ist noch offen. Es ist anzunehmen, dass die Unsicherheit für viele Junge in dieser Lage belastend ist.

Ich finde, der Bundesrat macht seine Arbeit gut und verantwortungsbewusst. Unsere Tochter ist Mitglied einer Exekutivbehörde. Wenige Tage nach der bundesrätlichen Festlegung der Notstandverordnung hat sie mir am Telefon gesagt: «Weisst du, wie das einen belastet, ‚Notstand‘, und die ganze Verantwortung liegt bei der Exekutive?» Ich denke, alle, die Verantwortung tragen, bemühen sich, ihr Bestes zu geben.

Hoffen wir auf ein glimpfliches Abflachen dieses Ausnahmezustandes, den niemand von uns je erlebt hat.

Ursula Mauch, Oberlunkhofen

Ibrahims Landcruiser

Das Bild zeigt Ibrahim Mtira aus Dar-es-Salam, Tanzania, mit seinem TOYOTA Landcruiser, den er im Januar 2020 in Arusha gekauft hat.

Ibrahim ist ausgebildeter Safari Driver mit grossem Wissen über Flora und Wildlife der National Parks und Game Reserve im Süden von Tanzania. Wir haben Ibrahim im letzten Herbst, auf unserer Tansania-Safari, kennen gelernt. Ibrahim hatte uns damals von seinem grossen Lebenstraum erzählt: Ein eigenes Safari-Fahrzeug, damit er als selbständiger Unternehmer Touristen durch den Busch fahren kann. Bisher hatte Ibrahim als Freelancer für Ahmed den Inder die ausländischen Touristen auf Safari begleitet. Eine finanzielle Entschädigung oder ein Fixum bekommt Ibrahim vom Inder nicht. Seine Einkünfte bestehen ausschliesslich aus dem Trinkgeld seiner Gäste. Verständlich, dass Ibrahim sein grosses Wissen auf eigene Rechnung vermarkten möchte. Doch woher kommt das notwendige Geld dazu? Ein junger Mann wie Ibrahim wird in diesem Land nie in der Lage sein, auf legale Art ein Fahrzeug zu erwerben und ein Unternehmen zu gründen.

Damals, im vergangenen Herbst und nach langen Gesprächen, unterbreitete ich Ibrahim meinen Vorschlag, ihm das Fahrzeug und die Gründung einer eigenen Firma zu ermöglichen. Eine solche Offenbarung lag ausserhalb Ibrahims Vorstellungsvermögen und führte bei ihm zu schlaflosen Nächten. Draussen, mitten im Busch, haben wir dann alles mittels eines Vorvertrags handschriftlich zu Papier gebracht und den Deal anschliessend mit einer Dose Cola festlich besiegelt (Ibrahim ist Moslem, trinkt kein Alkohol, isst kein Schweinefleisch, sehr wohl aber Schinkenbrote…).

Vergangenen Dezember erfolgte der Geldtransfer nach Tanzania, zwecks Kaufs eines Fahrzeuges und zur Gründung eines Unternehmens. Viele Millionen Tanzania-Shillings sind nach Ostafrika geflossen, in der Hoffnung, dass daraus etwas Gutes entsteht.

Ibrahim wusste genau, wann und wo er ein gutes, gebrauchtes und günstiges Fahrzeug erwerben kann, nämlich im Januar, in Arusha. Die grossen Safari-Unternehmen, allesamt im Norden von Tanzania beheimatet und die oft über 100 oder mehr Fahrzeuge verfügen, müssen jeweils anfangs Jahr dem Fiskus ihre Steuern abliefern. Die Gesellschaften sind dazu aber oft nicht in der Lage und veräussern deshalb Teile ihrer Fahrzeugflotte gegen Bargeld, so auch den Landcruiser an Ibrahim. Ich hoffe sehr, dass da alles korrekt über die Bühne gegangen ist, denn ich habe Ibrahim von Beginn unserer Zusammenarbeit untersagt, Schmiergelder zu bezahlen. 

Die ersten Safaris in den Mikoumi National Park hat Ibrahim gleich Ende Januar und im Februar unternommen. Im März hat Corona Ibrahims Lebenstraum ein vorübergehendes Ende bereitet. Alle Buchungen wurden umgehend annulliert, die Gäste sind von einem zum anderen Tag ausgeblieben und die Einnahmen sind auf null gesunken. Nur die Kosten laufen weiter und weiter. Vom Staat ist keine Hilfe zu erwarten, woher und wie auch? Dies bleibt auch nach dem Ende von Corona für längere Zeit so, denn es wird Monate dauern, bis der Safari-Tourismus wieder in Schwung kommt. Ein guter Start für ein junges Unternehmen sieht definitiv anders aus.

Damit Ibrahim nicht auf dumme Gedanken kommt und er in seiner Not den Landcruiser für ein paar tausend Dollars verscherbelt, werde ich vorerst einmal für die nächsten Monate die Lebenshaltungskosten für Ibrahims Familie übernehmen. Anschliessend sehen wir weiter. 

Warum ich mir das alles antue?
Weil ich in meinem bisherigen Leben sehr viel Glück erleben durfte…
Weil ich sehr privilegiert bin und weil es mir – im Gegensatz zu vielen anderen Menschen – sehr gut geht…

… und weil das letzte Hemd keine Taschen hat…

Anonym (Identität bekannt)

In mir ist alles dunkel

Es wird aber wieder hell.

Es ist dunkel. Kein Wunder, es ist nachts um 4 Uhr. In mir ist alles dunkel. Ich habe eine depressive Stimmung. Warum? Ist es nicht Jammern auf hohem Niveau? Ich habe ein Dach über dem Kopf, ein warmes Haus, herrlichen Sonnenschein und viel, viel Zeit. Ich kann machen, was ich will. Das bedeutet, all die kleinen und grossen Pendenzen in Ruhe erledigen und kann sogar mittendrin aufhören und alles liegen lassen. Es darf mich ja sowieso keiner besuchen und könnte so das angefangene Chaos sehen. Kann ja morgen weiter machen.

Ich glaube, dass uns in dieser Zeit die gewohnten Strukturen wegbrechen ist im Moment unser – mein – grösstes Problem. Anstatt froh über das jeweils Erledigte zu sein, verdüstert sich meine Stimmung immer mehr. Ich gehe spazieren. Ist schön bei diesem Wetter, aber auch diese Situation ist surreal. Wenn man sich begegnet, geht man sich – aus nachvollziehbaren Gründen – aus dem Weg. Die «Risikogruppe» soll zu Hause bleiben. Sehe ich ein, und doch macht es mir zu schaffen. Ich habe mich gefragt warum, mein Leben hat sich doch zu meinem vorherigen gar nicht so verändert. Vorher war ich auch sehr viel allein. Bekannte haben mich besucht und ich konnte, wenn ich wollte, unter die Leute. Jetzt kaufen meine Kinder für mich ein und stellen den Einkauf vor die Tür. In gehörigem Abstand reden wir miteinander. Wir telefonieren täglich und sie machen sich grosse Sorgen um mich. Was fehlt mir? Es ist die Nähe. Ich hätte nicht gedacht, dass sie so eine grosse Bedeutung für mich hat. Es macht mich aber fertig. Auch andere Strukturen brechen weg. Das Altersturnen hat mir zwar nicht immer Spass gemacht, aber jetzt fehlt es. Selber einkaufen. Der sonntägliche Gottesdienst mit dem anschliessenden Kirchenkaffee. Wir haben uns immer anschliessend angeregt unterhalten.

Wir haben verschiedene Berufe im Gesundheitswesen und im sozialen und kirchlichen Bereich als selbstverständlich hingenommen. Jetzt haben wir gelernt, wie wichtig sie für uns alle sind und dass diese Personen im Moment fast Übermenschliches leisten. 

Wir hoffen alle, dass diese Zeit der Einschränkungen bald vorbei ist, haben aber gleichzeitig Angst, dass die Massnahmen zu früh aufgehoben werden und sie anschliessend noch weiter verschärft werden müssen. Wir denken an die vielen Menschen, die bald weder ein und aus wissen, da sie sehen, wie ihre Existenzen – trotz staatlicher Unterstützung – wegbrechen.

Ich sehe aber auch, dass der Zusammenhalt zwischen den einzelnen Menschen stärker geworden ist. Ich hoffe, dass das auch nachher anhält.

Früher war ich ein richtiger Nachrichtenjunkie, habe alles, was in der Welt um mich herum passierte, in mich eingesogen. Später war es so: Warum soll ich mich über alles, was in der Welt passiert, informieren, wenn man nichts Positives hört und sieht? Also habe ich den Nachrichtenkonsum eingeschränkt. Jetzt informiere ich mich – obwohl es wichtig ist – aus anderen Gründen ungern. Die Informationen beginnen mit Corona und enden mit COVID-19. Passiert sonst nichts auf der Welt, ist sonst der allgemeine Friede ausgebrochen? Oder interessiert es uns nicht, weil wir Angst um uns, unsere Angehörigen und unsere Wirtschaft haben?

Natürlich gibt es und wird es grosse persönliche Probleme geben. Es wird eine riesengrosse wirtschaftliche Delle geben und es wird lange dauern, bis die überwunden ist. Ich bin aber davon überzeugt, dass wir – wenn wir den jetzt erreichten Zusammenhalt beibehalten – zusammen mit den staatlichen Hilfen zum grössten Teil in einigermassen überschaubarer Zeit wieder gut dastehen werden. Diese Notsituation zeigt uns, dass Menschen zusammen viel erreichen können.

Also räume ich noch mein Büro auf ohne mitten in dieser Arbeit hängen zu bleiben und freue ich, wenn ich es geschafft habe.

Wir werden sowieso frühestens in einem Jahr wissen, ob die Reaktionen und Vorschriften der einzelnen Regierungen richtig waren. Menschenleben wurden dadurch sicher gerettet.

Ist das nicht das Wichtigste?

Anonym (Identität bekannt)

Nachdenken über Begriffe, die in Zeiten von Covid-19 Konjunktur haben

Risikogruppe – dieser Gruppe gehöre ich mit meinen 78 Jahren – auch nach den Lockerungsentscheiden des Bundesrates – weiterhin an. Was verbindet mich mit dieser «Gruppe»? Ich kenne die Allerwenigsten – das Einzige was mich mit den Gruppenzugehörigen verbindet, ist ein erhöhtes Gefährdungs- und damit auch ein erhöhtes Verbreitungsrisiko in Bezug auf das Corona-Virus. Ich muss zugeben, noch nie war mir die Bedeutung und die Verantwortung «meiner» Altersgruppe für die Volksgesundheit so bewusst wie in dieser Zeit.

Gruppe der Privilegierten – ich gehöre aber auch zur Gruppe der Privilegierten. Wenn ich an meine Coiffeuse oder meine Fusspflegerin denke – selbstständige Kleinstunternehmerinnen, die mit den laufenden Einnahmen ihre monatlichen Ausgaben bestreiten und die jetzt von grossen Existenzsorgen geplagt werden – stelle ich fest, wie gut es mir geht. Ich muss keine Ängste um meinen Arbeitsplatz haben und erhalte (im Moment noch) jeden Monat meine Rente.

Utilitarismus – philosophische Lehre, die im Nützlichen die Grundlage des sittlichen Verhaltens sieht und ideale Werte nur anerkennt, sofern sie dem Einzelnen oder der Gemeinschaft nützen (Duden, Fremdwörterbuch). Die zu Beginn der Pandemie von Boris Johnson aufgeworfene Idee der «Herdendurchseuchung» ist so eine utilitaristische Strategie. Der Nutzen für die Gemeinschaft würde darin bestehen, dass eine Durchseuchung in der Bevölkerung zu einer Immunisierung führen würde. Das war zu jenem Zeitpunkt, als selbst die Virologen und Epidemiologen über Covid-19 wenig wussten, eine ziemlich kühne Behauptung. Aber das ist nicht mein zentraler Punkt. Es gibt auch in der Schweiz Anhänger dieser Durchseuchungstheorie, z.B. der Ökonom Reiner Eichenberger. Auf die Entgegnung, dass mit dieser Strategie vor allem ältere Menschen besonders gefährdet seien, meinte Eichenberger, dass das durchschnittliche Alter der Corona-Todesfälle bei 82 bis 83 Jahren liege. Diese Menschen hätten ja ohnehin keine grosse Lebenserwartung mehr gehabt. Wichtiger, als diesen Menschen noch einige wenige Lebensjahre zu ermöglichen, sei doch, dass die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie so rasch wie möglich aufgefangen werden können. Und da sei es wichtig, möglichst viele immunisierte Arbeitskräfte wieder in den Arbeitsprozess integrieren zu können.

Eichenberger bringt das zentrale Dilemma des Utilitarismus auf den Punkt: Welche Kriterien bestimmen den Nutzen für die Gemeinschaft (und wer entscheidet das)? Für Eichenberger scheint klar zu sein, dass das rasche Hochfahren der Wirtschaft für die Gemeinschaft den grösseren Nutzen darstellt als gesundheitspolitische Massnahmen, bei welchen ältere Menschen besser geschützt sind. Nützlich sind nach dieser Definition vor allem Menschen, welche zur wirtschaftlichen Prosperität beitragen – alte, kranke und behinderte Menschen gehören nicht dazu.

Das war ja die enorme Herausforderung für den Bundesrat, eine Balance zu finden zwischen Massnahmen, die einerseits der Volksgesundheit dienen und andererseits möglichst geringe wirtschaftliche Kollateralschäden verursachen. Letztlich eine unmögliche Aufgabe. Aber ich bin dem Bundesrat dankbar für seine Entscheide. 

Hilfsbereitschaft – wenn diese Pandemie wieder etwas sichtbar gemacht hat, das scheinbar im Verborgenen schlummerte, dann ist es die vielfältige Hilfsbereitschaft. Ich bin erstaunt und gerührt über die verschiedenen Angebote, die wir von jüngeren Menschen in den letzten Wochen erhalten haben.

Solidarität – und diese Hilfsbereitschaft der jüngeren Menschen führt mich auch zur Verantwortung, die wir Älteren gegenüber den Jüngeren haben. Denken wir doch bei nächsten Diskussionen und Abstimmungen auch an sie. Zum Beispiel beim Klimaschutz oder der finanziellen Absicherung im Alter (Pensionskasse, AHV). Denn die jungen Menschen müssen auf diesem Planeten und in dieser Gesellschaft weiterleben, die wir ihnen hinterlassen.

Felix Maurer, Oberlunkhofen

Alltag als Seelsorger

Seit Februar 2020 bin ich als Pfarreiseelsorger in der Pfarrei Lunkhofen. Wir arbeiten im Pastoralraum zusammen von Bremgarten/Hermetschwil bis Jonen. Der Alltag als Seelsorger hat sich seit dem Corona-Virus ziemlich verändert. Alle unsere Anlässe und Gottesdienste wurden abgesagt. Zuerst hatte ich das Gefühl, dass jetzt wohl eine Leere kommt. Aber dem war nicht so. Je länger die Schutzmassnahmen des Bundes dauerten und je stärker sich das Virus ausbreitete, desto stärker war ich gefordert. Ich erfuhr von vielen Familien und Einzelpersonen, denen es nicht so gut geht. Die Isolation ist für viele eine grosse Herausforderung. Es war wichtig, dass ich da als Seelsorger versuchte, präsent zu sein – vor allem am Telefon, aber auch via Mail oder die sozialen Medien. Ich erfuhr unter anderem auch, dass diese Zeit für viele Jugendliche sehr schwierig ist. Sie sind es gewohnt, ihre Kolleginnen und Kollegen fast täglich zu treffen. Wenn das wegfällt, fehlt in ihrem Leben etwas Wesentliches. Die sozialen Medien können das nicht ersetzen.

Persönlich vermisse ich meine Familie in der Ostschweiz. Es waren die ersten Ostern überhaupt, an welchen ich sie nicht treffen konnte. Weiter vermisste ich die Rituale der Ostergottesdienste – für mein persönliches Leben. Wenn ich mit anderen zusammen jeweils in der dunklen Kirche in der Osternacht das Lied «Halleluja, Jesus lebt!» singe, gibt mir das jeweils viel Kraft. Oder auch das gemeinsame «Ostereier tütschen» nach dem Gottesdienst. Das hat mir in diesem Jahr sehr gefehlt. 

Halt gibt mir auch die Natur. Ich wohne auf einem Bauernhof. Wenn ich am Abend im Stall bei den Kühen bin, ist das so etwas wie eine «Corona-Pause». Sehr viel Kraft gibt mir auch die grosse Solidarität unter den Menschen: Viele Freiwillige gehen für andere, die zuhause bleiben müssen, einkaufen – beinahe selbstverständlich. Dieses Zusammengehörigkeitsgefühl finde ich schön und ich hoffe, dass es auch nach der Krise bestehen bleibt. Denn es sollte mir nicht egal sein, wie es dem Menschen neben mir geht.

Claudio Gabriel, Pfarreiseelsorger, Oberlunkhofen

Trotz allem glücklich und zufrieden

Gerade in Zeiten des Verzichts ist es für das persönliche Glück wesentlich, wie man gelernt hat, Glück zu empfinden und was für einen selbst Glück bedeutet. Ich habe mich schon länger gefragt, was ich für ein zufriedenes und glückliches Leben brauche und worauf ich verzichten kann. Der bewusste Verzicht in einer an Konsum und Unterhaltung orientierten Gesellschaft überdauert vielleicht auch die Corona-Krise? Wir haben in einer Zeit gelebt, in welcher wir übersättigt waren mit Konsummöglichkeiten – Unterhaltungsangebote ohne Grenzen und Limit. Alles war möglich und es gab keinen Stillstand. 

Ich merke jetzt, wo sich alles auf das Wesentliche reduziert, wie wichtig mir Freundschaften, Familie, meine Partnerschaft und meine Tochter sind und dass mir die gemeinsame Zeit heute noch wertvoller erscheint. Der Moment, wenn man gemeinsam Tränen lachen kann, einfach unbeschwert sein. Oder wie bedeutend plötzlich ein Telefonat mit einer Freundin oder das Video-Telefonat mit dem Bruder der Ersatz wird für die Diskussion bei guten Essen und einem Glas Wein am Esstisch. Ich freue mich jetzt schon darauf, alle wieder in die Arme zu schliessen, mit meiner Familie am Tisch zu sitzen und zu diskutieren. Ich werde eine Festbank in den Garten stellen und eine Grillparty nach der anderen schmeissen, um das Leben und die Gesundheit zu feiern mit den Menschen, die mir so viel bedeuten. 

Was mir in dieser Zeit auch bewusst wird, ist, wie wichtig mir ein schönes Zuhause ist. Für uns ist es ein Kraft- und Rückzugsort. Und gerade jetzt, da wir alle zu Hause bleiben und kaum rausgehen können, ist es wunderbar, dass wir uns in die Zimmer zurückziehen können; jeder wuselt etwas und wir treffen uns in der Stube zum gemeinsamen Spielen, TV schauen, Essen und Beisammensein. Auch der Garten ist gerade ein Segen und eignet sich zum Durchlüften, Entspannen, Spielen und Sport machen. Wenn es draussen sonnig und warm ist – ein Glücksort. Wir verpassen gerade nichts da draussen – aber auch zu normalen Zeiten sind wir einfach wahnsinnig gern zu Hause.

Mein Zentrum ist die Küche. Hier verbringe ich noch mehr Zeit als sonst beim Kochen und Backen. Ich probiere viele neue Rezepte aus und werde auch von meiner Tochter und meinem Mann verwöhnt. Sie kochen nämlich jetzt ein Mal pro Woche gemeinsam etwas für mich. 

Mehr bei mir zu sein und nicht das Gefühl zu haben, da draussen etwas zu verpassen. Das spüre ich schon länger. Für mich ist Lebensqualität, bewusst zu entscheiden auch mal zu Hause zu sein und mich an den kleinen Dingen zu erfreuen. Das fühle ich nicht erst seit dem Lockdown. Es hat mit Einfachheit zu tun und auch mit Konsumverzicht. Worauf kann ich also verzichten und was fällt mir schwer? 

Langfristig wird mir die Familie und das Treffen von Freunden fehlen. Beim Gedanken an unsere geplanten und nun abgesagten Reisen überkommt mich doch Wehmut und Fernweh. Auch wenn wir im Moment nicht unseren gewohnten Alltag leben können, kann ich sagen, es geht uns nach wie vor gut. Wir sind zufrieden und haben in den eigenen vier Wänden viele Ideen und Projekte, sind kreativ und entdecken vom Sofa aus viele neue Möglichkeiten – die uns die digitale Welt ja auch grad liefert. 

Ich sehe diese Zeit als Chance für uns, für mich, um zur Ruhe zu kommen, noch mehr bei sich zu sein. Ganz egal, was da draussen passiert und hoffentlich auch für die Zukunft. Die bewusste Reduktion auf das Wesentliche. Das kleine Glück. Das ist für mich Lebensqualität.

Susan Diethelm, Oberlunkhofen

Schönheit heilt. Wie Kunst und Natur uns in Krisenzeiten helfen

Beim kürzlichen Ausmisten meiner vielen Unterlagen bin ich auf einen Text mit dem oben genannten Titel aus «Psychologie Heute» von Mai 2014 gestossen, der mich erneut in den Bann zieht. 

Im Lead steht:

«Wenn Chaos, Schmerz und Verzweiflung uns befallen, aktivieren wir ein inneres Radar, suchen nach einem Ausgleich – und werden meistens fündig. Wir folgen einem Instinkt, der uns hilft, wieder ins seelische Gleichgewicht zu kommen. Das tun wir, indem wir empfänglich werden für das Schöne.» 

Dieser Lead zu einem längeren Beitrag hat mich inspiriert, dem Gedanken zu Kunst und Natur nachzugehen.

Ich habe den Eindruck, dass ich in der Corona-Krise für das Schöne empfänglicher werde oder es vermehrt würdige. Ich halte vermehrt inne, beobachte die Vögel im Garten, das Spriessen, Blühen und lausche der Stille. Ich schaue, staune und lasse mich nicht mehr so leicht wie früher ablenken. Das wunderschöne Frühlingswetter trägt unendlich viel dazu bei, dass ich staunen darf. «Das Prinzip Natur» von Richard Louv kommt mir dabei gleich in den Sinn. Auch habe ich z.B. Hesses Aquarelle wieder genauer angeschaut und auf mich wirken lassen. 

Die Natur ist ein veritabler Kraftspender. Bilder aus Kunst und aus meinem Fotofundus beleben meine Fantasie und erzählen mir viele Geschichten. Geschichten, die sich gerade jetzt wieder als wahre Juwelen präsentieren. 

Eintauchen in die Vergangenheit ist nicht nur ein Privileg des Alters. Es kann in jedem Alter Juwelen zum Vorschein bringen. Und das gerade jetzt, wo die Gegenwart alles andere als Juwelen vorzeigt.

Bunte und herzliche Frühlingsgrüsse euch allen.  

Ruth Baumann, Oberlunkhofen 

Zuerst wurde die Fasnacht abgesagt

Die aktuelle Pandemie hat die Gemeinde Unterlunkhofen insofern bereits sehr früh erreicht, als am 28. Februar, 10.15 Uhr, der Bundesrat entschieden hat, Veranstaltungen mit mehr als 1000 Personen zu verbieten. Am selben Tag hätte die Kinderfasnacht um 14.30 Uhr ihre Tore geöffnet und es wäre der Startschuss für die Unterlunkhofer Fasnacht 2020 gewesen. Die Betonung liegt auf «hätte» und «wäre». In diesem Moment war allen Involvierten, die gemeinsam mit dem Gemeinderat entscheiden mussten, sämtliche Fasnachtsveranstaltungen abzusagen, bereits eindrücklich und schmerzlich klar, was «Corona» bedeutet und welches Ausmass sich anbahnen wird. 

Die Gemeindebehörden und -verwaltung hatten darum fast einen Vorsprung. So liessen sich in unserer Verwaltung Vorbereitungen auf mögliche Home-Office-Situationen testen. Dennoch war auch bei uns und mir selbst die Betroffenheit über das effektive Eintreten des scheinbar Unmöglichen unglaublich gross. In einem ersten Moment bestand die Aufgabe einerseits darin, alles Organisatorische möglichst rasch umzusetzen: das Verwaltungspersonal wurde aufgeteilt und arbeitet seither in Klein-Teams abwechslungsweise in den Verwaltungsbüros bzw. im Home Office. Die Gemeinderatssitzungen finden via Videokonferenz statt. Nachdem die technischen Voraussetzungen dafür bestens waren, liessen sich diese Massnahmen – zumindest aus technischer Sicht – relativ einfach umsetzen. Unsere Verwaltung ist während den ordentlichen Zeiten geöffnet; geschlossen bleiben muss jedoch die Glasscheibe des Schalters und auch bei uns steht das inzwischen obligate Desinfektionsmittel bereit. Die Schalterkontakte haben sich per sofort auf ein Minimum reduziert. Die Bevölkerung hält sich bravourös an den Appell, die Verwaltung nur in Notfällen persönlich aufzusuchen. Die meisten Kontakte finden per Mail oder Telefon statt. Sitzungen in Kleinstgruppen finden nur im Ausnahmefall im Mehrzweckraum statt und selbstverständlich unter zwingender Einhaltung des notwendigen Abstandes. 

Täglich gelangen neue Weisungen, Empfehlungen und Erklärungen zu uns, die es zu prüfen gilt, ob sie Auswirkungen auf unsere Tätigkeit und/oder unsere Gemeinde haben. Nicht selten folgen tags darauf Erklärungen zu den Erklärungen. In gewisser Weise Behördenalltag. Wir sind und bleiben flexibel… Es ist unglaublich spannend zu sehen, was derzeit alles in kürzester Zeit entschieden und umgesetzt wird, was sonst Jahre dauert. Hut ab, vor allen involvierten Stellen!

Andererseits galt und gilt es, die menschliche emotionale Komponente zu berücksichtigen. Die Situation beschäftigt und ja, sie beängstigt! Es war und ist mir persönlich ein grosses Anliegen, diesen Emotionen in einer scheinbar kühlen und sachlichen «Amtsatmosphäre» den notwendigen Platz zu geben. Ob Bevölkerung, Funktionäre, Mitarbeitende oder Behördenmitglieder, an keinem geht diese Zeit spurlos vorbei. Wir alle durchleben sie mit Hochs und Tiefs, wofür sich niemand, ganz ungeachtet seiner Stellung, zu schämen braucht. Der Alltag besteht derzeit also nebst der normalen Verwaltungstätigkeit in erhöhtem Mass auch aus Zuhören und darin, die Sorgen und Ängste unterschiedlichster Art ernst zu nehmen. Weiter ist es auch eine wesentliche Aufgabe, Verständnis für teilweise unliebsame Massnahmen zu schaffen und Erklärungen hierzu abzugeben. Gewisse Entscheide sind nicht einfach: Darf nun noch Tennis gespielt werden auf dem polysportiven Platz der Gemeinde? Kann er nicht beschränkt werden nur für Einheimische? Es sind solche und ähnliche Fragen, die verständlich sind und auf die es meist nicht eine richtige oder falsche Antwort gibt. Wichtig ist, der Bevölkerung in diesem Zusammenhang aufzuzeigen, dass es darum geht, gemeinsam die Pandemie in Schranken zu halten, und nicht um eine Benachteiligung oder gar Bestrafung einzelner.

Eindrücklich ist das Angebot an Hilfestellung. Fast schon etwas unangenehm für uns, dass das Angebot weit höher ist, als die Nachfrage. Ein wahrlich «schönes Problem» in dieser Zeit… 

Weiter gilt es, auch an das Gewerbe zu denken: Der Gemeinderat setzt alles daran, nach Möglichkeit geplante Vorhaben zu realisieren und den (regionalen) Betrieben Aufträge zu erteilen, um ihrer Zukunft – nebst den übergeordnet geschnürten Hilfspaketen – eine Perspektive zu geben.

Zuletzt bleibt der Ausblick auf die Zukunft. Die Frage stellt sich natürlich auch bei uns, ab wann wieder der Normalbetrieb aufgenommen werden kann. Sprich: Ab wann wieder das ganze Team zusammenarbeiten kann, Sitzungen gemeinsam in einem Sitzungszimmer und Gemeinde- und Vereinsanlässe stattfinden können. 

Viel mehr noch beschäftigt mich persönlich allerdings, wie sich die aktuelle Situation auf uns Menschen auswirken wird: Ich hoffe und wünsche mir, dass sie möglichst wenig traumatische Folgen haben wird, sich unsere Bevölkerung nicht in Suchtverhalten begibt und nicht in häuslicher Gewalt wiederfindet. Weiter wünsche ich mir, dass unsere Gewerbetreibenden und die vielen Selbständigerwerbenden, die ohne Schuld in ärgste Schwierigkeiten geraten sind oder noch werden, es schaffen, die Krise zu überstehen und möglichst rasch wieder auf finanziell gesunden Beinen stehen zu können. Dies trägt vor allem zur mittel- und langfristigen und insbesondere psychischen Gesundheit unserer Bevölkerung bei. Zu guter Letzt hoffe ich, dass wir aus dieser Zeit das Positive – und das hat sie auf jeden Fall – mitnehmen: Demut, Menschlichkeit, Wertschätzung, etwas mehr Ruhe sowie Raum für Umwelt und Natur. 

Ich wünsche Ihnen allen von Herzen das Beste für die Zukunft: gute physische und psychische Gesundheit! «Hebed Sie sich Sorg!»

Claudia Burkart, Gemeindeschreiberin Unterlunkhofen

Entschleunigen

Für mich, verheiratet mit einem Landwirt, Mutter von drei schulpflichtigen Kindern und drei verschiedenen Nebenjobs in der Event- und Freizeitbranche, Mittagsbetreuung der Schulkinder vor Ort in der Schule sowie meiner Arbeit in der Gastronomie, bietet dieses Virus eine grosse Chance zum Entschleunigen.

Sobald ich zu realisieren begann, dass allmählich alles schliessen würde, freute ich mich schon darauf und hatte schon bald weniger gesundheitliche Probleme und weniger Stress. Schon da wurde mir bewusst, dass sicher nicht nur ich, sondern viele andere auch oftmals gar nicht bemerken, in welchem Stressstrudel wir alle schwimmen. Und die daraus entstehenden finanziellen Einbussen ärgerten mich nicht mal da. Ich wusste ja, dass ich zu gegebener Zeit schon für harte Zeiten ein kleines Wohlstandspölsterchen angearbeitet hatte. 

Ja, ich fühlte mich total befreit. Und startete in einen unbestimmten Lebensabschnitt im Wohlstand. Hier auf dem Hof mit eigenen Lebensmitteln, nur mit meinem Mann und den Kindern zu farmern, Home Schooling zu üben, den ganzen Tag schmutzig zu sein, zu Essen wenn der Hunger da ist und nicht, bevor die Schule ruft und die Nebenjobs anlaufen. Sich zu fühlen wie irgendwo in Texas, wo der nächste Nachbar unendlich weit weg ist – das tat so gut.

Nun sind seit da drei, vier Wochen vergangen und wir alle merken, wie wir die sozialen, persönlichen Kontakte vermissen. Trotzdem aber stark bleiben wollen in diesem Marathon der Viruswelle, auch für andere und vor allem aber auch zu unserem eigenen Schutz. 

Ich bin zuversichtlich, dass alles bald einmal vorbei geht. Sicher ist dann aber nichts mehr wie vorher; probieren wir doch alle, optimistisch in die Zukunft zu blicken.

Ich wünsche uns allen hiermit viel Kraft, auch zur Besinnung, viel Lebensmut und die Wertschätzung für das Einfache und dazu eine gesunde Portion Humor – gerade jetzt ist es wichtig, auch einmal herzhaft lachen zu dürfen, und sei es Dank eines lustigen Beitrags aus den Medien oder einer Nachricht von Freunden, die einen fröhlich stimmt. Hauptsache, wir gehen glücklich durch die Tage und machen das Beste aus jedem einzelnen davon. 

Anonym (Identität bekannt)

Mutter und Klavierlehrerin – in Zeiten wie diesen

8:32
Fruchtsalat mit Müesli steht frisch zubereitet auf dem Esstisch und wartet auf die Kinder. «Wo sind die nur? Die müssten alle schon beim Frühstück sein…»

8:37
Ich spüre, dass mein Herz etwas schneller zu schlagen beginnt. «Tief durchatmen und entspannt bleiben», sage ich mir innerlich.

8:40
Unsere ältere Tochter kommt die Treppe herunter und ruft ihren Geschwistern im Halbschlaf zu: «Es gibt Frühstück!»

8:50
Endlich sind – mit 20 Minuten Verspätung – alle Kinder am Tisch. Ich halte meine erste tadelnde Rede an diesem Tag: «Wir hatten abgemacht, dass um 8:30 Uhr gefrühstückt wird und ihr spätestens um 9 Uhr mit den Schulaufgaben beginnt. Ich unterrichte ab 9:30 und muss vorher einiges vorbereiten.» «Ich brauche keine 10 Minuten um zu frühstücken«, murmelt unsere jüngere Tochter noch schläfrig.

9:05
Hastig scheuche ich meine drei in ihre Zimmer. «Ihr kommt bitte nicht ins Wohnzimmer während ich unterrichte!»
Seit nicht mehr in der Schule gelehrt werden kann, gebe ich Klavierunterricht per WhatsApp-Video. Heute werde ich je drei Schüler am Vormittag und Nachmittag unterrichten.
Unterrichten via Mobile ist anstrengender als der «normale» Direktunterricht. Daher plane ich pro Halbtag maximal vier Schüler hintereinander.
Bevor es losgeht, lege ich die Noten bereit und schaue mir die Videos an, die mir die Schüler am Vorabend gesendet haben.

9:30
«Hoi Rachel! Wie geht’s dir? Seid ihr alle gesund?» Inzwischen ist diese Frage Standard geworden. 
Beim Online-Unterrichten muss ich klarer kommunizieren und weniger reden. Am besten funktioniert es, wenn der Schüler nur wenige Takte spielt und ich direkt anschliessend kommentiere. Erschwerend kommt hinzu, dass der Klang und die Bewegung nicht übereinstimmen – da hilft oftmals nur Augen schliessen und zuhören.
Nun fokussiere ich mit der Kamera die Noten und zeige Rachel die falsch gespielten Töne. «Wie heisst diese Note nach der Viertelnote ‚Fis‘?» «…Hmm… D?»
«Ja, genau. Du hast vorher ‚E‘ gespielt.» Sie spielt es nochmals richtig.
«Sehr gut! Bitte spiele nun die Takte 13-15.» Wie ich im Video gesehen habe, gibt es beim Rhythmus noch Unsicherheiten.
Rachel probiert, bricht ab und probiert wieder. Meine Erklärungen und das Vorsingen des Rhythmus bringen nicht den gewünschten Erfolg.
«Rachel, ich nehme mich gleich auf und sende dir die Aufnahme.»
Ich eile ans Klavier und nehme mich auf, während ich laut zähle.
Sofort sende ich ihr die Aufnahme und rufe sie kurz danach an.
Als Rachel die Takte nochmals spielt, klingt es bereits viel besser. Ich freue mich mit Rachel und lobe sie. Sie lächelt ins Mobile, das ihre Mutter seit 20 Minuten tapfer in der Hand hält.
«Das war sehr gut! Bitte spiele einmal vom Anfang an.» 
Nach der Lektion sende ich Rachel die neuen Aufgaben mitsamt Photos der Noten, die mit Fingersätzen und Bemerkungen vollgeschrieben sind.

11:50
Alle Schüler haben ihre Aufgaben für die nächste Woche erhalten. Meine Augen sind müde vom kleinen Bildschirm.
Da kommt mein Sohn mit schnellem Schritt die Treppe herunter – bereits zum dritten Mal innerhalb kurzer Zeit. «Ich bin soooo hungrig! Was essen wir?» Eilig öffne ich den Kühlschrank und beginne kurz danach mit Kochen.

12.40
Wir sitzen zu viert am Esstisch und essen eine warme Nudelsuppe. 
Mein Mann hat kein Home Office. Er arbeitet in der Nahrungsmittelindustrie und hat in diesen Tagen viel zu tun.
Unsere jüngere Tochter erzählt eifrig, was sie heute Morgen über General Dufour gelernt hat. Ihre beiden älteren Geschwister geben ebenso eifrig Kommentare dazu ab. Am Tisch wird es lauter und Aika, unsere einjährige Hündin, beginnt zu bellen. Auch sie musste sich an die neue Situation gewöhnen. 
Die Jüngste fragt, ob sie heute selber im Volg einkaufen und das Abendessen kochen darf. Sie macht noch ein paar Vorschläge und die Kinder einigen sich auf Chicken Nuggets mit Country Fries. Toll – ich muss einmal weniger kochen!

14:00
Meine Kinder sind in ihren Zimmern und ich beginne wieder zu unterrichten.

18:00
Die beiden Teenager gehen raus und nehmen Aika mit. 
Endlich etwas Ruhe… Ich bin erleichtert, dass es langsam besser klappt mit dem Online-Unterricht. Von Tag zu Tag bin ich weniger müde. 
Auch wenn es schwierige Zeiten sind, habe ich doch das Gefühl, dass unsere Familie stärker zusammenwächst. Und trotz der erzwungenen Distanz spüre ich mehr Mitgefühl zwischen den Menschen. 

Hmm… jetzt freue ich mich auf die selbstgemachten Chicken Nuggets mit Country Fries!

Hyunah Rottenschweiler-Shin, Klavierlehrerin, Oberlunkhofen

Erfahrungen und Gedanken

Familie

Alle gesund und munter. Wir gehören nicht zur Risikogruppe und gehen das Ganze mit Respekt, aber dennoch gelassen an. Simon, unser jüngster Sohn, ist mit seiner Freundin mit dem letzten Flug von Australien zurückgekommen. Der lange herbeigesehnte Arbeits- und Ferienaufenthalt wurde hinfällig. Dafür ist es jetzt umso schwieriger, hier Arbeit zu finden. Wir haben das grosse Privileg, dennoch arbeiten zu können. Für Esther ist die Situation als Lehrerin schwieriger. Kein Vergleich allerdings zu einer Familie mit Kindern, die womöglich in einer Wohnung leben und ein Teil der Eltern noch im Homeoffice arbeitet. Wir wünschen Ihnen viel Kraft.

Hof

Natürlich nehme ich auch wahr, was in der näheren und weiteren Umgebung passiert. Auf unserem Hof, bei der täglichen Arbeit in der Landwirtschaft, hat sich aber nicht viel geändert. Es ist ein «Traum-Frühling» und die Felder lassen sich gut bestellen. Die Tiere müssen gepflegt und gefüttert werden. Von Lockdown keine Rede, wie gewohnt 70 bis 80 Stunden pro Woche. Dafür, wie sonst auch, keinen Arbeitsweg. Und doch meine ich eine Veränderung zu spüren. Die zahlreichen Spaziergänger grüssen wieder vermehrt. Seit Gestelle leergehamstert wurden und die Grenzen geschlossen sind, scheint die Wertschätzung für unsere Arbeit zu steigen. 

Politik

Geht es Ihnen vielleicht auch wie mir? Vermissen Sie die Schreihals-Parlamentarier von ganz links oder rechts aussen auch nicht? Ebenso die ganz Grünen und die eher Braunen? Vorübergehend haben die sich etwas zurückgenommen und es wurde ihnen auch keine Plattform gegeben. Das war doch ganz angenehm. Und wissen Sie was: Die Reuss fliesst trotzdem immer noch von oben nach unten.

Sterben

Schwierig. Ich habe den Eindruck, sterben ist nicht mehr «erlaubt». Angeblich ist jeder Tote einer zu viel. Verstehen Sie mich nicht falsch, aber über den Tod wird kaum noch gesprochen. Und sterben darf man eigentlich an was? Ich lese nur immer wieder an was nicht: Krebs, Grippe, Lungenentzündung, Herzinfarkt, Unfall, … Dabei gibt es nur eine Statistik, die wirklich stimmt: Wir sterben alle, zu 100 %.

Gesellschaft

Auch schwierig. Zu viele Leute leben anscheinend über ihren Verhältnissen. Das Motto lautet: Man leistet sich alles, was der Nachbar auch hat – und noch ein bisschen mehr. Wenn dann der Zahltag am 25. einmal nicht pünktlich und vollständig ausbezahlt wird, gibt es ernsthafte Probleme. Damit meine ich nicht jene Menschen, die im Leben schon öfters auf der Schattenseite gestanden sind. Ich meine vielmehr jene auf der Sonnenseite.

Raiffeisenbank

Auch die Bank ist natürlich betroffen. Home-Office ist eine neue Erfahrung. Mit grosser Freude darf ich feststellen, dass trotzdem alles reibungslos funktioniert. Und noch mehr Freude habe ich ob dem Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das Ganze hat eine soziale Komponente und schweisst das Team zusammen. Auch die Kreditauszahlungen an unsere Kunden laufen reibungslos. Die Planungsarbeiten für unseren Neubau sind aber ins Stocken geraten. Zum Glück haben wir keine GV, sondern eine Urabstimmung. Leider fallen aber die Mitgliederversammlungen ins Wasser. Wir freuen uns aufs nächste Jahr!

Swiss Beef

Als Präsident von Swiss Beef hätte ich in den letzten Wochen am liebsten den Computer und das Telefon ignoriert. Aber genau diese beiden Hilfsmittel erlauben eine gute Kommunikation und deshalb eine gute Arbeit in dieser sitzungslosen Zeit. Als Folge der Schliessung der ganzen Gastronomie sind verschiedene Wertschöpfungsketten regelrecht eingebrochen. Der Absatz kam kurzfristig zum Erliegen. Die Preise sind teilweise erodiert. Die Essgewohnheiten zuhause und im Restaurant unterscheiden sich offensichtlich sehr stark. Vielleicht hat das auch mit den Kochfähigkeiten zu tun… Immerhin haben jetzt die Leute Zeit, um vielleicht wieder einmal ein Kochbuch zur Hand zu nehmen, anstatt eine Pizza zu bestellen.

Am Sonntag früh

Nach dem Stalldienst am Sonntag fahre ich hin und wieder mit dem Velo zum Beck und freue mich auf gutes Brot. Schon um acht Uhr stehe ich gemeinsam mit anderen im empfohlenen Abstand in der Warteschlange. Die Stimmung ist eher gedrückt und doch ergibt sich ein Gespräch auf Distanz. Mein Vordermann findet das Ganze masslos übertrieben. Er habe gestern drei Gärtner gesehen, die bei ihrer Arbeit im Unterabstand waren! Noch weiter vorne fand jemand die Gelegenheit gut, um jetzt endlich das Bargeld abzuschaffen – und schon bald gab es vier Meinungen bei drei Teilnehmenden.  

Ich hatte grosse Mühe, wie man in Anbetracht der Warteschlange noch eine Beratung in Anspruch nehmen kann, die darauf abzielt, ob man jetzt eine Semmel mit oder ohne Körnli oder ein Knorrenbrot oder vielleicht doch besser ein St. Galler-Brot oder ein Urdinkel –  vielleicht sogar ein Bio-Urdinkel-Vollkorn-Gipfeli erwerben soll. Grosser Seufzer. Corona hat seine läuternde Wirkung noch nicht überall voll entfaltet. Anscheinend haben gewisse Leute nicht Hunger, sondern suchen sich einen Zeitvertreib. Weil ich schon zwei Stunden gearbeitet hatte, war ich aber sehr hungrig und habe mir ganz einfach ein gutes Ruchbrot und einen feinen Zopf für die Nachbarn gekauft. Es hat zwar jeweils nicht viel Ruchbrot im Gestell. Wenn Sie aber früh genug da sind, sollte das klappen.

Zukunft

Was bleibt haften? Das Virus hat das Potential, mich und die ganze Welt zu verändern. Und das schadet so gesehen gar nichts. Demut kommt in mir auf. Ich habe den Eindruck, die Vögel pfeifen anders als sonst. Ob es wohl nur am fehlenden Verkehrslärm liegt?

Und noch etwas: Ich hätte nie gedacht, dass mir ein kräftiger Händedruck so fehlen könnte. Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit und freue mich auf einen Händedruck!

Franz Hagenbuch, Verwaltungsratspräsident Raiffeisenbank Kelleramt-Albis & Präsident Swiss Beef, Rottenschwil-Werd

Vielschichtiger Betrieb

In diesen Wochen ist ganz viel von Entschleunigung die Rede: Wir «müssen» jetzt weniger und «dürfen» dafür mehr; wir bekommen viel frische Luft (für die Lungen wie auch für uns selber); wir haben Zeit zum Nachdenken und, falls vorhanden, für die Familie… aufgezwungen zwar, aber irgendwie auch geschenkt. So tönt es allenthalben. Staatlich verordnete Seelen-Wellness sozusagen.

Auch meine Agenda ist seit dem Lockdown ungewohnt leer: Unsere Angebote, Events und Gottesdienste fallen ja weg, ebenso Besuche und die meisten Sitzungen. Das Private konzentriert sich derweil auf «zu Hause bleiben», kleinere Spaziergänge mit Töchterli und Hund ausgenommen.

Allerdings: «Entschleunigt» fühle ich mich trotzdem nicht. Im Gegenteil: Meine Frau und ich haben unsere Jobs als Pfarrer*in (die glücklicherweise sicher sind!) fast über Nacht neu erfunden und sind deshalb weiterhin bestens ausgelastet. Darüber hinaus habe ich die vergangenen Wochen als ausserordentlich intensiv erlebt – so intensiv wie noch nie. In mehrerlei Hinsicht:

Einen grossen Teil meiner Arbeitszeit verbringe ich seit Mitte März damit, unsere Mitglieder direkt zu kontaktieren. Wenn wir von jemandem eine Telefonnummer oder eine Mailadresse haben, so ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass ich mit der betreffenden Person im persönlichen Austausch stehe. Die Gespräche und Mails gehen in diesen Wochen tiefer als gewohnt; das Vertrauen, das mir entgegengebracht wird, berührt mich sehr. Auffällig dabei: In manch privatem Austausch wird das Hohelied auf die Entschleunigung mittlerweile leiser. Ich habe den Eindruck, dass die Stimmung in vielen Haushalten umschlägt. Was anfangs noch befreiend wirkte, wird allmählich zur Last: Manche Menschen haben jetzt existenzielle Sorgen; das Home Schooling führt zu schwierigen Diskussionen zu Hause, die räumliche Nähe im Haushalt zu Konflikten; andere Kontakte, auch die spontanen, werden zunehmend vermisst; wer vorher schon einsam war, ist es jetzt erst recht. Das ist die «andere» Seite: der Corona-Koller. Ich bin froh und dankbar, Zeit und ein offenes Ohr schenken zu können.

Vielleicht noch intensiver als die Arbeit ist aber unser Familienleben. Bei aller Liebe (!) zum Töchterchen: Ich vermisse die Entlastung durch Kinderkrippe, Schwiegermutter und Babysitterin ungemein! Und ich vermisse sie ganz besonders, weil wir als Eltern eines Kindes mit einer chronischen Krankheit im letzten Jahr ein fein austariertes Supportsystem aufgebaut haben, das jetzt in sich zusammengefallen ist. Seit dem Lockdown sehen die Tage so aus, dass ich bis etwa 14 Uhr im Büro arbeite und anschliessend zu Hause unsere Kleine «übernehme», damit meine Frau dann auch noch zur Arbeit fahren kann; von 20 Uhr bis gegen Mitternacht arbeite ich noch einmal weiter. Schichtbetrieb. Auch wenn ich als Vater seit jeher sehr präsent bin: Jetzt sind wir unglaublich gefordert. Das Mietklavier, erst im Februar organisiert, bleibt viel zu häufig unbenutzt. Die «Akkord-Arbeit» findet gerade anderswo statt.

Ob Seelen-Wellness oder Überforderung (oder beides gleichzeitig): Ich wünsche Ihnen alles Gute und einen langen Atem. Wir werden ihn brauchen. Schauen wir gut zu uns und schauen wir gut zueinander!

Und all denjenigen, die beim Positiven, was wir jetzt (auch) erfahren, schlicht ihr «altes Leben» mit seinen Sicherheiten zurückhaben wollen, möchte ich sagen: Ich verstehe Sie so, so gut! Mir geht es ähnlich – und ich glaube: Das ist okay.

Reto Studer, Pfarrer

Blog in der Zeitung (2)

Der «Beisammen.ch»-Blog hat es ein zweites Mal in die Zeitung geschafft – genauer: in die «Aargauer Zeitung» von heute Montag, 20. April.

An dieser Stelle ein herzlicher Dank an all unsere Autor*innen – und liebe Leser*innen, neu wie «alt»: viel Freude beim Eintauchen!

Wenn alles anders ist, aber vieles gleich

5:45 Uhr, der Wecker klingelt. Wie ein Klappmesser stehe ich auf, gehe ins Bad, das übliche Ritual, das übliche Tempo. Doch anstatt danach zur Bushaltestelle zu eilen, betätige ich die Nespresso-Maschine ein erstes Mal, nehme meinen Kaffee und begebe mich ins Gästezimmer. Faktisch war es bereits vorher zugleich auch Büro, doch mangels intensiver Benutzung fehlte das eine oder andere, was wir in weiser Vorahnung zum Glück noch geändert hatten, kurz bevor alle Geschäfte ihre Türen vorübergehend schliessen mussten. 

Danach beginnt mein Arbeitstag und verläuft während ein bis zwei Stunden fast wie immer: Mails checken, ein Blick in die Online-Tageszeitung(en) resp. den Terminkalender, erste kleinere Aufgaben erledigen, das Übliche. Der kleine Unterschied: Weil der Arbeitsweg wegfällt, findet alles rund eine Stunde früher statt und ich frühstücke nicht parallel dazu. 

Gegen 8 Uhr zeigt sich erstmals der grosse Unterschied zum sonstigen Arbeitstag: Mein Sohn kommt zur Türe herein und ruft «Ensolver!», was «Frühstück» heisst auf Romanisch. Für dieses nehme ich mir in diesen Tagen etwas mehr Zeit als üblich, weil ich es wie am Sonntag mit der ganzen Familie geniessen kann.

Doch anders als am Wochenende begebe ich mich nach dem Abräumen wieder ins Gästezimmer, oder besser gesagt ins Büro, denn Gäste empfangen wir zurzeit keine. Als Datenbankadministrator im Bereich Volkswirtschaft kann ich meiner Arbeit glücklicherweise praktisch unverändert und uneingeschränkt nachgehen. Wegen der aktuellen Situation gibt es sogar eher mehr Daten, die verarbeitet, archiviert und in Grafiken oder Tabellen dargestellt werden müssen.

Auch danach verläuft mein Arbeitstag sehr ähnlich wie immer. Dies ist aber alles nur möglich, weil meine Frau, die in der Gebäudetechnik selbständig erwerbend ist, sich um die Kinder kümmern kann. Ihre Branche ist wie viele andere von der Krise betroffen. Die bestehenden Aufträge sind erledigt, neue zu erhalten ist momentan schwierig bis unmöglich.

Unsere Kinder basteln und spielen gerne und viel. Geduldig begleitet sie tagsüber meine Frau, nach Feierabend übernehme ich und geniesse die Zeit mit ihnen sehr. Mindestens einmal die Woche machen wir vor dem Nachtessen zusammen eine «Joggingrunde», wobei ich der Einzige bin, der ohne Fahrrad unterwegs ist. Als Familie haben wir im Moment mehr gemeinsame Zeit, weil alle sonstigen Termine wegfallen. 

Wir telefonieren auch oft mit den Grosseltern, die ihre Enkelkinder unglaublich vermissen. Es bleibt zu hoffen, dass sie diese bald wieder in den Arm nehmen können. Auch wenn ich persönlich diese spezielle Zeit sehr erträglich finde, hoffe natürlich auch ich, bald wieder zur «Normalität» zurückzukehren. Freunde treffen, Tennis spielen, die Eltern sehen, das alles vermisse ich auch sehr. Doch vorerst ist es leider nicht so. Alles, was wir im Moment machen können und sollen, ist, uns an die Empfehlungen des Bundesrates zu halten, Kontakt mit anderen Leuten zu meiden und daheim zu bleiben. Alles Gute!

Ginard Jörg, Oberlunkhofen

Ein neuer Feind

Hier in Oberlunkhofen wohnen seit ein paar Jahren dreizehn Asylsuchende – eine kurdische Familie aus dem Irak mit drei Söhnen, eine syrische Familie aus Aleppo mit einer erwachsenen Tochter und drei weiteren Kindern und ein älteres Ehepaar aus Damaskus, Syrien. Ihre Fluchtgründe und -erfahrungen sind wahrlich Grauen erregend; sie reden nicht gern darüber. Gott sein Dank sind alle mehr oder weniger gesund bei uns angekommen. 

Ich wurde vom Gemeinderat mit der Betreuung dieser Leute beauftragt. Am Anfang hatten alle Schwierigkeiten: die Sprache, amtliche Vorschriften, Billette für den öffentlichen Verkehr kaufen, der Schulalltag, Arztbesuche und vor allem die kulturellen Unterschiede: Für was braucht es Abfallmärkli? Warum muss ich die Musik leiser stellen? Wann verwende ich Vornamen / Nachnamen, Du / Sie? Da versuchte ich geduldig alles zum dritten Mal zu erklären, z.T. mit Hilfe eines Dolmetschers. Aber nun haben sich alle gut im Dorf eingelebt. Einige Eltern haben Deutschkurse besuchen und Teilzeit-Arbeitsstellen annehmen dürfen. Den Kindern geht es in der Schule gut; eine Jugendliche absolviert ein Praktikum und sie und ihre Schwester fangen im Sommer Lehrstellen an. Also recht erfreulich.

Aber plötzlich taucht ein neuer Feind auf, vor dem sie sich fürchten müssen: die Hexe Corona! Die Kurse werden abgesagt; die Schulen werden geschlossen; als Pizzakurier oder als Event-Monteur kann man nicht mehr arbeiten; als ü65er soll man nicht unter die Leute gehen, also kein Einkaufen beim Tischlein-deck-dich usw. Und wenn fünf bis sechs Menschen den ganzen Tag aufeinander in der Wohnung hocken – ihr wisst es ja – ist es nicht immer so friedlich.

Zum Glück hat das ältere Ehepaar Verwandte in der Nähe, die für sie einkaufen können. Aber dafür brauchen sie weiterhin ihr bescheidenes Tagesgeld, das ich wöchentlich bei der Gemeindeverwaltung abhole – neuerdings durch eine Plexiglasscheibe – und ihnen bei Kaffee und Guetzli aushändige. Wir halten Distanz und, obwohl wir uns sprachlich kaum verständigen können, schätzen sie den kurzen Besuch.

Bei einer Familie gehe ich auch ab und zu schnell vorbei, um die bewilligten Reisespesen zu begleichen oder beim e-Banking behilflich zu sein. Diese Technologien sind für die ältere Generation halt immer noch etwas rätselhaft.

Nächste Woche fängt die Schule mit dem Fernunterricht an. Eine neue Herausforderung! Aber die Jugendlichen lernen ja viel schneller als wir Alten, wie das mit Zoom usw. funktioniert. Ich erwarte keine allzu grossen Schwierigkeiten.

Und so hoffe ich – wie ihr alle auch – gesund zu bleiben und bald wieder ein etwas normaleres Leben führen zu können. Hoffentlich haben wir aber alle aus dieser Notsituation auch etwas über bessere nachbarschaftliche Beziehungen und einen umweltgerechteren Lebensstil gelernt.

Viktor Steiner, Oberlunkhofen

Blog in der Zeitung (1)

Der «Beisammen.ch»-Blog hat es in die Zeitung geschafft – genauer: in den «Bremgarter Bezirks-Anzeiger» von gestern Freitag, 17. April.

An dieser Stelle ein herzlicher Dank an all unsere Autor*innen – und liebe Leser*innen, neu wie «alt»: Schön, sind Sie hier!

(Wenn Sie im Kelleramt wohnen und einen eigenen Text einreichen möchten, so finden Sie hier ein paar Informationen dazu. Sie dürfen es sich aber auch erst einmal einfach gemütlich machen… In diesem Sinne: viel Freude beim Lesen!)

Wie die Psychotherapie jetzt helfen kann

Reto Studer (RS): Wie haben sich die Psychotherapie-Sitzungen verändert seit Beginn des Notstandes?

Jeanin Huber, Psychotherapeutin (JH): Als medizinische Leistung darf die Therapie noch in den Praxen durchgeführt werden – natürlich unter Einhaltung der BAG-Richtlinien sowie den Empfehlungen der FSP (Föderation der Schweizer Psychologinnen und Psychologen, der grösste Schweizer Berufsverband der Psycholog/innen). Aber was vorher die Ausnahme war, wird zur Regel – Therapie per Telefon und Videokommunikation. Denn viele Patientinnen und Patienten getrauen sich nicht mehr in die Praxis. Manche aus Angst, sich selbst anstecken zu können, andere, weil sie Angehörige auf keinen Fall gefährden möchten.
Wieder andere schätzen gerade die Möglichkeit, die Therapiesitzungen in der Praxis wahrzunehmen sehr, da sie dadurch einen guten Grund haben, das Haus zu verlassen oder es fällt leichter, sich zu öffnen, wenn man jemandem vis-à-vis sitzt. 
Durch die Einhaltung der BAG-Richtlinien schüttle ich keine Hände mehr zu Begrüssung und zum Abschied und halte stets zwei Meter Abstand, was zu Beginn gewöhnungsbedürftig war. 

RS: Was sind die Themen, die im Moment besprochen werden? Spielt das Coronavirus eine zentrale Rolle?

JH: Zu Beginn der Sitzungen vielleicht, jedoch sind eher die Auswirkungen des Notstandes vermehrt Thema: Personen, welche zuvor an Einsamkeit litten, tun dies oft noch mehr. Schüler/innen und Lehrlinge wissen nicht, wie es um ihre Prüfungen und den Abschluss des Schuljahres steht. Selbständige kämpfen um ihre Existenz. Bei manchen löst der ungewisse Zustand und die Einschränkungen vermehrt Ängste oder depressive Verstimmungen aus. Manche Dinge, die man gerne tut und welche uns Energie geben, sind aktuell nicht möglich, wie zum Beispiel die Teilnahme an einem Konzert, Kaffee trinken mit der Freundin, das Stöbern in einem Buchladen etc. Themen sind deshalb auch, was man alternativ tun kann und wie man seinem Tag eine Struktur geben kann. Da Paare und Familien plötzlich auf engerem Raum 24/7 miteinander auskommen müssen, können Paar- und Familienkonflikte zunehmen. Hier kann die Psychotherapie helfen, die Konflikte zu klären und neue Wege im Umgang mit der Situation zu finden. 

RS: Inwiefern verschärfen sich durch die neuen Umstände die bisherigen Probleme?

JH: Die aktuelle Situation erfordert von uns allen eine aussergewöhnliche Anpassungsleistung, was eine Stressbelastung darstellt. Probleme, die zuvor schon bestanden haben, können sich dadurch weiter verschärfen – oder aber es tauchen neue Herausforderungen auf wie beispielsweise Umgang mit Grenzen aller Familienmitglieder, weil plötzlich alle fast ständig zuhause sind. 

RS: Wie kann Psychotherapie helfen?

JH: Psychotherapie kann zur psychischen Entlastung und Stabilisierung beitragen. In der Therapie können wir alternative Verhaltensweisen erarbeiten, Strategien einüben, um negative Gedankenspiralen und Ängste zu hinterfragen und zu reduzieren, Paar- und Familienkonflikte aus anderer Perspektive betrachten und konstruktiver gestalten, depressive Verstimmungen reduzieren, Umgang mit Home Office und den eigenen Leistungsanforderungen klären und vieles mehr. Die Therapie wird dabei den Bedürfnissen, Themen und Anliegen der jeweiligen Person angepasst. Wir arbeiten mit den Patienten an ihrem Verhalten, ihren Gedanken und Gefühlen, beziehen aber auf Wunsch und unter Einhaltung der Vorgaben des BAG das Umfeld mit ein, indem wir bspw. ein Paargespräch führen.

RS: Was siehst du an psychischen und sozialen Problemen auf die Gesellschaft zukommen?

JH: Diese Frage wird sich erst im weiteren Verlauf des Jahres klären. Die aktuelle Situation stellt eine aussergewöhnliche Stressbelastung dar. Dies kann dazu führen, dass Personen, die zuvor schon am Limit liefen, jetzt «kippen» und psychische Probleme entwickeln. Diese können sich z.B. in Niedergeschlagenheit, Reizbarkeit und Aggression, Versagensängsten, Überforderungs- oder Minderwertigkeitsgefühlen äussern. Die Forschung zeigt zudem, dass es nach Quarantäne-Situationen zu Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit und Überforderung kommen kann und die Personen auch nach dem Lockdown Menschenmengen meiden. Wir sind hier, um diese Personen zurück auf dem Weg aus der Krise zu unterstützen.

RS: Was ist aus deiner professionellen Sicht interessant zu wissen?

JH: Es braucht oft Überwindung und Mut, uns aufzusuchen, wenn man noch nie Kontakt mit Psychotherapie hatte oder diese nur aus dem Fernsehen kennt. Wenn Sie jedoch nicht mehr weiterwissen oder alles, was Sie versuchen, um an Ihrer Situation etwas zu ändern, im Moment scheitert, möchte ich Ihnen ans Herz legen, dies auszuprobieren – «nützt’s nüt, schad’s nüt». Viele berichten, dass es hilft, die Situation mal mit einer aussenstehenden Person zu besprechen und neue Inputs zu bekommen. Es ist jedoch wichtig, dass Sie sich eine Fachperson suchen, die Ihnen wirklich zusagt. Zudem kann es auch einfacher sein, es mal «online» oder per Telefon auszuprobieren, weil man so in der vertrauten Umgebung bleiben kann. 

RS: Wie fährst du selber herunter? 

JH: Neben Spaziergängen, entspannenden Bädern, Sport, guten Gesprächen mit Familie und Freunden, finde ich unter anderem Yoga Nidra, Meditation und den Bodyscan sehr hilfreich.

Jeanin Huber, Psychotherapeutin, Arni

Tipps von Jeanin Huber:
Hier finden Sie psychologische und psychotherapeutische Unterstützung: http://www.psychologie-anderegg.ch/
Eine weitere Auswahl an Psychotherapeut/innen finden Sie unter: https://www.psychologie.ch/psychologensuche
Covid-19: Wie Sie häusliche Isolation und Quarantäne gut überstehen: https://www.psychologie.ch/covid-19-wie-sie-haeusliche-isolation-und-quarantaene-gut-ueberstehen

Wenn Krankheiten warten müssen

Mein Name ist Marcel Butti, ich bin Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, Manuelle Medizin und für Homöopathie und führe in Oberlunkhofen seit vielen Jahren eine Arztpraxis. Wie für alle ist für uns in der Praxis die Situation ganz neu, ich habe noch nie etwas Vergleichbares erlebt. Meine Eltern erzählten früher vom Aktivdienst und der Kriegszeit, das war sicher ähnlich einschneidend; für uns, die das nicht erlebt hatten, blieb es aber eine Erzählung.

Das erklärt vielleicht das gegenwärtige militärische Vokabular in den Nachrichten über den Feind, das Virus. Unheimlich ist es, weil es jeden treffen kann, wahrscheinlich meistens nicht schlimm, man kann aber nicht sicher wissen, ob man nicht auch schwer erkrankt. Die Schnelligkeit der Ausbreitung ist unheimlich.

Sicher grosse, noch ungelöste Probleme haben die vielen Menschen, die in Branchen arbeiten, die jetzt stillgelegt sind: kleine Unternehmen aller Art, der ganze Tourismusbereich, und viele andere mehr.

Nun versuchen wir in der Arztpraxis die Vorgaben umzusetzen, zu verstehen, die Nachrichten einzuordnen. Die «normalen» Krankheiten haben zu warten, das schmerzhafte Hüftgelenk wird noch nicht operiert. Wir haben entsprechend paradoxerweise wenig zu tun. Für die Intensivstationen sind wir nicht ausgebildet und können dort nicht einfach Fachleute unterstützen.

Privat geht es mir wie allen anderen auch: Kontakte reduzieren, keine weiten Ausflüge, keine Restaurant-Besuche, die Haare werden länger. Man kocht mehr, telefoniert wieder mehr als nur, um Nachrichten zu tauschen, damit man wieder eine Stimme hört. Ich bin mehr auf mich selber beschränkt, kann mich weniger mit allerlei ablenken.

Den Verschwörungstheorien muss ich oft entgegentreten, den Propheten der Apokalypse, die nun ihre Stunde kommen sehen, den Wichtigtuern.

Wie das weitergeht weiss niemand so klar; nur, dass es so schnell wieder wird wie vorher, glaubt niemand wirklich. Die ganzen politischen Auswirkungen und Nachbeben weltweit kommen ja noch dazu.

Bleiben Sie gesund.

Dr. Marcel Butti, Hausarzt, Oberlunkhofen

Virtuelle Klassenstunde

Vor gut drei Wochen habe ich das letzte Mal die Kanti Wohlen betreten, bin in einem Klassenzimmer gesessen und habe in der Mittagspause mit meinen Klassenkameraden Kartenspiele gespielt. Seither hat sich vieles verändert. Mein Zimmer ist zu meiner Schule geworden, der Esstisch zur neuen Mensa, mein Schreibtisch zum Klassenzimmer. Was vor fünf Wochen damit begonnen hat, dass unsere Schul-WCs mit Desinfektionsmittel ausgestattet wurden und unser Chorkonzert plötzlich auf der Kippe stand, da die Bewilligung noch nicht erteilt wurde, hat unseren Alltag in nur wenigen Tagen völlig auf den Kopf gestellt.

So richtig etwas unter Fernunterricht vorstellen konnte sich zu Beginn keiner. Es herrschte Überforderung auf beiden Seiten: Unsere Lehrer versuchten uns übergangsweise irgendwie zu beschäftigen und wir Schüler mussten uns erstmal mit der Masse an Aufträgen, die von überall auf uns einprasselten, zurechtfinden. Dabei war das grösste Problem die Organisation und den Überblick nicht zu verlieren: Die Aufgaben wurden uns nämlich nicht gebündelt mitgegeben, sondern jeder Lehrer hatte seine Präferenzen, wie und wann er uns beschäftigte und ob, wann und wie wir die Aufgaben abgeben mussten.

Glücklicherweise hat sich in den drei Wochen Home Schooling einiges geändert: Alle Lehrer arbeiten mittlerweile mehr oder weniger einheitlich mit einem einzigen Programm und meist werden uns auch die Aufgaben frühzeitig anfangs der Woche mitgeteilt, sodass wir uns die Arbeit selber einteilen können. Dazwischen haben wir über die Woche verteilt ein paar Videokonferenzen – falls der Lehrer diese anordnet.

Der Online-Unterricht erfordert auf jeden Fall Kreativität von beiden Seiten: Jeder Tag bringt etwas Neues mit sich. Beispielsweise musste ich die Präsentation meiner Projektarbeit als Video aufnehmen und dann zusammenschneiden; der Klavierunterricht findet nun auch per Videokonferenz statt.

Ein Punkt, der mir und meinen Mitschülern besonders zu Beginn Mühe gemacht hat, ist die plötzliche Selbstverantwortung. Während die Freiheit, aufzustehen, zu essen oder zu arbeiten (oder eben auch nicht zu arbeiten) wann und wo man will durchaus verlockend ist, birgt sie auch die Gefahr, bis zum Mittag zu schlafen, stundenlang Serien zu schauen oder das schöne Wetter im Garten mit einem guten Buch zu verbringen. Aber mit ein bisschen Selbstdisziplin, einer mehr oder weniger klar geregelten Tagesroutine und etwas Durchhaltevermögen geht auch das mittlerweile.

Was die soziale Interaktion betrifft, hätte ich gedacht, dass ich als introvertierte Person kaum Probleme haben würde. Ich musste jedoch feststellen, dass es einen Unterschied macht, ob ich mich freiwillig tagelang in meinem Zimmer verschanze oder es mir tatsächlich verboten ist, mich mit anderen zu treffen. Zwar ist unser Klassenchat so aktiv wie noch nie zuvor und wir Mädchen verabreden uns jede Woche zum Video-Yoga (ja, auch der Sportunterricht wird weitergeführt) – und sogar eine Geburtstagsparty via Skype wurde bereits für eine Kollegin organisiert; aber natürlich ersetzt das alles nicht den persönlichen Kontakt. 

Den Unterricht zuhause fortzusetzen kann mitunter mühsam sein, ist aber durchaus machbar. Das, was aber am meisten fehlt, ist die gemeinsame Zeit zwischen den Lektionen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass nach den Frühlingsferien der Schulunterricht völlig normal weitergeführt wird, ist klein. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als abzuwarten, zu versuchen, mit dem Stoff mitzukommen und bis dahin weitere Yogalektionen oder gemeinsame Mittagessen per Videochat zu organisieren. Wer hätte gedacht, dass wir die Schule mal so vermissen würden? ;)

Samira Bosshard, Kantischülerin, Rottenschwil

Grenzen und Leid in der Hausarzt-Praxis

Meine Begegnungen in der Hausarzt-Praxis mit meinem Team und mit meinen Patienten haben sich mit dem Corona-Virus schlagartig und massiv verändert. Natürlich wollen wir weiterhin unsere Patienten gut betreuen, sie begleiten, sie untersuchen, ihnen Empfehlungen abgeben können. Aber neu gibt es eine Distanz, welche wir einzuhalten versuchen, einhalten müssen. So gibt es keine berührende Begrüssung mehr, ein Lächeln nur noch mit den Augen, da das eigentliche Lächeln unter der Maske liegt. Und dann haben wir aktuell viel mehr Telefon- oder E-Mail-Konsultationen, welche aber nicht einer normalen Konsultation gleichwertig sind. Aber immerhin: Wir können diese Kommunikation führen.

Daneben existiert aber eine grosse Verunsicherung auf Seiten der Patienten. Sind sie noch willkommen, ist ihr Anliegen nicht eine Bagatelle, auf welche jetzt verzichtet werden soll? Belasten sie mit ihrem Leiden nicht unnötig das Gesundheitssystem? Klare Antwort dazu: Natürlich sind die Patienten weiterhin willkommen bei uns. 

Die viel schwierigere Entscheidung steht an, wenn es um eine nötige Hospitalisation geht, ganz ohne eigener Corona-Erkrankung, sondern mit Erkrankungen, welche auch trotz Corona noch da sind. Will ich aktuell ins Spital, wo ich keinen Besuch haben kann? Vertraue ich dem Spital, dass ich dort nicht mit Corona infiziert werde? Wollen wir unsere Mutter für die letzte Lebensphase, zum Sterben ins Spital oder in eine Palliativstation geben, wenn sie dort ohne unsere Begleitung den letzten Lebensweg gehen muss? Für die allerletzten Schritte könnten wir vielleicht noch einzeln für kurze Zeit vorbeigehen… Schaffen wir das auch zu Hause? Wer unterstützt uns? Können wir uns vorstellen, die Kraft dazu zu haben? Wenn nicht, sind wir dann feige oder grausam? 

Das sind ganz schwierige Fragen, welchen sich unsere Patienten bewusst oder unbewusst stellen und welche somit die Weichen stellen, ob sie uns überhaupt über ihr Leiden informieren.

Und dann liegt es an uns, mit dem Patienten, seinen Angehörigen und in Anbetracht des Systems, in welchem sie leben, zu entscheiden, wie wir sie unterstützen können, wo die Grenzen liegen und welche Schritte als nächste getan werden. Immer individuell. Und unsere Grenzen verschieben sich oder stellen sich unseren Wünschen einer optimalen Behandlung in den Weg.

Diese Zeit ist nicht nur zum Entschleunigen da, um die Prioritäten richtig ordnen zu können, den Lebenswert wieder zu sortieren. Nein, es ist auch eine Zeit mit sehr viel Leid, mit viel Leere, mit Nicht-Vollbrachtem wie zum Beispiel dem Nicht-Begleiten-Können in der Sterbephase, sowohl bei Corona-Patienten wie auch bei anderen sterbenden Menschen. Das ist eine grosse Belastung für die Hinterbliebenen, aber auch für die Professionellen im Spital. Und da wird es in der Nach-Corona-Zeit viel zum Aufarbeiten geben.

Auf viel Gott-Vertrauen und Kraft – für jetzt und später.

Corina Bürgi-Feld, Hausärztin und Kirchenpflegerin, Arni