Zwischen Blaulicht und Mitgefühl

Ich heisse Barbara Eberle und lebe zusammen mit meiner neunjährigen Tochter Anina in Staufen. Ich bin Diplomierte Rettungssanitäterin HF und Teamleiterin im Rettungsdienst der Asana Spital Menziken AG. In meinem Beruf arbeite ich genau seit 20 Jahren – nach wie vor mit Leib und Seele. Ich kann mir nichts Besseres, Spannenderes oder Schöneres vorstellen. Ich leite zusammen mit dem Bereichsleiter der perioperativen Pflege den Rettungsdienst und rücke neben den administrativen Arbeiten immer noch regelmässig aus.

Zurzeit dreht sich auch bei uns innerhalb des Spitals und natürlich auch im Rettungsdienst alles um die Corona-Krise. Das Spital Menziken gleicht einer Festung; hinein kommen nur noch die Mitarbeitenden und Patienten. Angehörige dürfen nur noch zu Besuch, wenn ihre Liebsten im Sterben liegen. Dies ist nicht einfach – weder für die Besuchenden noch für die Patienten. 

Das Personal arbeitet immer mit einer Maske und wir dürfen nur noch mit grossem Abstand zusammensitzen. Eine ganze Station wurde zur Isolationsstation umgebaut. Hier sind nur noch Patienten, welche Corona-positiv getestet wurden. Wir im Rettungsdienst tragen immer Maske, Schutzbrille und Handschuhe – bei Corona-Verdacht sogar noch eine Überschürze. Nach dem Einsatz desinfizieren wir das gesamte Material und den Patientenraum des Rettungswagens. 

Im Moment haben wir Corona-bedingt mehr Einsätze. Aber auch das ganz normale Tagesgeschäft ist zusätzlich und wie gewohnt zu bewältigen; Herzinfarkt, Schlaganfall, Verkehrsunfall oder eine einfache Verlegung. Mit fadem Beigeschmack: Unser Auftreten in Maske und Schutzbrille erschreckt gewisse Patienten. Aber schlussendlich sind sie auch froh, dass wir da sind und die Schutzmassnahmen einhalten.

Die Menschen sind verunsichert: Was kommt da noch auf uns zu? Wie soll es nach der Krise weitergehen? Dies merken wir auch an den Einsätzen. Nicht selten rücken wir wegen Angstzuständen aus oder zu familiären Konflikten. Viele sind es sich nicht gewohnt, so lange so nahe beieinander zu sein – dies zusammen mit der Unsicherheit gegenüber dieser ungewohnten Situation schürt Ängste und Aggressionen. 

Ich werde häufig gefragt, ob ich wisse, wie es weitergeht. Ich weiss es nicht. Ich bin genauso unsicher und gespannt, was diesen Sommer noch auf uns zukommt und was wir noch zu bewältigen haben. Ich weiss aber auch, dass wir in der Schweiz und auch im Kanton Aargau eine hervorragende medizinische Versorgung haben. Die Zusammenarbeit zwischen den Zentrumsspitälern und den Regionalspitälern ist sehr gut und zeigt, dass es alle dazu braucht. Ebenfalls schön ist die Wertschätzung, welche uns Mitarbeitenden im Gesundheitswesen aktuell zugetragen wird. Ich wünsche mir, dass dies noch weit über die Corona-Krise hinweg bestehen bleibt. 

Für mich hat sich im Beruf nicht viel verändert. Ich handle immer nach bestem Wissen und Gewissen und halte mich an die Vorgaben, das tue ich auch privat. Ich freue mich aber jetzt schon, wenn wir wieder nach draussen gehen dürfen, zusammen in ein Café sitzen und uns in den Arm nehmen können. Auch wenn es noch ein Weilchen dauern wird – diese Zeit kommt und der Sommer ist dann noch nicht zu Ende.

Ich wünsche Ihnen alles Gute. Bliibed gsund!

Barbara Eberle, Teamleitung Rettungsdienst der Asana Spital Menziken AG

Aus dem Alltag einer kleinen Familie

Ich lebe mit meinem Lebenspartner und meiner kleinen Tochter in einem Naturparadies ganz in der Nähe der Reuss. Ich bin Primarlehrerin und arbeite Teilzeit, mein Partner ist bei der Polizei angestellt und unser kleiner Sonnenschein darf normalerweise einmal in der Woche in die Spielgruppe.

Leider darf unsere Kleine seit zwei Wochen nicht mehr in ihre geliebte Spielgruppe gehen. Es ist toll, dass die Spielgruppenleiterinnen trotzdem mit uns in Kontakt bleiben, WhatsApp sei Dank, und sogar Bastelmaterial mit Anleitung nach Hause geschickt haben. Das Osterbasteln haben wir nun schon erledigt.

Ansonsten behalten wir den normalen Tagesrhythmus wenn immer möglich bei: aufstehen und Schoppen trinken, anziehen, «Zmorge» essen, spielen/vorlesen/austoben, Mittagessen kochen, Mittagsschlaf, spielen/vorlesen/austoben im Garten/basteln/malen/kneten, Znacht essen und dann geht es schon bald wieder ins Bett. Es ist schon komisch, wenn man das Tagesprogramm so gestaltet, dass alles zu Hause stattfinden kann. Ich freue mich jetzt schon auf den Tag, an dem wir den Alltag zu Hause wieder mit Ausflügen (Zoo, Hallenbad, Gspändli treffen etc.) aufpeppen dürfen. 

Meine Anstellung als Lehrerin bringt momentan ganz viele Neuerungen mit sich. Ich arbeite in der Stadt Zürich an zwei verschiedenen 5. Klassen. Der direkte Kontakt und das Unterrichten fehlen mir. Der Fernunterricht wird mit Wochenarbeitsplänen gestaltet. Es gibt einen obligatorischen Teil in den Hauptfächern (Mathe, Deutsch, Englisch und Französisch). Zudem stellen wir eine Vielfalt von lustvollen Aufgaben zur Verfügung, aus denen die Kinder auswählen dürfen. Glücklicherweise erhalten alle Kinder ab der 5. Klasse in der Stadt ein Tablet zur Verfügung gestellt. Dies erleichtert sicherlich das Lernen auf Distanz. Zudem arbeiten wir mit der Plattform www.schabi.ch (Schule am Bildschirm). 

Wenn immer möglich arbeite auch ich im Homeoffice, ab und zu muss ich aber kurz ins Schulhaus fahren, um Material zu holen, welches noch nicht digitalisiert ist. Kontakt zu den Schüler/innen habe ich noch per Telefon oder Mail, sie dürfen sich bei Fragen oder Problemen so an mich wenden.

Damit ich an einem Tag in der Woche in Ruhe arbeiten kann, können wir zum Glück familienintern die Betreuung unserer Tochter gewährleisten. Ansonsten nutze ich den Mittagsschlaf der Kleinen oder die Abendstunden wenn sie schon im Bett ist, um meine Mails zu lesen und zu arbeiten.

Da ich noch ein Pferd besitze, ist dies eine kleine Insel in dieser Zeit, in der man wenn immer möglich zu Hause bleiben sollte. Das Pferd steht bei meinen Eltern auf einem alten Bauernhof, wir versorgen die Tiere selber. Deshalb darf/muss ich noch 1x am Tag dorthin fahren, um mein Pferd zu versorgen. Das beinhaltet die Fütterung sowie das ausreichende Bewegen des Pferdes. Das muss nämlich trotz Coronakrise noch gewährleistet werden und es gelten natürlich auch die Regeln des BAG. 

Ich merke, dass mein Alltag ganz schön entschleunigt wurde und geniesse dies auch. Er bringt aber auch neue Herausforderungen mit sich, welche ich mit möglichst viel Gelassenheit angehe und mich überraschen lasse, was alles noch kommen wird…

Yvonne Job, Rottenschwil

Sehen wir es positiv!

In diesen aussergewöhnlichen Zeiten gibt es sogar in der Schweiz für einmal wirklich gute Gründe, um zu jammern. Und wir Bauern sind ja bekannt dafür, über vieles zu jammern – nicht nur in Krisenzeiten. Auch ich könnte nun über viel Nebensächliches wehklagen, wie z.B. die Taufe unseres Sohnes, die wegen der Ausnahmesituation abgesagt werden musste. Oder ich könnte den wirtschaftlichen Schaden für unseren Betrieb überschlagen. Aber eigentlich will ich gar nicht jammern. Nein, ich will ganz bewusst das Positive beleuchten.

Seit dem Ausbruch der Krise, so scheint es mir, leben wir in der Schweiz viel bewusster. Konsum- und Konkurrenzdenken sind von Solidarität und einem Gemeinschaftsgefühl im Sinne von «wir schaffen das» in den Hintergrund gedrängt worden. Ich hätte z.B. nie gedacht, dass sich unsere egozentrische Gesellschaft darauf einlassen würde, auf Konsum zu verzichten, um unsere älteren Mitbürger zu schützen. Uns als Menschen, als Gemeinschaft und auch als Nation tut das sehr gut. Überwältigend ist darum auch die schnell angelaufene Nachbarschaftshilfe und die vielen Freiwilligen, die nun in verschiedenen Branchen aushelfen.

Ich persönlich darf mich darüber freuen, dass meine Arbeit (die Produktion von Nahrungsmitteln) nun wieder geschätzt wird und dass viele Konsumenten bei unseren Produkten nicht mehr nur den Preis, sondern auch den Wert erkennen. Natürlich hoffe ich, dass dies möglichst auch nach Beendigung der Krise anhalten wird. Denn volle Regale in den Läden sind keine Selbstverständlichkeit, auch in Zukunft nicht.

Meine Tätigkeit als Grossrat ist seit Beginn der Krise gänzlich zum Erliegen gekommen. Lediglich als Mitglied der Finanzkommission habe ich online nun regelmässige Sitzungen, an welchen derzeit vor allem die Stossrichtungen des kantonalen Hilfspakets für die krisengeplagten Unternehmen diskutiert werden. 

Dank den vielen abgesagten Terminen und Sitzungen haben wir in unserem Betrieb neben der täglichen Arbeit nun viel Zeit, um strategische Entscheide zu fällen und um langfristige Projekte weiterzuentwickeln. Privat haben Sarah und ich viel mehr Zeit für Gespräche unter vier Augen. Ich bin regelmässiger als auch schon beim Kochen anzutreffen, was mich sehr freut. Vor allem aber darf ich mich nun jeden Tag und Abend an den Fortschritten und am Lachen unseres elf Monate alten Sohns Felix erfreuen. Als zusätzlichen Zeitvertreib habe ich damit begonnen, mit meinen ehemaligen Gastfamilien, Freunden und Bekannten aus meinem Austauschjahr in Australien zu telefonieren. Mit einigen hatte ich zwischenzeitlich den Kontakt verloren. Nach 18 Jahren ergeben sich so manchmal ganz unerwartete, aber immer herzliche Telefonate. 

Sie zeigen mir, dass sich Menschen auf der ganzen Welt vor dem Virus fürchten. Andererseits bestärken mich diese Telefonate und die vielen Gespräche mit meinem Umfeld hier in der Schweiz in meiner Meinung, dass wir gemeinsam und gestärkt aus dieser Krise hervor gehen werden. Für die Zwischenzeit und darüber hinaus wünsche ich allen GUTE GESUNDHEIT!

Christoph Hagenbuch, Grossrat, Oberlunkhofen

Erfahrungsbericht aus unserer Bäckerei

Zuerst einmal: Wir können und dürfen glücklicherweise noch arbeiten – wenn auch reduziert und mit einigen organisatorischen Anpassungen. Doch wir wissen, wir schaffen das!

Seit zwei Wochen haben wir den «Lockdown» in der Schweiz während dieser Corona-Krise. Wir konnten uns vor einem Monat nicht vorstellen, was auf uns zukommen könnte und was solche Veränderungen für uns als ländliche Bäckerei bedeuten – doch wir können heute sagen, dass wir jeden Tag versuchen, das Unmögliche möglich zu machen: Alle Vorschriften einzuhalten, so dass der Betrieb und die Versorgung sichergestellt werden  und wir alle Arbeitsplätze erhalten können.

Die BAG-Massnahmen sind auch für uns gravierend und wir haben sie wie angeordnet umgesetzt: Wir arbeiten jetzt in der Backstube noch mehr im Schichtbetrieb, so dass die Abstands- und Hygienemassnahmen gut eingehalten werden können. Die Arbeitsstunden des Produktionspersonals haben sich reduziert auf durchschnittlich ungefähr fünf Stunden pro Arbeitstag. Es ist natürlich sehr gewöhnungsbedürftig, fast jeden Tag mit einem reduzierten Pensum zu arbeiten.

Wir verkaufen viel mehr Grossbrote anstelle von Semmeli, Weggli und Buttergipfeli, usw. Ebenfalls erhalten wir fast keine speziellen Bestellungen mehr, da ja auch keine Anlässe im privaten Rahmen über fünf Personen stattfinden sollten. Zudem sind bei uns alle Lieferungen für Restaurants weggefallen und auch eine Znünibustour wurde abgesagt, aus Sicherheitsgründen des jeweiligen Arbeitgebers oder da viele Arbeitnehmer im Home Office arbeiten..

In unseren drei Verkaufsgeschäften (Hauptgeschäft Unterlunkhofen, Filiale Mutschellen und Kafi Stutz Widen) haben wir diese BAG-Massnahmen ebenfalls umgesetzt und wir können auf eine sehr verständnisvolle und treue Kundschaft zählen, die auch gerne ein paar Minuten draussen vor dem Laden wartet, weil nicht mehr als zwei Kunden eintreten dürfen. Was uns in den letzten Wochen aufgefallen ist, ist dass wir auch «fremde Gesichter» in unseren Ladengeschäften sehen: Personen, die uns jetzt als kleineren Laden den grösseren Detaillisten vorziehen und auch solche, die vermehrt zu Hause arbeiten müssen und somit auch unter der Woche den dorfeigenen oder nahen Bäcker berücksichtigen. Vermehrt stellen wir auch fest, dass man sich – da man ja eigentlich nirgends hingehen sollte – etwas Süsses leistet daheim für das Gemüt, sei es ein Tortenstück, ein Pâtisserie oder eine andere Köstlichkeit. Das hören wir auch ab und zu im Laden von unserer Kundschaft und es zaubert uns allen ein Lächeln aufs Gesicht. Es freut uns, dass wir mit unseren Sachen den Kunden eine Freude bereiten können.

Den Gastrobereich unseres Kafi Stutz Widen mussten wir gemäss Bundesratsbeschluss schliessen; wir haben jedoch den Vorteil, dass die Verkaufstheke noch offen sein darf und auch wenn wir einen nicht zu unterschätzenden Umsatzverlust hinnehmen müssen, sind wir froh, eine Tagesstruktur zu haben und den Betrieb so aufrechterhalten zu können.

Seit dieser Woche haben wir ebenfalls einen Hauslieferdienst lanciert, der in den umliegenden Dörfern Bestellungen ausliefert. Unsere – vor allem ältere – Kundschaft schätzt diesen Lieferdienst sehr und wir freuen uns, in dieser schwierigen Zeit Solidarität gegenüber den Menschen zu zeigen, die geschützt werden müssen.

Wie schon erwähnt, haben auch wir grössere Umsatzeinbussen und wir mussten für ein paar Angestellte im Kafi Kurzarbeit anmelden. Doch sind wir grundsätzlich zufrieden, da wir wissen, dass unsere Brote und Kleinbrote sowie die anderen gluschtigen Angebote als Grundnahrungsmittel benötigt und geschätzt werden und wir vor allem auch das Ziel haben, unsere Arbeitsplätze zu erhalten und weiterhin als Familienbetrieb in dieser Krise einen wertvollen Beitrag zur Sicherstellung der Grundversorgung in der Region leisten zu können.

Manchmal erscheint uns die heutige Situation wie eine «Fata Morgana», doch wir sind überzeugt, dass wir alle gestärkt aus dieser Krise hervorgehen werden und wissen auch, dass wir es zusammen schaffen werden. Wir sind zudem dankbar, dass der Bund in dieser schwierigen Zeit dem angeschlagenen Gewerbe schnell und unbürokratisch mit ausserordentlichen Massnahmen hilft – denn wir kennen einige Unternehmen, die momentan den Betrieb ganz einstellen oder ganz massive Umsatzverluste hinnehmen mussten und das, glauben Sie mir, das tut auch meiner Unternehmerseele weh. 

Ihr Dorfbäcker

Urs Stutz & Team, Bäckerei-Konditorei Stutz GmbH

So schnell ändert sich der Alltag…

Wir sind eine lebhafte Familie mit drei Söhnen im Alter von sieben bis elf Jahren. Unser Alltag war eingespielt. Der Terminplan bestimmt durch Schule und Hobbys unserer Kinder.

Was für uns alle bisher unvorstellbar war, traf plötzlich ein. Das Leben steht still und die Schule fällt aus. Damit alle Hobbys, das Treffen von Freunden, ja eigentlich das ganze Freizeitprogramm kommt zum Stillstand. So änderte sich für unsere Familie der Alltag komplett – von einem Tag auf den anderen.

Es war uns Eltern wichtig, für die Kinder möglichst schnell eine neue, fixe Tagesstruktur zu schaffen. Einfach so in den Tag hineinleben, würde uns alle auf Dauer unzufrieden machen. Im neuen Corona-Alltag gibt es weiterhin fixe Zeiten für Schule, für Ausflüge in die Natur, zum Spielen im Garten, für die digitalen Medien, usw. Ich habe mir vorgenommen, dass meine eigene neue Zeiteinheit «der Tag» ist, einer nach dem anderen.

Nicht immer ist es für mich als Mutter einfach, alles unter einen Hut zu bringen. Nun bin ich zusätzlich Lehrperson und für die Beschäftigung der Kinder zuständig. Die kinderfreie Zeit während der bisherigen Schulzeit entfällt. Was ich «früher» während der Schulzeit der Kinder erledigen konnte, wird nun nebenbei gemacht oder auch einfach einmal liegen gelassen. Die Zeit der Ruhe ist rar. Zudem gibt es Streitereien und Konflikte, wenn man rund um die Uhr auf engem Raum ist. So vermissen die Kinder wohl die elternfreie Zeit in der Schule, bei den Hobbys oder mit Kollegen. Mir fehlen die ruhigen Momente sowie die Kontakte mit Freunden. Es braucht von beiden Seiten mehr gegenseitiges Verständnis und die Fähigkeit, einfach einmal etwas gut sein zu lassen. Langweilig wird es bei uns nicht, da ja immer Kinder zum Spielen da sind. Zudem haben wir Eltern auch mehr Zeit, um uns mit den Kindern zu beschäftigen, da auch unsere externen Verpflichtungen wegfallen. Es ist also auch in der Isolation immer etwas los.

Die Einschränkungen sind einschneidend, aber die geschenkte Zeit ist auch eine tolle Erfahrung, das Alltägliche und das Familienleben stehen im Vordergrund.  So ist es schön, alles einfach alles etwas ruhiger zu nehmen, festzustellen, dass das Leben auch mit viel weniger Konsum und Freizeitmöglichkeiten lebenswert ist, dass man die einfachen Ausflüge in die Natur wieder mehr schätzt und dass die Menschen wieder mehr an ihre Mitmenschen denken. Schön, wie viele liebe Worte und Nachfragen ich bisher erhalten habe.

Was mir in dieser isolierten Zeit fehlt, sind die nahen Kontakte zu lieben Menschen. Eine herzliche Umarmung, gesellige Gespräche und fröhliches Beisammensein. Diese wertvollen Zusammentreffen werde ich nach der Corona-Zeit wieder geniessen und zu schätzen wissen. Unsere Kinder freuen sich auf das Meer, spannende Ausflüge, shoppen,Kino oder einfach wieder darauf, eine Pizza essen zu gehen. Ebenso werden sie die Schule mit ihren Kollegen wieder schätzen. Bis dahin geniesst unsere Familie das Frühlingserwachen und Krafttanken im Jonental.

Wir wünschen allen Menschen eine gute Gesundheit, viele Lichtblicke im eingeschränkten Alltag und liebe Worte in der Einsamkeit.

Simone Affolter, Oberlunkhofen

Frühlingserwachen mal anders…

Der Frühling ist so oder so eine eigene wunderschöne Zeit. Ich freue mich auf die wärmeren Temperaturen, auf die länger werdenden Tage, auf das Blühen der Bäume, Sträucher und Blumen und so vieles mehr… alles erwacht. 

Weder die Natur noch wir hatten die so wichtige Winterpause – aber wir haben etwas unerwartet Unbekanntes: die Teil-Isolation. Ob es uns gefällt oder nicht, es ist einfach so. 

Dies macht das Arbeiten auf den Baustellen schwieriger, aber nicht unmöglich. Die Selbstkompetenz und Verantwortung von jedem einzelnen ist gefragt. Wir können unsere Leute nur dazu anhalten, die Auflagen zu befolgen. Denn niemand will nicht mehr arbeiten können. Wir verteilen Desinfektionsmittel, da nicht auf jeder Baustelle Händewaschen immer möglich ist.

Die Zeit, wo die Natur sich in ihrer ganzen Pracht und Fülle zu zeigen beginnt und wir sie bewundern und bestaunen dürfen, beginnt. Trotz allem, was bei uns Menschen gerade läuft, erwacht sie wieder aufs Neue, ein wahres Wunder.

Wenn man es recht betrachtet, ist bei uns jetzt gerade Herbst/Winter, wir ziehen uns zurück, kehren ein, sortieren uns neu. Wann haben wir das letzte Mal so etwas gemacht? Vielleicht einmal einen Brief schreiben oder ein langes Telefonat mit jemandem führen, den wir nun nicht zum Kaffee treffen können. Nein, es ist nicht nur einfach. Eine neue Situation völlig unverhofft. Aber es schafft auch Raum für Begegnungen, nicht physisch, die man sonst vielleicht nie hätte. Ich denke an Menschen, die mich begleitet haben, nun jedoch nicht mehr sind, aber auch an so viele, die mich begleiten und für die ich jetzt gerne da bin.

Der Alltag bei mir hat sich im wahrsten Sinne verlangsamt, fast keine Termine mehr, die ich einhalten will oder muss, dafür zu Hause weniger Ruhe, da die Kinder nun alle zuhause sind und die Schule daheim stattfindet. Ich bin erstaunt über die Selbstverständlichkeit, wie das alles läuft.

Wir müssen einander wieder mit mehr Respekt begegnen. Ich ärgere mich über Menschen, die die Regale leerräumen und wahrscheinlich keinen Gedanken an andere aufbringen. Wie auch all jene, die immer noch nicht begriffen haben, dass die Distanz wahren nicht einfach so eine lustige Idee ist, sondern alle schützen soll. Diese Zeit geht vorbei und auch mir fehlen die persönlichen Kontakte, aber je strikter sich jeder an die Verordnungen hält, desto früher können wir wieder in unseren Frühling starten.

Ich kann nur versuchen, das Positivste und Beste aus der ganzen Situation zu machen. Meine sportlichen Jungs jeden Tag aufs Neue zu motivieren, dran zu bleiben, auch wenn jetzt gerade keine Trainings und Turniere sind. Damit nicht alles Aufgebaute verschwindet. Das Einbeziehen in den Haushalt klappt auch dank meinem Corona-Ämtli-Plan ganz gut. Ich hätte mir nie eine solche Situation gewünscht, aber ich finde sie auch toll. Daraus das Beste zu machen, positiv in die Zukunft zu schauen und die Kinder zu stärken, das sind nun meine Aufgaben und sie machen auch Spass. Sonst hat man seine Kinder nie so viel zu Hause. Einfach auch mal eine super schöne Erfahrung, die ich auch sehr geniesse.

Allen viel Kraft, Energie, Durchhaltevermögen und vor allem viel Gesundheit.

Text: Claudia Lüscher, Lüscher Baumschulen, Arni
Fotos: Urs Lüscher, Lüscher Baumschulen, Arni

Tagebuch eines anderen Lebens

Seit gut drei Wochen bin ich nun zu Hause, darf oder muss im Moment nicht auswärts arbeiten.

Mein Ehemann, bereits pensioniert, aber normalerweise auch noch recht oft irgendwo auf der Piste, muss als Risikofaktor ü/65 auch das Haus hüten. Noch nicht genug an Herausforderungen, die erwachsenen Töchter, die den oberen Stock des Hauses bewohnen und die wir normalerweise selten zu Gesicht bekommen, sind seeehhr oft zu Hause. Eine der beiden sogar zurzeit im Home-Office.

Unser Daheim ist nicht so riesig, als dass wir nicht öfters die Wege kreuzen. Jetzt sind wir gezwungen, Rücksicht zu nehmen und die Flügel einzuziehen… Irgendwie gar nicht so einfach, wenn man gewöhnt ist, sein eigenes Ding durchzuziehen. 

Meine Agenda war immer vollgepackt, kaum ein Tag ohne Termine, immer hopp hopp, nur nicht zu Hause sitzen und einfach nur sein. 

Von all diesen immer wieder aufgeschobenen Pendenzen wie Räumen und sich Trennen von Überflüssigem, Putzen und zwar so richtig, wie ich es von meiner Mutter her kenne, alle Kästen ausräumen, Tablare usw. waschen, hat mich leider noch nichts motiviert. Manchmal schäme ich mich «es bitzeli», aber vielleicht ist jetzt eben auch der Zeitpunkt da, um etwas zu «blöterlen». Einfach auf dem Gartenstuhl sitzen und den Vögeln zuschauen oder wie gestern etwa eine halbe Stunde einen so richtig fetten Regenwurm beobachten, wie er aus der Erde auftauchte und irgendwann an anderer Stelle wieder verschwand. Unglaublich!

Mein Mann hat seine Gitarre aus dem Keller geholt und versucht wieder seine Akkorde zu üben. Aber auch dies muss gut geplant sein, denn während dem Home-Office der Tochter wird diese «Überei» nicht toleriert. Auch lautes Fernsehen oder Radio hören (logischerweise hat jeder von der Familie einen anderen Musikgeschmack) kann zu Diskussionen führen. Ich merke nun aber Tag für Tag, wie sich das Zusammensein verändert und zwar zum Positiven. Wir sind auf sehr gutem Weg zu spüren, dass wir diese grosse Krise nur gemeinsam ohne Schaden zu nehmen durchstehen können.

Der Umgang ist achtsamer geworden, jeder von uns hört irgendwie besser hin und versucht Kompromisse einzugehen. Ich hatte immer allergrössten Respekt vor dem Tag, an dem ich auch pensioniert sein werde. Gezwungenermassen durften wir jetzt bereits mit Üben beginnen – und wie schön, es scheint ohne Eskalation zu gelingen. Trotzdem gebe ich zu, ich freue mich schon «schüli», wenn ich wieder an meinen geliebten Arbeitsplatz zurückkehren kann.

Wenn diese aufgezwungene Lebensveränderung eine nicht so traurige und schreckliche Ursache mit verheerenden Folgen hätte, würde ich mich sogar dafür bedanken – aber eben, würde.

Ich hoffe für die ganze Welt, dass wir gemeinsam dem Virus bald den Garaus machen können.

Anonym (Identität bekannt)

Corona – oder «was brauchen wir eigentlich zum Glücklichsein?»

Wir sind eine bald vierzehnbeinige Familie aus Jonen. Neben meinem Mann und mir sind das zwei Kinder (vier und eins), ein Bauchzwergchen, welches uns wohl im Juni bereichern wird, und ein Familienhund. Wir sind eine sehr aktive Familie, viel unterwegs und selten herrscht hier Langeweile. Nicht nur die Kinder fordern dies ein, es ist auch ein grosses Mamabedürfnis. Aber wie vereinbaren wir dies zurzeit? Jetzt, wo man nicht mal einfach kurz in einen Tierpark oder in ein Schwimmbad kann. Wo Freunde treffen aussermedial nicht möglich ist und auch sonst das Leben sehr auf die eigenen vier Wände beschränkt scheint.

Zum guten Glück heisst «social distancing» nicht «nature distancing». Zum Glück scheint das Leben nur beschränkt. Bietet es uns vielleicht nicht gerade jetzt sogar noch mehr als sonst?

Wann haben Sie zum letzten Mal in den Himmel geschaut ohne Flugzeuge dazwischen im Fünfminutentakt?

Haben Sie schon bemerkt, wie wunderbar weich man auf dem nadeligen Waldboden sitzen kann und wie herrlich es nach Tanne duftet?

Oder wussten Sie schon, welche Tiere man sehen kann, wenn man ein bisschen an der Baumrinde herumkratzt?

Haben Ihre Kinder schon mal Home Schooling im Wald gemacht? Mit Kreide Buchstaben auf Bäume gemalt? Aufgaben auf einer Picknickdecke auf einem Feld gelöst?

Ja – mittlerweile sind unsere Kinder gut ausgewildert und würden jedes RTL Dschungelcamp problemlos bestehen. Dank den mit Corona verbundenen Massnahmen entdecken wir die wunderschönsten Wälder, Wiesen und Flussplätze in unserer Umgebung. Das Gute liegt manchmal so nahe… Der Alltag lässt uns so manches Wunder übersehen.

Mein Tipp an alle Eltern: Raus, bevor es die Kinder durch ihr Verhalten einfordern (wer die Autorin Nicola Schmidt kennt, weiss bereits was ich meine). Das heisst alle warm einpacken, bevor die Elternnerven drinnen durch Geschrei, Gezanke oder andere Elternnervenfresserlis aufgebraucht werden, manchmal halt auch schon früh am Tag. Das braucht je nach Witterung oft etwas Überwindung. Und ja, auch ich verpasse in regelmässigen Abständen den Zeitpunkt vor der Eskalation zuhause. Aber es lohnt sich. Das Leben draussen mit Kindern ist einfach einfach. Und dies besonders in Zeiten wie diesen, wo sich auch in unseren Köpfen und Herzen alles ein bisschen ordnen und neu finden muss. Es tut auch uns Grossen gut, wenn wir im tiefen Wald angekommen sind und uns wieder neu wurzeln. Oder einfach nur den über die Felder ziehenden Wind beobachten und dabei unsere Gedanken ein bisschen schweifen lassen können.

Der Frühling blüht, das Virus lässt uns entschleunigen. Wir können dies nutzen, um wieder viel achtsamer zu sein, zu uns selbst, zu unserer Natur. Wir merken, was wir zurzeit fest vermissen und geben dem hoffentlich eine noch höhere Wertschätzung als bisher. Wir müssen und dürfen uns mit uns selbst und unseren Aufgaben und Rollen befassen. Herausforderungen lassen uns auch immer wachsen und sind riesige Chancen.

Sehen wir es als Geschenk und nehmen etwas von dieser Ruhe mit in unser Lebensschiffchen für die weitere Reise nach dem Corona-Sturm.

Caroline Müri, Jonen

Spitex Kelleramt – Lächeln hinter der Schutzmaske

Ich bin eine Mami von zwei kleinen Buben und arbeite bei der Spitex. Ich bin sehr gern Mami und gehe auch sehr gern arbeiten, da mir der Austausch mit unterschiedlichen Menschen verschiedenster Altersgruppen sehr gefällt.

Meine Arbeit hat sich seit dem Aufkommen des Coronavirus sehr verändert. In unserem Team kümmern wir uns gemeinsam um viele Klienten. Früher habe ich mir die Hände desinfiziert, bevor ich sie besuchte, und habe mit meiner Arbeit bei ihnen begonnen. Ganz unbeschwert und ohne grosse Gedanken.

Doch dann kam der Virus. 

Zuerst hiess es nur, man solle sich bei der Begrüssung nicht mehr die Hand geben und zwei Meter Abstand halten. Das fiel mir nicht schwer; aber es war schwierig, die Klienten, welche ich zum Teil schon seit Jahren kenne, nicht mehr persönlich zu begrüssen. Aber mit einem zusätzlichen Lächeln ging es doch recht gut.

Leider konnte ich das Lächeln nicht sehr lange schenken, denn schon bald hiess es, dass wir als Pflegepersonal einen Mundschutz tragen müssen. Somit konnte ich mein lächelndes Gesicht nicht mehr zeigen. Ich sagte jeweils zur Aufmunterung, dass meine Schönheitsoperation schief ging und ich nun deshalb den Mundschutz trage. Natürlich sage ich nicht, dass mir unheimlich heiss ist, wenn ich meinen Klienten helfe beim Duschen und mir ständig die Nase kribbelt, aber ich mein Gesicht nicht berühren darf. Seit ein paar Tagen tragen wir nun auch noch eine Schutzbrille, zum Glück ist diese durchsichtig. Ich werde oft gefragt: «Was kommt denn als Nächstes? Ein Schutzanzug?» Ich hoffe es nicht.

Ein weiteres grosses Thema neben der Unsicherheit ist die Einsamkeit. Viele Klienten sind über 65 Jahre und/oder sehr krank. Momentan verlassen sie das Haus nicht mehr oder nur noch für einen Gang zum Arzt. Die meisten von ihnen haben Angehörige oder Nachbarn, die ihnen Wege und Einkäufe erledigen können oder mit denen sie telefonieren können. Aber eben nicht alle. Ich nehme mir viel Zeit, mit ihnen über ihre Sorgen und Ängste zu reden. Ich frage, ob ich etwas einkaufen kann und nehme den Abfall mit runter. Diese Kleinigkeiten bereiten mir Freude und ich sehe, dass ich damit einen grossen Beitrag zum besseren Gefühl meiner Klienten leisten kann. Oft bin ich ihr einziger persönlicher Kontakt. Sie freuen sich richtig, wenn es klingelt und ich werde sehr herzlich begrüsst. Noch vor ein paar Wochen war unser Gesprächsthema das Wetter, die Enkel, die Feiertage oder Anekdoten von früher. Heute werde ich gefragt: «Gibt es Erkrankte bei euren Mitarbeitern oder hier in der Umgebung? Wann wird das mit dem Virus vorbei sein? Darf ich eigentlich noch auf den Balkon?» Ich werde auch gefragt, ob ICH Angst habe, angesteckt zu werden und wie es meinen Kindern und Mann geht. Natürlich habe auch ich diese Bedenken. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich die Krankheit gut überstehen würde bzw. durch Einhalten aller Schutzmassnahmen eigentlich gar nicht einfangen werde. Aber was wäre, wenn doch und ich es nicht mitbekomme und jemanden dadurch anstecke? Das macht mir eher Angst. Einmal sagte mir eine Klientin, dass sie an meiner Stelle zu Hause bei den Kindern bleiben würde und sie die Kinder nicht in die Krippe geben würde. Ich erwiderte nur: «Wer soll dann zu Ihnen kommen und Sie pflegen?» 

Manuela Brachs, Diplomierte Pflegefachfrau HF, Spitex Kelleramt, Jonen

Unser erster Blog

Wir hätten uns nie vorstellen können, was wir in diesen Wochen alles erleben. Dazu gehört auch, dass wir unseren allerersten Blog schreiben! Wo beginnt man da und was will man alles in die zur Verfügung stehenden Zeilen schreiben?

Beginnen wir mit all den Fragen, welche wir in letzter Zeit am meisten gehört haben: Wie geht es euch, seid ihr gesund, was macht ihr in dieser Zeit, seid ihr einsam, fällt euch die Decke auf den Kopf? Braucht ihr etwas? Nachbarn bieten Hilfe beim Einkaufen an. Was ist da geschehen, uns geht es doch gut, was soll das, bis jetzt war es doch umgekehrt, da haben wir für andere eingekauft. Das Leben spielt verrückt, tausend Fragen und keine Antworten, ein Virus namens Corona stellt momentan gerade die ganze Welt auf den Kopf und wir mittendrin in der sogenannte Risikogruppe, bleibt zuhause, wascht eure Hände tragt Sorge, usw. Wie soll man das in diesem Tempo überhaupt verarbeiten?

Gerade noch (die ersten fünf Märztage) waren wir auf einer kurzen Kulturreise in Deutschland, immer viele Menschen beieinander; bereits ein leises schlechtes Gewissen vor der Abreise, hätten wir das überhaupt noch tun sollen? Am Flughafen steht bereits Desinfektionsmittel bereit, aber sonst das übliche Menschengedränge, die Sicherheitskontrolle, alles wie gehabt. In Berlin und Hamburg merkt man nichts. Doch kaum wieder zuhause geht es Schlag auf Schlag. Unser Sohn will keinen gemeinsamen Erzähl-Apéro, passt auf euch auf, wir sehen uns in 14 Tagen wieder. Zuerst wirkte das etwas befremdend auf uns, aber er hatte Recht.

Und nur etwa 10 Tage später rief der Bundesrat «eine ausserordentliche Lage in der Schweiz» aus. Das ganz gewöhnliche Leben gibt es nicht mehr.

Mittlerweile sind wieder 14 Tage vergangen. Das Leben geht weiter, anders, komisch, surreal, gespenstisch still, und doch – wir haben keinen Grund zu jammern. Uns geht es gut, wir dürfen zwar nicht mehr alles, aber im Vergleich zu all den Familien, Arbeitnehmenden, selbständig Erwerbenden, die sich nun mit unendlich vielen Problemen und schwierigen Situationen des Alltags herumschlagen müssen, sind wir ja geradezu privilegiert. Mein Mann wird sich als Damenfrisör versuchen müssen. Und wir kochen, lesen, turnen sogar (wieder disziplinierter), wandern in der Natur, und heute haben wir die Autopneus wechseln lassen. Den Garagisten haben wir nicht gesehen, es lag ein Zettel im Auto: Keine Angst, Sie dürfen das Steuerrad berühren, es ist desinfiziert. Ein Wahnsinn, nicht?

Gerade mal gut vier Jahre wohnen wir nun in Oberlunkhofen, aber wir spüren sehr intensiv, wie gut vernetzt wir hier sind, wie viele Menschen wir bereits kennen, von wie vielen wir ermutigende, positive Nachrichten erhalten und wie vieles wir zudem auch irgendwie für andere erledigen dürfen. Das tut gut und gibt uns auch Mut – für die nähere und fernere Zukunft, und diesen Mut wünschen wir euch allen.

Mariette & Kurt Baumann, Oberlunkhofen

Corona-Alltag in der Gemeinde Arni

Die Aktivitäten in der Gemeindekanzlei sind stark zurückgegangen. Es gibt kaum mehr externe Besuche in unserer Verwaltung, auch wenn wir mit Desinfektionsmitteln, einer Plexiglasscheibe beim Schalter und Einhaltung der Abstandsvorschriften vorgesorgt haben. Auch die briefliche Korrespondenz ist merklich zurückgegangen. Dementsprechend versuchen wir nun, sowohl Überzeit- als auch Feriensalden der Angestellten zu reduzieren.

In den übrigen Abteilungen Bauverwaltung, Finanzen, Soziales etc. läuft das Tagesgeschäft beinahe normal. Projekte vor allem im Baubereich sind aber leider auf Eis gelegt oder erleiden Verzögerung, da die dafür notwendigen Besprechungen aufgrund der BAG-Vorgaben nicht stattfinden können.

Die letzte Gemeinderatsitzung haben wir physisch nicht mehr durchgeführt. Traktanden wurden von der Verwaltung sorgfältig vorbereitet und anlässlich der einzeln durchgeführten Aktenauflage zusammen mit den Zahlungsaufträgen abgesegnet. Kurzfristig notwendige Entscheide können im Übrigen in unserer Gemeinde auch per Zirkularentscheid verabschiedet werden.

Regionale oder gemeindeüberschreitende Aktivitäten wurden praktisch alle abgesagt. Einzig die Vorstandsitzung des Alterszentrums am Bach wurde per Telefonkonferenz durchgeführt.

Für uns als Gemeinde generell ist noch offen, ob die Sommer-Gemeindeversammlungen durchgeführt werden können. Gemäss Gesetz müsste die Vorjahresrechnung noch vor Mitte Jahr durch den Souverän abgenommen werden. Beim gegenwärtig geltenden Versammlungsverbot ist das allerdings nicht möglich. Der Regierungsrat hat hier allerdings bereits die Frist bis 31. Dezember 2020 erstreckt und es sind diesbezüglich Abklärungen am Laufen. 

Privat habe ich mich sehr gut an das neue Regime gewöhnt, obwohl ich ebenfalls zur Risikogruppe gehöre. Solche Krisen bieten auch Chancen, die es zu packen gilt. Insbesondere ist es eine exzellente Möglichkeit zu entschleunigen, den Alltagsdruck abzubauen und möglicherweise zu hinterfragen.

Corona hat mich neben meiner Frau mit Nachdruck dazu gebracht, regelmässige, längere Spaziergänge zu unternehmen. Das unterstützt die Fitness und hilft sehr stark, den Kopf zu durchlüften und neuen Gedanken nachzugehen. Interessanterweise sind heute aber nicht viel mehr Leute unterwegs als vor Corona – mit Ausnahme der «Hündeler». Schade!

Die Ausgangssperre infolge des Coronavirus gibt mir auch die Zeit, alte und ganz alte Pendenzen abzubauen, aber auch – ganz wichtig – wieder einmal ein gutes Buch zu lesen und das in vernünftiger Zeit abzuschliessen.

Die Ausgangssperre hilft auch unserer Umwelt. Unglaublich, wie stark sich die Umwelt bezüglich Verschmutzung verändert hat. Satellitenbilder zeigen Veränderungen, die ich nie für möglich gehalten hätte.

Packen wir also die Chancen und machen das Beste aus dieser Situation. Lassen Sie sich aber auch helfen, wenn Sie Hilfe benötigen, und nehmen Sie einmal mehr als früher das Telefon in die Hand, falls Sie sich austauschen möchten.. Jedenfalls wünsche ich Ihnen und Ihren Familien gute Gesundheit.

Heinz Pfister, Gemeindeammann Arni

Narzissen, Häkelgarn und Wochenpläne

An diesem sonnigen Freitagvormittag Ende März scheint die Welt so, wie sie sein sollte: Im Garten blühen die Narzissen, die Natur erwacht, die Waschmaschine im Keller dreht, die Mutter faltet auf der Kochinsel Kleider, die Kinder sitzen am Esstisch und bearbeiten auf ihren Laptops die Wochenpläne. Am Esstisch?! Es ist dies die zweite Woche, die sie zu Hause und nicht mehr in der Schule verbringen und der Alltag ist eingekehrt; die Zusammenarbeit mit den Lehrpersonen klappt, die Aufträge sind abwechslungsreich und das neue Setting hat immer noch seinen Reiz, so dass die Schüler motiviert und konzentriert bei der Arbeit sind.

Ich geniesse diese intensive Zeit mit ihnen gerade sehr. Ich arbeite auch sonst von zu Hause aus und bin selbständig erwerbend, Home Office ist für mich Alltag und lässt sich ideal mit meiner neuen Aufgabe vereinbaren. Es macht mir Freude, den Kindern zu helfen; ich staune, wie viel sie schon selber können und wie vielfältig ihre Fächer und Themen sind. Ich geniesse die Zeit, die wir zusammen auf dem Sofa verbringen, mit buntem Häkelgarn und komplizierten Anleitungsblättern, wie wir gemeinsam Lieder proben für die verschobene Musicalaufführung. Ich höre den Kindern zu, wenn sie miteinander über die Schule reden und über all das, was sie sonst beschäftigt.

Ich habe in diesen beiden Wochen einen Einblick in das Leben meiner Kinder erhalten dürfen, der mir sonst verwehrt bleibt: Sie verbringen den Grossteil ihres Tages ausser Haus mit Bezugspersonen ausserhalb der Familie. Nun darf ich eine neue Seite meiner Kinder kennen lernen. Und sie sehen nun auch mich, wie ich tagsüber am PC arbeite und nebenher den Haushalt führe, Znüni parat mache, Telefonkonferenzen abhalte, gleichzeitig den Lesezeit-Timer überwache und Gemüse rüste. Wir haben nun viel Zeit zusammen, zum gemeinsamen Kochen, zum Reden, für Brettspiele, sie helfen im Haushalt und erledigen mehr als ihre normalen Ämtli. Faktisch haben wir nicht mehr Zeit, aber die Zeit wird in dieser Situation anders eingeteilt, die Prioritäten haben sich verschoben. Unser gemeinsames Sein, unsere Gesprächsthemen und unser Austausch haben in diesen Wochen eine ganz neue Tiefe und gegenseitige Wertschätzung erfahren.

Wir reden auch darüber, was uns Angst macht; darüber, dass unsere gefühlte Sicherheit nicht mehr garantiert ist. Ich versuche, den Kindern die Sorgen zu nehmen und ihnen auch zu zeigen, in welchem Paradies wir hier leben: mit unserem Garten, dem nahen Wald, der finanziellen Sicherheit, den gefüllten Regalen im Volg. Ich schätze die erzwungene Verlangsamung und diese beschützende Halbisolation. Ich erkenne, was ich alles nicht brauche und auch, was mir sehr viel bedeutet. Ich schreibe es auf, dass ich es nicht wieder vergesse, wenn diese Krise hoffentlich bald vorbei ist. Was sicherlich nachhaltig in Erinnerung bleibt: Luftmaschenkette, einfaches Stäbchen, doppeltes Stäbchen, …

Franziska Brunner, Islisberg

Beisammen

Die Konfirmation eines ganzen Jahrgangs: verschoben, unsere beliebten Abend-Events: abgesagt, die Gottesdienste: fallen aus. Alle anderen Angebote: ebenso. Die Kirchgemeinde-Agenda damit: weitgehend leer. Auch ausserhalb der Kirche: Verschiebungen, Absagen, Ausfälle. Behördlich verordneter Rückzug ins Private – zurecht.

Gespräche ergeben sich jetzt, unter diesen Bedingungen, selten «von selber». Die Distanz zwischen uns ist gezwungenermassen grösser geworden. Man trifft sich kaum mehr an, ja: geht sich sogar, ganz sozial und folgsam, aus dem Weg.

Gleichzeitig ist das Bedürfnis nach Austausch und nach Zusammensein unverändert gross. Mindestens unverändert gross. Wir sind ja noch dieselben! Das stellt uns alle und auch ganze Systeme vor Herausforderungen – auch die Kirchen und uns Pfarrpersonen. Jetzt gilt es für uns deshalb, neue Kanäle zu nutzen, um weiterhin spürbar «da!» zu sein. Nicht einfach abwartend, sondern aktiv.

Und so habe ich vor zehn Tagen angefangen, mich bei vielen unserer Mitglieder, deren Telefonnummern oder Mailadressen wir kennen, nach ihrem Wohlergehen zu erkundigen. In weit über zweihundert Mails, weit über fünfzig Anrufen. Im Hintergrund immer die Fragen: Wie geht es, fehlt es an etwas – was kann ich als Pfarrer, was können wir als Kirche anbieten?

Die Reaktion: zunächst einmal eine Welle grosser Dankbarkeit. Da erkundigt sich jemand! Und dann: lange Gespräche, tiefgründige, teils sehr persönliche Mails. Berichte aus dem neuen Alltag, Hilfsangebote, ab und zu auch Frustabbau. Was bei aller Unterschiedlichkeit eint, ist die wiederkehrende Aussage: Mir fehlt der spontane Austausch, fehlt das Leben im Dorf, mir fällt bald die Decke auf den Kopf. Was die anderen wohl machen?

Die (Teil-)Isolation gibt zu knabbern. Viele von uns haben jetzt weniger Platz als gewöhnlich, dafür mehr Zeit. Zeit auch zum Nachdenken – während die Welt enger wird.

Auch ich habe viel nachgedacht, über vieles – unter anderem ist dieser Blog ein Ergebnis davon: Vielleicht kann ich damit mithelfen, die Isolation behelfsmässig zu überbrücken und das Nachdenken und Nachfühlen in unsere engen Welten hinauszuschicken? Auf dieser Seite wollen wir Erfahrungsberichte von Menschen aus der Region Kelleramt sammeln und streuen – damit Sie, liebe Leserin und lieber Leser, erfahren, wie es in den anderen Haushalten zu und her geht. Worüber Ihre Nachbarinnen sich Gedanken machen. Wie sich das mit dem Home Office im Alltag anfühlt. Ob es Tipps gibt, wie wir mit der ausserordentlichen Situation umgehen können, etc. Und natürlich: Der Blog soll auch willkommene und spannende Abwechslung bringen!

Was in den nächsten Tagen und Wochen folgt, sind also Beiträge aus dem Kelleramt für das Kelleramt (und gerne auch darüber hinaus). Dieser Blog ist ein Gemeindeschaftsprojekt – miteinander, füreinander und virtuell eng nebeneinander tauschen wir uns aus und erzählen uns gegenseitig von unserem Alltag, der vom Coronavirus beeinflusst wrd. Dabei gibt es immer auch die Möglichkeit zum Austausch: Jeder Beitrag kann kommentiert und diskutiert werden, wozu wir Sie herzlich ermuntern.

Und: Berichten auch Sie, wie es Ihnen geht, was Sie erleben, worüber Sie nachdenken – wir freuen uns auf Ihren Beitrag. Ich bin mir nicht nur sicher, ich weiss es: Auch Sie haben etwas zu erzählen!

Ich wünsche Ihnen alles Gute – und bleiben Sie gesund.

Reto Studer, Pfarrer