Blog in der Zeitung (1)

Der «Beisammen.ch»-Blog hat es in die Zeitung geschafft – genauer: in den «Bremgarter Bezirks-Anzeiger» von gestern Freitag, 17. April.

An dieser Stelle ein herzlicher Dank an all unsere Autor*innen – und liebe Leser*innen, neu wie «alt»: Schön, sind Sie hier!

(Wenn Sie im Kelleramt wohnen und einen eigenen Text einreichen möchten, so finden Sie hier ein paar Informationen dazu. Sie dürfen es sich aber auch erst einmal einfach gemütlich machen… In diesem Sinne: viel Freude beim Lesen!)

Wie die Psychotherapie jetzt helfen kann

Reto Studer (RS): Wie haben sich die Psychotherapie-Sitzungen verändert seit Beginn des Notstandes?

Jeanin Huber, Psychotherapeutin (JH): Als medizinische Leistung darf die Therapie noch in den Praxen durchgeführt werden – natürlich unter Einhaltung der BAG-Richtlinien sowie den Empfehlungen der FSP (Föderation der Schweizer Psychologinnen und Psychologen, der grösste Schweizer Berufsverband der Psycholog/innen). Aber was vorher die Ausnahme war, wird zur Regel – Therapie per Telefon und Videokommunikation. Denn viele Patientinnen und Patienten getrauen sich nicht mehr in die Praxis. Manche aus Angst, sich selbst anstecken zu können, andere, weil sie Angehörige auf keinen Fall gefährden möchten.
Wieder andere schätzen gerade die Möglichkeit, die Therapiesitzungen in der Praxis wahrzunehmen sehr, da sie dadurch einen guten Grund haben, das Haus zu verlassen oder es fällt leichter, sich zu öffnen, wenn man jemandem vis-à-vis sitzt. 
Durch die Einhaltung der BAG-Richtlinien schüttle ich keine Hände mehr zu Begrüssung und zum Abschied und halte stets zwei Meter Abstand, was zu Beginn gewöhnungsbedürftig war. 

RS: Was sind die Themen, die im Moment besprochen werden? Spielt das Coronavirus eine zentrale Rolle?

JH: Zu Beginn der Sitzungen vielleicht, jedoch sind eher die Auswirkungen des Notstandes vermehrt Thema: Personen, welche zuvor an Einsamkeit litten, tun dies oft noch mehr. Schüler/innen und Lehrlinge wissen nicht, wie es um ihre Prüfungen und den Abschluss des Schuljahres steht. Selbständige kämpfen um ihre Existenz. Bei manchen löst der ungewisse Zustand und die Einschränkungen vermehrt Ängste oder depressive Verstimmungen aus. Manche Dinge, die man gerne tut und welche uns Energie geben, sind aktuell nicht möglich, wie zum Beispiel die Teilnahme an einem Konzert, Kaffee trinken mit der Freundin, das Stöbern in einem Buchladen etc. Themen sind deshalb auch, was man alternativ tun kann und wie man seinem Tag eine Struktur geben kann. Da Paare und Familien plötzlich auf engerem Raum 24/7 miteinander auskommen müssen, können Paar- und Familienkonflikte zunehmen. Hier kann die Psychotherapie helfen, die Konflikte zu klären und neue Wege im Umgang mit der Situation zu finden. 

RS: Inwiefern verschärfen sich durch die neuen Umstände die bisherigen Probleme?

JH: Die aktuelle Situation erfordert von uns allen eine aussergewöhnliche Anpassungsleistung, was eine Stressbelastung darstellt. Probleme, die zuvor schon bestanden haben, können sich dadurch weiter verschärfen – oder aber es tauchen neue Herausforderungen auf wie beispielsweise Umgang mit Grenzen aller Familienmitglieder, weil plötzlich alle fast ständig zuhause sind. 

RS: Wie kann Psychotherapie helfen?

JH: Psychotherapie kann zur psychischen Entlastung und Stabilisierung beitragen. In der Therapie können wir alternative Verhaltensweisen erarbeiten, Strategien einüben, um negative Gedankenspiralen und Ängste zu hinterfragen und zu reduzieren, Paar- und Familienkonflikte aus anderer Perspektive betrachten und konstruktiver gestalten, depressive Verstimmungen reduzieren, Umgang mit Home Office und den eigenen Leistungsanforderungen klären und vieles mehr. Die Therapie wird dabei den Bedürfnissen, Themen und Anliegen der jeweiligen Person angepasst. Wir arbeiten mit den Patienten an ihrem Verhalten, ihren Gedanken und Gefühlen, beziehen aber auf Wunsch und unter Einhaltung der Vorgaben des BAG das Umfeld mit ein, indem wir bspw. ein Paargespräch führen.

RS: Was siehst du an psychischen und sozialen Problemen auf die Gesellschaft zukommen?

JH: Diese Frage wird sich erst im weiteren Verlauf des Jahres klären. Die aktuelle Situation stellt eine aussergewöhnliche Stressbelastung dar. Dies kann dazu führen, dass Personen, die zuvor schon am Limit liefen, jetzt «kippen» und psychische Probleme entwickeln. Diese können sich z.B. in Niedergeschlagenheit, Reizbarkeit und Aggression, Versagensängsten, Überforderungs- oder Minderwertigkeitsgefühlen äussern. Die Forschung zeigt zudem, dass es nach Quarantäne-Situationen zu Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit und Überforderung kommen kann und die Personen auch nach dem Lockdown Menschenmengen meiden. Wir sind hier, um diese Personen zurück auf dem Weg aus der Krise zu unterstützen.

RS: Was ist aus deiner professionellen Sicht interessant zu wissen?

JH: Es braucht oft Überwindung und Mut, uns aufzusuchen, wenn man noch nie Kontakt mit Psychotherapie hatte oder diese nur aus dem Fernsehen kennt. Wenn Sie jedoch nicht mehr weiterwissen oder alles, was Sie versuchen, um an Ihrer Situation etwas zu ändern, im Moment scheitert, möchte ich Ihnen ans Herz legen, dies auszuprobieren – «nützt’s nüt, schad’s nüt». Viele berichten, dass es hilft, die Situation mal mit einer aussenstehenden Person zu besprechen und neue Inputs zu bekommen. Es ist jedoch wichtig, dass Sie sich eine Fachperson suchen, die Ihnen wirklich zusagt. Zudem kann es auch einfacher sein, es mal «online» oder per Telefon auszuprobieren, weil man so in der vertrauten Umgebung bleiben kann. 

RS: Wie fährst du selber herunter? 

JH: Neben Spaziergängen, entspannenden Bädern, Sport, guten Gesprächen mit Familie und Freunden, finde ich unter anderem Yoga Nidra, Meditation und den Bodyscan sehr hilfreich.

Jeanin Huber, Psychotherapeutin, Arni

Tipps von Jeanin Huber:
Hier finden Sie psychologische und psychotherapeutische Unterstützung: http://www.psychologie-anderegg.ch/
Eine weitere Auswahl an Psychotherapeut/innen finden Sie unter: https://www.psychologie.ch/psychologensuche
Covid-19: Wie Sie häusliche Isolation und Quarantäne gut überstehen: https://www.psychologie.ch/covid-19-wie-sie-haeusliche-isolation-und-quarantaene-gut-ueberstehen

Wenn Krankheiten warten müssen

Mein Name ist Marcel Butti, ich bin Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, Manuelle Medizin und für Homöopathie und führe in Oberlunkhofen seit vielen Jahren eine Arztpraxis. Wie für alle ist für uns in der Praxis die Situation ganz neu, ich habe noch nie etwas Vergleichbares erlebt. Meine Eltern erzählten früher vom Aktivdienst und der Kriegszeit, das war sicher ähnlich einschneidend; für uns, die das nicht erlebt hatten, blieb es aber eine Erzählung.

Das erklärt vielleicht das gegenwärtige militärische Vokabular in den Nachrichten über den Feind, das Virus. Unheimlich ist es, weil es jeden treffen kann, wahrscheinlich meistens nicht schlimm, man kann aber nicht sicher wissen, ob man nicht auch schwer erkrankt. Die Schnelligkeit der Ausbreitung ist unheimlich.

Sicher grosse, noch ungelöste Probleme haben die vielen Menschen, die in Branchen arbeiten, die jetzt stillgelegt sind: kleine Unternehmen aller Art, der ganze Tourismusbereich, und viele andere mehr.

Nun versuchen wir in der Arztpraxis die Vorgaben umzusetzen, zu verstehen, die Nachrichten einzuordnen. Die «normalen» Krankheiten haben zu warten, das schmerzhafte Hüftgelenk wird noch nicht operiert. Wir haben entsprechend paradoxerweise wenig zu tun. Für die Intensivstationen sind wir nicht ausgebildet und können dort nicht einfach Fachleute unterstützen.

Privat geht es mir wie allen anderen auch: Kontakte reduzieren, keine weiten Ausflüge, keine Restaurant-Besuche, die Haare werden länger. Man kocht mehr, telefoniert wieder mehr als nur, um Nachrichten zu tauschen, damit man wieder eine Stimme hört. Ich bin mehr auf mich selber beschränkt, kann mich weniger mit allerlei ablenken.

Den Verschwörungstheorien muss ich oft entgegentreten, den Propheten der Apokalypse, die nun ihre Stunde kommen sehen, den Wichtigtuern.

Wie das weitergeht weiss niemand so klar; nur, dass es so schnell wieder wird wie vorher, glaubt niemand wirklich. Die ganzen politischen Auswirkungen und Nachbeben weltweit kommen ja noch dazu.

Bleiben Sie gesund.

Dr. Marcel Butti, Hausarzt, Oberlunkhofen

Virtuelle Klassenstunde

Vor gut drei Wochen habe ich das letzte Mal die Kanti Wohlen betreten, bin in einem Klassenzimmer gesessen und habe in der Mittagspause mit meinen Klassenkameraden Kartenspiele gespielt. Seither hat sich vieles verändert. Mein Zimmer ist zu meiner Schule geworden, der Esstisch zur neuen Mensa, mein Schreibtisch zum Klassenzimmer. Was vor fünf Wochen damit begonnen hat, dass unsere Schul-WCs mit Desinfektionsmittel ausgestattet wurden und unser Chorkonzert plötzlich auf der Kippe stand, da die Bewilligung noch nicht erteilt wurde, hat unseren Alltag in nur wenigen Tagen völlig auf den Kopf gestellt.

So richtig etwas unter Fernunterricht vorstellen konnte sich zu Beginn keiner. Es herrschte Überforderung auf beiden Seiten: Unsere Lehrer versuchten uns übergangsweise irgendwie zu beschäftigen und wir Schüler mussten uns erstmal mit der Masse an Aufträgen, die von überall auf uns einprasselten, zurechtfinden. Dabei war das grösste Problem die Organisation und den Überblick nicht zu verlieren: Die Aufgaben wurden uns nämlich nicht gebündelt mitgegeben, sondern jeder Lehrer hatte seine Präferenzen, wie und wann er uns beschäftigte und ob, wann und wie wir die Aufgaben abgeben mussten.

Glücklicherweise hat sich in den drei Wochen Home Schooling einiges geändert: Alle Lehrer arbeiten mittlerweile mehr oder weniger einheitlich mit einem einzigen Programm und meist werden uns auch die Aufgaben frühzeitig anfangs der Woche mitgeteilt, sodass wir uns die Arbeit selber einteilen können. Dazwischen haben wir über die Woche verteilt ein paar Videokonferenzen – falls der Lehrer diese anordnet.

Der Online-Unterricht erfordert auf jeden Fall Kreativität von beiden Seiten: Jeder Tag bringt etwas Neues mit sich. Beispielsweise musste ich die Präsentation meiner Projektarbeit als Video aufnehmen und dann zusammenschneiden; der Klavierunterricht findet nun auch per Videokonferenz statt.

Ein Punkt, der mir und meinen Mitschülern besonders zu Beginn Mühe gemacht hat, ist die plötzliche Selbstverantwortung. Während die Freiheit, aufzustehen, zu essen oder zu arbeiten (oder eben auch nicht zu arbeiten) wann und wo man will durchaus verlockend ist, birgt sie auch die Gefahr, bis zum Mittag zu schlafen, stundenlang Serien zu schauen oder das schöne Wetter im Garten mit einem guten Buch zu verbringen. Aber mit ein bisschen Selbstdisziplin, einer mehr oder weniger klar geregelten Tagesroutine und etwas Durchhaltevermögen geht auch das mittlerweile.

Was die soziale Interaktion betrifft, hätte ich gedacht, dass ich als introvertierte Person kaum Probleme haben würde. Ich musste jedoch feststellen, dass es einen Unterschied macht, ob ich mich freiwillig tagelang in meinem Zimmer verschanze oder es mir tatsächlich verboten ist, mich mit anderen zu treffen. Zwar ist unser Klassenchat so aktiv wie noch nie zuvor und wir Mädchen verabreden uns jede Woche zum Video-Yoga (ja, auch der Sportunterricht wird weitergeführt) – und sogar eine Geburtstagsparty via Skype wurde bereits für eine Kollegin organisiert; aber natürlich ersetzt das alles nicht den persönlichen Kontakt. 

Den Unterricht zuhause fortzusetzen kann mitunter mühsam sein, ist aber durchaus machbar. Das, was aber am meisten fehlt, ist die gemeinsame Zeit zwischen den Lektionen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass nach den Frühlingsferien der Schulunterricht völlig normal weitergeführt wird, ist klein. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als abzuwarten, zu versuchen, mit dem Stoff mitzukommen und bis dahin weitere Yogalektionen oder gemeinsame Mittagessen per Videochat zu organisieren. Wer hätte gedacht, dass wir die Schule mal so vermissen würden? ;)

Samira Bosshard, Kantischülerin, Rottenschwil

Grenzen und Leid in der Hausarzt-Praxis

Meine Begegnungen in der Hausarzt-Praxis mit meinem Team und mit meinen Patienten haben sich mit dem Corona-Virus schlagartig und massiv verändert. Natürlich wollen wir weiterhin unsere Patienten gut betreuen, sie begleiten, sie untersuchen, ihnen Empfehlungen abgeben können. Aber neu gibt es eine Distanz, welche wir einzuhalten versuchen, einhalten müssen. So gibt es keine berührende Begrüssung mehr, ein Lächeln nur noch mit den Augen, da das eigentliche Lächeln unter der Maske liegt. Und dann haben wir aktuell viel mehr Telefon- oder E-Mail-Konsultationen, welche aber nicht einer normalen Konsultation gleichwertig sind. Aber immerhin: Wir können diese Kommunikation führen.

Daneben existiert aber eine grosse Verunsicherung auf Seiten der Patienten. Sind sie noch willkommen, ist ihr Anliegen nicht eine Bagatelle, auf welche jetzt verzichtet werden soll? Belasten sie mit ihrem Leiden nicht unnötig das Gesundheitssystem? Klare Antwort dazu: Natürlich sind die Patienten weiterhin willkommen bei uns. 

Die viel schwierigere Entscheidung steht an, wenn es um eine nötige Hospitalisation geht, ganz ohne eigener Corona-Erkrankung, sondern mit Erkrankungen, welche auch trotz Corona noch da sind. Will ich aktuell ins Spital, wo ich keinen Besuch haben kann? Vertraue ich dem Spital, dass ich dort nicht mit Corona infiziert werde? Wollen wir unsere Mutter für die letzte Lebensphase, zum Sterben ins Spital oder in eine Palliativstation geben, wenn sie dort ohne unsere Begleitung den letzten Lebensweg gehen muss? Für die allerletzten Schritte könnten wir vielleicht noch einzeln für kurze Zeit vorbeigehen… Schaffen wir das auch zu Hause? Wer unterstützt uns? Können wir uns vorstellen, die Kraft dazu zu haben? Wenn nicht, sind wir dann feige oder grausam? 

Das sind ganz schwierige Fragen, welchen sich unsere Patienten bewusst oder unbewusst stellen und welche somit die Weichen stellen, ob sie uns überhaupt über ihr Leiden informieren.

Und dann liegt es an uns, mit dem Patienten, seinen Angehörigen und in Anbetracht des Systems, in welchem sie leben, zu entscheiden, wie wir sie unterstützen können, wo die Grenzen liegen und welche Schritte als nächste getan werden. Immer individuell. Und unsere Grenzen verschieben sich oder stellen sich unseren Wünschen einer optimalen Behandlung in den Weg.

Diese Zeit ist nicht nur zum Entschleunigen da, um die Prioritäten richtig ordnen zu können, den Lebenswert wieder zu sortieren. Nein, es ist auch eine Zeit mit sehr viel Leid, mit viel Leere, mit Nicht-Vollbrachtem wie zum Beispiel dem Nicht-Begleiten-Können in der Sterbephase, sowohl bei Corona-Patienten wie auch bei anderen sterbenden Menschen. Das ist eine grosse Belastung für die Hinterbliebenen, aber auch für die Professionellen im Spital. Und da wird es in der Nach-Corona-Zeit viel zum Aufarbeiten geben.

Auf viel Gott-Vertrauen und Kraft – für jetzt und später.

Corina Bürgi-Feld, Hausärztin und Kirchenpflegerin, Arni

Unfreiwilliges Saisonende

So viel zuhause sein. So viel Zeit mit der Familie verbringen. Den ganzen Tag mit meiner Tochter spielen, kochen, backen, basteln und was ihr sonst noch alles in den Sinn kommt. Einige Male habe ich mir das in den letzten zwei Jahren gewünscht. Jetzt ist es so. Nicht freiwillig, sondern aufgrund der vom Bundesrat ausgerufenen «ausserordentlichen Lage». Und ich geniesse es, jeden Tag so viel Zeit daheim bei meiner Familie zu sein.

Ich bin Berufssportler. Genauer gesagt Eishockeyspieler und habe es geschafft, dass ich für das Ausüben meines Hobbys bezahlt werde. Seit Mai 2018 spiele ich für den SC Bern. Da mein Vertrag in Bern auf nur zwei Jahre beschränkt ist, haben wir uns entschieden, eine kleine Wohnung in Bern zu mieten und an zwei Orten zuhause zu sein. 

Meine Frau arbeitet montags und dienstags in Zürich. Am Dienstagabend macht sie sich mit unserer dreijährigen Tochter auf den Weg nach Bern. Dort bleiben sie bis am Donnerstagabend und fahren dann nach Hause. Ich hingegen bin von Montag bis Samstagnacht in Bern und mache mich samstags nach den Spielen auf den Nachhauseweg. So können wir immerhin die Hälfte der Woche zusammen verbringen. So war es die letzten zwei Jahre. Das soll kein Jammern sein! Wir haben uns zu diesem Schritt entschieden und ich bin meiner Frau unendlich dankbar dafür. Sie hat mir die Chance gegeben, gegen Ende meiner Eishockeykarriere in der letzten Saison mit dem SCB Schweizermeister zu werden.

In der jetzigen Saison war ich sehr viel verletzt. Von 50 Qualifikationsspielen konnte ich nur gerade 14 bestreiten. Alle anderen verpasste ich aufgrund von Verletzungen. Seit Mitte Januar habe ich kein Mannschaftstraining zu 100% mitmachen können und war damit beschäftigt, wieder fit und gesund zu werden für die Playoffs/Playouts, welche am 7. März hätten beginnen sollen.

Wenn alles rund läuft und wir drei Spiele pro Woche haben, vergeht die Zeit schnell. Vor allem dann, wenn wir noch erfolgreich sind wie letzte Saison. Bei häufigen und langen Verletzungen und wenn es dem Team nicht läuft, nehmen die Tage und Wochen jedoch kein Ende. Und so war es in den letzten fünf Monaten.

Kurz vor den letzten zwei Qualifikationsrunden Ende Februar wurden Veranstaltungen mit mehr als 1000 Personen verboten. Für uns hiess das zwei Spiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Wir waren noch mitten im Kampf um die Playoffplätze. Als nach diesem Wochenende klar war, dass wir die Playoffs verpasst haben und die Liga zwei Wochen pausieren wird, war es für das ganze Team sehr schwierig, motiviert zu bleiben. Ich persönlich war so weit von der Verletzung genesen, dass ich wieder langsam ins Teamtraining einsteigen konnte. Einerseits war ich überglücklich, wieder mit dem Team trainieren zu können, andererseits wussten wir nicht, ob die Saison noch weiter geht und ob es mir überhaupt reichen würde, gesund zu werden. Am 7 März wurden wir informiert, dass die Meisterschaft am 17. März weitergeht. Also wurde wieder mit voller Motivation und Intensität trainiert. Ich spürte leider, dass die Verletzungen bei hoher Trainingsintensität noch zu wenig verheilt sind. Einmal mehr ein Schritt zurück, während meine Teamkollegen sich auf die heisse Phase vorbereiteten.

Am 12. März, fünf Minuten vor Trainingsbeginn, war klar, dass die ganze Meisterschaft abgesagt wird. Was für ein Saisonende! Welch ein Unterschied zum letzten Jahr, als die Saison mit dem Meisterumzug durch die Berner Altstadt vor Tausenden von Fans beendet wurde.

Für einen Spieler, welcher nächste Saison nicht mehr beim gleichen Club spielt, heisst es dann Garderobe räumen, alles einpacken, was nicht mehr benötigt wird entsorgen oder verschenken. Normalerweise geschieht das etwa zehn Tage nach dem Meisterschaftsende. Nach ein paar durchzechten Nächten mit dem Team, nach einem Teamtrip in eine andere Stadt oder in die Berge und nach diversen Sponsorenanlässen und Fanevents. Aber dieses Jahr schon einen Tag nach Saisonende. Am 13. März war ich mit Sack und Pack auf dem Weg nach Hause. Als ein paar Tage später Gerüchte über eine Ausgangssperre aufkamen, entschieden wir uns, so schnell wie möglich unsere Wohnung in Bern zu räumen. Das wars dann: «Tschou Bärn».

Jetzt ist unsere Garage vollgestopft mit Möbeln, Kleidern und Hockeyutensilien. Unser Projekt für die nächsten paar Wochen steht somit fest: Garage und Haus entrümpeln und auf Vordermann bringen. 

Unser Leben ist im Moment komplett auf den Kopf gestellt. Ich bin die ganze Zeit zuhause. Montags und dienstags, wenn normalerweise die Grosseltern und die Kita zu unserer Tochter schaut, sind Papitage. Am Mittwoch gehe ich für meine beiden Grosseltern und Tante einkaufen. Kontakt zu unseren Eltern und Freunden haben wir nur noch per Facetime. Veloausflüge, spazieren gehen, Trottifahren, «brötle» und im Garten spielen gehört zum Tagesprogramm.

Es tut auch gut, dem geschundenen Körper eine Pause zu geben. Im Moment verzichte ich komplett auf das Training. Es ist das erste Mal in 16 Jahren als Profisportler, dass ich richtig viel Zeit habe, meinem Körper Erholung zu gönnen. Auch die anderen Spieler machen im Moment «Ferien». Gezwungenermassen. Denn sobald es die Situation wieder erlaubt, wird das harte Sommertraining, in welchem die Basis für die Meisterschaft im Winter gelegt wird, beginnen.

Wo, wann, wie und ob es bei mir im Eishockey weitergeht, weiss ich noch nicht. Ich habe jetzt viel Zeit, auf meinen Körper zu hören und die Zeit mit meiner Familie zu geniessen.

Matthias Bieber, Eishockey-Profi, Jonen

Das Wunder des Lebens in Zeiten von Corona

Als Hebamme in einem Geburtshaus darf ich Familien in ihrem Start begleiten. Voraussichtlich im Juni dürfen auch wir in unserer Familie ein neues Glückskindchen willkommen heissen. Im Moment versuchen wir daheim, das Familienleben in seiner Eingeschränktheit mit unserer Unternehmungsfreude zu vereinbaren, und verbringen sehr viel Zeit in der Natur, zusammen mit den Kindern.

Betreffend der sozialen Isolation habe ich natürlich klar einen beruflichen «Vorteil». Ich muss raus zum Arbeiten. Zurzeit erlebe ich dies sehr zwiegespalten. Auf der einen Seite Familien mit grossen Bedenken und Ängsten, auf der anderen Seite dieses riesige Glück, was sie einfach mit ihrem Familienwunder erleben dürfen.

In den Schweizer Spitälern dürfen die Papas zurzeit nur noch mit zur Geburt. Das Wochenbett verbringen die Mamas alleine. Dies ist verständlicherweise ein grosser Einschnitt ins Ankommen als Familie und leider ist es auch nicht allen Mamas möglich, ambulant zu gebären und dann nach Hause zu gehen. Im Geburtshaus dürfen die Papas bisher zu Besuch kommen, da wir alles Familienzimmer haben. Aufgrund dessen ist die Nachfrage nach unserem Angebot enorm gestiegen und wir mussten einen Aufnahmestopp vollziehen. Das heisst, wir haben derzeit auch sehr viel Arbeit, müssen uns möglichst alle gesund halten und natürlich auch all die neuen Massnahmen des BAG zeitnah umsetzen. Eine ganz schöne Herausforderung für alle.

Insbesondere das «Abstandhalten» finde ich bei der Geburtsbegleitung ein schwieriges Thema. Die Übergänge des Lebens – Geburt und Tod – erfordern Nähe. Natürlich gibt es Schutzmassnahmen, die wir ergreifen, wie Masken und regelmässige Kleiderwechsel, neben der auch sonst üblichen Handhygiene und -desinfektion. Aber dennoch, man ist sich einfach sehr nahe.

Mir persönlich macht dies primär keine Sorge bezüglich eines Infekts, welcher mich betreffen könnte. Aber ich halte mich dafür im Privatleben sehr zurück, um wirklich auch nichts weiter zu streuen, sollte ich betroffen sein.

Gerade in der jetzigen, für viele ziemlich instabilen Zeit, ist es mir umso wichtiger, den Familien einen geborgenen und sicheren Hafen zu bieten, wo sie landen dürfen. Und diese Wunder des Lebens geschehen weiterhin… Tag für Tag… Es interessiert sie nicht, ob Corona da ist oder nicht…

Inmitten dieses Wandels dürfen die Eltern aber auch mit neuer Ruhe ins Familienleben segeln. Anstelle von haufenweisen Besuchern, die verständlicherweise auch alle dieses kleine neue Glücksbündel bestaunen und halten wollen, tritt nun Ruhe und Einkehr, die eigentlich in der Wochenbettzeit auch da sein sollte. Selten trauen sich Eltern im normalen Alltag, ihre Bedürfnisse nach Zeit für sich als junge Familie zu formulieren. Nun ist es eine Selbstverständlichkeit. Was natürlich nicht ausschliesst, den jungen Familien mal einen frischen Obstkorb oder einen selbstgebackenen Kuchen zur Stärkung vor die Tür zu stellen…

Caroline Müri, Hebamme, Jonen

Der Laubfrosch

Im Gelbstern-Weihnachtsstern hat mein Laubfrosch überwintert!
Entdeckt! Ich hab‘ die verfrorenen, verwelkten Blätter weggenommen.
Ganz, ganz fein bemerkte ich, dass da, in ein zerknittertes grünes Blatt eingegraben, etwas wie ein bisschen plustert.
Ich schaute nochmals, nochmals genauer hin – mein Laubfrosch!
Ein Glücksfrosch! Und – nachmittags hat er sogar ganz laut gequakt.

Rita Staubli-Eichholzer, Oberlunkhofen

Ostertage

Mein Alltag als Alte mit bald 76 Jahren hat sich noch mehr verlangsamt als vor der Corona-Krise. Das gefällt mir. Ich freue mich über die grosse Ruhe, die will­kommene Stille, die gute Luft, die meditativen Spaziergänge in den nahen Wäldern und Feldern und vor allem über das wunderbare Frühlingswetter. Ich bin fast den ganzen Tag draussen im Garten und staune über die vielen bunten Frühlingsblumen und die grosse, blühende Glyzinie an der Hauswand. Meinen vor drei Wochen gepflanzten Baby-Leaf-Salat begrüsse ich täglich und schwatze mit ihm. 

Ich höre Vögel zwitschern, lausche ihrem Gesang, beobachte ein Elsternpaar in den nahen Bäumen und bin sehr dankbar, dass ich in einem Haus mit Garten auf dem Land wohnen darf. Mein Tages- und Nachtrhythmus hat sich verändert. Oft gehe ich um Mitternacht oder später ins Bett und stehe so um 9 Uhr auf. Das passt mir. Ich bin schon immer eine chronobiologische Eule gewesen; jetzt verstärkt sich dieses Bedürfnis noch mehr. Die Nächte sind nie ohne kürzere oder längere Wachphasen, doch das störte mich schon vorher überhaupt nicht. Den Tag so zu gestalten, wie er sich gerade präsentiert, finde ich sehr schön. Ich brauche keine Strukturen mehr, damit ich mich wohl fühle. Ich lebe vermehrt im Augenblick und tue gerade das, was für mich stimmig ist. Ich esse, wenn ich Hunger und Lust habe.  

Vor ein paar Tagen habe ich begonnen, glatte, runde Steine anzumalen, die ich im Reussdelta bei Flüelen vor ein paar Wochen gesammelt habe. Steine faszinieren mich seit eh und je. Wenn ich an einem Fluss oder See entlang wandere, sticht mir oft ein Stein ins Auge, den ich dann als wunderbaren Schatz des Tages mit nach Hause nehme. Die Steine aus der Ruinaulta sind die schönsten. So ist mittlerweile eine beachtliche Stein-Sammlung entstanden, die unser Gartenmäuerchen ziert.

Nachrichten über das Corona-Virus höre und lese ich nicht mehr so häufig wie zu Beginn des Ausbruchs. Ich spüre, dass ich mit diesen Schreckensmeldungen nicht gut zurande komme. Ich fühle mich oft ohnmächtig; die Bilder aus Italiens Spitälern machen mich sehr traurig.

Unsere Dirigentin des Seniorensingkreises schickt uns immer wieder Lieder. Beim ersten Lied, «unser Vater», das sie uns übermittelte, kamen mir gleich die Tränen vor Rührung. So schön und passend! Mittlerweile singe ich fast täglich eines der Lieder aus unserem Fundus am Bildschirm.

Wie gut, sind wir digital vernetzt! Ich finde es erstaunlich, wie einfallsreich die Menschen werden, um neue Kontaktmöglichkeiten in dieser Krise aufzubauen. So kann ich auf YouTube zum Beispiel auch das Einsingen übenIch schätze die vielen Kontakte über WhatsApp und Mail. Viele Videos trudeln täglich ein, die ich jeweils gezielt weiterleite. Auch telefoniere ich öfter als zu anderen Zeiten. 

In den Büchergestellen zu stöbern und alte Bücher wieder zu lesen, finde ich ebenfalls sehr schön und spannend. Es fällt mir auf, dass  der Inhalt wieder ganz neu ist oder ich ihn unter anderen Blickwinkeln betrachte.  

Auf einem Wandbehang, den meine Schwiegermutter vor unzähligen Jahren gestickt hat, steht ein Spruch von Andreas Gryphius, den ich gerade jetzt so passend finde:

«Mein sind die Jahre nicht,
die mir die Zeit genommen;
mein sind die Jahre nicht,
die etwa mögen kommen;
der Augenblick ist mein,
und nehm’ ich den in acht,
so ist der mein,
der Zeit und Ewigkeit gemacht.»

Ergänzend steht:

«Was Gott ist, wird in Ewigkeit kein Mensch ergründen,
doch will er treu sich allezeit mit uns verbünden.
Gott spricht zu dir durch die heiligen Berge:
Sei still, wisse ich bin Gott.»

Ruth Baumann, Oberlunkhofen

Chinderhuus / Chinderhort Sternschnuppe

Ich heisse Janine Fröhli und bin die Gründerin und Leiterin vom Chinderhuus und Chinderhort Sternschnuppe in Jonen. 

Zu meinen Hauptaufgaben gehört, dass ich für einen reibungslos funktionierenden Betrieb verantwortlich bin. Ich beschäftige mich mit dem Personal, mit der Administration und mit pädagogischen Aufgaben. Ich bilde die Lernenden in unserem Betrieb aus und trage die Verantwortung für die uns anvertrauten Kinder. Auch die Elternarbeit ist ein wichtiger Bestandteil meiner Tätigkeit. 

Seit Anfang März hat sich mein Aufgabengebiet enorm verändert. Als die Schulen schweizweit geschlossen wurden, habe ich angefangen zu realisieren, was das alles für Auswirkungen auf meinen Betrieb haben kann. Die grösste Angst war, die Krippe über eine längere Zeit schliessen zu müssen. Viele Fragen schwebten durch meinen Kopf, die mir aber zu dem Zeitpunkt niemand beantworten konnte: Bleibt die Krippe offen oder muss sie geschlossen werden? Was geschieht mit unseren monatlichen Einnahmen? Wie begleiche ich alle Ausgaben wie Löhne, Miete, Rechnungen? Was geschieht mit meinen Angestellten / Lernenden? Können wir die Abschlussprüfung Mitte März wie geplant durchführen?

Das Schwierigste für mich war meine eigene Überforderung mit der Situation sowie die Angst, den über Jahre aufgebauten Betrieb nicht mehr über Wasser halten zu können. 

Mit dieser Unsicherheit kamen auch viele Eltern auf mich zu. Oft wurde ich gefragt, wie es nun weitergeht. Die Hygienemassnahmen wurden sofort aktualisiert. Die Eltern wurden fortlaufend über die aktuellen Anweisungen des Bundes informiert. Während dieser Zeit mussten wir einen Tag nach dem anderen in Angriff nehmen und mit dieser Ungewissheit leben. 

Am 20. März erhielten wir das erlösende Schreiben: Das Kinderbetreuungsangebot im Kanton Aargau soll aufrecht erhalten bleiben. Das war eine riesengrosse Erleichterung für die Eltern, mich und meinen Betrieb. Ab diesem Tag stellten wir uns voller Motivation unseren neuen und herausfordernden Aufgaben. 

Die Schultage unserer Lernenden finden nun bei uns in der Krippe statt. Die Anzahl der betreuten Kinder ändert sich von Tag zu Tag. Die Familien entscheiden selber, ob sie ihre Kinder in die Krippe / Hort bringen. An einem Tag sind fast alle Kinder da, am darauffolgenden nur noch ein Drittel. Flexibel und spontan planen wir die Arbeit mit den Kindern. Jeden Morgen werden die Hortkinder mit Aufgaben gefördert. Trotz dieser turbulenten und irrealen Zeit versuchen wir, den Kindern einen schönen Tag mit ihren Freunden zu bereiten. Der Alltag wird angepasst und wir schätzen sehr, dass wir zur Arbeit gehen dürfen. Die gewohnten Abläufe in der Krippe geben uns eine gewisse Normalität zurück. 

Bis jetzt haben wir das Glück, dass sich niemand im engeren Umfeld mit dem Virus infiziert hat. Jedoch ist uns bewusst, dass mit dem täglichen Kontakt der Kinder und deren Familien ein erhöhtes Risiko besteht. Wir unternehmen alle Anstrengungen, um die Ausbreitung des Coronavirus nicht voranzutreiben.

Wir versuchen, positiv in die Zukunft zu blicken, und geben jeden Tag unser Bestes.

Janine Fröhli, Chinderhuus und Chinderhort Sternschnuppe, Jonen

Wir erkennen uns an den Stimmen und Schuhen

Ich arbeite als Pflegefachfrau in einem grossen Spital. Ich bin verheiratet und habe zwei Kinder im Alter von knapp sechs und vier Jahren. 

Als ich Ende Februar auf meine Station im Spital kam und meinen Spätdienst antreten wollte, hatte ich das Gefühl, ich sei im falschen Film. Auf dem ganzen Stock herrschte reges Treiben. Die Brandschutztüren wurden geschlossen, um so eine klare Abgrenzung zu den zukünftig erwarteten Covid-19-Patienten vorzunehmen. In einer fast zweistündigen Sitzung wurden wir über das weitere Vorgehen mit den Corona-Patienten informiert. Wir wurden instruiert, wie wir nun die Isolations-Zone einrichten müssen, wie wir uns zu schützen haben und was wir im Umgang mit den Patienten beachten müssen. Nun war ich das erste Mal verunsichert. Bis anhin dachte ich immer, dass dieser Virus uns nicht gross betreffen würde. Den ganzen Abend haben wir Patientenzimmer umgestaltet, Material vorbereitet, uns überlegt, was wir brauchen und wie wir uns am besten organisieren. Bereits am späteren Abend holten wir den ersten Patienten mit Verdacht auf Covid-19 zu uns auf die Abteilung. Ich hoffte, dass ich bald aus diesem Albtraum erwachen würde. 

Das Gegenteil traf ein. Es folgten täglich Corona-News. Auch mein Arbeitsalltag im Spital war komplett verändert. Ganze Stationen wurden leergeräumt, damit mehr Betten für Covid-19-Patienten zur Verfügung stehen. Teams wurden mit mehr Personal aufgestockt, neue Arbeitspläne geschrieben, Abläufe angepasst, um nur wenige Stunden später wieder komplett geändert zu werden. Neue Informationen gab es fast halbtäglich und was am Morgen noch galt, war am Nachmittag bereits wieder ganz anders. 

Zu Beginn betreuten wir noch viele Verdachtsfälle, inzwischen sind die meisten Patienten positiv getestet. Aktuell sind die meisten allein in einem Zimmer. Wir Pflegenden betreten die Zimmer nur in voller Schutzmontur; wir tragen Haube, Schutzbrille, Mundschutz, Schürze und Handschuhe. Viel ist von uns also nicht zu sehen. Die Patienten können uns auch fast nicht voneinander unterscheiden (auch wir erkennen uns nur noch an den Stimmen und den Schuhen). Meist rufen wir vor dem Betreten der Isolationszone die Patienten an und fragen nach, ob sie noch etwas Bestimmtes brauchen. Denn wenn wir einmal angezogen sind, kommen wir nicht mehr so rasch aus der Zone. Das Arbeiten unter den Schutzkleidern ist anstrengend. Wir schwitzen und beim Atmen läuft immer wieder die Schutzbrille an und bestimmt juckt es noch irgendwo im Gesicht, welches natürlich absolut nicht berührt werden darf. Es braucht eine grosse Konzentration, damit die Hygieneregeln eingehalten werden und dadurch auch unsere Sicherheit gewährleistet ist. 

Ich erlebe die Patienten in dieser ungewohnten Situation sehr dankbar. Sie dürfen keinen Besuch erhalten und das Zimmer nicht verlassen. Wir sind also die einzigen Personen, welche sie momentan zu Gesicht bekommen, und sie freuen sich über die Abwechslung. Vielen geht es aber den Umständen entsprechend gut. Das Heimtückische an diesem Virus ist wohl die Atemnot, welche sehr rasch einsetzen kann. Dies führt leider auch immer wieder zu unschönen und belastenden Situationen für uns Pflegende. 

Wir sind gerüstet und warten täglich auf die Welle, von welcher der Bund spricht. Wir wären bereit, sind aber auch dankbar, wenn diese gar nicht erst eintritt. Es ist eine äussert herausfordernde Zeit für das Pflegepersonal. Wir müssen vieles meistern, was uns vor zwei Monaten noch unmöglich erschienen wäre. Dies braucht unter anderem Geduld, weil Abläufe immer noch nicht richtig funktionieren, gute Ideen immer noch nicht umgesetzt sind oder weil Abmachungen immer noch nicht von allen eingehalten werden oder schon wieder wichtige Informationen verpasst wurden. Wir freuen uns, wenn möglichst bald wieder der «Normalzustand» eintritt. 

Auch zu Hause stellt uns die neue Situation vor Herausforderungen. Der Kindergarten, die Spielgruppe, die Jugi, die Gspändli, die Grosseltern; dies alles fehlt und wird vermisst. Das Treffen mit den Grosseltern wird mit Anrufen über Face-Time überbrückt. So können trotz Distanz Gebasteltes, Gebautes, Zeichnungen gezeigt und Erlebnisse erzählt werden. Dieser Anruf hat sich fest in unseren Tagesablauf integriert und ist wohl für beide Seiten gleichermassen wichtig geworden. Die Kinderbetreuung musste spontan neu organisiert werden; gar nicht so einfach, wenn man nicht einfach wie gewohnt auf Familienmitglieder und/oder Freunde zurückgreifen kann. Denn auch mein Mann darf noch extern arbeiten. Er führt einen Industriebetrieb. Natürlich ist auch dort die Arbeit betroffen. Viele Fragen und Unsicherheiten stehen im Raum, Kurzarbeit ist angemeldet und auch hier ist die Hoffnung, dass die Krise bald überstanden ist. 

Auch wenn unser Alltag momentan stark eingeschränkt ist, geniessen wir die geschenkte Familienzeit und sind uns sicher, dass wir in ein paar Wochen unsere Freizeit mit Familie, Freunden und Ausflügen wieder viel mehr schätzen werden. 

Bis dahin wünsche ich allen weiterhin viel Gesundheit, Durchhaltewillen und Energie für diese schwierige und sehr spezielle Zeit.

Daniela Heggli, Pflegefachfrau, Oberlunkhofen 

Zwischen Blaulicht und Mitgefühl

Ich heisse Barbara Eberle und lebe zusammen mit meiner neunjährigen Tochter Anina in Staufen. Ich bin Diplomierte Rettungssanitäterin HF und Teamleiterin im Rettungsdienst der Asana Spital Menziken AG. In meinem Beruf arbeite ich genau seit 20 Jahren – nach wie vor mit Leib und Seele. Ich kann mir nichts Besseres, Spannenderes oder Schöneres vorstellen. Ich leite zusammen mit dem Bereichsleiter der perioperativen Pflege den Rettungsdienst und rücke neben den administrativen Arbeiten immer noch regelmässig aus.

Zurzeit dreht sich auch bei uns innerhalb des Spitals und natürlich auch im Rettungsdienst alles um die Corona-Krise. Das Spital Menziken gleicht einer Festung; hinein kommen nur noch die Mitarbeitenden und Patienten. Angehörige dürfen nur noch zu Besuch, wenn ihre Liebsten im Sterben liegen. Dies ist nicht einfach – weder für die Besuchenden noch für die Patienten. 

Das Personal arbeitet immer mit einer Maske und wir dürfen nur noch mit grossem Abstand zusammensitzen. Eine ganze Station wurde zur Isolationsstation umgebaut. Hier sind nur noch Patienten, welche Corona-positiv getestet wurden. Wir im Rettungsdienst tragen immer Maske, Schutzbrille und Handschuhe – bei Corona-Verdacht sogar noch eine Überschürze. Nach dem Einsatz desinfizieren wir das gesamte Material und den Patientenraum des Rettungswagens. 

Im Moment haben wir Corona-bedingt mehr Einsätze. Aber auch das ganz normale Tagesgeschäft ist zusätzlich und wie gewohnt zu bewältigen; Herzinfarkt, Schlaganfall, Verkehrsunfall oder eine einfache Verlegung. Mit fadem Beigeschmack: Unser Auftreten in Maske und Schutzbrille erschreckt gewisse Patienten. Aber schlussendlich sind sie auch froh, dass wir da sind und die Schutzmassnahmen einhalten.

Die Menschen sind verunsichert: Was kommt da noch auf uns zu? Wie soll es nach der Krise weitergehen? Dies merken wir auch an den Einsätzen. Nicht selten rücken wir wegen Angstzuständen aus oder zu familiären Konflikten. Viele sind es sich nicht gewohnt, so lange so nahe beieinander zu sein – dies zusammen mit der Unsicherheit gegenüber dieser ungewohnten Situation schürt Ängste und Aggressionen. 

Ich werde häufig gefragt, ob ich wisse, wie es weitergeht. Ich weiss es nicht. Ich bin genauso unsicher und gespannt, was diesen Sommer noch auf uns zukommt und was wir noch zu bewältigen haben. Ich weiss aber auch, dass wir in der Schweiz und auch im Kanton Aargau eine hervorragende medizinische Versorgung haben. Die Zusammenarbeit zwischen den Zentrumsspitälern und den Regionalspitälern ist sehr gut und zeigt, dass es alle dazu braucht. Ebenfalls schön ist die Wertschätzung, welche uns Mitarbeitenden im Gesundheitswesen aktuell zugetragen wird. Ich wünsche mir, dass dies noch weit über die Corona-Krise hinweg bestehen bleibt. 

Für mich hat sich im Beruf nicht viel verändert. Ich handle immer nach bestem Wissen und Gewissen und halte mich an die Vorgaben, das tue ich auch privat. Ich freue mich aber jetzt schon, wenn wir wieder nach draussen gehen dürfen, zusammen in ein Café sitzen und uns in den Arm nehmen können. Auch wenn es noch ein Weilchen dauern wird – diese Zeit kommt und der Sommer ist dann noch nicht zu Ende.

Ich wünsche Ihnen alles Gute. Bliibed gsund!

Barbara Eberle, Teamleitung Rettungsdienst der Asana Spital Menziken AG

Aus dem Alltag einer kleinen Familie

Ich lebe mit meinem Lebenspartner und meiner kleinen Tochter in einem Naturparadies ganz in der Nähe der Reuss. Ich bin Primarlehrerin und arbeite Teilzeit, mein Partner ist bei der Polizei angestellt und unser kleiner Sonnenschein darf normalerweise einmal in der Woche in die Spielgruppe.

Leider darf unsere Kleine seit zwei Wochen nicht mehr in ihre geliebte Spielgruppe gehen. Es ist toll, dass die Spielgruppenleiterinnen trotzdem mit uns in Kontakt bleiben, WhatsApp sei Dank, und sogar Bastelmaterial mit Anleitung nach Hause geschickt haben. Das Osterbasteln haben wir nun schon erledigt.

Ansonsten behalten wir den normalen Tagesrhythmus wenn immer möglich bei: aufstehen und Schoppen trinken, anziehen, «Zmorge» essen, spielen/vorlesen/austoben, Mittagessen kochen, Mittagsschlaf, spielen/vorlesen/austoben im Garten/basteln/malen/kneten, Znacht essen und dann geht es schon bald wieder ins Bett. Es ist schon komisch, wenn man das Tagesprogramm so gestaltet, dass alles zu Hause stattfinden kann. Ich freue mich jetzt schon auf den Tag, an dem wir den Alltag zu Hause wieder mit Ausflügen (Zoo, Hallenbad, Gspändli treffen etc.) aufpeppen dürfen. 

Meine Anstellung als Lehrerin bringt momentan ganz viele Neuerungen mit sich. Ich arbeite in der Stadt Zürich an zwei verschiedenen 5. Klassen. Der direkte Kontakt und das Unterrichten fehlen mir. Der Fernunterricht wird mit Wochenarbeitsplänen gestaltet. Es gibt einen obligatorischen Teil in den Hauptfächern (Mathe, Deutsch, Englisch und Französisch). Zudem stellen wir eine Vielfalt von lustvollen Aufgaben zur Verfügung, aus denen die Kinder auswählen dürfen. Glücklicherweise erhalten alle Kinder ab der 5. Klasse in der Stadt ein Tablet zur Verfügung gestellt. Dies erleichtert sicherlich das Lernen auf Distanz. Zudem arbeiten wir mit der Plattform www.schabi.ch (Schule am Bildschirm). 

Wenn immer möglich arbeite auch ich im Homeoffice, ab und zu muss ich aber kurz ins Schulhaus fahren, um Material zu holen, welches noch nicht digitalisiert ist. Kontakt zu den Schüler/innen habe ich noch per Telefon oder Mail, sie dürfen sich bei Fragen oder Problemen so an mich wenden.

Damit ich an einem Tag in der Woche in Ruhe arbeiten kann, können wir zum Glück familienintern die Betreuung unserer Tochter gewährleisten. Ansonsten nutze ich den Mittagsschlaf der Kleinen oder die Abendstunden wenn sie schon im Bett ist, um meine Mails zu lesen und zu arbeiten.

Da ich noch ein Pferd besitze, ist dies eine kleine Insel in dieser Zeit, in der man wenn immer möglich zu Hause bleiben sollte. Das Pferd steht bei meinen Eltern auf einem alten Bauernhof, wir versorgen die Tiere selber. Deshalb darf/muss ich noch 1x am Tag dorthin fahren, um mein Pferd zu versorgen. Das beinhaltet die Fütterung sowie das ausreichende Bewegen des Pferdes. Das muss nämlich trotz Coronakrise noch gewährleistet werden und es gelten natürlich auch die Regeln des BAG. 

Ich merke, dass mein Alltag ganz schön entschleunigt wurde und geniesse dies auch. Er bringt aber auch neue Herausforderungen mit sich, welche ich mit möglichst viel Gelassenheit angehe und mich überraschen lasse, was alles noch kommen wird…

Yvonne Job, Rottenschwil

Sehen wir es positiv!

In diesen aussergewöhnlichen Zeiten gibt es sogar in der Schweiz für einmal wirklich gute Gründe, um zu jammern. Und wir Bauern sind ja bekannt dafür, über vieles zu jammern – nicht nur in Krisenzeiten. Auch ich könnte nun über viel Nebensächliches wehklagen, wie z.B. die Taufe unseres Sohnes, die wegen der Ausnahmesituation abgesagt werden musste. Oder ich könnte den wirtschaftlichen Schaden für unseren Betrieb überschlagen. Aber eigentlich will ich gar nicht jammern. Nein, ich will ganz bewusst das Positive beleuchten.

Seit dem Ausbruch der Krise, so scheint es mir, leben wir in der Schweiz viel bewusster. Konsum- und Konkurrenzdenken sind von Solidarität und einem Gemeinschaftsgefühl im Sinne von «wir schaffen das» in den Hintergrund gedrängt worden. Ich hätte z.B. nie gedacht, dass sich unsere egozentrische Gesellschaft darauf einlassen würde, auf Konsum zu verzichten, um unsere älteren Mitbürger zu schützen. Uns als Menschen, als Gemeinschaft und auch als Nation tut das sehr gut. Überwältigend ist darum auch die schnell angelaufene Nachbarschaftshilfe und die vielen Freiwilligen, die nun in verschiedenen Branchen aushelfen.

Ich persönlich darf mich darüber freuen, dass meine Arbeit (die Produktion von Nahrungsmitteln) nun wieder geschätzt wird und dass viele Konsumenten bei unseren Produkten nicht mehr nur den Preis, sondern auch den Wert erkennen. Natürlich hoffe ich, dass dies möglichst auch nach Beendigung der Krise anhalten wird. Denn volle Regale in den Läden sind keine Selbstverständlichkeit, auch in Zukunft nicht.

Meine Tätigkeit als Grossrat ist seit Beginn der Krise gänzlich zum Erliegen gekommen. Lediglich als Mitglied der Finanzkommission habe ich online nun regelmässige Sitzungen, an welchen derzeit vor allem die Stossrichtungen des kantonalen Hilfspakets für die krisengeplagten Unternehmen diskutiert werden. 

Dank den vielen abgesagten Terminen und Sitzungen haben wir in unserem Betrieb neben der täglichen Arbeit nun viel Zeit, um strategische Entscheide zu fällen und um langfristige Projekte weiterzuentwickeln. Privat haben Sarah und ich viel mehr Zeit für Gespräche unter vier Augen. Ich bin regelmässiger als auch schon beim Kochen anzutreffen, was mich sehr freut. Vor allem aber darf ich mich nun jeden Tag und Abend an den Fortschritten und am Lachen unseres elf Monate alten Sohns Felix erfreuen. Als zusätzlichen Zeitvertreib habe ich damit begonnen, mit meinen ehemaligen Gastfamilien, Freunden und Bekannten aus meinem Austauschjahr in Australien zu telefonieren. Mit einigen hatte ich zwischenzeitlich den Kontakt verloren. Nach 18 Jahren ergeben sich so manchmal ganz unerwartete, aber immer herzliche Telefonate. 

Sie zeigen mir, dass sich Menschen auf der ganzen Welt vor dem Virus fürchten. Andererseits bestärken mich diese Telefonate und die vielen Gespräche mit meinem Umfeld hier in der Schweiz in meiner Meinung, dass wir gemeinsam und gestärkt aus dieser Krise hervor gehen werden. Für die Zwischenzeit und darüber hinaus wünsche ich allen GUTE GESUNDHEIT!

Christoph Hagenbuch, Grossrat, Oberlunkhofen

Erfahrungsbericht aus unserer Bäckerei

Zuerst einmal: Wir können und dürfen glücklicherweise noch arbeiten – wenn auch reduziert und mit einigen organisatorischen Anpassungen. Doch wir wissen, wir schaffen das!

Seit zwei Wochen haben wir den «Lockdown» in der Schweiz während dieser Corona-Krise. Wir konnten uns vor einem Monat nicht vorstellen, was auf uns zukommen könnte und was solche Veränderungen für uns als ländliche Bäckerei bedeuten – doch wir können heute sagen, dass wir jeden Tag versuchen, das Unmögliche möglich zu machen: Alle Vorschriften einzuhalten, so dass der Betrieb und die Versorgung sichergestellt werden  und wir alle Arbeitsplätze erhalten können.

Die BAG-Massnahmen sind auch für uns gravierend und wir haben sie wie angeordnet umgesetzt: Wir arbeiten jetzt in der Backstube noch mehr im Schichtbetrieb, so dass die Abstands- und Hygienemassnahmen gut eingehalten werden können. Die Arbeitsstunden des Produktionspersonals haben sich reduziert auf durchschnittlich ungefähr fünf Stunden pro Arbeitstag. Es ist natürlich sehr gewöhnungsbedürftig, fast jeden Tag mit einem reduzierten Pensum zu arbeiten.

Wir verkaufen viel mehr Grossbrote anstelle von Semmeli, Weggli und Buttergipfeli, usw. Ebenfalls erhalten wir fast keine speziellen Bestellungen mehr, da ja auch keine Anlässe im privaten Rahmen über fünf Personen stattfinden sollten. Zudem sind bei uns alle Lieferungen für Restaurants weggefallen und auch eine Znünibustour wurde abgesagt, aus Sicherheitsgründen des jeweiligen Arbeitgebers oder da viele Arbeitnehmer im Home Office arbeiten..

In unseren drei Verkaufsgeschäften (Hauptgeschäft Unterlunkhofen, Filiale Mutschellen und Kafi Stutz Widen) haben wir diese BAG-Massnahmen ebenfalls umgesetzt und wir können auf eine sehr verständnisvolle und treue Kundschaft zählen, die auch gerne ein paar Minuten draussen vor dem Laden wartet, weil nicht mehr als zwei Kunden eintreten dürfen. Was uns in den letzten Wochen aufgefallen ist, ist dass wir auch «fremde Gesichter» in unseren Ladengeschäften sehen: Personen, die uns jetzt als kleineren Laden den grösseren Detaillisten vorziehen und auch solche, die vermehrt zu Hause arbeiten müssen und somit auch unter der Woche den dorfeigenen oder nahen Bäcker berücksichtigen. Vermehrt stellen wir auch fest, dass man sich – da man ja eigentlich nirgends hingehen sollte – etwas Süsses leistet daheim für das Gemüt, sei es ein Tortenstück, ein Pâtisserie oder eine andere Köstlichkeit. Das hören wir auch ab und zu im Laden von unserer Kundschaft und es zaubert uns allen ein Lächeln aufs Gesicht. Es freut uns, dass wir mit unseren Sachen den Kunden eine Freude bereiten können.

Den Gastrobereich unseres Kafi Stutz Widen mussten wir gemäss Bundesratsbeschluss schliessen; wir haben jedoch den Vorteil, dass die Verkaufstheke noch offen sein darf und auch wenn wir einen nicht zu unterschätzenden Umsatzverlust hinnehmen müssen, sind wir froh, eine Tagesstruktur zu haben und den Betrieb so aufrechterhalten zu können.

Seit dieser Woche haben wir ebenfalls einen Hauslieferdienst lanciert, der in den umliegenden Dörfern Bestellungen ausliefert. Unsere – vor allem ältere – Kundschaft schätzt diesen Lieferdienst sehr und wir freuen uns, in dieser schwierigen Zeit Solidarität gegenüber den Menschen zu zeigen, die geschützt werden müssen.

Wie schon erwähnt, haben auch wir grössere Umsatzeinbussen und wir mussten für ein paar Angestellte im Kafi Kurzarbeit anmelden. Doch sind wir grundsätzlich zufrieden, da wir wissen, dass unsere Brote und Kleinbrote sowie die anderen gluschtigen Angebote als Grundnahrungsmittel benötigt und geschätzt werden und wir vor allem auch das Ziel haben, unsere Arbeitsplätze zu erhalten und weiterhin als Familienbetrieb in dieser Krise einen wertvollen Beitrag zur Sicherstellung der Grundversorgung in der Region leisten zu können.

Manchmal erscheint uns die heutige Situation wie eine «Fata Morgana», doch wir sind überzeugt, dass wir alle gestärkt aus dieser Krise hervorgehen werden und wissen auch, dass wir es zusammen schaffen werden. Wir sind zudem dankbar, dass der Bund in dieser schwierigen Zeit dem angeschlagenen Gewerbe schnell und unbürokratisch mit ausserordentlichen Massnahmen hilft – denn wir kennen einige Unternehmen, die momentan den Betrieb ganz einstellen oder ganz massive Umsatzverluste hinnehmen mussten und das, glauben Sie mir, das tut auch meiner Unternehmerseele weh. 

Ihr Dorfbäcker

Urs Stutz & Team, Bäckerei-Konditorei Stutz GmbH

So schnell ändert sich der Alltag…

Wir sind eine lebhafte Familie mit drei Söhnen im Alter von sieben bis elf Jahren. Unser Alltag war eingespielt. Der Terminplan bestimmt durch Schule und Hobbys unserer Kinder.

Was für uns alle bisher unvorstellbar war, traf plötzlich ein. Das Leben steht still und die Schule fällt aus. Damit alle Hobbys, das Treffen von Freunden, ja eigentlich das ganze Freizeitprogramm kommt zum Stillstand. So änderte sich für unsere Familie der Alltag komplett – von einem Tag auf den anderen.

Es war uns Eltern wichtig, für die Kinder möglichst schnell eine neue, fixe Tagesstruktur zu schaffen. Einfach so in den Tag hineinleben, würde uns alle auf Dauer unzufrieden machen. Im neuen Corona-Alltag gibt es weiterhin fixe Zeiten für Schule, für Ausflüge in die Natur, zum Spielen im Garten, für die digitalen Medien, usw. Ich habe mir vorgenommen, dass meine eigene neue Zeiteinheit «der Tag» ist, einer nach dem anderen.

Nicht immer ist es für mich als Mutter einfach, alles unter einen Hut zu bringen. Nun bin ich zusätzlich Lehrperson und für die Beschäftigung der Kinder zuständig. Die kinderfreie Zeit während der bisherigen Schulzeit entfällt. Was ich «früher» während der Schulzeit der Kinder erledigen konnte, wird nun nebenbei gemacht oder auch einfach einmal liegen gelassen. Die Zeit der Ruhe ist rar. Zudem gibt es Streitereien und Konflikte, wenn man rund um die Uhr auf engem Raum ist. So vermissen die Kinder wohl die elternfreie Zeit in der Schule, bei den Hobbys oder mit Kollegen. Mir fehlen die ruhigen Momente sowie die Kontakte mit Freunden. Es braucht von beiden Seiten mehr gegenseitiges Verständnis und die Fähigkeit, einfach einmal etwas gut sein zu lassen. Langweilig wird es bei uns nicht, da ja immer Kinder zum Spielen da sind. Zudem haben wir Eltern auch mehr Zeit, um uns mit den Kindern zu beschäftigen, da auch unsere externen Verpflichtungen wegfallen. Es ist also auch in der Isolation immer etwas los.

Die Einschränkungen sind einschneidend, aber die geschenkte Zeit ist auch eine tolle Erfahrung, das Alltägliche und das Familienleben stehen im Vordergrund.  So ist es schön, alles einfach alles etwas ruhiger zu nehmen, festzustellen, dass das Leben auch mit viel weniger Konsum und Freizeitmöglichkeiten lebenswert ist, dass man die einfachen Ausflüge in die Natur wieder mehr schätzt und dass die Menschen wieder mehr an ihre Mitmenschen denken. Schön, wie viele liebe Worte und Nachfragen ich bisher erhalten habe.

Was mir in dieser isolierten Zeit fehlt, sind die nahen Kontakte zu lieben Menschen. Eine herzliche Umarmung, gesellige Gespräche und fröhliches Beisammensein. Diese wertvollen Zusammentreffen werde ich nach der Corona-Zeit wieder geniessen und zu schätzen wissen. Unsere Kinder freuen sich auf das Meer, spannende Ausflüge, shoppen,Kino oder einfach wieder darauf, eine Pizza essen zu gehen. Ebenso werden sie die Schule mit ihren Kollegen wieder schätzen. Bis dahin geniesst unsere Familie das Frühlingserwachen und Krafttanken im Jonental.

Wir wünschen allen Menschen eine gute Gesundheit, viele Lichtblicke im eingeschränkten Alltag und liebe Worte in der Einsamkeit.

Simone Affolter, Oberlunkhofen

Frühlingserwachen mal anders…

Der Frühling ist so oder so eine eigene wunderschöne Zeit. Ich freue mich auf die wärmeren Temperaturen, auf die länger werdenden Tage, auf das Blühen der Bäume, Sträucher und Blumen und so vieles mehr… alles erwacht. 

Weder die Natur noch wir hatten die so wichtige Winterpause – aber wir haben etwas unerwartet Unbekanntes: die Teil-Isolation. Ob es uns gefällt oder nicht, es ist einfach so. 

Dies macht das Arbeiten auf den Baustellen schwieriger, aber nicht unmöglich. Die Selbstkompetenz und Verantwortung von jedem einzelnen ist gefragt. Wir können unsere Leute nur dazu anhalten, die Auflagen zu befolgen. Denn niemand will nicht mehr arbeiten können. Wir verteilen Desinfektionsmittel, da nicht auf jeder Baustelle Händewaschen immer möglich ist.

Die Zeit, wo die Natur sich in ihrer ganzen Pracht und Fülle zu zeigen beginnt und wir sie bewundern und bestaunen dürfen, beginnt. Trotz allem, was bei uns Menschen gerade läuft, erwacht sie wieder aufs Neue, ein wahres Wunder.

Wenn man es recht betrachtet, ist bei uns jetzt gerade Herbst/Winter, wir ziehen uns zurück, kehren ein, sortieren uns neu. Wann haben wir das letzte Mal so etwas gemacht? Vielleicht einmal einen Brief schreiben oder ein langes Telefonat mit jemandem führen, den wir nun nicht zum Kaffee treffen können. Nein, es ist nicht nur einfach. Eine neue Situation völlig unverhofft. Aber es schafft auch Raum für Begegnungen, nicht physisch, die man sonst vielleicht nie hätte. Ich denke an Menschen, die mich begleitet haben, nun jedoch nicht mehr sind, aber auch an so viele, die mich begleiten und für die ich jetzt gerne da bin.

Der Alltag bei mir hat sich im wahrsten Sinne verlangsamt, fast keine Termine mehr, die ich einhalten will oder muss, dafür zu Hause weniger Ruhe, da die Kinder nun alle zuhause sind und die Schule daheim stattfindet. Ich bin erstaunt über die Selbstverständlichkeit, wie das alles läuft.

Wir müssen einander wieder mit mehr Respekt begegnen. Ich ärgere mich über Menschen, die die Regale leerräumen und wahrscheinlich keinen Gedanken an andere aufbringen. Wie auch all jene, die immer noch nicht begriffen haben, dass die Distanz wahren nicht einfach so eine lustige Idee ist, sondern alle schützen soll. Diese Zeit geht vorbei und auch mir fehlen die persönlichen Kontakte, aber je strikter sich jeder an die Verordnungen hält, desto früher können wir wieder in unseren Frühling starten.

Ich kann nur versuchen, das Positivste und Beste aus der ganzen Situation zu machen. Meine sportlichen Jungs jeden Tag aufs Neue zu motivieren, dran zu bleiben, auch wenn jetzt gerade keine Trainings und Turniere sind. Damit nicht alles Aufgebaute verschwindet. Das Einbeziehen in den Haushalt klappt auch dank meinem Corona-Ämtli-Plan ganz gut. Ich hätte mir nie eine solche Situation gewünscht, aber ich finde sie auch toll. Daraus das Beste zu machen, positiv in die Zukunft zu schauen und die Kinder zu stärken, das sind nun meine Aufgaben und sie machen auch Spass. Sonst hat man seine Kinder nie so viel zu Hause. Einfach auch mal eine super schöne Erfahrung, die ich auch sehr geniesse.

Allen viel Kraft, Energie, Durchhaltevermögen und vor allem viel Gesundheit.

Text: Claudia Lüscher, Lüscher Baumschulen, Arni
Fotos: Urs Lüscher, Lüscher Baumschulen, Arni

Tagebuch eines anderen Lebens

Seit gut drei Wochen bin ich nun zu Hause, darf oder muss im Moment nicht auswärts arbeiten.

Mein Ehemann, bereits pensioniert, aber normalerweise auch noch recht oft irgendwo auf der Piste, muss als Risikofaktor ü/65 auch das Haus hüten. Noch nicht genug an Herausforderungen, die erwachsenen Töchter, die den oberen Stock des Hauses bewohnen und die wir normalerweise selten zu Gesicht bekommen, sind seeehhr oft zu Hause. Eine der beiden sogar zurzeit im Home-Office.

Unser Daheim ist nicht so riesig, als dass wir nicht öfters die Wege kreuzen. Jetzt sind wir gezwungen, Rücksicht zu nehmen und die Flügel einzuziehen… Irgendwie gar nicht so einfach, wenn man gewöhnt ist, sein eigenes Ding durchzuziehen. 

Meine Agenda war immer vollgepackt, kaum ein Tag ohne Termine, immer hopp hopp, nur nicht zu Hause sitzen und einfach nur sein. 

Von all diesen immer wieder aufgeschobenen Pendenzen wie Räumen und sich Trennen von Überflüssigem, Putzen und zwar so richtig, wie ich es von meiner Mutter her kenne, alle Kästen ausräumen, Tablare usw. waschen, hat mich leider noch nichts motiviert. Manchmal schäme ich mich «es bitzeli», aber vielleicht ist jetzt eben auch der Zeitpunkt da, um etwas zu «blöterlen». Einfach auf dem Gartenstuhl sitzen und den Vögeln zuschauen oder wie gestern etwa eine halbe Stunde einen so richtig fetten Regenwurm beobachten, wie er aus der Erde auftauchte und irgendwann an anderer Stelle wieder verschwand. Unglaublich!

Mein Mann hat seine Gitarre aus dem Keller geholt und versucht wieder seine Akkorde zu üben. Aber auch dies muss gut geplant sein, denn während dem Home-Office der Tochter wird diese «Überei» nicht toleriert. Auch lautes Fernsehen oder Radio hören (logischerweise hat jeder von der Familie einen anderen Musikgeschmack) kann zu Diskussionen führen. Ich merke nun aber Tag für Tag, wie sich das Zusammensein verändert und zwar zum Positiven. Wir sind auf sehr gutem Weg zu spüren, dass wir diese grosse Krise nur gemeinsam ohne Schaden zu nehmen durchstehen können.

Der Umgang ist achtsamer geworden, jeder von uns hört irgendwie besser hin und versucht Kompromisse einzugehen. Ich hatte immer allergrössten Respekt vor dem Tag, an dem ich auch pensioniert sein werde. Gezwungenermassen durften wir jetzt bereits mit Üben beginnen – und wie schön, es scheint ohne Eskalation zu gelingen. Trotzdem gebe ich zu, ich freue mich schon «schüli», wenn ich wieder an meinen geliebten Arbeitsplatz zurückkehren kann.

Wenn diese aufgezwungene Lebensveränderung eine nicht so traurige und schreckliche Ursache mit verheerenden Folgen hätte, würde ich mich sogar dafür bedanken – aber eben, würde.

Ich hoffe für die ganze Welt, dass wir gemeinsam dem Virus bald den Garaus machen können.

Anonym (Identität bekannt)

Corona – oder «was brauchen wir eigentlich zum Glücklichsein?»

Wir sind eine bald vierzehnbeinige Familie aus Jonen. Neben meinem Mann und mir sind das zwei Kinder (vier und eins), ein Bauchzwergchen, welches uns wohl im Juni bereichern wird, und ein Familienhund. Wir sind eine sehr aktive Familie, viel unterwegs und selten herrscht hier Langeweile. Nicht nur die Kinder fordern dies ein, es ist auch ein grosses Mamabedürfnis. Aber wie vereinbaren wir dies zurzeit? Jetzt, wo man nicht mal einfach kurz in einen Tierpark oder in ein Schwimmbad kann. Wo Freunde treffen aussermedial nicht möglich ist und auch sonst das Leben sehr auf die eigenen vier Wände beschränkt scheint.

Zum guten Glück heisst «social distancing» nicht «nature distancing». Zum Glück scheint das Leben nur beschränkt. Bietet es uns vielleicht nicht gerade jetzt sogar noch mehr als sonst?

Wann haben Sie zum letzten Mal in den Himmel geschaut ohne Flugzeuge dazwischen im Fünfminutentakt?

Haben Sie schon bemerkt, wie wunderbar weich man auf dem nadeligen Waldboden sitzen kann und wie herrlich es nach Tanne duftet?

Oder wussten Sie schon, welche Tiere man sehen kann, wenn man ein bisschen an der Baumrinde herumkratzt?

Haben Ihre Kinder schon mal Home Schooling im Wald gemacht? Mit Kreide Buchstaben auf Bäume gemalt? Aufgaben auf einer Picknickdecke auf einem Feld gelöst?

Ja – mittlerweile sind unsere Kinder gut ausgewildert und würden jedes RTL Dschungelcamp problemlos bestehen. Dank den mit Corona verbundenen Massnahmen entdecken wir die wunderschönsten Wälder, Wiesen und Flussplätze in unserer Umgebung. Das Gute liegt manchmal so nahe… Der Alltag lässt uns so manches Wunder übersehen.

Mein Tipp an alle Eltern: Raus, bevor es die Kinder durch ihr Verhalten einfordern (wer die Autorin Nicola Schmidt kennt, weiss bereits was ich meine). Das heisst alle warm einpacken, bevor die Elternnerven drinnen durch Geschrei, Gezanke oder andere Elternnervenfresserlis aufgebraucht werden, manchmal halt auch schon früh am Tag. Das braucht je nach Witterung oft etwas Überwindung. Und ja, auch ich verpasse in regelmässigen Abständen den Zeitpunkt vor der Eskalation zuhause. Aber es lohnt sich. Das Leben draussen mit Kindern ist einfach einfach. Und dies besonders in Zeiten wie diesen, wo sich auch in unseren Köpfen und Herzen alles ein bisschen ordnen und neu finden muss. Es tut auch uns Grossen gut, wenn wir im tiefen Wald angekommen sind und uns wieder neu wurzeln. Oder einfach nur den über die Felder ziehenden Wind beobachten und dabei unsere Gedanken ein bisschen schweifen lassen können.

Der Frühling blüht, das Virus lässt uns entschleunigen. Wir können dies nutzen, um wieder viel achtsamer zu sein, zu uns selbst, zu unserer Natur. Wir merken, was wir zurzeit fest vermissen und geben dem hoffentlich eine noch höhere Wertschätzung als bisher. Wir müssen und dürfen uns mit uns selbst und unseren Aufgaben und Rollen befassen. Herausforderungen lassen uns auch immer wachsen und sind riesige Chancen.

Sehen wir es als Geschenk und nehmen etwas von dieser Ruhe mit in unser Lebensschiffchen für die weitere Reise nach dem Corona-Sturm.

Caroline Müri, Jonen

Spitex Kelleramt – Lächeln hinter der Schutzmaske

Ich bin eine Mami von zwei kleinen Buben und arbeite bei der Spitex. Ich bin sehr gern Mami und gehe auch sehr gern arbeiten, da mir der Austausch mit unterschiedlichen Menschen verschiedenster Altersgruppen sehr gefällt.

Meine Arbeit hat sich seit dem Aufkommen des Coronavirus sehr verändert. In unserem Team kümmern wir uns gemeinsam um viele Klienten. Früher habe ich mir die Hände desinfiziert, bevor ich sie besuchte, und habe mit meiner Arbeit bei ihnen begonnen. Ganz unbeschwert und ohne grosse Gedanken.

Doch dann kam der Virus. 

Zuerst hiess es nur, man solle sich bei der Begrüssung nicht mehr die Hand geben und zwei Meter Abstand halten. Das fiel mir nicht schwer; aber es war schwierig, die Klienten, welche ich zum Teil schon seit Jahren kenne, nicht mehr persönlich zu begrüssen. Aber mit einem zusätzlichen Lächeln ging es doch recht gut.

Leider konnte ich das Lächeln nicht sehr lange schenken, denn schon bald hiess es, dass wir als Pflegepersonal einen Mundschutz tragen müssen. Somit konnte ich mein lächelndes Gesicht nicht mehr zeigen. Ich sagte jeweils zur Aufmunterung, dass meine Schönheitsoperation schief ging und ich nun deshalb den Mundschutz trage. Natürlich sage ich nicht, dass mir unheimlich heiss ist, wenn ich meinen Klienten helfe beim Duschen und mir ständig die Nase kribbelt, aber ich mein Gesicht nicht berühren darf. Seit ein paar Tagen tragen wir nun auch noch eine Schutzbrille, zum Glück ist diese durchsichtig. Ich werde oft gefragt: «Was kommt denn als Nächstes? Ein Schutzanzug?» Ich hoffe es nicht.

Ein weiteres grosses Thema neben der Unsicherheit ist die Einsamkeit. Viele Klienten sind über 65 Jahre und/oder sehr krank. Momentan verlassen sie das Haus nicht mehr oder nur noch für einen Gang zum Arzt. Die meisten von ihnen haben Angehörige oder Nachbarn, die ihnen Wege und Einkäufe erledigen können oder mit denen sie telefonieren können. Aber eben nicht alle. Ich nehme mir viel Zeit, mit ihnen über ihre Sorgen und Ängste zu reden. Ich frage, ob ich etwas einkaufen kann und nehme den Abfall mit runter. Diese Kleinigkeiten bereiten mir Freude und ich sehe, dass ich damit einen grossen Beitrag zum besseren Gefühl meiner Klienten leisten kann. Oft bin ich ihr einziger persönlicher Kontakt. Sie freuen sich richtig, wenn es klingelt und ich werde sehr herzlich begrüsst. Noch vor ein paar Wochen war unser Gesprächsthema das Wetter, die Enkel, die Feiertage oder Anekdoten von früher. Heute werde ich gefragt: «Gibt es Erkrankte bei euren Mitarbeitern oder hier in der Umgebung? Wann wird das mit dem Virus vorbei sein? Darf ich eigentlich noch auf den Balkon?» Ich werde auch gefragt, ob ICH Angst habe, angesteckt zu werden und wie es meinen Kindern und Mann geht. Natürlich habe auch ich diese Bedenken. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich die Krankheit gut überstehen würde bzw. durch Einhalten aller Schutzmassnahmen eigentlich gar nicht einfangen werde. Aber was wäre, wenn doch und ich es nicht mitbekomme und jemanden dadurch anstecke? Das macht mir eher Angst. Einmal sagte mir eine Klientin, dass sie an meiner Stelle zu Hause bei den Kindern bleiben würde und sie die Kinder nicht in die Krippe geben würde. Ich erwiderte nur: «Wer soll dann zu Ihnen kommen und Sie pflegen?» 

Manuela Brachs, Diplomierte Pflegefachfrau HF, Spitex Kelleramt, Jonen