Unfreiwilliges Saisonende

So viel zuhause sein. So viel Zeit mit der Familie verbringen. Den ganzen Tag mit meiner Tochter spielen, kochen, backen, basteln und was ihr sonst noch alles in den Sinn kommt. Einige Male habe ich mir das in den letzten zwei Jahren gewünscht. Jetzt ist es so. Nicht freiwillig, sondern aufgrund der vom Bundesrat ausgerufenen «ausserordentlichen Lage». Und ich geniesse es, jeden Tag so viel Zeit daheim bei meiner Familie zu sein.

Ich bin Berufssportler. Genauer gesagt Eishockeyspieler und habe es geschafft, dass ich für das Ausüben meines Hobbys bezahlt werde. Seit Mai 2018 spiele ich für den SC Bern. Da mein Vertrag in Bern auf nur zwei Jahre beschränkt ist, haben wir uns entschieden, eine kleine Wohnung in Bern zu mieten und an zwei Orten zuhause zu sein. 

Meine Frau arbeitet montags und dienstags in Zürich. Am Dienstagabend macht sie sich mit unserer dreijährigen Tochter auf den Weg nach Bern. Dort bleiben sie bis am Donnerstagabend und fahren dann nach Hause. Ich hingegen bin von Montag bis Samstagnacht in Bern und mache mich samstags nach den Spielen auf den Nachhauseweg. So können wir immerhin die Hälfte der Woche zusammen verbringen. So war es die letzten zwei Jahre. Das soll kein Jammern sein! Wir haben uns zu diesem Schritt entschieden und ich bin meiner Frau unendlich dankbar dafür. Sie hat mir die Chance gegeben, gegen Ende meiner Eishockeykarriere in der letzten Saison mit dem SCB Schweizermeister zu werden.

In der jetzigen Saison war ich sehr viel verletzt. Von 50 Qualifikationsspielen konnte ich nur gerade 14 bestreiten. Alle anderen verpasste ich aufgrund von Verletzungen. Seit Mitte Januar habe ich kein Mannschaftstraining zu 100% mitmachen können und war damit beschäftigt, wieder fit und gesund zu werden für die Playoffs/Playouts, welche am 7. März hätten beginnen sollen.

Wenn alles rund läuft und wir drei Spiele pro Woche haben, vergeht die Zeit schnell. Vor allem dann, wenn wir noch erfolgreich sind wie letzte Saison. Bei häufigen und langen Verletzungen und wenn es dem Team nicht läuft, nehmen die Tage und Wochen jedoch kein Ende. Und so war es in den letzten fünf Monaten.

Kurz vor den letzten zwei Qualifikationsrunden Ende Februar wurden Veranstaltungen mit mehr als 1000 Personen verboten. Für uns hiess das zwei Spiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Wir waren noch mitten im Kampf um die Playoffplätze. Als nach diesem Wochenende klar war, dass wir die Playoffs verpasst haben und die Liga zwei Wochen pausieren wird, war es für das ganze Team sehr schwierig, motiviert zu bleiben. Ich persönlich war so weit von der Verletzung genesen, dass ich wieder langsam ins Teamtraining einsteigen konnte. Einerseits war ich überglücklich, wieder mit dem Team trainieren zu können, andererseits wussten wir nicht, ob die Saison noch weiter geht und ob es mir überhaupt reichen würde, gesund zu werden. Am 7 März wurden wir informiert, dass die Meisterschaft am 17. März weitergeht. Also wurde wieder mit voller Motivation und Intensität trainiert. Ich spürte leider, dass die Verletzungen bei hoher Trainingsintensität noch zu wenig verheilt sind. Einmal mehr ein Schritt zurück, während meine Teamkollegen sich auf die heisse Phase vorbereiteten.

Am 12. März, fünf Minuten vor Trainingsbeginn, war klar, dass die ganze Meisterschaft abgesagt wird. Was für ein Saisonende! Welch ein Unterschied zum letzten Jahr, als die Saison mit dem Meisterumzug durch die Berner Altstadt vor Tausenden von Fans beendet wurde.

Für einen Spieler, welcher nächste Saison nicht mehr beim gleichen Club spielt, heisst es dann Garderobe räumen, alles einpacken, was nicht mehr benötigt wird entsorgen oder verschenken. Normalerweise geschieht das etwa zehn Tage nach dem Meisterschaftsende. Nach ein paar durchzechten Nächten mit dem Team, nach einem Teamtrip in eine andere Stadt oder in die Berge und nach diversen Sponsorenanlässen und Fanevents. Aber dieses Jahr schon einen Tag nach Saisonende. Am 13. März war ich mit Sack und Pack auf dem Weg nach Hause. Als ein paar Tage später Gerüchte über eine Ausgangssperre aufkamen, entschieden wir uns, so schnell wie möglich unsere Wohnung in Bern zu räumen. Das wars dann: «Tschou Bärn».

Jetzt ist unsere Garage vollgestopft mit Möbeln, Kleidern und Hockeyutensilien. Unser Projekt für die nächsten paar Wochen steht somit fest: Garage und Haus entrümpeln und auf Vordermann bringen. 

Unser Leben ist im Moment komplett auf den Kopf gestellt. Ich bin die ganze Zeit zuhause. Montags und dienstags, wenn normalerweise die Grosseltern und die Kita zu unserer Tochter schaut, sind Papitage. Am Mittwoch gehe ich für meine beiden Grosseltern und Tante einkaufen. Kontakt zu unseren Eltern und Freunden haben wir nur noch per Facetime. Veloausflüge, spazieren gehen, Trottifahren, «brötle» und im Garten spielen gehört zum Tagesprogramm.

Es tut auch gut, dem geschundenen Körper eine Pause zu geben. Im Moment verzichte ich komplett auf das Training. Es ist das erste Mal in 16 Jahren als Profisportler, dass ich richtig viel Zeit habe, meinem Körper Erholung zu gönnen. Auch die anderen Spieler machen im Moment «Ferien». Gezwungenermassen. Denn sobald es die Situation wieder erlaubt, wird das harte Sommertraining, in welchem die Basis für die Meisterschaft im Winter gelegt wird, beginnen.

Wo, wann, wie und ob es bei mir im Eishockey weitergeht, weiss ich noch nicht. Ich habe jetzt viel Zeit, auf meinen Körper zu hören und die Zeit mit meiner Familie zu geniessen.

Matthias Bieber, Eishockey-Profi, Jonen

Das Wunder des Lebens in Zeiten von Corona

Als Hebamme in einem Geburtshaus darf ich Familien in ihrem Start begleiten. Voraussichtlich im Juni dürfen auch wir in unserer Familie ein neues Glückskindchen willkommen heissen. Im Moment versuchen wir daheim, das Familienleben in seiner Eingeschränktheit mit unserer Unternehmungsfreude zu vereinbaren, und verbringen sehr viel Zeit in der Natur, zusammen mit den Kindern.

Betreffend der sozialen Isolation habe ich natürlich klar einen beruflichen «Vorteil». Ich muss raus zum Arbeiten. Zurzeit erlebe ich dies sehr zwiegespalten. Auf der einen Seite Familien mit grossen Bedenken und Ängsten, auf der anderen Seite dieses riesige Glück, was sie einfach mit ihrem Familienwunder erleben dürfen.

In den Schweizer Spitälern dürfen die Papas zurzeit nur noch mit zur Geburt. Das Wochenbett verbringen die Mamas alleine. Dies ist verständlicherweise ein grosser Einschnitt ins Ankommen als Familie und leider ist es auch nicht allen Mamas möglich, ambulant zu gebären und dann nach Hause zu gehen. Im Geburtshaus dürfen die Papas bisher zu Besuch kommen, da wir alles Familienzimmer haben. Aufgrund dessen ist die Nachfrage nach unserem Angebot enorm gestiegen und wir mussten einen Aufnahmestopp vollziehen. Das heisst, wir haben derzeit auch sehr viel Arbeit, müssen uns möglichst alle gesund halten und natürlich auch all die neuen Massnahmen des BAG zeitnah umsetzen. Eine ganz schöne Herausforderung für alle.

Insbesondere das «Abstandhalten» finde ich bei der Geburtsbegleitung ein schwieriges Thema. Die Übergänge des Lebens – Geburt und Tod – erfordern Nähe. Natürlich gibt es Schutzmassnahmen, die wir ergreifen, wie Masken und regelmässige Kleiderwechsel, neben der auch sonst üblichen Handhygiene und -desinfektion. Aber dennoch, man ist sich einfach sehr nahe.

Mir persönlich macht dies primär keine Sorge bezüglich eines Infekts, welcher mich betreffen könnte. Aber ich halte mich dafür im Privatleben sehr zurück, um wirklich auch nichts weiter zu streuen, sollte ich betroffen sein.

Gerade in der jetzigen, für viele ziemlich instabilen Zeit, ist es mir umso wichtiger, den Familien einen geborgenen und sicheren Hafen zu bieten, wo sie landen dürfen. Und diese Wunder des Lebens geschehen weiterhin… Tag für Tag… Es interessiert sie nicht, ob Corona da ist oder nicht…

Inmitten dieses Wandels dürfen die Eltern aber auch mit neuer Ruhe ins Familienleben segeln. Anstelle von haufenweisen Besuchern, die verständlicherweise auch alle dieses kleine neue Glücksbündel bestaunen und halten wollen, tritt nun Ruhe und Einkehr, die eigentlich in der Wochenbettzeit auch da sein sollte. Selten trauen sich Eltern im normalen Alltag, ihre Bedürfnisse nach Zeit für sich als junge Familie zu formulieren. Nun ist es eine Selbstverständlichkeit. Was natürlich nicht ausschliesst, den jungen Familien mal einen frischen Obstkorb oder einen selbstgebackenen Kuchen zur Stärkung vor die Tür zu stellen…

Caroline Müri, Hebamme, Jonen

Der Laubfrosch

Im Gelbstern-Weihnachtsstern hat mein Laubfrosch überwintert!
Entdeckt! Ich hab‘ die verfrorenen, verwelkten Blätter weggenommen.
Ganz, ganz fein bemerkte ich, dass da, in ein zerknittertes grünes Blatt eingegraben, etwas wie ein bisschen plustert.
Ich schaute nochmals, nochmals genauer hin – mein Laubfrosch!
Ein Glücksfrosch! Und – nachmittags hat er sogar ganz laut gequakt.

Rita Staubli-Eichholzer, Oberlunkhofen

Ostertage

Mein Alltag als Alte mit bald 76 Jahren hat sich noch mehr verlangsamt als vor der Corona-Krise. Das gefällt mir. Ich freue mich über die grosse Ruhe, die will­kommene Stille, die gute Luft, die meditativen Spaziergänge in den nahen Wäldern und Feldern und vor allem über das wunderbare Frühlingswetter. Ich bin fast den ganzen Tag draussen im Garten und staune über die vielen bunten Frühlingsblumen und die grosse, blühende Glyzinie an der Hauswand. Meinen vor drei Wochen gepflanzten Baby-Leaf-Salat begrüsse ich täglich und schwatze mit ihm. 

Ich höre Vögel zwitschern, lausche ihrem Gesang, beobachte ein Elsternpaar in den nahen Bäumen und bin sehr dankbar, dass ich in einem Haus mit Garten auf dem Land wohnen darf. Mein Tages- und Nachtrhythmus hat sich verändert. Oft gehe ich um Mitternacht oder später ins Bett und stehe so um 9 Uhr auf. Das passt mir. Ich bin schon immer eine chronobiologische Eule gewesen; jetzt verstärkt sich dieses Bedürfnis noch mehr. Die Nächte sind nie ohne kürzere oder längere Wachphasen, doch das störte mich schon vorher überhaupt nicht. Den Tag so zu gestalten, wie er sich gerade präsentiert, finde ich sehr schön. Ich brauche keine Strukturen mehr, damit ich mich wohl fühle. Ich lebe vermehrt im Augenblick und tue gerade das, was für mich stimmig ist. Ich esse, wenn ich Hunger und Lust habe.  

Vor ein paar Tagen habe ich begonnen, glatte, runde Steine anzumalen, die ich im Reussdelta bei Flüelen vor ein paar Wochen gesammelt habe. Steine faszinieren mich seit eh und je. Wenn ich an einem Fluss oder See entlang wandere, sticht mir oft ein Stein ins Auge, den ich dann als wunderbaren Schatz des Tages mit nach Hause nehme. Die Steine aus der Ruinaulta sind die schönsten. So ist mittlerweile eine beachtliche Stein-Sammlung entstanden, die unser Gartenmäuerchen ziert.

Nachrichten über das Corona-Virus höre und lese ich nicht mehr so häufig wie zu Beginn des Ausbruchs. Ich spüre, dass ich mit diesen Schreckensmeldungen nicht gut zurande komme. Ich fühle mich oft ohnmächtig; die Bilder aus Italiens Spitälern machen mich sehr traurig.

Unsere Dirigentin des Seniorensingkreises schickt uns immer wieder Lieder. Beim ersten Lied, «unser Vater», das sie uns übermittelte, kamen mir gleich die Tränen vor Rührung. So schön und passend! Mittlerweile singe ich fast täglich eines der Lieder aus unserem Fundus am Bildschirm.

Wie gut, sind wir digital vernetzt! Ich finde es erstaunlich, wie einfallsreich die Menschen werden, um neue Kontaktmöglichkeiten in dieser Krise aufzubauen. So kann ich auf YouTube zum Beispiel auch das Einsingen übenIch schätze die vielen Kontakte über WhatsApp und Mail. Viele Videos trudeln täglich ein, die ich jeweils gezielt weiterleite. Auch telefoniere ich öfter als zu anderen Zeiten. 

In den Büchergestellen zu stöbern und alte Bücher wieder zu lesen, finde ich ebenfalls sehr schön und spannend. Es fällt mir auf, dass  der Inhalt wieder ganz neu ist oder ich ihn unter anderen Blickwinkeln betrachte.  

Auf einem Wandbehang, den meine Schwiegermutter vor unzähligen Jahren gestickt hat, steht ein Spruch von Andreas Gryphius, den ich gerade jetzt so passend finde:

«Mein sind die Jahre nicht,
die mir die Zeit genommen;
mein sind die Jahre nicht,
die etwa mögen kommen;
der Augenblick ist mein,
und nehm’ ich den in acht,
so ist der mein,
der Zeit und Ewigkeit gemacht.»

Ergänzend steht:

«Was Gott ist, wird in Ewigkeit kein Mensch ergründen,
doch will er treu sich allezeit mit uns verbünden.
Gott spricht zu dir durch die heiligen Berge:
Sei still, wisse ich bin Gott.»

Ruth Baumann, Oberlunkhofen

Chinderhuus / Chinderhort Sternschnuppe

Ich heisse Janine Fröhli und bin die Gründerin und Leiterin vom Chinderhuus und Chinderhort Sternschnuppe in Jonen. 

Zu meinen Hauptaufgaben gehört, dass ich für einen reibungslos funktionierenden Betrieb verantwortlich bin. Ich beschäftige mich mit dem Personal, mit der Administration und mit pädagogischen Aufgaben. Ich bilde die Lernenden in unserem Betrieb aus und trage die Verantwortung für die uns anvertrauten Kinder. Auch die Elternarbeit ist ein wichtiger Bestandteil meiner Tätigkeit. 

Seit Anfang März hat sich mein Aufgabengebiet enorm verändert. Als die Schulen schweizweit geschlossen wurden, habe ich angefangen zu realisieren, was das alles für Auswirkungen auf meinen Betrieb haben kann. Die grösste Angst war, die Krippe über eine längere Zeit schliessen zu müssen. Viele Fragen schwebten durch meinen Kopf, die mir aber zu dem Zeitpunkt niemand beantworten konnte: Bleibt die Krippe offen oder muss sie geschlossen werden? Was geschieht mit unseren monatlichen Einnahmen? Wie begleiche ich alle Ausgaben wie Löhne, Miete, Rechnungen? Was geschieht mit meinen Angestellten / Lernenden? Können wir die Abschlussprüfung Mitte März wie geplant durchführen?

Das Schwierigste für mich war meine eigene Überforderung mit der Situation sowie die Angst, den über Jahre aufgebauten Betrieb nicht mehr über Wasser halten zu können. 

Mit dieser Unsicherheit kamen auch viele Eltern auf mich zu. Oft wurde ich gefragt, wie es nun weitergeht. Die Hygienemassnahmen wurden sofort aktualisiert. Die Eltern wurden fortlaufend über die aktuellen Anweisungen des Bundes informiert. Während dieser Zeit mussten wir einen Tag nach dem anderen in Angriff nehmen und mit dieser Ungewissheit leben. 

Am 20. März erhielten wir das erlösende Schreiben: Das Kinderbetreuungsangebot im Kanton Aargau soll aufrecht erhalten bleiben. Das war eine riesengrosse Erleichterung für die Eltern, mich und meinen Betrieb. Ab diesem Tag stellten wir uns voller Motivation unseren neuen und herausfordernden Aufgaben. 

Die Schultage unserer Lernenden finden nun bei uns in der Krippe statt. Die Anzahl der betreuten Kinder ändert sich von Tag zu Tag. Die Familien entscheiden selber, ob sie ihre Kinder in die Krippe / Hort bringen. An einem Tag sind fast alle Kinder da, am darauffolgenden nur noch ein Drittel. Flexibel und spontan planen wir die Arbeit mit den Kindern. Jeden Morgen werden die Hortkinder mit Aufgaben gefördert. Trotz dieser turbulenten und irrealen Zeit versuchen wir, den Kindern einen schönen Tag mit ihren Freunden zu bereiten. Der Alltag wird angepasst und wir schätzen sehr, dass wir zur Arbeit gehen dürfen. Die gewohnten Abläufe in der Krippe geben uns eine gewisse Normalität zurück. 

Bis jetzt haben wir das Glück, dass sich niemand im engeren Umfeld mit dem Virus infiziert hat. Jedoch ist uns bewusst, dass mit dem täglichen Kontakt der Kinder und deren Familien ein erhöhtes Risiko besteht. Wir unternehmen alle Anstrengungen, um die Ausbreitung des Coronavirus nicht voranzutreiben.

Wir versuchen, positiv in die Zukunft zu blicken, und geben jeden Tag unser Bestes.

Janine Fröhli, Chinderhuus und Chinderhort Sternschnuppe, Jonen

Wir erkennen uns an den Stimmen und Schuhen

Ich arbeite als Pflegefachfrau in einem grossen Spital. Ich bin verheiratet und habe zwei Kinder im Alter von knapp sechs und vier Jahren. 

Als ich Ende Februar auf meine Station im Spital kam und meinen Spätdienst antreten wollte, hatte ich das Gefühl, ich sei im falschen Film. Auf dem ganzen Stock herrschte reges Treiben. Die Brandschutztüren wurden geschlossen, um so eine klare Abgrenzung zu den zukünftig erwarteten Covid-19-Patienten vorzunehmen. In einer fast zweistündigen Sitzung wurden wir über das weitere Vorgehen mit den Corona-Patienten informiert. Wir wurden instruiert, wie wir nun die Isolations-Zone einrichten müssen, wie wir uns zu schützen haben und was wir im Umgang mit den Patienten beachten müssen. Nun war ich das erste Mal verunsichert. Bis anhin dachte ich immer, dass dieser Virus uns nicht gross betreffen würde. Den ganzen Abend haben wir Patientenzimmer umgestaltet, Material vorbereitet, uns überlegt, was wir brauchen und wie wir uns am besten organisieren. Bereits am späteren Abend holten wir den ersten Patienten mit Verdacht auf Covid-19 zu uns auf die Abteilung. Ich hoffte, dass ich bald aus diesem Albtraum erwachen würde. 

Das Gegenteil traf ein. Es folgten täglich Corona-News. Auch mein Arbeitsalltag im Spital war komplett verändert. Ganze Stationen wurden leergeräumt, damit mehr Betten für Covid-19-Patienten zur Verfügung stehen. Teams wurden mit mehr Personal aufgestockt, neue Arbeitspläne geschrieben, Abläufe angepasst, um nur wenige Stunden später wieder komplett geändert zu werden. Neue Informationen gab es fast halbtäglich und was am Morgen noch galt, war am Nachmittag bereits wieder ganz anders. 

Zu Beginn betreuten wir noch viele Verdachtsfälle, inzwischen sind die meisten Patienten positiv getestet. Aktuell sind die meisten allein in einem Zimmer. Wir Pflegenden betreten die Zimmer nur in voller Schutzmontur; wir tragen Haube, Schutzbrille, Mundschutz, Schürze und Handschuhe. Viel ist von uns also nicht zu sehen. Die Patienten können uns auch fast nicht voneinander unterscheiden (auch wir erkennen uns nur noch an den Stimmen und den Schuhen). Meist rufen wir vor dem Betreten der Isolationszone die Patienten an und fragen nach, ob sie noch etwas Bestimmtes brauchen. Denn wenn wir einmal angezogen sind, kommen wir nicht mehr so rasch aus der Zone. Das Arbeiten unter den Schutzkleidern ist anstrengend. Wir schwitzen und beim Atmen läuft immer wieder die Schutzbrille an und bestimmt juckt es noch irgendwo im Gesicht, welches natürlich absolut nicht berührt werden darf. Es braucht eine grosse Konzentration, damit die Hygieneregeln eingehalten werden und dadurch auch unsere Sicherheit gewährleistet ist. 

Ich erlebe die Patienten in dieser ungewohnten Situation sehr dankbar. Sie dürfen keinen Besuch erhalten und das Zimmer nicht verlassen. Wir sind also die einzigen Personen, welche sie momentan zu Gesicht bekommen, und sie freuen sich über die Abwechslung. Vielen geht es aber den Umständen entsprechend gut. Das Heimtückische an diesem Virus ist wohl die Atemnot, welche sehr rasch einsetzen kann. Dies führt leider auch immer wieder zu unschönen und belastenden Situationen für uns Pflegende. 

Wir sind gerüstet und warten täglich auf die Welle, von welcher der Bund spricht. Wir wären bereit, sind aber auch dankbar, wenn diese gar nicht erst eintritt. Es ist eine äussert herausfordernde Zeit für das Pflegepersonal. Wir müssen vieles meistern, was uns vor zwei Monaten noch unmöglich erschienen wäre. Dies braucht unter anderem Geduld, weil Abläufe immer noch nicht richtig funktionieren, gute Ideen immer noch nicht umgesetzt sind oder weil Abmachungen immer noch nicht von allen eingehalten werden oder schon wieder wichtige Informationen verpasst wurden. Wir freuen uns, wenn möglichst bald wieder der «Normalzustand» eintritt. 

Auch zu Hause stellt uns die neue Situation vor Herausforderungen. Der Kindergarten, die Spielgruppe, die Jugi, die Gspändli, die Grosseltern; dies alles fehlt und wird vermisst. Das Treffen mit den Grosseltern wird mit Anrufen über Face-Time überbrückt. So können trotz Distanz Gebasteltes, Gebautes, Zeichnungen gezeigt und Erlebnisse erzählt werden. Dieser Anruf hat sich fest in unseren Tagesablauf integriert und ist wohl für beide Seiten gleichermassen wichtig geworden. Die Kinderbetreuung musste spontan neu organisiert werden; gar nicht so einfach, wenn man nicht einfach wie gewohnt auf Familienmitglieder und/oder Freunde zurückgreifen kann. Denn auch mein Mann darf noch extern arbeiten. Er führt einen Industriebetrieb. Natürlich ist auch dort die Arbeit betroffen. Viele Fragen und Unsicherheiten stehen im Raum, Kurzarbeit ist angemeldet und auch hier ist die Hoffnung, dass die Krise bald überstanden ist. 

Auch wenn unser Alltag momentan stark eingeschränkt ist, geniessen wir die geschenkte Familienzeit und sind uns sicher, dass wir in ein paar Wochen unsere Freizeit mit Familie, Freunden und Ausflügen wieder viel mehr schätzen werden. 

Bis dahin wünsche ich allen weiterhin viel Gesundheit, Durchhaltewillen und Energie für diese schwierige und sehr spezielle Zeit.

Daniela Heggli, Pflegefachfrau, Oberlunkhofen 

Zwischen Blaulicht und Mitgefühl

Ich heisse Barbara Eberle und lebe zusammen mit meiner neunjährigen Tochter Anina in Staufen. Ich bin Diplomierte Rettungssanitäterin HF und Teamleiterin im Rettungsdienst der Asana Spital Menziken AG. In meinem Beruf arbeite ich genau seit 20 Jahren – nach wie vor mit Leib und Seele. Ich kann mir nichts Besseres, Spannenderes oder Schöneres vorstellen. Ich leite zusammen mit dem Bereichsleiter der perioperativen Pflege den Rettungsdienst und rücke neben den administrativen Arbeiten immer noch regelmässig aus.

Zurzeit dreht sich auch bei uns innerhalb des Spitals und natürlich auch im Rettungsdienst alles um die Corona-Krise. Das Spital Menziken gleicht einer Festung; hinein kommen nur noch die Mitarbeitenden und Patienten. Angehörige dürfen nur noch zu Besuch, wenn ihre Liebsten im Sterben liegen. Dies ist nicht einfach – weder für die Besuchenden noch für die Patienten. 

Das Personal arbeitet immer mit einer Maske und wir dürfen nur noch mit grossem Abstand zusammensitzen. Eine ganze Station wurde zur Isolationsstation umgebaut. Hier sind nur noch Patienten, welche Corona-positiv getestet wurden. Wir im Rettungsdienst tragen immer Maske, Schutzbrille und Handschuhe – bei Corona-Verdacht sogar noch eine Überschürze. Nach dem Einsatz desinfizieren wir das gesamte Material und den Patientenraum des Rettungswagens. 

Im Moment haben wir Corona-bedingt mehr Einsätze. Aber auch das ganz normale Tagesgeschäft ist zusätzlich und wie gewohnt zu bewältigen; Herzinfarkt, Schlaganfall, Verkehrsunfall oder eine einfache Verlegung. Mit fadem Beigeschmack: Unser Auftreten in Maske und Schutzbrille erschreckt gewisse Patienten. Aber schlussendlich sind sie auch froh, dass wir da sind und die Schutzmassnahmen einhalten.

Die Menschen sind verunsichert: Was kommt da noch auf uns zu? Wie soll es nach der Krise weitergehen? Dies merken wir auch an den Einsätzen. Nicht selten rücken wir wegen Angstzuständen aus oder zu familiären Konflikten. Viele sind es sich nicht gewohnt, so lange so nahe beieinander zu sein – dies zusammen mit der Unsicherheit gegenüber dieser ungewohnten Situation schürt Ängste und Aggressionen. 

Ich werde häufig gefragt, ob ich wisse, wie es weitergeht. Ich weiss es nicht. Ich bin genauso unsicher und gespannt, was diesen Sommer noch auf uns zukommt und was wir noch zu bewältigen haben. Ich weiss aber auch, dass wir in der Schweiz und auch im Kanton Aargau eine hervorragende medizinische Versorgung haben. Die Zusammenarbeit zwischen den Zentrumsspitälern und den Regionalspitälern ist sehr gut und zeigt, dass es alle dazu braucht. Ebenfalls schön ist die Wertschätzung, welche uns Mitarbeitenden im Gesundheitswesen aktuell zugetragen wird. Ich wünsche mir, dass dies noch weit über die Corona-Krise hinweg bestehen bleibt. 

Für mich hat sich im Beruf nicht viel verändert. Ich handle immer nach bestem Wissen und Gewissen und halte mich an die Vorgaben, das tue ich auch privat. Ich freue mich aber jetzt schon, wenn wir wieder nach draussen gehen dürfen, zusammen in ein Café sitzen und uns in den Arm nehmen können. Auch wenn es noch ein Weilchen dauern wird – diese Zeit kommt und der Sommer ist dann noch nicht zu Ende.

Ich wünsche Ihnen alles Gute. Bliibed gsund!

Barbara Eberle, Teamleitung Rettungsdienst der Asana Spital Menziken AG

Aus dem Alltag einer kleinen Familie

Ich lebe mit meinem Lebenspartner und meiner kleinen Tochter in einem Naturparadies ganz in der Nähe der Reuss. Ich bin Primarlehrerin und arbeite Teilzeit, mein Partner ist bei der Polizei angestellt und unser kleiner Sonnenschein darf normalerweise einmal in der Woche in die Spielgruppe.

Leider darf unsere Kleine seit zwei Wochen nicht mehr in ihre geliebte Spielgruppe gehen. Es ist toll, dass die Spielgruppenleiterinnen trotzdem mit uns in Kontakt bleiben, WhatsApp sei Dank, und sogar Bastelmaterial mit Anleitung nach Hause geschickt haben. Das Osterbasteln haben wir nun schon erledigt.

Ansonsten behalten wir den normalen Tagesrhythmus wenn immer möglich bei: aufstehen und Schoppen trinken, anziehen, «Zmorge» essen, spielen/vorlesen/austoben, Mittagessen kochen, Mittagsschlaf, spielen/vorlesen/austoben im Garten/basteln/malen/kneten, Znacht essen und dann geht es schon bald wieder ins Bett. Es ist schon komisch, wenn man das Tagesprogramm so gestaltet, dass alles zu Hause stattfinden kann. Ich freue mich jetzt schon auf den Tag, an dem wir den Alltag zu Hause wieder mit Ausflügen (Zoo, Hallenbad, Gspändli treffen etc.) aufpeppen dürfen. 

Meine Anstellung als Lehrerin bringt momentan ganz viele Neuerungen mit sich. Ich arbeite in der Stadt Zürich an zwei verschiedenen 5. Klassen. Der direkte Kontakt und das Unterrichten fehlen mir. Der Fernunterricht wird mit Wochenarbeitsplänen gestaltet. Es gibt einen obligatorischen Teil in den Hauptfächern (Mathe, Deutsch, Englisch und Französisch). Zudem stellen wir eine Vielfalt von lustvollen Aufgaben zur Verfügung, aus denen die Kinder auswählen dürfen. Glücklicherweise erhalten alle Kinder ab der 5. Klasse in der Stadt ein Tablet zur Verfügung gestellt. Dies erleichtert sicherlich das Lernen auf Distanz. Zudem arbeiten wir mit der Plattform www.schabi.ch (Schule am Bildschirm). 

Wenn immer möglich arbeite auch ich im Homeoffice, ab und zu muss ich aber kurz ins Schulhaus fahren, um Material zu holen, welches noch nicht digitalisiert ist. Kontakt zu den Schüler/innen habe ich noch per Telefon oder Mail, sie dürfen sich bei Fragen oder Problemen so an mich wenden.

Damit ich an einem Tag in der Woche in Ruhe arbeiten kann, können wir zum Glück familienintern die Betreuung unserer Tochter gewährleisten. Ansonsten nutze ich den Mittagsschlaf der Kleinen oder die Abendstunden wenn sie schon im Bett ist, um meine Mails zu lesen und zu arbeiten.

Da ich noch ein Pferd besitze, ist dies eine kleine Insel in dieser Zeit, in der man wenn immer möglich zu Hause bleiben sollte. Das Pferd steht bei meinen Eltern auf einem alten Bauernhof, wir versorgen die Tiere selber. Deshalb darf/muss ich noch 1x am Tag dorthin fahren, um mein Pferd zu versorgen. Das beinhaltet die Fütterung sowie das ausreichende Bewegen des Pferdes. Das muss nämlich trotz Coronakrise noch gewährleistet werden und es gelten natürlich auch die Regeln des BAG. 

Ich merke, dass mein Alltag ganz schön entschleunigt wurde und geniesse dies auch. Er bringt aber auch neue Herausforderungen mit sich, welche ich mit möglichst viel Gelassenheit angehe und mich überraschen lasse, was alles noch kommen wird…

Yvonne Job, Rottenschwil

Sehen wir es positiv!

In diesen aussergewöhnlichen Zeiten gibt es sogar in der Schweiz für einmal wirklich gute Gründe, um zu jammern. Und wir Bauern sind ja bekannt dafür, über vieles zu jammern – nicht nur in Krisenzeiten. Auch ich könnte nun über viel Nebensächliches wehklagen, wie z.B. die Taufe unseres Sohnes, die wegen der Ausnahmesituation abgesagt werden musste. Oder ich könnte den wirtschaftlichen Schaden für unseren Betrieb überschlagen. Aber eigentlich will ich gar nicht jammern. Nein, ich will ganz bewusst das Positive beleuchten.

Seit dem Ausbruch der Krise, so scheint es mir, leben wir in der Schweiz viel bewusster. Konsum- und Konkurrenzdenken sind von Solidarität und einem Gemeinschaftsgefühl im Sinne von «wir schaffen das» in den Hintergrund gedrängt worden. Ich hätte z.B. nie gedacht, dass sich unsere egozentrische Gesellschaft darauf einlassen würde, auf Konsum zu verzichten, um unsere älteren Mitbürger zu schützen. Uns als Menschen, als Gemeinschaft und auch als Nation tut das sehr gut. Überwältigend ist darum auch die schnell angelaufene Nachbarschaftshilfe und die vielen Freiwilligen, die nun in verschiedenen Branchen aushelfen.

Ich persönlich darf mich darüber freuen, dass meine Arbeit (die Produktion von Nahrungsmitteln) nun wieder geschätzt wird und dass viele Konsumenten bei unseren Produkten nicht mehr nur den Preis, sondern auch den Wert erkennen. Natürlich hoffe ich, dass dies möglichst auch nach Beendigung der Krise anhalten wird. Denn volle Regale in den Läden sind keine Selbstverständlichkeit, auch in Zukunft nicht.

Meine Tätigkeit als Grossrat ist seit Beginn der Krise gänzlich zum Erliegen gekommen. Lediglich als Mitglied der Finanzkommission habe ich online nun regelmässige Sitzungen, an welchen derzeit vor allem die Stossrichtungen des kantonalen Hilfspakets für die krisengeplagten Unternehmen diskutiert werden. 

Dank den vielen abgesagten Terminen und Sitzungen haben wir in unserem Betrieb neben der täglichen Arbeit nun viel Zeit, um strategische Entscheide zu fällen und um langfristige Projekte weiterzuentwickeln. Privat haben Sarah und ich viel mehr Zeit für Gespräche unter vier Augen. Ich bin regelmässiger als auch schon beim Kochen anzutreffen, was mich sehr freut. Vor allem aber darf ich mich nun jeden Tag und Abend an den Fortschritten und am Lachen unseres elf Monate alten Sohns Felix erfreuen. Als zusätzlichen Zeitvertreib habe ich damit begonnen, mit meinen ehemaligen Gastfamilien, Freunden und Bekannten aus meinem Austauschjahr in Australien zu telefonieren. Mit einigen hatte ich zwischenzeitlich den Kontakt verloren. Nach 18 Jahren ergeben sich so manchmal ganz unerwartete, aber immer herzliche Telefonate. 

Sie zeigen mir, dass sich Menschen auf der ganzen Welt vor dem Virus fürchten. Andererseits bestärken mich diese Telefonate und die vielen Gespräche mit meinem Umfeld hier in der Schweiz in meiner Meinung, dass wir gemeinsam und gestärkt aus dieser Krise hervor gehen werden. Für die Zwischenzeit und darüber hinaus wünsche ich allen GUTE GESUNDHEIT!

Christoph Hagenbuch, Grossrat, Oberlunkhofen

Erfahrungsbericht aus unserer Bäckerei

Zuerst einmal: Wir können und dürfen glücklicherweise noch arbeiten – wenn auch reduziert und mit einigen organisatorischen Anpassungen. Doch wir wissen, wir schaffen das!

Seit zwei Wochen haben wir den «Lockdown» in der Schweiz während dieser Corona-Krise. Wir konnten uns vor einem Monat nicht vorstellen, was auf uns zukommen könnte und was solche Veränderungen für uns als ländliche Bäckerei bedeuten – doch wir können heute sagen, dass wir jeden Tag versuchen, das Unmögliche möglich zu machen: Alle Vorschriften einzuhalten, so dass der Betrieb und die Versorgung sichergestellt werden  und wir alle Arbeitsplätze erhalten können.

Die BAG-Massnahmen sind auch für uns gravierend und wir haben sie wie angeordnet umgesetzt: Wir arbeiten jetzt in der Backstube noch mehr im Schichtbetrieb, so dass die Abstands- und Hygienemassnahmen gut eingehalten werden können. Die Arbeitsstunden des Produktionspersonals haben sich reduziert auf durchschnittlich ungefähr fünf Stunden pro Arbeitstag. Es ist natürlich sehr gewöhnungsbedürftig, fast jeden Tag mit einem reduzierten Pensum zu arbeiten.

Wir verkaufen viel mehr Grossbrote anstelle von Semmeli, Weggli und Buttergipfeli, usw. Ebenfalls erhalten wir fast keine speziellen Bestellungen mehr, da ja auch keine Anlässe im privaten Rahmen über fünf Personen stattfinden sollten. Zudem sind bei uns alle Lieferungen für Restaurants weggefallen und auch eine Znünibustour wurde abgesagt, aus Sicherheitsgründen des jeweiligen Arbeitgebers oder da viele Arbeitnehmer im Home Office arbeiten..

In unseren drei Verkaufsgeschäften (Hauptgeschäft Unterlunkhofen, Filiale Mutschellen und Kafi Stutz Widen) haben wir diese BAG-Massnahmen ebenfalls umgesetzt und wir können auf eine sehr verständnisvolle und treue Kundschaft zählen, die auch gerne ein paar Minuten draussen vor dem Laden wartet, weil nicht mehr als zwei Kunden eintreten dürfen. Was uns in den letzten Wochen aufgefallen ist, ist dass wir auch «fremde Gesichter» in unseren Ladengeschäften sehen: Personen, die uns jetzt als kleineren Laden den grösseren Detaillisten vorziehen und auch solche, die vermehrt zu Hause arbeiten müssen und somit auch unter der Woche den dorfeigenen oder nahen Bäcker berücksichtigen. Vermehrt stellen wir auch fest, dass man sich – da man ja eigentlich nirgends hingehen sollte – etwas Süsses leistet daheim für das Gemüt, sei es ein Tortenstück, ein Pâtisserie oder eine andere Köstlichkeit. Das hören wir auch ab und zu im Laden von unserer Kundschaft und es zaubert uns allen ein Lächeln aufs Gesicht. Es freut uns, dass wir mit unseren Sachen den Kunden eine Freude bereiten können.

Den Gastrobereich unseres Kafi Stutz Widen mussten wir gemäss Bundesratsbeschluss schliessen; wir haben jedoch den Vorteil, dass die Verkaufstheke noch offen sein darf und auch wenn wir einen nicht zu unterschätzenden Umsatzverlust hinnehmen müssen, sind wir froh, eine Tagesstruktur zu haben und den Betrieb so aufrechterhalten zu können.

Seit dieser Woche haben wir ebenfalls einen Hauslieferdienst lanciert, der in den umliegenden Dörfern Bestellungen ausliefert. Unsere – vor allem ältere – Kundschaft schätzt diesen Lieferdienst sehr und wir freuen uns, in dieser schwierigen Zeit Solidarität gegenüber den Menschen zu zeigen, die geschützt werden müssen.

Wie schon erwähnt, haben auch wir grössere Umsatzeinbussen und wir mussten für ein paar Angestellte im Kafi Kurzarbeit anmelden. Doch sind wir grundsätzlich zufrieden, da wir wissen, dass unsere Brote und Kleinbrote sowie die anderen gluschtigen Angebote als Grundnahrungsmittel benötigt und geschätzt werden und wir vor allem auch das Ziel haben, unsere Arbeitsplätze zu erhalten und weiterhin als Familienbetrieb in dieser Krise einen wertvollen Beitrag zur Sicherstellung der Grundversorgung in der Region leisten zu können.

Manchmal erscheint uns die heutige Situation wie eine «Fata Morgana», doch wir sind überzeugt, dass wir alle gestärkt aus dieser Krise hervorgehen werden und wissen auch, dass wir es zusammen schaffen werden. Wir sind zudem dankbar, dass der Bund in dieser schwierigen Zeit dem angeschlagenen Gewerbe schnell und unbürokratisch mit ausserordentlichen Massnahmen hilft – denn wir kennen einige Unternehmen, die momentan den Betrieb ganz einstellen oder ganz massive Umsatzverluste hinnehmen mussten und das, glauben Sie mir, das tut auch meiner Unternehmerseele weh. 

Ihr Dorfbäcker

Urs Stutz & Team, Bäckerei-Konditorei Stutz GmbH

So schnell ändert sich der Alltag…

Wir sind eine lebhafte Familie mit drei Söhnen im Alter von sieben bis elf Jahren. Unser Alltag war eingespielt. Der Terminplan bestimmt durch Schule und Hobbys unserer Kinder.

Was für uns alle bisher unvorstellbar war, traf plötzlich ein. Das Leben steht still und die Schule fällt aus. Damit alle Hobbys, das Treffen von Freunden, ja eigentlich das ganze Freizeitprogramm kommt zum Stillstand. So änderte sich für unsere Familie der Alltag komplett – von einem Tag auf den anderen.

Es war uns Eltern wichtig, für die Kinder möglichst schnell eine neue, fixe Tagesstruktur zu schaffen. Einfach so in den Tag hineinleben, würde uns alle auf Dauer unzufrieden machen. Im neuen Corona-Alltag gibt es weiterhin fixe Zeiten für Schule, für Ausflüge in die Natur, zum Spielen im Garten, für die digitalen Medien, usw. Ich habe mir vorgenommen, dass meine eigene neue Zeiteinheit «der Tag» ist, einer nach dem anderen.

Nicht immer ist es für mich als Mutter einfach, alles unter einen Hut zu bringen. Nun bin ich zusätzlich Lehrperson und für die Beschäftigung der Kinder zuständig. Die kinderfreie Zeit während der bisherigen Schulzeit entfällt. Was ich «früher» während der Schulzeit der Kinder erledigen konnte, wird nun nebenbei gemacht oder auch einfach einmal liegen gelassen. Die Zeit der Ruhe ist rar. Zudem gibt es Streitereien und Konflikte, wenn man rund um die Uhr auf engem Raum ist. So vermissen die Kinder wohl die elternfreie Zeit in der Schule, bei den Hobbys oder mit Kollegen. Mir fehlen die ruhigen Momente sowie die Kontakte mit Freunden. Es braucht von beiden Seiten mehr gegenseitiges Verständnis und die Fähigkeit, einfach einmal etwas gut sein zu lassen. Langweilig wird es bei uns nicht, da ja immer Kinder zum Spielen da sind. Zudem haben wir Eltern auch mehr Zeit, um uns mit den Kindern zu beschäftigen, da auch unsere externen Verpflichtungen wegfallen. Es ist also auch in der Isolation immer etwas los.

Die Einschränkungen sind einschneidend, aber die geschenkte Zeit ist auch eine tolle Erfahrung, das Alltägliche und das Familienleben stehen im Vordergrund.  So ist es schön, alles einfach alles etwas ruhiger zu nehmen, festzustellen, dass das Leben auch mit viel weniger Konsum und Freizeitmöglichkeiten lebenswert ist, dass man die einfachen Ausflüge in die Natur wieder mehr schätzt und dass die Menschen wieder mehr an ihre Mitmenschen denken. Schön, wie viele liebe Worte und Nachfragen ich bisher erhalten habe.

Was mir in dieser isolierten Zeit fehlt, sind die nahen Kontakte zu lieben Menschen. Eine herzliche Umarmung, gesellige Gespräche und fröhliches Beisammensein. Diese wertvollen Zusammentreffen werde ich nach der Corona-Zeit wieder geniessen und zu schätzen wissen. Unsere Kinder freuen sich auf das Meer, spannende Ausflüge, shoppen,Kino oder einfach wieder darauf, eine Pizza essen zu gehen. Ebenso werden sie die Schule mit ihren Kollegen wieder schätzen. Bis dahin geniesst unsere Familie das Frühlingserwachen und Krafttanken im Jonental.

Wir wünschen allen Menschen eine gute Gesundheit, viele Lichtblicke im eingeschränkten Alltag und liebe Worte in der Einsamkeit.

Simone Affolter, Oberlunkhofen

Frühlingserwachen mal anders…

Der Frühling ist so oder so eine eigene wunderschöne Zeit. Ich freue mich auf die wärmeren Temperaturen, auf die länger werdenden Tage, auf das Blühen der Bäume, Sträucher und Blumen und so vieles mehr… alles erwacht. 

Weder die Natur noch wir hatten die so wichtige Winterpause – aber wir haben etwas unerwartet Unbekanntes: die Teil-Isolation. Ob es uns gefällt oder nicht, es ist einfach so. 

Dies macht das Arbeiten auf den Baustellen schwieriger, aber nicht unmöglich. Die Selbstkompetenz und Verantwortung von jedem einzelnen ist gefragt. Wir können unsere Leute nur dazu anhalten, die Auflagen zu befolgen. Denn niemand will nicht mehr arbeiten können. Wir verteilen Desinfektionsmittel, da nicht auf jeder Baustelle Händewaschen immer möglich ist.

Die Zeit, wo die Natur sich in ihrer ganzen Pracht und Fülle zu zeigen beginnt und wir sie bewundern und bestaunen dürfen, beginnt. Trotz allem, was bei uns Menschen gerade läuft, erwacht sie wieder aufs Neue, ein wahres Wunder.

Wenn man es recht betrachtet, ist bei uns jetzt gerade Herbst/Winter, wir ziehen uns zurück, kehren ein, sortieren uns neu. Wann haben wir das letzte Mal so etwas gemacht? Vielleicht einmal einen Brief schreiben oder ein langes Telefonat mit jemandem führen, den wir nun nicht zum Kaffee treffen können. Nein, es ist nicht nur einfach. Eine neue Situation völlig unverhofft. Aber es schafft auch Raum für Begegnungen, nicht physisch, die man sonst vielleicht nie hätte. Ich denke an Menschen, die mich begleitet haben, nun jedoch nicht mehr sind, aber auch an so viele, die mich begleiten und für die ich jetzt gerne da bin.

Der Alltag bei mir hat sich im wahrsten Sinne verlangsamt, fast keine Termine mehr, die ich einhalten will oder muss, dafür zu Hause weniger Ruhe, da die Kinder nun alle zuhause sind und die Schule daheim stattfindet. Ich bin erstaunt über die Selbstverständlichkeit, wie das alles läuft.

Wir müssen einander wieder mit mehr Respekt begegnen. Ich ärgere mich über Menschen, die die Regale leerräumen und wahrscheinlich keinen Gedanken an andere aufbringen. Wie auch all jene, die immer noch nicht begriffen haben, dass die Distanz wahren nicht einfach so eine lustige Idee ist, sondern alle schützen soll. Diese Zeit geht vorbei und auch mir fehlen die persönlichen Kontakte, aber je strikter sich jeder an die Verordnungen hält, desto früher können wir wieder in unseren Frühling starten.

Ich kann nur versuchen, das Positivste und Beste aus der ganzen Situation zu machen. Meine sportlichen Jungs jeden Tag aufs Neue zu motivieren, dran zu bleiben, auch wenn jetzt gerade keine Trainings und Turniere sind. Damit nicht alles Aufgebaute verschwindet. Das Einbeziehen in den Haushalt klappt auch dank meinem Corona-Ämtli-Plan ganz gut. Ich hätte mir nie eine solche Situation gewünscht, aber ich finde sie auch toll. Daraus das Beste zu machen, positiv in die Zukunft zu schauen und die Kinder zu stärken, das sind nun meine Aufgaben und sie machen auch Spass. Sonst hat man seine Kinder nie so viel zu Hause. Einfach auch mal eine super schöne Erfahrung, die ich auch sehr geniesse.

Allen viel Kraft, Energie, Durchhaltevermögen und vor allem viel Gesundheit.

Text: Claudia Lüscher, Lüscher Baumschulen, Arni
Fotos: Urs Lüscher, Lüscher Baumschulen, Arni

Tagebuch eines anderen Lebens

Seit gut drei Wochen bin ich nun zu Hause, darf oder muss im Moment nicht auswärts arbeiten.

Mein Ehemann, bereits pensioniert, aber normalerweise auch noch recht oft irgendwo auf der Piste, muss als Risikofaktor ü/65 auch das Haus hüten. Noch nicht genug an Herausforderungen, die erwachsenen Töchter, die den oberen Stock des Hauses bewohnen und die wir normalerweise selten zu Gesicht bekommen, sind seeehhr oft zu Hause. Eine der beiden sogar zurzeit im Home-Office.

Unser Daheim ist nicht so riesig, als dass wir nicht öfters die Wege kreuzen. Jetzt sind wir gezwungen, Rücksicht zu nehmen und die Flügel einzuziehen… Irgendwie gar nicht so einfach, wenn man gewöhnt ist, sein eigenes Ding durchzuziehen. 

Meine Agenda war immer vollgepackt, kaum ein Tag ohne Termine, immer hopp hopp, nur nicht zu Hause sitzen und einfach nur sein. 

Von all diesen immer wieder aufgeschobenen Pendenzen wie Räumen und sich Trennen von Überflüssigem, Putzen und zwar so richtig, wie ich es von meiner Mutter her kenne, alle Kästen ausräumen, Tablare usw. waschen, hat mich leider noch nichts motiviert. Manchmal schäme ich mich «es bitzeli», aber vielleicht ist jetzt eben auch der Zeitpunkt da, um etwas zu «blöterlen». Einfach auf dem Gartenstuhl sitzen und den Vögeln zuschauen oder wie gestern etwa eine halbe Stunde einen so richtig fetten Regenwurm beobachten, wie er aus der Erde auftauchte und irgendwann an anderer Stelle wieder verschwand. Unglaublich!

Mein Mann hat seine Gitarre aus dem Keller geholt und versucht wieder seine Akkorde zu üben. Aber auch dies muss gut geplant sein, denn während dem Home-Office der Tochter wird diese «Überei» nicht toleriert. Auch lautes Fernsehen oder Radio hören (logischerweise hat jeder von der Familie einen anderen Musikgeschmack) kann zu Diskussionen führen. Ich merke nun aber Tag für Tag, wie sich das Zusammensein verändert und zwar zum Positiven. Wir sind auf sehr gutem Weg zu spüren, dass wir diese grosse Krise nur gemeinsam ohne Schaden zu nehmen durchstehen können.

Der Umgang ist achtsamer geworden, jeder von uns hört irgendwie besser hin und versucht Kompromisse einzugehen. Ich hatte immer allergrössten Respekt vor dem Tag, an dem ich auch pensioniert sein werde. Gezwungenermassen durften wir jetzt bereits mit Üben beginnen – und wie schön, es scheint ohne Eskalation zu gelingen. Trotzdem gebe ich zu, ich freue mich schon «schüli», wenn ich wieder an meinen geliebten Arbeitsplatz zurückkehren kann.

Wenn diese aufgezwungene Lebensveränderung eine nicht so traurige und schreckliche Ursache mit verheerenden Folgen hätte, würde ich mich sogar dafür bedanken – aber eben, würde.

Ich hoffe für die ganze Welt, dass wir gemeinsam dem Virus bald den Garaus machen können.

Anonym (Identität bekannt)

Corona – oder «was brauchen wir eigentlich zum Glücklichsein?»

Wir sind eine bald vierzehnbeinige Familie aus Jonen. Neben meinem Mann und mir sind das zwei Kinder (vier und eins), ein Bauchzwergchen, welches uns wohl im Juni bereichern wird, und ein Familienhund. Wir sind eine sehr aktive Familie, viel unterwegs und selten herrscht hier Langeweile. Nicht nur die Kinder fordern dies ein, es ist auch ein grosses Mamabedürfnis. Aber wie vereinbaren wir dies zurzeit? Jetzt, wo man nicht mal einfach kurz in einen Tierpark oder in ein Schwimmbad kann. Wo Freunde treffen aussermedial nicht möglich ist und auch sonst das Leben sehr auf die eigenen vier Wände beschränkt scheint.

Zum guten Glück heisst «social distancing» nicht «nature distancing». Zum Glück scheint das Leben nur beschränkt. Bietet es uns vielleicht nicht gerade jetzt sogar noch mehr als sonst?

Wann haben Sie zum letzten Mal in den Himmel geschaut ohne Flugzeuge dazwischen im Fünfminutentakt?

Haben Sie schon bemerkt, wie wunderbar weich man auf dem nadeligen Waldboden sitzen kann und wie herrlich es nach Tanne duftet?

Oder wussten Sie schon, welche Tiere man sehen kann, wenn man ein bisschen an der Baumrinde herumkratzt?

Haben Ihre Kinder schon mal Home Schooling im Wald gemacht? Mit Kreide Buchstaben auf Bäume gemalt? Aufgaben auf einer Picknickdecke auf einem Feld gelöst?

Ja – mittlerweile sind unsere Kinder gut ausgewildert und würden jedes RTL Dschungelcamp problemlos bestehen. Dank den mit Corona verbundenen Massnahmen entdecken wir die wunderschönsten Wälder, Wiesen und Flussplätze in unserer Umgebung. Das Gute liegt manchmal so nahe… Der Alltag lässt uns so manches Wunder übersehen.

Mein Tipp an alle Eltern: Raus, bevor es die Kinder durch ihr Verhalten einfordern (wer die Autorin Nicola Schmidt kennt, weiss bereits was ich meine). Das heisst alle warm einpacken, bevor die Elternnerven drinnen durch Geschrei, Gezanke oder andere Elternnervenfresserlis aufgebraucht werden, manchmal halt auch schon früh am Tag. Das braucht je nach Witterung oft etwas Überwindung. Und ja, auch ich verpasse in regelmässigen Abständen den Zeitpunkt vor der Eskalation zuhause. Aber es lohnt sich. Das Leben draussen mit Kindern ist einfach einfach. Und dies besonders in Zeiten wie diesen, wo sich auch in unseren Köpfen und Herzen alles ein bisschen ordnen und neu finden muss. Es tut auch uns Grossen gut, wenn wir im tiefen Wald angekommen sind und uns wieder neu wurzeln. Oder einfach nur den über die Felder ziehenden Wind beobachten und dabei unsere Gedanken ein bisschen schweifen lassen können.

Der Frühling blüht, das Virus lässt uns entschleunigen. Wir können dies nutzen, um wieder viel achtsamer zu sein, zu uns selbst, zu unserer Natur. Wir merken, was wir zurzeit fest vermissen und geben dem hoffentlich eine noch höhere Wertschätzung als bisher. Wir müssen und dürfen uns mit uns selbst und unseren Aufgaben und Rollen befassen. Herausforderungen lassen uns auch immer wachsen und sind riesige Chancen.

Sehen wir es als Geschenk und nehmen etwas von dieser Ruhe mit in unser Lebensschiffchen für die weitere Reise nach dem Corona-Sturm.

Caroline Müri, Jonen

Spitex Kelleramt – Lächeln hinter der Schutzmaske

Ich bin eine Mami von zwei kleinen Buben und arbeite bei der Spitex. Ich bin sehr gern Mami und gehe auch sehr gern arbeiten, da mir der Austausch mit unterschiedlichen Menschen verschiedenster Altersgruppen sehr gefällt.

Meine Arbeit hat sich seit dem Aufkommen des Coronavirus sehr verändert. In unserem Team kümmern wir uns gemeinsam um viele Klienten. Früher habe ich mir die Hände desinfiziert, bevor ich sie besuchte, und habe mit meiner Arbeit bei ihnen begonnen. Ganz unbeschwert und ohne grosse Gedanken.

Doch dann kam der Virus. 

Zuerst hiess es nur, man solle sich bei der Begrüssung nicht mehr die Hand geben und zwei Meter Abstand halten. Das fiel mir nicht schwer; aber es war schwierig, die Klienten, welche ich zum Teil schon seit Jahren kenne, nicht mehr persönlich zu begrüssen. Aber mit einem zusätzlichen Lächeln ging es doch recht gut.

Leider konnte ich das Lächeln nicht sehr lange schenken, denn schon bald hiess es, dass wir als Pflegepersonal einen Mundschutz tragen müssen. Somit konnte ich mein lächelndes Gesicht nicht mehr zeigen. Ich sagte jeweils zur Aufmunterung, dass meine Schönheitsoperation schief ging und ich nun deshalb den Mundschutz trage. Natürlich sage ich nicht, dass mir unheimlich heiss ist, wenn ich meinen Klienten helfe beim Duschen und mir ständig die Nase kribbelt, aber ich mein Gesicht nicht berühren darf. Seit ein paar Tagen tragen wir nun auch noch eine Schutzbrille, zum Glück ist diese durchsichtig. Ich werde oft gefragt: «Was kommt denn als Nächstes? Ein Schutzanzug?» Ich hoffe es nicht.

Ein weiteres grosses Thema neben der Unsicherheit ist die Einsamkeit. Viele Klienten sind über 65 Jahre und/oder sehr krank. Momentan verlassen sie das Haus nicht mehr oder nur noch für einen Gang zum Arzt. Die meisten von ihnen haben Angehörige oder Nachbarn, die ihnen Wege und Einkäufe erledigen können oder mit denen sie telefonieren können. Aber eben nicht alle. Ich nehme mir viel Zeit, mit ihnen über ihre Sorgen und Ängste zu reden. Ich frage, ob ich etwas einkaufen kann und nehme den Abfall mit runter. Diese Kleinigkeiten bereiten mir Freude und ich sehe, dass ich damit einen grossen Beitrag zum besseren Gefühl meiner Klienten leisten kann. Oft bin ich ihr einziger persönlicher Kontakt. Sie freuen sich richtig, wenn es klingelt und ich werde sehr herzlich begrüsst. Noch vor ein paar Wochen war unser Gesprächsthema das Wetter, die Enkel, die Feiertage oder Anekdoten von früher. Heute werde ich gefragt: «Gibt es Erkrankte bei euren Mitarbeitern oder hier in der Umgebung? Wann wird das mit dem Virus vorbei sein? Darf ich eigentlich noch auf den Balkon?» Ich werde auch gefragt, ob ICH Angst habe, angesteckt zu werden und wie es meinen Kindern und Mann geht. Natürlich habe auch ich diese Bedenken. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich die Krankheit gut überstehen würde bzw. durch Einhalten aller Schutzmassnahmen eigentlich gar nicht einfangen werde. Aber was wäre, wenn doch und ich es nicht mitbekomme und jemanden dadurch anstecke? Das macht mir eher Angst. Einmal sagte mir eine Klientin, dass sie an meiner Stelle zu Hause bei den Kindern bleiben würde und sie die Kinder nicht in die Krippe geben würde. Ich erwiderte nur: «Wer soll dann zu Ihnen kommen und Sie pflegen?» 

Manuela Brachs, Diplomierte Pflegefachfrau HF, Spitex Kelleramt, Jonen

Unser erster Blog

Wir hätten uns nie vorstellen können, was wir in diesen Wochen alles erleben. Dazu gehört auch, dass wir unseren allerersten Blog schreiben! Wo beginnt man da und was will man alles in die zur Verfügung stehenden Zeilen schreiben?

Beginnen wir mit all den Fragen, welche wir in letzter Zeit am meisten gehört haben: Wie geht es euch, seid ihr gesund, was macht ihr in dieser Zeit, seid ihr einsam, fällt euch die Decke auf den Kopf? Braucht ihr etwas? Nachbarn bieten Hilfe beim Einkaufen an. Was ist da geschehen, uns geht es doch gut, was soll das, bis jetzt war es doch umgekehrt, da haben wir für andere eingekauft. Das Leben spielt verrückt, tausend Fragen und keine Antworten, ein Virus namens Corona stellt momentan gerade die ganze Welt auf den Kopf und wir mittendrin in der sogenannte Risikogruppe, bleibt zuhause, wascht eure Hände tragt Sorge, usw. Wie soll man das in diesem Tempo überhaupt verarbeiten?

Gerade noch (die ersten fünf Märztage) waren wir auf einer kurzen Kulturreise in Deutschland, immer viele Menschen beieinander; bereits ein leises schlechtes Gewissen vor der Abreise, hätten wir das überhaupt noch tun sollen? Am Flughafen steht bereits Desinfektionsmittel bereit, aber sonst das übliche Menschengedränge, die Sicherheitskontrolle, alles wie gehabt. In Berlin und Hamburg merkt man nichts. Doch kaum wieder zuhause geht es Schlag auf Schlag. Unser Sohn will keinen gemeinsamen Erzähl-Apéro, passt auf euch auf, wir sehen uns in 14 Tagen wieder. Zuerst wirkte das etwas befremdend auf uns, aber er hatte Recht.

Und nur etwa 10 Tage später rief der Bundesrat «eine ausserordentliche Lage in der Schweiz» aus. Das ganz gewöhnliche Leben gibt es nicht mehr.

Mittlerweile sind wieder 14 Tage vergangen. Das Leben geht weiter, anders, komisch, surreal, gespenstisch still, und doch – wir haben keinen Grund zu jammern. Uns geht es gut, wir dürfen zwar nicht mehr alles, aber im Vergleich zu all den Familien, Arbeitnehmenden, selbständig Erwerbenden, die sich nun mit unendlich vielen Problemen und schwierigen Situationen des Alltags herumschlagen müssen, sind wir ja geradezu privilegiert. Mein Mann wird sich als Damenfrisör versuchen müssen. Und wir kochen, lesen, turnen sogar (wieder disziplinierter), wandern in der Natur, und heute haben wir die Autopneus wechseln lassen. Den Garagisten haben wir nicht gesehen, es lag ein Zettel im Auto: Keine Angst, Sie dürfen das Steuerrad berühren, es ist desinfiziert. Ein Wahnsinn, nicht?

Gerade mal gut vier Jahre wohnen wir nun in Oberlunkhofen, aber wir spüren sehr intensiv, wie gut vernetzt wir hier sind, wie viele Menschen wir bereits kennen, von wie vielen wir ermutigende, positive Nachrichten erhalten und wie vieles wir zudem auch irgendwie für andere erledigen dürfen. Das tut gut und gibt uns auch Mut – für die nähere und fernere Zukunft, und diesen Mut wünschen wir euch allen.

Mariette & Kurt Baumann, Oberlunkhofen

Corona-Alltag in der Gemeinde Arni

Die Aktivitäten in der Gemeindekanzlei sind stark zurückgegangen. Es gibt kaum mehr externe Besuche in unserer Verwaltung, auch wenn wir mit Desinfektionsmitteln, einer Plexiglasscheibe beim Schalter und Einhaltung der Abstandsvorschriften vorgesorgt haben. Auch die briefliche Korrespondenz ist merklich zurückgegangen. Dementsprechend versuchen wir nun, sowohl Überzeit- als auch Feriensalden der Angestellten zu reduzieren.

In den übrigen Abteilungen Bauverwaltung, Finanzen, Soziales etc. läuft das Tagesgeschäft beinahe normal. Projekte vor allem im Baubereich sind aber leider auf Eis gelegt oder erleiden Verzögerung, da die dafür notwendigen Besprechungen aufgrund der BAG-Vorgaben nicht stattfinden können.

Die letzte Gemeinderatsitzung haben wir physisch nicht mehr durchgeführt. Traktanden wurden von der Verwaltung sorgfältig vorbereitet und anlässlich der einzeln durchgeführten Aktenauflage zusammen mit den Zahlungsaufträgen abgesegnet. Kurzfristig notwendige Entscheide können im Übrigen in unserer Gemeinde auch per Zirkularentscheid verabschiedet werden.

Regionale oder gemeindeüberschreitende Aktivitäten wurden praktisch alle abgesagt. Einzig die Vorstandsitzung des Alterszentrums am Bach wurde per Telefonkonferenz durchgeführt.

Für uns als Gemeinde generell ist noch offen, ob die Sommer-Gemeindeversammlungen durchgeführt werden können. Gemäss Gesetz müsste die Vorjahresrechnung noch vor Mitte Jahr durch den Souverän abgenommen werden. Beim gegenwärtig geltenden Versammlungsverbot ist das allerdings nicht möglich. Der Regierungsrat hat hier allerdings bereits die Frist bis 31. Dezember 2020 erstreckt und es sind diesbezüglich Abklärungen am Laufen. 

Privat habe ich mich sehr gut an das neue Regime gewöhnt, obwohl ich ebenfalls zur Risikogruppe gehöre. Solche Krisen bieten auch Chancen, die es zu packen gilt. Insbesondere ist es eine exzellente Möglichkeit zu entschleunigen, den Alltagsdruck abzubauen und möglicherweise zu hinterfragen.

Corona hat mich neben meiner Frau mit Nachdruck dazu gebracht, regelmässige, längere Spaziergänge zu unternehmen. Das unterstützt die Fitness und hilft sehr stark, den Kopf zu durchlüften und neuen Gedanken nachzugehen. Interessanterweise sind heute aber nicht viel mehr Leute unterwegs als vor Corona – mit Ausnahme der «Hündeler». Schade!

Die Ausgangssperre infolge des Coronavirus gibt mir auch die Zeit, alte und ganz alte Pendenzen abzubauen, aber auch – ganz wichtig – wieder einmal ein gutes Buch zu lesen und das in vernünftiger Zeit abzuschliessen.

Die Ausgangssperre hilft auch unserer Umwelt. Unglaublich, wie stark sich die Umwelt bezüglich Verschmutzung verändert hat. Satellitenbilder zeigen Veränderungen, die ich nie für möglich gehalten hätte.

Packen wir also die Chancen und machen das Beste aus dieser Situation. Lassen Sie sich aber auch helfen, wenn Sie Hilfe benötigen, und nehmen Sie einmal mehr als früher das Telefon in die Hand, falls Sie sich austauschen möchten.. Jedenfalls wünsche ich Ihnen und Ihren Familien gute Gesundheit.

Heinz Pfister, Gemeindeammann Arni

Narzissen, Häkelgarn und Wochenpläne

An diesem sonnigen Freitagvormittag Ende März scheint die Welt so, wie sie sein sollte: Im Garten blühen die Narzissen, die Natur erwacht, die Waschmaschine im Keller dreht, die Mutter faltet auf der Kochinsel Kleider, die Kinder sitzen am Esstisch und bearbeiten auf ihren Laptops die Wochenpläne. Am Esstisch?! Es ist dies die zweite Woche, die sie zu Hause und nicht mehr in der Schule verbringen und der Alltag ist eingekehrt; die Zusammenarbeit mit den Lehrpersonen klappt, die Aufträge sind abwechslungsreich und das neue Setting hat immer noch seinen Reiz, so dass die Schüler motiviert und konzentriert bei der Arbeit sind.

Ich geniesse diese intensive Zeit mit ihnen gerade sehr. Ich arbeite auch sonst von zu Hause aus und bin selbständig erwerbend, Home Office ist für mich Alltag und lässt sich ideal mit meiner neuen Aufgabe vereinbaren. Es macht mir Freude, den Kindern zu helfen; ich staune, wie viel sie schon selber können und wie vielfältig ihre Fächer und Themen sind. Ich geniesse die Zeit, die wir zusammen auf dem Sofa verbringen, mit buntem Häkelgarn und komplizierten Anleitungsblättern, wie wir gemeinsam Lieder proben für die verschobene Musicalaufführung. Ich höre den Kindern zu, wenn sie miteinander über die Schule reden und über all das, was sie sonst beschäftigt.

Ich habe in diesen beiden Wochen einen Einblick in das Leben meiner Kinder erhalten dürfen, der mir sonst verwehrt bleibt: Sie verbringen den Grossteil ihres Tages ausser Haus mit Bezugspersonen ausserhalb der Familie. Nun darf ich eine neue Seite meiner Kinder kennen lernen. Und sie sehen nun auch mich, wie ich tagsüber am PC arbeite und nebenher den Haushalt führe, Znüni parat mache, Telefonkonferenzen abhalte, gleichzeitig den Lesezeit-Timer überwache und Gemüse rüste. Wir haben nun viel Zeit zusammen, zum gemeinsamen Kochen, zum Reden, für Brettspiele, sie helfen im Haushalt und erledigen mehr als ihre normalen Ämtli. Faktisch haben wir nicht mehr Zeit, aber die Zeit wird in dieser Situation anders eingeteilt, die Prioritäten haben sich verschoben. Unser gemeinsames Sein, unsere Gesprächsthemen und unser Austausch haben in diesen Wochen eine ganz neue Tiefe und gegenseitige Wertschätzung erfahren.

Wir reden auch darüber, was uns Angst macht; darüber, dass unsere gefühlte Sicherheit nicht mehr garantiert ist. Ich versuche, den Kindern die Sorgen zu nehmen und ihnen auch zu zeigen, in welchem Paradies wir hier leben: mit unserem Garten, dem nahen Wald, der finanziellen Sicherheit, den gefüllten Regalen im Volg. Ich schätze die erzwungene Verlangsamung und diese beschützende Halbisolation. Ich erkenne, was ich alles nicht brauche und auch, was mir sehr viel bedeutet. Ich schreibe es auf, dass ich es nicht wieder vergesse, wenn diese Krise hoffentlich bald vorbei ist. Was sicherlich nachhaltig in Erinnerung bleibt: Luftmaschenkette, einfaches Stäbchen, doppeltes Stäbchen, …

Franziska Brunner, Islisberg

Beisammen

Die Konfirmation eines ganzen Jahrgangs: verschoben, unsere beliebten Abend-Events: abgesagt, die Gottesdienste: fallen aus. Alle anderen Angebote: ebenso. Die Kirchgemeinde-Agenda damit: weitgehend leer. Auch ausserhalb der Kirche: Verschiebungen, Absagen, Ausfälle. Behördlich verordneter Rückzug ins Private – zurecht.

Gespräche ergeben sich jetzt, unter diesen Bedingungen, selten «von selber». Die Distanz zwischen uns ist gezwungenermassen grösser geworden. Man trifft sich kaum mehr an, ja: geht sich sogar, ganz sozial und folgsam, aus dem Weg.

Gleichzeitig ist das Bedürfnis nach Austausch und nach Zusammensein unverändert gross. Mindestens unverändert gross. Wir sind ja noch dieselben! Das stellt uns alle und auch ganze Systeme vor Herausforderungen – auch die Kirchen und uns Pfarrpersonen. Jetzt gilt es für uns deshalb, neue Kanäle zu nutzen, um weiterhin spürbar «da!» zu sein. Nicht einfach abwartend, sondern aktiv.

Und so habe ich vor zehn Tagen angefangen, mich bei vielen unserer Mitglieder, deren Telefonnummern oder Mailadressen wir kennen, nach ihrem Wohlergehen zu erkundigen. In weit über zweihundert Mails, weit über fünfzig Anrufen. Im Hintergrund immer die Fragen: Wie geht es, fehlt es an etwas – was kann ich als Pfarrer, was können wir als Kirche anbieten?

Die Reaktion: zunächst einmal eine Welle grosser Dankbarkeit. Da erkundigt sich jemand! Und dann: lange Gespräche, tiefgründige, teils sehr persönliche Mails. Berichte aus dem neuen Alltag, Hilfsangebote, ab und zu auch Frustabbau. Was bei aller Unterschiedlichkeit eint, ist die wiederkehrende Aussage: Mir fehlt der spontane Austausch, fehlt das Leben im Dorf, mir fällt bald die Decke auf den Kopf. Was die anderen wohl machen?

Die (Teil-)Isolation gibt zu knabbern. Viele von uns haben jetzt weniger Platz als gewöhnlich, dafür mehr Zeit. Zeit auch zum Nachdenken – während die Welt enger wird.

Auch ich habe viel nachgedacht, über vieles – unter anderem ist dieser Blog ein Ergebnis davon: Vielleicht kann ich damit mithelfen, die Isolation behelfsmässig zu überbrücken und das Nachdenken und Nachfühlen in unsere engen Welten hinauszuschicken? Auf dieser Seite wollen wir Erfahrungsberichte von Menschen aus der Region Kelleramt sammeln und streuen – damit Sie, liebe Leserin und lieber Leser, erfahren, wie es in den anderen Haushalten zu und her geht. Worüber Ihre Nachbarinnen sich Gedanken machen. Wie sich das mit dem Home Office im Alltag anfühlt. Ob es Tipps gibt, wie wir mit der ausserordentlichen Situation umgehen können, etc. Und natürlich: Der Blog soll auch willkommene und spannende Abwechslung bringen!

Was in den nächsten Tagen und Wochen folgt, sind also Beiträge aus dem Kelleramt für das Kelleramt (und gerne auch darüber hinaus). Dieser Blog ist ein Gemeindeschaftsprojekt – miteinander, füreinander und virtuell eng nebeneinander tauschen wir uns aus und erzählen uns gegenseitig von unserem Alltag, der vom Coronavirus beeinflusst wrd. Dabei gibt es immer auch die Möglichkeit zum Austausch: Jeder Beitrag kann kommentiert und diskutiert werden, wozu wir Sie herzlich ermuntern.

Und: Berichten auch Sie, wie es Ihnen geht, was Sie erleben, worüber Sie nachdenken – wir freuen uns auf Ihren Beitrag. Ich bin mir nicht nur sicher, ich weiss es: Auch Sie haben etwas zu erzählen!

Ich wünsche Ihnen alles Gute – und bleiben Sie gesund.

Reto Studer, Pfarrer